Humpis-Quartier

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Das Humpis-Quartier ist ein aus insgesamt sieben Gebäuden bestehendes spätmittelalterliches Wohnquartier in Ravensburg, das seit 2009 als Stadtmuseum genutzt wird.

Haus Marktstraße 45
Häuser Marktstraße 47 und 49
Häuser in der Roßbachstraße

Geschichte des Quartiers[Bearbeiten]

Im Innenhof des Humpis-Quartiers wurden bei archäologischen Ausgrabungen Reste des steinernen Sockels eines Fachwerkgebäudes aus der Zeit um 1050 gefunden. Auf dem Areal findet sich hiermit der älteste Baubestand Ravensburg. Das heutige Humpis-Quartier besteht aus sieben um einen Innenhof gruppierte Gebäuden zwischen Marktstraße, Humpisstraße und Rossbachstraße. Die Ursprünge der sich in den Gebäuden Marktstraße 45 und Humpisstraße 1 befindenden mehrgeschossigen hochmittelalterlichen Turmhäuser mit mächtigem Mauerwerk reichen bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurück. Die Bausubstanz des Quartiers datiert aus der Zeit ab 1380. Im 15. Jahrhundert fanden grundlegende Umbaumaßnahmen und Erweiterungen statt. Aus der Zeit von 1435 bis 1508 sind im Inneren noch heute zahlreiche gotische Räume erhalten. Herzstück bildet das 1435 errichtete Gebäude Marktstraße 45 mit schmuckerker Fassade.

Seine Gebäudegestaltung verdankt das Quartier der einflussreichen Familie Humpis, die es bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts bewohnte. Neben Humpis waren vom 15. bis zum 17. Jahrhundert auch die mit den Humpis verschwägerten Herren von Neidegg und anschließend die Familie Reichlin von Meldegg sowie die Herren von Burgau Bewohner des Quartiers. Nach einem Eigentümerwechsel im 17. Jahrhundert wurden die Gebäude als Gerberei, Hutmacherwerkstatt und Schankwirtschaft weitergenutzt. Das Nebenzimmer der späteren Humpisstube, der so genannte Grüne Saal im 1. Stock des Gebäudes Marktstraße 47, diente mehreren Ravensburger Vereinen als Tagungslokal.[1][2] Trotz zahlreicher Erweiterungen blieb die mittelalterliche Bausubstanz zu einem großen Teil erhalten.[3] Unter der Bezeichnung Humpishaus fand das Gebäude Marktstraße 45, dessen Fassade noch heute mit dem Wappen der Familie Humpis geschmückt ist, bereits in einem der ersten Stadtführer Ravensburgs aus dem Jahr 1866 Beachtung.[4]

Quartier wird zum städtischen Museum[Bearbeiten]

1991 kam es zur Gründung der Museumsgesellschaft Ravensburg e.V., die sich zum Ziel gesetzt hatte, die in den 1980er Jahren geborene Idee zur Einrichtung eines städtischen Museums im Humpis-Quartier zu fördern. 2000 erwarb der Verein das Gebäude Haus Humpisstraße 5, sanierte es bis 2004 und machte es der Öffentlichkeit zugänglich.[5][1] 2001 stimmte auch der Gemeinderat für die Einrichtung eines Museum für städtische Geschichte und Kultur im Humpis-Quartier. Dem waren mehrjährige denkmalpflegerische und bautechnische Untersuchungen vorausgegangen und folgten weitere Planungen. Der Beschluss für die Realisierung des Museums Humpis-Quartier in zwei Bauabschnitten bis 2011 folgte im Januar 2005.[1] Das 60 Räume umfassende Museum eröffnete im Juli 2009 gemeinsam mit einem großen zweitägigen Mittelalterfest.[6][7] Weitere Räume kamen ab dem 19. November 2011 hinzu.[8] Die übrigen sechs Räume sollen sukzessive ab Frühjahr 2013 folgen.[1]

Städtisches Museum[Bearbeiten]

In den Räumen des Museums wird die städtische Kulturgeschichte Ravensburgs bis zurück ins 11. Jahrhundert präsentiert. Die Dauerausstellung Ravensburger Lebenswelten setzt sich aus vier Abteilungen zusammen, die jeweils die Geschichte eines Bewohners des Quartiers als Ankerpunkt haben: für das Welfische Ravensburg um 1100 ein Lederhandwerker, für die patrizische Lebenswelt rund um 1479 der Bürgermeister und Kaufmann Hans Humpis, für das paritätische Ravensburg um 1789 der Gerber Johannes Wucherers sowie für die Epoche der Industrialisierung um das Jahr 1842 der Gastwirt Gottfried Rösch.[7] Zu sehen sind die Ausstellungen an Originalschauplätzen wie beispielsweise im Kellergewölbe, in dem man originalen Mauerfundamenten eines Hauses aus der Zeit um 1050 begegnet. Neun Kammern mit Themen zur Regionalgeschichte werden erst nach und nach für die Besucher zugänglich.[6] Wechselausstellungen sowie Veranstaltungen im mit Glas überdachten Innenhof runden das Programm ab.

Das Museum Humpis-Quartier bildet gemeinsam mit dem Museum Ravensburger, dem Wirtschaftsmuseum Ravensburg und dem Kunstmuseum Ravensburg ein von 2009 bis 2013 neu entstandenes „Museumsviertel“ in der Ravensburger Altstadt.

Die Leitung des Museums hat Stadtarchivar Andreas Schmauder inne.

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d Geschichte Humpis-Quartier
  2. Humpis-Quartier – Wohnquartier mit langer Geschichte
  3. Als der Flipper Pinball hieß - Ein Museum in Ravensburgs Humpis-Quartier
  4. Das sogenannte Humpisquartier - Residenz des Henggi Humpis? - vonhumpis.de
  5. Museumsgesellschaft Ravensburg e.V.
  6. a b Pressebericht des Museum Humpis-Quartier "Museum Humpis-Quartier"
  7. a b Humpis-Quartier erwacht zu neuem Leben, chronico Geschichtsmagazin
  8. Pressebericht des Museum Humpis-Quartier "Die Schwabenkinder und Ravensburg im 19. Jh."

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Caesar: Bringen wir die Decke wieder hoch? – Rettung mit Erfindergeist. Die Bohlenstube der Fernhändlerfamilie Humpis, Marktstraße 45 in Ravensburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 38. Jg. 2009, Heft 3, S. 140–146 (PDF)
  • Volker Caesar, Herbert Eninger, Dörthe Jacobs: Im Kampf gegen Last, Brand und Erdbeben. Das Ravensburger Humpis-Quartier wird museumstauglich. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 39. Jg. 2010, Heft 1, S. 31–37 (PDF)
  • Frank Thomas Lang, Verena Helfert (Red.): Stadtleben in Ravensburg. Das Humpis-Quartier, seine Geschichte und Zukunft. Staatsanzeiger-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-929981-70-4
  • Cornelia Marinowitz: Das „Humpishaus” in Ravensburg und seine „gute Stube”. Konservierung einer spätmittelalterlichen Bohlenstube und Erhaltung von Nutzungsspuren aus fünf Jahrhunderten. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 33. Jg. 2004, Heft 1, S. 36–42 (PDF)
  • Cornelia Marinowitz: Edle Stuben schwarz gestrichen – Geschmacksverirrung, modisches Highlight oder einfach nur praktisch? Schwarz als Farbe zur Wohnraumgestaltung zwischen Spätmittelalter und Barock. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 41. Jg. 2012, Heft 1/, S. 22–27 (PDF)
  • Beate Schmid: Vom Grubenhaus zur Gerbergrube. Ausgrabungen im Ravensburger „Humpisquartier”. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 33. Jg. 2004, Heft 1, S. 58–59 (PDF)
  • Beate Schmid: Bau-Archäologie im Ravensburger Humpisquartier. Forschungsergebnisse zur Entwicklung eines städtischen Kleinquartiers. (= Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg; Heft 87). Theiss, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2347-7
  • Stefan Uhl: Das Humpisquartier in Ravensburg. Städtisches Wohnen des Spätmittelalters in Oberschwaben, dargestellt am Beispiel des Humpisquartiers und der Gebäude Marktstraße 16, Marktstraße 18 und Burgstraße 1 in Ravensburg. (= Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg; Bd. 8). Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1452-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Humpisquartier Ravensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.78059.6159Koordinaten: 47° 46′ 50″ N, 9° 36′ 57″ O