Hunsrück

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Mittelgebirge Hunsrück. Für weitere Bedeutungen siehe: Hunsrück (Begriffsklärung).
Hunsrück
Lage des Hunsrücks in Deutschland

Lage des Hunsrücks in Deutschland

Höchster Gipfel Erbeskopf (816,32 m ü. NHN)
Lage Rheinland-Pfalz, Saarland
Teil des Rheinischen Schiefergebirges
Koordinaten 50° 0′ N, 7° 30′ O507.5816.32Koordinaten: 50° 0′ N, 7° 30′ O
Typ Mittelgebirge
Gestein Quarzit, Schiefer u. a.
Fläche 2.607,2001 km²
f1

Der Hunsrück ist ein in Rheinland-Pfalz und zu geringen Teilen im Saarland liegendes Mittelgebirge mit dem Erbeskopf (816,32 m ü. NHN)[1] als höchste Erhebung. Als südwestlicher Teil des Rheinischen Schiefergebirges gehört es zu den älteren Gebirgen Deutschlands, deren Gesteine überwiegend aus dem Devon stammen und im Rahmen der variszischen Gebirgsbildung verfaltet wurden.

Geographie[Bearbeiten]

Lage des Hunsrücks in Rheinland-Pfalz und Saarland

Geographische Lage[Bearbeiten]

Den Kern des Hunsrücks bilden die Hunsrückhochfläche und die Simmerner Mulde. Im Nordwesten wird der Hunsrück von der Mosel und im Osten vom Rhein eingegrenzt. Der nordöstlichste Zipfel wird daher vom Deutschen Eck gebildet. Die Nahe am Rande des Binger Waldes, des Soonwaldes und des Lützelsoon grenzt nach Süden ab. Das Untere Naheland wird nicht zum Hunsrück gerechnet, sondern zum Oberrheinischen Tiefland. Der Idarwald, der Hochwald und der Wildenburger Kopf schließen nach Südwesten an. Hier ist das Obere Nahebergland dem Hunsrück vorgelagert. Osburger Hochwald, Schwarzwälder Hochwald sowie die Saar und die Ruwer begrenzen nach Westen. Die südliche Verlängerung bilden der Westrich und das Nordpfälzer Bergland.

Das Mittelgebirge ist rund 100 km lang (SW nach NO) und durchschnittlich 25 bis 30 km breit (NW nach SO). An den Rändern besteht eine stark zertalte Rumpffläche mit dem im Süden aufgesetzten, langgestreckten Rücken (Hochwald, Idarwald, Soonwald, Binger Wald).[2] Der Höhenzug, der an der Saar im Südwesten beginnt und sich mit Unterbrechungen bis zum Rhein erstreckt, gipfelt im Hochwald im Erbeskopf (816,32 m), dem höchsten Punkt des Hunsrücks und des linksrheinischen Rheinischen Schiefergebirges. Die Fortsetzung nach NO bildet der Idarwald, An den zwei Steinen (766,2 m) und im Idarkopf (745,7 m). Während den nordöstlichsten Teil der Soonwald, im Ellerspring (656,8 m), mit dem Lützelsoon in der Womrather Höhe (599,1 m) und dem Binger Wald mit dem Kandrich (638,6 m) bilden. Alle diese Höhenzüge zeigen sich als fast ununterbrochener Waldgürtel.[3]Rechtsrheinisch setzt sich die Kammlinie des Hunsrück im Taunushauptkamm fort.

Geomorphologisch bestehen sehr große Ähnlichkeiten zur Eifel, dem Taunus und dem Westerwald, die ebenfalls zum Rheinischen Schiefergebirge gezählt werden.

In west-östlicher Richtung von Saarburg nach Koblenz verläuft die Hunsrückhöhenstraße. Von West nach Ost durchzog einst eine römische Militärstraße, die so genannte Ausoniusstraße, das Mittelgebirge und verband Trier mit Bingen.

In vielen Grundschulen im Hunsrück lehrt man die Kinder die Grenzen des Hunsrücks mit folgendem Merkspruch: „Mosel, Nahe, Saar und Rhein schließen unsern Hunsrück ein.“

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten]

Naturräumlich stellt der Hunsrück die Haupteinheitengruppe 24 bzw. D42 dar. Siehe dazu die Liste der naturräumlichen Einheiten in Rheinland-Pfalz.

Geologie[Bearbeiten]

Blick vom Erbeskopf
Sulzbacher Kirche mit Stumm'scher Orgel
Kirchberg, die Stadt der Türme und älteste Stadt im Hunsrück
Blick von der Hunsrückhöhenstraße über den Goßberg zum Soonwald
Die Felsenkirche in Idar-Oberstein

Vor 400 Jahrmillionen war das heutige Mitteleuropa von einem tropischen Meer bedeckt. Auf dessen Boden lagerten sich im Lauf sehr langer Zeiten gewaltig dicke Schichten von eingespülten Sandmassen und Schlämmen ab, die von den umliegenden Landmassen in das Devonmeer erodiert wurden. Ihr Eigengewicht verfestigte sie zu Gesteinen: aus den Sanden wurden durch die sog. Diagenese Sandsteine (Sedimentgesteine), die durch Druck und Auflast weiter zu Quarzit (metamorphes Gestein) umgewandelt (metamorphisiert) wurden. Der eingespülte Schlamm bzw. Ton wandelte sich diagenetisch zu Tonstein (Sedimentgestein) und folglich durch Druck und Deformation (durch tektonische Prozesse) zu Schiefer (metamorphes Gestein) um. Interessant hierbei ist, dass die Sande vor Allem in den Randbereichen des Devonmeeres abgelagert wurden, da sie durch ihre gröbere Korngröße früher im Wasser zum Erliegen kamen, als feinere Tone, die weiter in der Schwebe blieben und sich daraufhin eher in den tieferen, ruhigeren Gebieten des Meeres ablagerten. Die Entstehung der Quarzite und Schiefer hängt stark mit der variszischen Orogenese zusammen, die im Devon begann, deren Hochphase jedoch erst im Karbon zu suchen ist. Nachdem kontinentale Hebungen das Meer zurückgedrängt und die so genannte „Hunsrückinsel“ des Devonzeitalters zu einem Gebirge aufgewölbt hatten, setzte die Verwitterung ein: Niederschläge, Frost und Hitze präparierten die harten Quarzite aus den weicheren Tonschiefern der umliegenden Hochflächen heraus. So entstand das gegenwärtige Relief mit den quarzitenen Höhenzügen von Schwarzwälder und Osburger Hochwald, Idarwald, Soonwald und Binger Wald. Als höchster Punkt dieses „geologischen Rückgrats“ der Hunsrücklandschaft dominiert der 816,32 m Erbeskopf und bildet zugleich die Wasserscheide zwischen Nahe und Mosel.

Vor allem Schiefer wurde im Hunsrück bis in die 1950er Jahre in großen Mengen abgebaut. Inzwischen ist Hunsrücker Schiefer jedoch aufgrund preislich günstigerer Importe nicht mehr konkurrenzfähig, so dass der Abbau weitgehend eingestellt wurde. Die Schiefergrube in Bundenbach wurde zum Schaubergwerk umgestaltet. Dort werden im Rahmen von Führungen auch die tradierten Techniken des Schieferbrechens und -bearbeitens vorgeführt; dies wird auch im Film Geschichten aus den Hunsrückdörfern von Edgar Reitz dargestellt.

Die gute Erhaltung von Fossilien in bestimmten Schiefervorkommen (z. B. in den Bundenbacher Schiefern) war schon den Geologen des 19. Jahrhunderts bekannt. Neben Seelilien, Trilobiten und Seesternen wurden etwa Asselspinnen wie Palaeoisopus problematicus, Palaeothea devonica oder Palaeopantopus maucheri gefunden. Dutzende Arten von Ammoniten wurden gefunden, aber auch viele Arten Krebse. Ein Beispiel ist der etwa 15 cm große Krebs der Art Nahecaris sturtzi, der heute (2012) im Naturhistorischen Museum in Mainz zu sehen ist.[4]

Zu Beginn des Jahres 2009 erlangte der Hunsrückschiefer durch den Fund eines Fossils vermehrte Bedeutung für die Paläontologie: Der um etwa 100 Millionen Jahre „verspätete“ Anomalocaride namens Schinderhannes bartelsi könnte ein „Onkel“ der Gliederfüßer (Arthropoden) gewesen sein. Des Weiteren wurden Marrella-artige Organismen gefunden.

Der Erzabbau im Hunsrück war wenig ergiebig, die letzten Erzbergwerke wurden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts geschlossen. In Fischbach wurde Kupfer abgebaut. Im Raum Idar-Oberstein wurden Schmucksteine wie Achate, Amethyst, Jaspis und Bergkristall gefördert.

Ein basaltischer Vulkanschlot, der einzige im Hunsrück nördlich des Soonwalds, wurde im Jahr 2005 durch Wolfgang Welker (ARRATA e. V.) in Mermuth entdeckt.[5]

Landschaften[Bearbeiten]

Die Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks lässt sich grob in unterschiedliche Landschaftstypen einteilen. Erstens die bewaldeten Höhenzüge wie der Soonwald, der Idarwald und der Hochwald. Zweitens die landwirtschaftlichen Nutzflächen unterhalb der Höhenrücken, hier prägt der Ackerbau das Landschaftsbild. Die teilweise tief eingeschnittenen Bachtäler werden extensiv als Wiese und Weide genutzt. Die Hänge der Bachläufe sind wie die oft steilen Hänge der Flusstäler von Rhein, Mosel, Nahe und Saar mit Niederwald bestockt, der forstwirtschaftlich kaum genutzt wird. Zu den größten Wasserläufen des Hunsrücks gehören der Simmerbach, der in den Kellenbach übergeht, der Hahnenbach, der Guldenbach, der Baybach, der Flaumbach, die Dhron und die Ruwer.

Bergwelt[Bearbeiten]

Der höchste Berg des Hunsrücks und zugleich in Rheinland-Pfalz ist der geomorphologisch zum Schwarzwälder Hochwald gehörende Erbeskopf mit 816,32 m ü. NN.[1]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Trotz einer teilweise intensiven landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Nutzung ist der Hunsrück eine Landschaft mit hoher Biodiversität, da viele Landschaftsteile durch ihre Beschaffenheit nur extensiv oder gar nicht bewirtschaftet werden können.

Flora[Bearbeiten]

Die Pflanzenwelt des Hunsrücks zeichnet sich durch Vielfalt und Eigenart aus, im Soonwald gibt es über 850 Farn- und Blütenpflanzensippen. Die traditionellen Forstmonokulturen weichen, vor allem durch Windwurfschäden, immer mehr artenreichen Mischwäldern.

Fauna[Bearbeiten]

Obwohl der Hunsrück nicht als Vogelschutzgebiet klassifiziert ist, gibt es eine Vielfalt an Vogelarten: Spechte, Raub- und Singvögel können jederzeit beobachtet werden. Sogar der seltene und scheue Schwarzstorch nistet in den Wäldern. Der Hunsrück ist reich an Säugetieren, Reh-, Rot- und Schwarzwild werden intensiv bejagt. Als größeres Raubwild treten nur vereinzelt Exemplare der Wildkatze oder gar des Luchses auf, Rotfuchs, Dachs und Marder sind hingegen häufig anzutreffen.

Das bekannteste Säugetier im Hunsrück ist inzwischen die Mopsfledermaus. Sie erlangte traurige Bekanntheit, als das Vorkommen dieser seltenen Fledermausart westlich des Flughafens Hahn den Ausbau der Startbahn erheblich verzögerte.[6]

In den zahlreichen Feuchtgebieten haben Amphibien wie der Feuersalamander sowie Insekten einen idealen Lebensraum, wohingegen in den Flächen mit Trockenrasen und Geröllhalden zahlreiche Reptilien wie die Blindschleiche und die Schlingnatter ihr Habitat gefunden haben. Die Kreuzotter kommt im Hunsrück nicht vor.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten]

Eine Besiedlung des Hunsrücks ist seit der Jungsteinzeit durch Funde nachgewiesen (z. B. Steinbeile). Ältere Funde, die eine Besiedlung oder Begehung der Hunsrück-Hochfläche während der Altsteinzeit belegen, sind selten. Ausnahmen bilden vor allem mittelpaläolithische (circa 200.000 bis 40.000 Jahre v. Chr.) Lesefunde aus Weiler bei Bingen. Hingegen zeigen die gravettienzeitlichen (circa 30.000 bis 20.000 Jahre v. Chr.) Fundplätze in Heddesheim (Gemeinde Guldental) und Brey (Gemeinde Rhens) erste Siedlungsplätze im Hunsrücker Umfeld. Zu erwähnen sind auch der etwas jüngere altsteinzeitliche Fundplatz Nußbaum[7] bei Bad Sobernheim und der Lagerplatz spätpaläolithischer Hirschjäger in Boppard,[8] der erst im Jahr 2001 durch den Archäologieverein ARRATA e. V. entdeckt wurde. 2014 wurden erstmals in Deutschland jungpaläolithische Felsritzungen, wie man sie vor allem aus Südfrankreich und Spanien kennt, im Hunsrück gefunden. Es handelt sich um etwa 25.000 Jahre alte Tierdarstellungen, vor allem Pferde, die sich auf einer 1,2 m² großen Schieferfläche befinden.[9]

Die ältesten Zeugnisse aus der Jungsteinzeit datieren spätestens in das Mittelneolithikum, in die sogenannte Rössener Kultur (Fundorte: u. a. Biebernheim, Reckershausen). Die meisten Funde, vor allem Steinbeile datieren jedoch in das Jungneolithikum und gehören zur Michelsberger Kultur. Vor allem im Vorderhunsrück (Morshausen, Beulich und Macken) konnten bis 2007 zahlreiche Felsovalbeile entdeckt werden. Ebenso zeigen Funde von Pfeilspitzen aus Feuerstein eine jungneolithische (u. a. Bell) und endneolithische (Hirzenach) Besiedlung.[10] Weitere Funde aus der Bronzezeit belegen eine fortwährende Besiedlung (vor allem durch Gräber und Grabbeigaben dokumentiert). Ein größerer Aufsiedlungsprozess fand in der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) mit der Laufelder Kultur und in der La-Tène-Zeit (5.– 1. Jh. v. Chr.) mit der Hunsrück-Eifel-Kultur statt, die mit den Kelten verbunden werden kann. Dies zeigen z. B. das Wagengrab von Bell, das Waldalgesheimer Fürstengrab, der Ringwall von Otzenhausen, die Pfalzfelder Flammensäule, die Höhensiedlung Altburg im Hahnenbachtal sowie zahlreiche Grabhügelfelder. Der Hunsrück gehörte zu dieser Zeit zum Stammesgebiet der Treverer.

Römerzeit[Bearbeiten]

Zwischen etwa 50 v. Chr. und 400 n. Chr. erschlossen die Römer den Hunsrück durch ein weitverzweigtes Straßensystem. Bekanntester Rest ist die Ausoniusstraße. Zahlreiche Funde römischer Bauernhöfe (Villa Rustica), Siedlungen, wie dem Vicus Belginum, und militärischer Bauwerke weisen auf eine nahezu vollständige Erschließung der Gegend durch die Römer hin.

Frankenzeit[Bearbeiten]

Mit dem ausgehenden 4. Jahrhundert setzte der Verfall und Untergang des weströmischen Reichs endgültig ein. Die Franken als Eroberer begannen mit der Aufteilung des römischen Erbes. Dies war der Beginn des west- und mitteleuropäischen Großreichs der Franken. Mitte des 8. Jahrhunderts wurde dieses unter der Regentschaft der Karolinger in Gaue aufgeteilt. Der nördliche Teil des heutigen Vorderhunsrücks gehörte zum Trechirgau, der südliche zum Nahegau. Verwaltet wurde der Trechirgau von den sogenannten Bertholden, der Nahegau von den Emichonen. Der Hauptort des Trechirgaus mit Namen Trigorium war Treis[11]

Mittelalter bis zur Franzosenzeit[Bearbeiten]

In der Gründungsurkunde des Klosters Ravengiersburg aus dem Jahre 1074 wird erstmals der Hundesrucha erwähnt.[12]

Im Mittelalter war der Hunsrück territorial stark zersplittert zwischen den Pfalzgrafen bei Rhein, den Erzbischöfen von Trier, den Grafen von Sponheim und den Nachfolgern der Emichonen (Wild- und Raugrafen und Grafen von Veldenz). Daneben gab es eine ganze Reihe kleinerer Herrschaften.

1410 entstand das Fürstentum Simmern als Nebenlinie der Pfalzgrafen. In der Folgezeit entwickelte sich Simmern zur wichtigsten Residenz eines Adelsgeschlechts auf dem Hunsrück. Mit Herzog Johann II. (16. Jahrhundert) erlangte die Stadt für kurze Zeit eine überregionale Bedeutung.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg stellte Ludwig XIV. von Frankreich Reunionsansprüche auf mehrere Herrschaftsgebiete in der Pfalz, dem Hunsrück und der Eifel und ließ seine Truppen einrücken und löste so den Pfälzischen Erbfolgekrieg aus. 1689 wurden Kirchberg, Kastellaun, Simmern sowie Stadt und Burg Stromberg in Brand gesetzt. Dann folgten die Kriegswirren, die der Spanische Erbfolgekrieg verursachte. Er wurde 1713 beendet.

In der Folgezeit belebten sich Handel und Wandel. Auf dem Hunsrück entstanden erste industrielle Strukturen durch die Familien Hauzeur, Pastert und Stumm. Sie betrieben Bergbau, Aufbereitung und Verhüttung von Erzen. Daraus wurden Gegenstände für Haus, Feld und Handwerksbetriebe fabriziert: Öfen, Pfannen, Kessel, Gewichtsteine, Spaten, Grabnägel, Hämmer, Ambosse, Webstühle, Spinnräder und auch Munition (Voll- und Spitzkugeln im Gewicht von 2 bis 30 Pfund). Führend in der Eisenverarbeitung war die Familie Stumm. Der Ahnherr Christian Stumm war ein Schmied in Rhaunensulzbach. Zwei seiner Söhne wurden bedeutende Unternehmer. Der Sohn Johann Nikolaus Stumm (1668–1743) war Hüttenbesitzer und dessen Söhne Johann Ferdinand, Friedrich Philipp und Christian Philipp Stumm kauften am 22. März 1806 das Neunkirchener Eisenwerk, Teil der heutigen Saarstahl AG. Johann Michael Stumm (1683–1747) wurde Gründer einer Orgelwerkstatt.

Die Räuber Johannes Bückler (Schinderhannes) und Johann Peter Petri (Schwarzer Peter) machten Ende des 18. Jahrhunderts den Hunsrück unsicher.

Als Folge der Französischen Revolution und der Machtübernahme Napoleons eroberte das französische Militär 1792 erneut die Gebiete westlich des Rheins und annektierte sie in der Franzosenzeit für Frankreich. Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo fiel der größte Teil des Hunsrücks durch die Neuaufteilung durch den Wiener Kongress 1815 als Rheinprovinz an Preußen. Teile des heutigen Landkreises Birkenfeld und des nördlichen Saarlands gehörten bis 1937 zum oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld.

Preußenzeit und Auswanderung[Bearbeiten]

Die wirtschaftliche Lage war auch im Hunsrück in den Jahren von 1815 bis 1845 sehr schlecht. Eine geringe Ernte im Jahre 1815 und das Jahr ohne Sommer 1816 ließen die Getreidepreise rapide steigen, das Jahr 1817 ging als Hungerjahr in die Geschichte ein.

Im September 1822 entsandte die brasilianische Regierung Georg Anton Schäffer nach Deutschland, um Kolonisten und Söldner anzuwerben. Er kam 1823 als Bevollmächtigter des Kaisers Dom Pedro I von Brasilien und besuchte die Hansestädte, sowie Frankfurt am Main und zahlreiche deutsche Höfe.[13] Diese Mission startete die erste große deutsche Auswanderungswelle nach Brasilien. Vor allem Menschen aus dem Hunsrück, den nördlichen und westlichen Teilen des heutigen Saarlandes und der Westpfalz ließen sich von den Agenten Schäffers anwerben.

Die ersten Einwanderer aus dem Hunsrück siedelten sich 1824 im heutigen Bundesstaat Rio Grande do Sul, in der Nähe der Stadt São Leopoldo an. Um 1830 ging die Auswanderung nach Brasilien zunächst zurück.[14]

Die 1840er Jahre waren europaweit durch Teuerung, Missernten und eine gewisse soziale Unruhe geprägt, sodass sich wieder viele Hunsrücker zur Auswanderung in zwei weiteren Auswanderungswellen (vor allem 1846 und 1861) entschlossen, vor allem nach Nordamerika und Brasilien auszuwandern.[15]

Im August 1846 wurde in Dünkirchen bekannt gegeben, dass kostenlose Überfahrten nach Brasilien nicht mehr möglich seien. Zu diesem Zeitpunkt vegetierten dort bereits über 800 Personen. Preußen lehnte für die verarmten und hilflosen Auswanderer jegliche Verantwortung ab. Sie wurden von Frankreich mit drei Kriegsschiffen nach Algerien gebracht und in den Dörfern Stidia und Sainte-Léonie angesiedelt.[16]a Die meisten Nachkommen siedelten nach dem Algerienkrieg 1962 wieder nach Frankreich zurück.[17]

Durch die zunehmende Verwahrlosung und Verelendung von Teilen der Bevölkerung in Deutschland im Zuge der Industrialisierung wurde auf Initiative des Simmerner Pfarrers und späteren Superintendenten Julius Reuß in Simmern ein Verein der Inneren Mission gegründet mit dem Ziel, auf dem Hunsrück ein Rettungshaus für Kinder aus verwahrlosten Verhältnissen aufzubauen. 1851 wurde ein Gelände zwischen Simmern und Nannhausen, dem Schmiedel, erworben. Dort wurde ein erstes Gebäude als Mutterhaus errichtet, das am 13. September 1851 für einen Hausvater und zwölf Jungen eingeweiht wurde. Bis in die heutige Zeit ist auf diesem Gelände der Stammsitz der Schmiedelanstalten untergebracht.

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Nach dem Krieg 1870/1871 und der Begründung des Deutschen Reiches unter Preußens Führung brach die so genannte Gründerzeit an. Ihr Erfolg wurde auf dem Hunsrück erst spät fühlbar, weshalb viele Arbeitsuchende und auch ganze Familien Arbeit im Ruhrgebiet suchten und dorthin abwanderten.

Die evangelischen Pfarrer und nachmaligen preußischen Landtagsabgeordneten Richard Oertel, 1892 Gründer des Hunsrücker Bauernvereins, und Albert Hackenberg, von 1879 bis 1912 in Hottenbach amtierender Pfarrer, versuchten erfolgreich, in diesen Jahren die wirtschaftlichen, sozialen und technischen Verhältnisse im Hunsrücker Raum zu verbessern. Dies wurde erreicht durch Gründungen von Molkereigenossenschaften, Einrichtungen von Postagenturen und vor allem durch die Erwachsenenbildung und Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht.

Erster und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg, die Besatzungszeit und die Inflation brachten auch für den Hunsrück und seine Bewohner große wirtschaftliche Nachteile, es kam aber nicht zu den politischen Spannungen wie vielerorts im Deutschen Reich.

Als Pionier der Industrialisierung im Hunsrück galt der Unternehmer Michael Felke. Die von ihm 1919 gegründeten Felke Möbelwerke produzierten bis in die ausgehenden 1990er Jahre und vertrieben im mitteleuropäischen Raum. Sie stellten einen der ersten großen Arbeitgeber der Region dar.

In den Jahren 1938 und 1939 wurde die Hunsrückregion mit dem Bau der Hunsrückhöhenstraße (140 km in nur 100 Tagen) als militärisch-strategische Aufmarschstraße zur deutsch-französischen Grenze (Westwall) wieder für das Militär interessant. Zu beiden Seiten der Straße wurden in den Wäldern Nachschublager und Feldflugplätze errichtet. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges und nach dessen Ende kamen zwei Orte des Hunsrücks zu trauriger Berühmtheit: das Konzentrationslager Hinzert und das Kriegsgefangenenlager bei Bretzenheim.

Kalter Krieg und Gegenwart[Bearbeiten]

1946 wurde der Hunsrück im Wesentlichen Teil des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz, kleine Teile um Nonnweiler gehören zum Saarland.

Feldscheune bei Bell

In der Zeit des Kalten Krieges bis Anfang der 1990er Jahre befanden sich auf dem Hunsrück viele militärische Flugplätze, Munitionslager, Kommandostellungen und Raketenabschussstellungen. Die bekanntesten waren die Hahn Air Base, der NATO-Flugplatz Pferdsfeld, der Kommandobunker Börfink und die Raketenstation Pydna.

Auf der Pydna sollten 1986/87 als Folge des NATO-Doppelbeschlusses 96 Cruise Missiles gelagert werden, die mit Atomsprengköpfen ausgerüstet waren. Auf dem Beller Marktplatzgelände fand am 11. Oktober 1986 die wohl größte bekannte Demonstration der Hunsrücker Geschichte statt. Rund 200.000 Menschen, davon etwa 10.000 aus dem Hunsrück, protestierten gegen die Stationierung der Raketen. Zum Ende des Tages wurde die Hunsrücker Erklärung verlesen, die sich für eine Umkehr in der Sicherheitspolitik aussprach. Die Demonstrationsteilnehmer wiesen eine besondere Friedfertigkeit auf, so dass es keine Krawalle, Verletzten oder Festnahmen gab. Die Raketenzeit auf dem Hunsrück endete am 31. August 1993 mit der Übernahme des Geländes durch die Standortverwaltung Kastellaun.

Ebenfalls wurde 1993 die von US-Amerikanern militärisch genutzte Hahn Air Base als Flughafen Frankfurt-Hahn an eine zivile Verwaltung übergeben. Der Flughafen wird seit dieser Zeit stetig ausgebaut.

Der Regisseur Edgar Reitz drehte auf dem Hunsrück Anfang der 1980er Jahre den ersten Teil seiner Filmtrilogie Heimat, einen großen Teil davon in Woppenroth alias Schabbach. Von April bis August 2012 wählte Reitz für die Dreharbeiten zum Kinofilm Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht das Hunsrück-Dorf Gehlweiler aus. Der Film thematisiert die Epoche des Vormärz Mitte des 19. Jahrhunderts und die damalige Auswandererwelle aus dem Hunsrück nach Brasilien.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens Hunsrück ist bis heute ungeklärt. Erstmals wurde das Mittelgebirge im Jahr 1074 in der Ravengiersburger Klosterurkunde erwähnt und zwar unter dem Namen „hundesrucha“. Zur Erklärung des Namens existieren mehrere Hypothesen:

  • Hohun: Begriff aus dem Althochdeutschen und bedeutet hoher Bergrücken.[18]
  • Hunderücken: Hierfür spricht, dass im Mittelalter der Name vielfach so gedeutet wurde. Es existieren z. B. folgende Schreibweisen: Cynonotus (gr. Hunderücken, 15. Jahrhundert), Hundsrücken (1250), Dorsum canis (lat. Hunderücken, 1320), Hondesruck (1380). – Es gibt im süddeutschen Raum und in der Schweiz und den Niederlande (Hondsrug) mehrere Berge, die Hunsrück genannt werden und bei denen die Namensherkunft sicherer ist, nicht zuletzt bei der Namensvariante Hundsbuckel. Zudem sind viele Landschaftsformen nach Tieren benannt wie Roßrück, Rindsrück, Katzenbuckel und Eselsrück.
  • Abgeleitet von dem Volk der Hunnen: Dafür spricht, dass im Volksmund viele keltische Wallanlagen auf dem Schwarzwälder- und dem Osburger Hochwald sowie im Idarwald als Hunnenringe bezeichnet werden.
  • Möglicherweise hat der Hunsrück seinen Namen von Begriff Hont, also dem in der Frankenzeit geläufigen Wort für Hundertschaftsführer: Frühe Landkarten bezeichnen zwei Gebiete von Hontschaften bei Laudert und im Idargebiet als Hunnesrucha / Hundsric, „ric“ = (Herrschaftsbe-) reich eines Hont, sein Rechts- und Gerichtsbezirk Hundsrüge; der „rüger“ war Richter, Gerichtsherr; (im Rheinischen Niederland: der „Dinger“ → „Hund(s)ding“; vgl. „Thingstätte“ als Versammlungsort für die Rechtsprechung).
  • Herkunft von Hundswrock, was einen abgegrenzten Grund und Boden einer Hundertschaft, genauer einer Weidegenossenschaft bezeichnet. Demnach wäre das Wort Hun die Kurzform für Hundertschaft und Rock, „Rück“ oder „Röck“ bedeuteten Hecke oder Grenzbaum. Dafür spricht, dass sich in der Umgebung der Gemeinde Mengerschied und damit in unmittelbarer Nachbarschaft Ravengiersburgs Flurbezeichnungen mit dem Namen Hunsrück häufen. Später wäre dann der Name auf die ganze Landschaft zwischen Nahe und Mosel übertragen worden.
  • Daneben gibt es noch weitere Deutungen.[19]

Hunsrücker Sprache[Bearbeiten]

Die historisch bedingte kleinräumige Zersplitterung des Hunsrücks wirkte sich auch auf die differenzierte Gliederung des Hunsrückischen aus. So verlaufen über den Hunsrück mehrere Sprachgrenzen innerhalb des großen Rheinischen oder Rhein- beziehungsweise Moselfränkischen Sprachgebiets, so dass man früher an der Sprache die Herkunft gut erkennen konnte.

Durch die Auswanderung im 19. Jahrhundert nach Brasilien befinden sich noch heute viele hunsrückisch-pfälzische Sprachinseln im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul in der Umgegend von São Leopoldo sowie in zahlreichen Tochterkolonien, in denen das Riograndenser Hunsrückisch gesprochen wird.

Hunsrücker Geschichtsverein[Bearbeiten]

Um die Forschung zur Hunsrücker Geschichte kümmert sich seit 1901 beziehungsweise 1958 mit Publikationen, Vorträgen und Exkursionen der über 600 Mitglieder starke Hunsrücker Geschichtsverein.

Archäologieverein ARRATA[Bearbeiten]

Der im Jahr 2000 gegründete Verein für fachübergreifende und angewandte Archäologie e. V. – ARRATA e. V. (ARchäologie mit RAt und TAt) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der wissenschaftlichen Erforschung aller Epochen von der Altsteinzeit bis zum Zweiten Weltkrieg in der Region Mittelrhein, Hunsrück, Eifel und Taunus. Neben dem Tätigkeitsfeld der Forschung stehen auch die Aspekte der Bodendenkmalpflege (z. B. Entdeckung gefährdeter Bodendenkmäler) und der Öffentlichkeitsarbeit (Publikationen und ein jährliches Veranstaltungsprogramm u. a. mit Führungen zu Bau- und Bodendenkmälern, dem Hunsrück-Kolloquium und den Hunsrücker Archäologie-Tagen auf der Ruine Schmidtburg) im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Der Verein veröffentlicht die Zeitschrift Abenteuer Archäologie – Zeitschrift für fachübergreifende und angewandte Archäologie.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Hunsrück gilt als strukturschwaches Gebiet, größere Industriebetriebe stellen die Ausnahme dar.

Industrie[Bearbeiten]

Entlang der Hauptverkehrsachsen Bundesautobahn 61 und A 1 sowie der Bundesstraße 50 und B 327 haben sich Industrie- und größere Handwerksunternehmen angesiedelt. Als größere Unternehmen sind unter anderem genannt: BOMAG in Boppard-Buchholz, Continental-Teves in Rheinböllen, Boge GmbH und CompAir in Simmern, Papier-Mettler in Morbach, Hochwald Nahrungsmittel-Werke in Thalfang. Kleinere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe bieten die meisten Arbeitsplätze in der Region an, ein großer Teil der Arbeitnehmer pendelt allerdings täglich vom Hunsrück zu den Arbeitsplätzen im Rhein-Main-Gebiet, dem Koblenzer Becken sowie nach Trier und Luxemburg.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die ehemals dominierende Landwirtschaft, vor allem die Milchproduktion, verliert zunehmend an Bedeutung. Trotzdem gehört die Hochwald Molkerei in Thalfang zu den größten deutschen Molkereien, da die Milch mittlerweile überregional angeliefert wird.

Bergbau[Bearbeiten]

Der Bergbau spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, Untertageabbau findet im Hunsrück nicht mehr statt. Einige mittelständische Steinbrüche liefern Quarzit und Basalt für die regionalen Baustellen. Nur noch zwei Unternehmen bauen heute Schiefer oberirdisch ab.

Edelsteinindustrie[Bearbeiten]

Einstmals dominierte die Edelsteinindustrie den Teil des Hunsrücks zwischen Idar-Oberstein und dem Idarwald. Bis zum 19. Jahrhundert wurden noch Achate abgebaut, später wurden fast ausschließlich importierte Rohsteine geschliffen d. h. zum Endprodukt weiterverarbeitet. Heute werden nur noch hochwertige Schmucksteine in kleineren Manufakturen weiterverarbeitet, daneben ist die Region der europäische Schwerpunkt für den Import und Vertrieb von im Ausland hergestellten Edelsteinprodukten.

Holzwirtschaft[Bearbeiten]

Die Konzentration hat die Holzwirtschaft verändert, nur noch wenige kleine Sägewerke verarbeiten Holz aus heimischen Wäldern. Das zu einem belgischen Konzern gehörende Sägewerk bei Hochscheid an der Hunsrückhöhenstraße verarbeitet hingegen rund um die Uhr Holz aus ganz Rheinland-Pfalz, den angrenzenden Bundesländern sowie Frankreich, Luxemburg und Belgien.

Militär[Bearbeiten]

Bis zu den 1990er Jahren war das Militär ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem wurden Zivilarbeitsplätze angeboten. Nach dem kalten Krieg wurden die größten Militäreinrichtungen, z. B. die NATO-Flughäfen Hahn und Pferdsfeld, der Kommandobunker Börfink und die Raketenbasis Pydna schnell geschlossen. Waffen und Soldaten wurden abgezogen, gleichzeitig verschwanden zivile Arbeitsplätze bei den Militäreinrichtungen. Die Kommunen versuchen die ehemaligen Militärimmobilien als Konversionsflächen in erster Linie gewerblich zu nutzen.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Das größte Konversionsprojekt ist der Flughafen Frankfurt-Hahn, die ehemalige NATO-US-Airbase Hahn im zentralen Hunsrück. Durch die Spezialisierung auf Billigfluggesellschaften, osteuropäische Frachtgesellschaften und militärische Dienstleistungsflugbewegungen wurden zu Anfang des Jahrtausends dem Flughafen optimistisch gute Wachstumspotentiale prognostiziert, welche sich aber im Laufe des folgenden Jahre, auch aufgrund einer schwächelnden Weltwirtschaft, als nicht tragfähig erwiesen (Stand 2013).

Wohnungsmarkt[Bearbeiten]

Der Mietwohnungsmarkt basierte lange Zeit auf Vermietungen an Angehörige der US-Streitkräfte. In Sohren, Kirchberg, Rhaunen, Kastellaun und Idar-Oberstein entstanden ganze Wohnviertel ausschließlich für Mitarbeiter und Familienangehörige von US-Einrichtungen. Nach dem Abzug der Amerikaner wurden die Wohnungen zum großen Teil durch Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion belegt.

Wind-, Solar- und Bioenergie[Bearbeiten]

Seit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 nimmt die dezentrale Erzeugung von Elektrizität durch Solar-, Wind- und Bioenergie eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben ein. Private Investoren erzeugen elektrischen Strom durch Photovoltaik. Landwirtschaftliche Biogasanlagen nutzen Biomasse und Gülle zur Stromerzeugung.

Der größte Teil des Stroms wird durch Windkraftanlagen erzeugt, die Hunsrückhöhen bieten ausreichend bis gute Standorte. Die Verbandsgemeinden Kirchberg und Simmern mit den Windparks Kirchberg und Neuerkirch haben Morbach mit der Morbacher Energielandschaft als Schwerpunkte der Windenergie abgelöst. Größere Windparks gibt es in Kastellaun, Rheinböllen, Zell, Thalfang und Ruwer.

Allein im Rhein-Hunsrück-Kreis stehen zur Zeit (Februar 2013) 152 Windkraftanlagen, 203 Anlagen sind projektiert, schon beantragt oder in der Bauphase. Die Region wird bis 2015 Strom exportieren können. Die ersten Anlagen wurden in den 1990er Jahren bei Beltheim durch private Investoren errichtet, die Ziele dabei waren mehr ideeller als kommerzieller Natur. Inzwischen investieren weltweit operierende Fonds in die Windenergieerzeugung im Hunsrück. Die kommunalen Haushalte partizipieren durch die Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen von der Windenergieerzeugung. Jedoch regt sich bei vielen Bürgern zunehmend Widerstand gegen die zunehmende und unkoordinierte Verspargelung ihrer Heimatlandschaft.

Tourismus[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur angrenzenden Mittelmosel ist der Hunsrück touristisch weit weniger erschlossen und noch weitgehend unberührt.

Dennoch findet man zahlreiche Übernachtungsangebote und Speiselokale sowie Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Zudem sind in jüngerer Zeit Ansätze zur touristischen Vermarktung der Filme Heimat und Heimat 3 von Edgar Reitz vorhanden.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Das Lott-Festival ist eine Musikveranstaltung, die seit 1977 stattfindet und wegen des breit gefächerten Musikangebots auch Woodstock auf dem Hunsrück genannt wird.
  • Die Nature One, das größte europäische Festival der elektronischen Tanzmusik, das seit 1995 im Hunsrück stattfindet, zieht jährlich im August mehrere zehntausend Gäste aus ganz Deutschland und Europa in seinen Bann.
  • Seit 2000 veranstaltet der Archäologieverein ARRATA e. V. jährlich ein umfangreiches Programm, das aus Führungen bzw. Wanderungen zu Bau- und Bodendenkmälern, Vorträgen, Workshops und Festveranstaltungen (u. a. die Hunsrücker Archäologie-Tage auf der Ruine Schmidtburg und das Hunsrück-Kolloquium) besteht.
  • Seit 2001 findet am letzten Augustwochenende der Hunsrück-Marathon auf dem Schinderhannes-Radweg statt.
  • Seit 2002 findet die Rallye Deutschland, ein Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft, im Naturpark Saar-Hunsrück und Umgebung statt, was jedes Jahr ca. 200.000 Zuschauer anzieht.
  • Seit 2007 finden im Juni/Juli in Simmern/Hunsrück die Schinderhannes-Festspiele statt; seit 2008 im zweijährigen Turnus.[20]

Wanderwege[Bearbeiten]

Der Ausoniusweg ist etwa 118 km lang und führt heute als Wanderweg meist über Feld- und Waldwege über den Hunsrück. Er folgt in großen Teilen der historischen Römerstraße, die das Mittelrheintal (Bingen) mit der Obermosel (Trier) verband. Seit Juni 2013 ist der Ausoniusweg auch als Hunsrücker Jakobsweg gewidmet, da er bereits im Mittelalter als Pilgerweg genutzt wurde.[21]

Der 84 km lange Fernwanderweg Soonwaldsteig führt von Kirn an der Nahe über das Hahnenbachtal, den Lützelsoon, den Soonwald, den Binger Wald bis zum Rhein nach Bingen.

Weitere Fernwanderwege durch den Hunsrück sind der Saar-Hunsrück-Steig, der Keltenweg Nahe–Mosel, der Sirona-Weg und der Sponheimer Weg.

Radwegenetz[Bearbeiten]

Ein dichtes Radwegenetz durchzieht den Hunsrück. Hervorzuheben ist der Schinderhannes-Radweg zwischen Simmern und Emmelshausen auf der alten Bahntrasse der Hunsrückbahn. Hier kann auf 40 km ohne nennenswerte Steigungen geradelt werden. An diesen Radweg sind zahlreiche Nebenstrecken verschiedener Schwierigkeitsstufen angeschlossen. Auch der Hunsrück-Marathon findet auf ihm statt.

Im Mai 2011 wurde der Hunsrück-Radweg eröffnet, er führt von der Saar über den Hunsrück zum Rhein.

Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Flugzeug

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist ein internationaler Flughafen mit 24-Stunden-Betrieb.

Bahn

Bahnhöfe gibt es z. B. Koblenz, Boppard, Emmelshausen, Oberwesel, Bingen.

  • Hunsrückbahn: Boppard–Emmelshausen 15 km.
  • Nahetalbahn: Mainz–Saarbrücken (über Bad Kreuznach und Idar-Oberstein).
  • Die an der Moselstrecke Koblenz–Trier liegenden Bahnhöfe von Bullay, Cochem, Treis-Karden und Wittlich werden vom Hunsrück aus genutzt.
  • In der aktuellen politischen Diskussion steht eine Reaktivierung der Hunsrückquerbahn von Langenlonsheim über Stromberg und Rheinböllen nach Simmern zum Flughafen Hahn. Alternativ ist eine Neubaustrecke zwischen Bingen und dem Flughafen Hahn in der Vorplanung.
Bus
Auto

Anmerkungen[Bearbeiten]

a Wohl korrektere Angaben in der franz. Wikipedia unter dem Link Stidia

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Hunsrück – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Hunsrück

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Martin Braun und Carsten Braun: Hunsrück – Natur-Erlebnis zwischen Nahe und Mosel. Literaturverlag Dr. Gebhardt und Hilden, Idar-Oberstein 2000, ISBN 3-932515-09-9.
  • Gustav Schellack, Willi Wagner, Walter W. Vollrath: Der Hunsrück: zwischen Rhein, Mosel und Nahe. Bindlach: Gondrom, 1990; ISBN 3-8112-0656-7
  • Uwe Anhäuser: Sagenhafter Hunsrück. Rhein-Mosel-Verlag, Alf/ Mosel 1995, ISBN 3-929745-23-2.
  • Uwe Anhäuser: Kultur-Erlebnis Hunsrück. Literaturverlag Dr. Gebhardt und Hilden, Idar-Oberstein 2000, ISBN 3-932515-29-3.
  • Uwe Anhäuser: Schinderhannes und seine Bande. Rhein-Mosel-Verlag, Alf/Mosel 2003, ISBN 3-89801-014-7.
  • Uwe Anhäuser: Die Ausoniusstraße von Bingen über den Hunsrück nach Trier. Ein archäologischer Reise- und Wanderführer. Rhein-Mosel-Verlag, Alf/ Mosel 2006, ISBN 3-89801-032-5.
  • Friedrich Hachenberg: Waldwirtschaft und forstliche Landschaftsgestaltung im vorderen Hunsrück in zwei Jahrhunderten. Zur Forstgeschichte des Forstamtes Kastellaun in den Jahren 1815 bis 1985. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins, 18, und Schriftenreihe des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der SDW, 6. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Landesverband Rheinland-Pfalz e. V., Obermoschel 1988, 456 (XII) S.
  • Wolfgang Welker: Erste Erkenntnisse zur Michelsberger Kultur im Hunsrück – neu entdeckte jungsteinzeitliche Steinbeile aus dem Vorderhunsrück; in: Abenteuer Archäologie, Heft 8, 2007, S. 24–31, ISSN 1615-7125
  • Bolko Cruse (Hrsg.): Zur Mineralogie und Geologie des Koblenzer Raumes, des Hunsrücks und der Osteifel. (= Der Aufschluß, Sonderband 30) Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie, Heidelberg, 1980 (pdf; 14 MB)

Allgemeine Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hunsrück – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bilder aus dem Hunsrück – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Artikel Wie hoch ist der Erbeskopf nun wirklich? vom 17. Januar 2008 auf lvermgeo.rlp.de (abgerufen am 31. Januar 2013)
  2. Lexikon-Institut Bertelsmann: Das moderne Lexikon in zwanzig Bänden, Band 8 (1972)
  3. Artikel „Hunsrück“; in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig, 1907.
  4. Versteinerte Zeugen in: FAZ vom 4. Januar 2012, Seite N2
  5. Karin Ochel-Spies: Ein basaltischer Vulkanschlot nahe Mermuth/Hunsrück. In: Abenteuer Archäologie. Heft 8, 2006/7, S. 38–39, ISSN 1615-7125
  6. Airport: Mopsfledermäuse machen Ärger; Focus Online, 2. Juni 2005; abgerufen am 19. Mai 2014
  7. Wolfgang Welker: Die Eiszeitjäger von Armsheim (Rheinhessen) und Nußbaum (Nahetal); in: Schriften des Arbeitskreises Landes- und Volkskunde, Band 6; Koblenz 2007; ISSN 1610-8132; S. 1–13
  8. Wolfgang Welker: Archäologische Fundmeldungen von ARRATA e. V. – Die Entdeckung des spätpaläolithischen Fundplatzes Boppard/Rhein; in: Abenteuer Archäologie, Heft 4, 2002; ISSN 1615-7125; S. 49–51
  9. Erste altsteinzeitliche Felskunst in Deutschland, Mitteilung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz.
  10. Wolfgang Welker: Archäologische Fundmeldungen von ARRATA e. V. – Eine geflügelte Pfeilspitze; in: Abenteuer Archäologie, Heft 3, 2001; ISSN 1615-7125; S. 64
  11. vgl. Josef Heinzelmann: Der Weg nach Trigorium …; in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 21 (1994), S. 91–132
  12.  H. Beyer: Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden Mittelrheinischen Territorien. Band 1: Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1169, Koblenz 1860, S. 431 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  13. Frank Westenfelder: Für Dom Pedro. Export aus Europas Armenhäusern und Gefängnissen; Artikel auf kriegsreisende.de; abgerufen am 22. Februar 2014.
  14. Roland Paul: Ziele der Auswanderung – Brasilien; Artikel auf der Internetseite des Auswanderer-Museums Oberalben; abgerufen am 22. Februar 2014.
  15. Roland Paul: Die zweite und dritte Einwanderungswelle; Artikel auf der Internetseite des Auswanderer-Museums Oberalben; abgerufen am 22. Februar 2014.
  16. Björn Effgen: Petrópolis – Ein brasilianisches „Versailles“; Artikel auf der Internetseite des Auswanderer-Museums Oberalben; abgerufen am 22. Februar 2014.
  17. Algerienauswanderung bei Regionalgeschichte
  18. Großlandschaften in Rheinland-Pfalz; Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz; abgerufen am 22. Februar 2014.
  19. Gustav Schellack: Was bedeutet der Name „Hunsrück“? Jahresheft 1999 des Hunsrückverein e. V.
  20. ARD ! – Mediathek, abgerufen am 27. August 2012
  21. Regionalgruppe Hunsrück der Jakobusgesellschaft