Hunzenschwil

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Hunzenschwil
Wappen von Hunzenschwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4200i1f3f4
Postleitzahl: 5502
UN/LOCODE: CH HZW
Koordinaten: 651932 / 24859247.3861098.126395402Koordinaten: 47° 23′ 10″ N, 8° 7′ 35″ O; CH1903: 651932 / 248592
Höhe: 402 m ü. M.
Fläche: 3.26 km²
Einwohner: 3523 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1081 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 26,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.hunzenschwil.ch
Hunzenschwil, vom Staufberg aus gesehen

Hunzenschwil, vom Staufberg aus gesehen

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Hunzenschwil (schweizerdeutsch: ˌhʊntsəˈʃʋiːʊ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt zwischen Lenzburg und dem Kantonshauptort Aarau.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zum grössten Teil in der flachen Ebene zwischen dem Suhrental im Westen und dem Seetal im Osten. In Richtung Norden neigt sich das Gelände sanft zum Aaretal hin. Die einst getrennten Ortsteile Unterdorf und Oberdorf sind mittlerweile lückenlos zusammengewachsen. Im Südosten erhebt sich der Lotten (545 m ü. M.), ein Molassehügel, der das nördliche Ende des über dreissig Kilometer langen Höhenzugs zwischen dem Wynental und dem Seetal bildet.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 326 Hektaren, davon sind 80 Hektaren bewaldet und 134 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 545 Metern auf dem Gipfel des Lotten, der tiefste auf 395 Metern an der nordwestlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Rupperswil im Norden, Schafisheim im Osten, Gränichen im Süden und Suhr im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im 19. Jahrhundert war die Existenz einer Ziegelei aus der Römerzeit bekannt. Bis 2002 kamen zahlreiche Ziegel- und Töpferöfen zum Vorschein. Die im März 2005 gemachten Funde sind jedoch für die Schweiz einzigartig. Entdeckt wurden zwei Hallen und weitere Infrastrukturbauten aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts, in denen die Produktion von Ziegeln im industriellen Ausmass betrieben wurde; zum Komplex gehörte auch ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem. Hauptabnehmer der Ziegel war das Legionslager in Vindonissa.[5]

Nachdem sich die Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts zurückgezogen hatten, war die Gegend etwa vierhundert Jahre lang unbewohnt und wurde dann durch die Alamannen besiedelt, vermutlich zunächst als Aussensiedlung von Suhr. Die erste urkundliche Erwähnung von Hintziswil erfolgte im Jahr 1101. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Hunzilineswilari und bedeutet «Hofgut des Hunzilin».[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz der Herren von Hunzenschwil, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausstarben. Den Habsburgern gelang es, auch die niederen Herrschaftsrechte an sich zu ziehen. Der Grundbesitz war unter verschiedenen Parteien aufgeteilt, darunter den Herren von Hallwyl, der Stadt Aarau und dem Stift Beromünster.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Hunzenschwil gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Es bildete einen Teil des Gerichtsbezirks Rupperswil im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Hunzenschwil gehört seither zum Kanton Aargau.

Am 6. September 1877 erhielt Hunzenschwil Anschluss an das Eisenbahnnetz, als die Bahnstrecke Zofingen–Wettingen der Nationalbahn eröffnet wurde. Der Konkurs dieser Gesellschaft im darauf folgenden Jahr belastete den Finanzhaushalt der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde noch jahrzehntelang. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann jedoch ein wirtschaftlicher Aufschwung, der mit der Eröffnung der nahe gelegenen Autobahn noch verstärkt wurde. Seit Beginn der 1950er Jahre hat sich die Bevölkerungszahl fast verdreifacht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau steigender gelber Windhund mit gelbem Halsband.» Hierbei handelt es sich um ein redendes Wappen, das auf eine volksetymologische Fehldeutung des Ortsnamens zurückgeht. Das Wappen erschien erstmals 1811 auf dem Gemeindesiegel. 1977 erfolgte eine Änderung des Wappenbildes: Bis dahin stand der Hund auf einem grünen Dreiberg und dessen Zunge war rot statt gelb.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 301 570 747 670 809 925 1312 1902 2219 2400 2575 3212

Am 31. Dezember 2013 lebten 3523 Menschen in Hunzenschwil, der Ausländeranteil betrug 26,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 50,7 % reformiert, 25,6 % römisch-katholisch, 7,0 % moslemisch und 0,7 % christlich-orthodox; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 86,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 5,6 % Italienisch, 2,6 % Albanisch, je 1,4 % Serbokroatisch und Türkisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Hunzenschwil gehört zum Friedensrichterkreis Schafisheim.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Hunzenschwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1550 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 41 % in der Industrie und 66 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die wichtigsten Unternehmer sind eine Gummifedernfabrik und ein Hersteller von Kaffeemaschinen im Gastronomiebereich. Überdurchschnittlich vertreten sind das Baugewerbe und das Transportgewerbe. In Hunzenschwil befindet sich der Hauptsitz von Möbel Märki, einer der bedeutendsten Möbelhandelsketten der Schweiz. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung, beispielsweise in Lenzburg oder Aarau.

Verkehr[Bearbeiten]

Hunzenschwil liegt äusserst verkehrsgünstig. Durch das Dorf verläuft die Hauptstrasse 1 (ZürichBern). Am nordöstlichen Dorfrand befindet sich der Anschluss Aarau-Ost der Autobahn A1. Die Autobahn T5 führt von dort nach Aarau. Der Bahnhof liegt an der SBB-Linie ZofingenLenzburg; eine Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg verkehrt zum Bahnhof Lenzburg bzw. nach Rupperswil.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und ein Schulzentrum, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule können in Suhr, Rupperswil, oder Schafisheim besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 207–208.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  5. Schweiz: Reste eines antiken Industriebetriebs entdeckt. Der Standard, 2. Juni 2005, abgerufen am 3. Oktober 2012.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 182.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.