Hutberg (Kamenz)

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Hutberg
Kamenz Hutberg.jpg
Höhe 297 m ü. HN
Lage Deutschland, Sachsen
Gebirge Lausitzer Bergland
Koordinaten 51° 16′ 20″ N, 14° 4′ 40″ O51.27222222222214.077777777778297Koordinaten: 51° 16′ 20″ N, 14° 4′ 40″ O
Hutberg (Kamenz) (Sachsen)
Hutberg (Kamenz)
Typ Bergrücken
Gestein Grauwacke
Besonderheiten Lessingturm (AT)

Der Hutberg (obersorbisch Pastwina hora) ist ein 297 Meter hoher Berg und ein beliebtes Ausflugsziel am Rande des Stadtgebietes der sächsischen Kleinstadt Kamenz.

Bergpark[Bearbeiten]

Der für eine Kleinstadt sehr weiträumige und großzügige Bergpark wurde 1893 von Wilhelm Weiße als städtische Parkanlage angelegt. Berühmt ist er wegen seiner vielen verschiedenen Koniferenarten sowie der großen Anzahl von Rhododendren und Azaleen, die alljährlich um Pfingsten in vielen verschiedenen Farben blühen und viele Besucher und Touristen anlocken.

Lessingturm auf dem Hutberg nach dem 2010 erfolgten Umbau
Lessingturm auf dem Hutberg vor dem Umbau
Wilhelm Weiße bepflanzte den Hutberg mit vielen fremdländischen Gehölzen, unter anderem mit Koniferen

Im Zentrum der Parkanlage, gleichsam auf der Spitze des Berges, befinden sich der 24 m hohe Lessingturm, der 1864 erbaut wurde, und die Hutberggaststätte. Von dort hat man einen guten Ausblick auf die Stadt sowie über die Hügelketten der Westlausitz im Westen und Süden und den flachen Teichlandschaften im Norden. Hinter dem Turm (in westlicher Richtung) wird der Park waldähnlicher und „wilder“, wobei in den letzten Jahren dieser stärker gartenbautechnisch mit neu gestalteten Wegen erschlossen wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Berg nahezu vollständig entwaldet. Alte Bilder der Stadt zeigen ihn, bis auf Reihenbüsche auf der Südseite (wo auch heute noch vorwiegend Obstbäume stehen) vollständig kahl. Er wurde als städtische Hüteweide genutzt, daher auch der Name (siehe Hutberg). Wegen der besonderen Gewächse, die dort zu finden sind, wird dieses Terrain oft auch als "blauer Wald" Deutschlands bezeichnet. So sind dort Rhododendron, Azaleen in den verschiedensten Farbnuancen zu finden. Daneben gedeihen über den riesigen Sträuchern interessante Nadel- und andere Bäume aus aller Welt. Blaufichten, Blutbuchen und Concolortannen, viele Eiben, Ginkgos, Hängebuchen und Stechpalmen zieren das Gebiet. Im Kamenzer Raum wurden auch erfolgreiche Neuzüchtungen erreicht, die im Stadtpark Kamenzer Hutberg den Besucher erfreuen. Besonders waren Johann Heinrich Seidel, Rudolf Seidel und Wilhelm Weiße an diesen Züchtungen beteiligt. Johann Heinrich Seidel erlernte in Dresden den Beruf des Gärtners und studierte ab 1764 sieben Jahre die Gartenkulturen in Österreich. 1794 kam Goethe mit ihm zusammen, der sich damals mit der Metamorphose der Pflanzen beschäftigte. Der Züchter der Blaufichte war der Sohn von Johann Heinrich Seidel, Rudolf Seidel. Gemeinsam mit dem Dendrologen Wilhelm Weiße hat er den Park zwischen 1915 und 1920 geschaffen. Die 1873 gegründete Kunstgärtnerei Weise ist auf das Schaffen dieses Gärtners zurückzuführen. Weise stieg alsbald zum sächsischen Hoflieferanten, Ehrenbürger der Stadt Kamenz auf und hielt Verbindungen mit weltbekannten Dendrologen in Japan und Amerika. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn sich der Besucher des Parkes um den Hutberg in jene weite Ferne versetzt fühlt.

Baugeschehen am Hutberg[Bearbeiten]

1836 entwickelten sich Aktivitäten, das Gelände um einige Bauwerke zu ergänzen. Träger des Baugeschehens war eine zu diesem Zwecke gegründete Gesellschaft, die das Baugelände vom Stadtrat zur Verfügung gestellt bekam. Zunächst sollte ein Aussichtsturm errichtet werden. Aber erst 1852 kam der Bau erst richtig zum Laufen, da ein verheerender Brand 1842 alles zunächst ins Stocken brachte.

Lessingturm[Bearbeiten]

Mit dem "Komitee zur Errichtung eines Lessingturmes" im Jahre 1858 sollte es dann richtig losgehen. Reichliche Spenden sorgten für die finanzielle Absicherung des Projektes. So wurde am 30. März 1864 der Grundstein für den Turm gelegt. Am 21. August 1864 konnten schon Tausende von Menschen auf dem Gipfel die Turmweihe des 18 m hohen Aussichtsturms mit Ehrenschüssen erleben. Das dazugehörige Schankgebäude erwies sich bald als zu klein und wurde dreißig Jahre später im Jahr 1895 von April bis September erweitert. So entstand aus dem Schankgebäude das Hutberghotel. Doch 1929 musste es nochmals erweitert werden und erhielt dann die Form, wie es heute zu sehen ist. Nachdem im Laufe der Jahre die Bäume um den Turm immer höher gewachsen waren, wurde dieser 2010 mit einem 6 m hohen Aufsatz auf 24 m erhöht.[1]

Die große Freilichtbühne wurde 1934 erbaut. 1935 während des Festes "300 Jahre Oberlausitz bei Sachsen" konnte sie eingeweiht werden. (1635 erfolgte die Übernahme der Oberlausitz von Böhmen nach Sachsen, daher die 300-Jahr-Feier!) In der 1317 erbauten St.-Just-Begräbniskirche kann eine Rarität bestaunt werden: Eine Gedenktafel für den Handelsmann Albertus Blau weist darauf hin, dass dieser in drei Jahrhunderten gelebt habe. Er wurde 1599 in Schottland geboren, war 55 Jahre verheiratet, hatte 24 Kinder und Kindeskinder und ist schließlich 1710 als 111-Jähriger gestorben.

Auf dem Hutberg befindet sich die Station 66 der Königlich-Sächsischen Triangulation[2]

Thingplatz, jetzt Hutbergbühne

Hutbergbühne[Bearbeiten]

Ehemaliger Thingplatz in Kamenz. Erbaut wurde sie 1934/35 im allgemeinen Bauwahn der Zeit des Nationalsozialismus auf der Südseite nahe der Kuppel der Parkanlage zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs und für Aufmärsche. Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges bestand aus fünf in einer Linie gereihten Säulen, auf denen jeweils ein überdimensionaler Stahlhelm ruhte. Dieses Denkmal wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs entfernt.

Die nie ganz fertiggestellte Anlage stellt heute eine der größten Freilichtbühnen Sachsens dar und erfreut sich als Hutbergbühne großer Beliebtheit.

Zu DDR-Zeiten wurde die Bühne für Theater-, Musik- und andere Kulturveranstaltungen genutzt.

Nach der Wiedervereinigung um eine überdachte Bühne ergänzt, wird die Hutbergbühne seitdem als Veranstaltungsort für verschiedene Musikveranstaltungen genutzt. So traten zum Beispiel Joe Cocker, Deep Purple, Lynyrd Skynyrd, Jethro Tull, Status Quo, Howard Carpendale auf. Zur Tradition sind die Pfingstkonzerte der Puhdys geworden, die seit den 1990er Jahren jedes Jahr am Samstag vor Pfingsten auf der Hutbergbühne spielen.

Literaturhinweise[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Zahlreiche Konzerte auf der Freilichtbühne
  • Jährlicher Blütenlauf zu Pfingsten.
  • Kamenzer Hutberg-Singen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hutberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Lessingturm auf dem Hutberg Kamenz 2010 (pdf 127kb): Forstfest Kamenz auf forstsfest-kamenz.de
  2. http://www.openstreetmap.org/browse/node/2222393333