Huygenssches Prinzip
Das huygenssche Prinzip bzw. Huygens-Prinzip, auch huygens-fresnelsches Prinzip genannt (nach Christiaan Huygens und Augustin Jean Fresnel), besagt, dass jeder Punkt einer Wellenfront als Ausgangspunkt einer neuen Welle, der so genannten Elementarwelle, betrachtet werden kann. Die neue Lage der Wellenfront ergibt sich durch Überlagerung (Superposition) sämtlicher Elementarwellen. In drei Dimensionen sind Elementarwellen halbkugelförmig, in zwei Dimensionen oder 2D-Darstellung halbkreisförmig. Die Halbkugelform ist wichtig, damit sich keine rückwärtslaufende Welle ergibt, welche mit der ursprünglichen Welle zur Entstehung einer stehenden Welle führen würde.
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Huygens-Prinzip in der Physik [Bearbeiten]
Die sich weiter ausbreitende Wellenfront ergibt sich als die äußere Einhüllende der Elementarwellen, da sich die Elementarwellen im selben Medium und mit gleicher Geschwindigkeit ausbreiten wie die ursprüngliche Welle. Bei unterschiedlichen Medien ändert sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit und damit auch die Ausbreitungsrichtung der Welle, was sich als Brechung bemerkbar macht. Am Rand eines Hindernisses (z. B. Spalt) führt das huygenssche Prinzip zur Beugung.
Huygens konnte mit seiner Theorie die Beugung und Brechung von Licht erklären, was allerdings auch mit der Korpuskeltheorie von Newton möglich war. Erst als die Lichtgeschwindigkeiten in zwei unterschiedlichen Medien bestimmt werden konnten, war es möglich zu entscheiden, welche der beiden Theorien zutreffend ist. Als Ausbreitungsmedium der Lichtwellen postulierte Huygens den Äther. Dieser wird seit der allgemeinen Akzeptanz der 1905 publizierten speziellen Relativitätstheorie Albert Einsteins nicht mehr als physikalisches Konzept benötigt.
Huygens-Prinzip in der Mathematik [Bearbeiten]
In der Mathematik findet das Huygens-Prinzip in der Theorie der partiellen Differentialgleichungen Anwendung. Es besagt, dass Wellengleichungen eine hintere Wellenfront in den Räumen
für
besitzen. Man spricht von der Existenz einer hinteren Wellenfront, wenn sich eine Störung der Ausgangsdaten in einer Umgebung eines Punktes nicht auf die Lösung der Wellengleichung für hinreichend große Zeiten t auswirkt.
Erklärung des Huygens-Prinzip an der einfachen Wellengleichung 
Als Anfangsdaten (für t = 0) gilt:
mit
als Zeitvariable und
als Ortsvariable.
Der Fall n = 1 [Bearbeiten]
Nach der d'Alembertschen Lösungsformel gilt für u = u(x,t):
Stören wir das Anfangsdatum
im Intervall [a,b], dann erkennt man anhand der obigen Formel, dass für den Punkt
die Störung zum Zeitpunkt
keinen Einfluss mehr hat, denn die Anfangsdaten
und
wurden nicht gestört. → Für
gilt das Huygens-Prinzip.
Sei
und man störe das Anfangsdatum
in [a,b]. Dann wird man feststellen, dass für jeden Zeitpunkt T die Störung noch Auswirkungen auf die Lösungen u(x,T) hat, denn man integriert über das "Störintervall":
Fazit: Im Eindimensionalen gilt das Huygens-Prinzip im Allgemeinen nicht, sondern es gilt nur für das Anfangsdatum
.
Der Fall n = 2 [Bearbeiten]
Die allgemeine Lösungsformel für den zweidimensionalen Fall (nach der Abstiegsmethode) lautet:
B(x,t) bezeichnet die (ausgefüllte) Kreisscheibe mit Mittelpunkt x und Radius t.
Anhand dieser Formel sieht man sofort, dass das Huygens-Prinzip nicht gilt. Denn stört man die Anfangsdaten
oder
in einem Rechteck R = [a,b]×[c,d] dann wirkt sich die Störung auch noch zu jeden Zeitpunkt t = T für alle Punkte
aus, denn die Kreisscheibe B(x,t) beinhaltet für diese Punkte
das Rechteck R. Also wird wieder über gestörten Daten integriert.
Der Fall n = 3 [Bearbeiten]
Nach der Kirchhoffschen Formel lautet die Lösung für die Wellengleichung:
S(x,t) bezeichnet die Kugeloberfläche der Kugel mit Zentrum x und Radius t.
bezeichnet das Oberflächenelement der Kugel.
Mithilfe dieser Formel erkennt man sofort, dass im 3-d Fall das Huygens-Prinzip gilt. Werden die Anfangsdaten
oder
auf einem Quader Q = [a,b]×[c,d]×[e,f] gestört, dann wirkt sich diese Störung nicht auf die Lösung für die Punkte x0∈Q für große t>T aus. Man muss nur t so groß wählen, dass die Kugeloberfläche den Quader komplett umschließt und somit nicht mehr über die gestörten Daten Q integriert wird. Offensichtlich muss
gelten.
Fazit: In unserem täglichen Lebensraum gilt das Huygens-Prinzip.





