Huysburg

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Das Kloster Huysburg ist ein Benediktinerkloster auf der Huy, einem bewaldeten Höhenrücken nördlich des Harzes und neun Kilometer nordwestlich von Halberstadt im Harzkreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Politisch gehört die Huysburg zur Gemeinde Huy und das Benediktinerkloster zum Bistum Magdeburg. Patrone sind Maria und ab 1972 Maria (Aufnahme Mariens in den Himmel). Die Huysburg die erste Station des Jakobsweges im Harzgebiet[1] und liegt aus der Südroute der Straße der Romanik.

Klosteranlage mit Ekkehard-Haus (Gästehaus)

Geschichtlicher Überblick[Bearbeiten]

Nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen errichteten die Franken um 790 auf dem Huy eine Militärstation. Sie diente zur Sicherung der Region gegenüber den Slawen. Die Reste eines Ringwalls sind im Wald noch erkennbar. Keramikfunde deuten schon auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin.

Nach dem Ausbau Magdeburgs durch Kaiser Otto des Großen verlor die Huysburg an strategischer Bedeutung. Kaiser Otto III. schenkte am 20. April 977 Bischof Arnulf von Halberstadt die Hoheitsrechte über die Wälder Hakel, Hux, Fallstein, Asse, Elm und Nordwand. Die ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Huy.[2] Die herrschaftliche Zuordnung des Klosters und seiner Besitztümer folgt der allgemeinen Geschichte des Klosters im Rahmen des Fürstbistums Halberstadt. Der Höhenzug Huy war seit 977 Eigentum der Bischöfe von Halberstadt.

Gründung[Bearbeiten]

Der kleine Wirtschaftshof auf dem Huy, bestehend aus einem Steinhaus und einigen Fachwerkgebäude, wurde nun Bischofshof. Bischof Burchard I. von Halberstadt errichtete eine zweigeschossige Kapelle, die 1058 unter Beteiligung des Erzbischofs Engelhard von Magdeburg geweiht wurde. In dieser Kapelle standen ein Marien- und Kryptaaltar. In den folgenden Gründungsprozess trat zunächst kein geistlicher oder weltlicher Stifter in Erscheinung. Bischof Burchard II., auch Buko genannt, gab ab 1070 die Erlaubnis, das sich nahe der kleinen Kirche Einsiedlerinnen niederlassen durften. ´ Die ersten waren die Nonnen Bia (Pia) und Ida aus Quedlinburg und Adelheid aus Gandersheim. Aus Unzufriedenheit mit der verfallenden klösterlichen Zucht in Gandersheim verließ dort 1076 Adelheid den Marienkonvet, um am Aufbau des Reformklosters auf der Huy mitzuhelfen.[3] Die Konventualen um 1070 auf der Huysburg waren die Mönche Thizelin und Mainzo (Meinhold) vom Johanniskloster auf dem Berge vor Magdeburg.[4]

Der Halberstädter Kanoniker Ekkehard wurde von Bischof Burchard II. mit der Betreuung der Huysburger Kapelle und der kleinen Gemeinschaft betraut. Am 24. Dezember 1080 wurde Ekkehard als Klostervorsteher bestimmt und am 21. Juni 1081 spendete ihm der Halberstädter Bischof die Abtsweihe. Er war der erste Abt des Klosters, legte sein Amt am 18. August 1083 nieder und starb am 28. Juni 1084.

Mit Ekkehard endete der Gründungsprozess des Benediktinerklosters auf dem Huy.

Frauenklause auf der Huysburg[Bearbeiten]

Die drei Klausnerinnen, die sich 1070 und 1076 auf der Huysburg ansiedelten, wohnten in den bischöflichen Gebäuden aus der Zeit Burchard I. und benutzten die dortige Kapelle, die der Halberstädter Kanoniker Ekkehard betreute. Die inclusa Bia (Pia) kam mit Erlaubnis der Äbtissin Luthmodis des Benediktinerinnenklosters St. Maria zu Quedlinburg. Eine die ancilla wurde von Ekkehard aus dem monasterio in Gandersheim zur Huysburger Klause eingeladen. Offenbar in der Zeit des Abbatiates von Ekkehard wurde von diesem eine dritte Klausnerin namens Ida, auch aus dem Quedlinburger Kloster, aufgenommen. Die Klausnerinnen waren keine Inklusinnen, keine Eingemauerte. denn die Nonnen Bia und Adelheid nahmen an der Gründung des Reformklosters Lippoldsberg 1100 persönlich teil.

Ob die Klausnerinnen an der Gründung des Benediktinerklosters auf der Huysburg mitwirkten, ist nach 1084 nicht vermerkt worden. Am 11. Juni 1156 forderte Papst Hadrian IV. vom Diözesanbischof Ulrich, den Frauenkonvent aus der Huysburg abzuschaffen und die Betreuung durch die Mönche einzustellen.[5] Aber 1158 lebten die Klausnerinnen immer noch dort und Bischof Dietrich von Krosig verfügte über eine Zuwendung von zwei Hufen zu Badersleben für die Matrone Adelheid. Weitere Nachrichten zur finanziellen Sicherung der Klausnerinnen sind 1314, 1316 und 1323 überliefert.[6] Mit dem Tod der letzten Klausnerin endete 1411 die Frauengemeinschaft auf der Huysburg. Da auf der Huysburg kein diözesanrechtlich anerkanntes Frauenkloster und keine zweite Klausur bestanden hatte, ist die verbreitete Bezeichnung als Doppelkloster verfehlt.[7]

Wirtschaftliche Verhältnisse[Bearbeiten]

Das Kloster Huysburg verdankte den Grundbestand seiner Besitzausstattung den Bischöfen Burchard II. und Reinhard. Eine erste und recht umfassende Besitzurkunde erteilte Bischof Burchard II. am 1. November 1084.[8] Das neue Kloster erhielt die Gebäude auf dem Berg Huy, ein Großteil des Waldes am Huy und das ganze Umland mit den landbebauenden Inhabern. Die Urkunde verzeichnet auch die Schenkung der durch Bischof Burchard I. 1058 errichteten Kapelle auf dem Huy. Zwischen 1114 und 1118 erfolgten weitere, gezielte Schenkungen durch Bischof Reinhard von Blankenburg. Neuerwerbungen gab es 1138 durch Bischof Rudolf I. und 1156 durch Bischof Ulrich. 1195 gab es noch Besitzbestätigungen durch Bischof Gardolf von Harbke, danach stagnierten die Besitzvermehrungen.

Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu einer finanziellen Krise, doch Mitte des 14. Jahrhunderts stabilisierte sich die Kirchenökonomie wieder. Abt Edler von Berwinkel hat 1403 das älteste erhaltene Kopiar des Klosters angelegt. Durch seinen notarius publicus Sparenberg ließ der Abt alle Urkunden, Abmachungen und Ereignisse von der Fundation bis in seine Zeit beschreiben und transsumieren.[9] Zu Beginn de Reformzeit entstand um 1450 unter Abt Dietrich Brand ein umfassendes Registrum censum, mit zugeordneten Urkunden zu den einzelnen Orten.[10]

Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurden die Lehn-, Zins- und Pachtregister stetig verbessert. Mittelpunkt der Kirchenökonomie waren im 15. Jahrhundert die großen Klosterhöfe in Eilenstedt, Dingelstedt, Badersleben, Anderbeck und Sargstedt. Der Röderhof am Nordhang des Huy entstand im Bereich des wüst gefallenen Neudorfes. Die großen Höfe konnten als Freihöfe von den landesherrlichen Steuern und Diensten abgehalten werden.

Die Bauernunruhen 1525 und der Schmalkaldische Krieg 1547 bereiteten dem Kloster wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die militärischen Invasionen im Halberstädtischen Land zwischen 1626 und 1648 schädigten das Kloster und die Klosterherrschaft schwer. Erst nach 1677 kam durch Abt Nikolaus von Zitzewitz das Kloster wieder zu neuem Wohlstand und einer weiteren Ausdehnung des Klosterbesitzes. Dieser war aber im Lande sehr stark verstreut. Die Haupthöfe Röderhof und Eilenstedt wurden von mönchischen Provisoren geleitet. 1804 wurde das Kloster in der preußischen Provinz Sachsen aufgehoben und zur staatlichen Domäne umgewandelt.[11]

Baulichkeiten[Bearbeiten]

Drei mittelalterliche Quellen bezeugen aus relativ geringem zeitlichem Abstand die bauliche Entstehung des Klosters. Der Analista Saxo bezeichnet für das Jahr 1070/71 Huysburg bereits als locus excelsus und bemerkt, dass sich dort eine von Bischof Burchard I. von Halberstadt erbaute capella befände.[12] Die Gesta Episcoporum Halberstatadensium nennen zu 1046 eine capella in einem palacium Huiesburch Bischof Burchards I.[13]Nach der Chronicon Hujesburgens sollen zwischen 1051 und 1059 vom Erzbischof Engelhard von Magdeburg die zwei in der Kapelle vorhandenen superius Quidam altare geweiht worden sein. Berichtet wird auch, dass der erste Abt Ekkehard im östlichen Teil der civitas eine zweite capella errichten ließ.[14] Unter dem zweiten Abt Alfried wurde die ursprüngliche Kapelle unter Bewahrung des sanctuarium abgebrochen und eine neue gebaut. Die Weihe erfolgte durch den Merseburger Bischof Werner von Wolkenburg. Dieser Bau ecclesia, eine dreischiffige Anlage mit zwei Geschossen, wurde unter Bischof Reinhard von Blankenburg teilweise abgebrochen und bis 1121 als aufwendiges Münster monasterium neu gebaut.[15]

Das mit einer Bruchsteinmauer umgebene über sechs Hektar große Klosterareal befindet sich auf der höchsten Höhe des Huywaldes. Westlich auf der Anhöhe stehen die Klostergebäude mit Kirche und Klausur. In dem östlich fast vier Meter tiefer liegendem Gelände befinden sich die Wirtschaftsgebäude und der Klostergarten. 1967 wurden dort das Trafohaus und die Kläranlage und 1979 die neue Treppenanlage gebaut.

Man betritt den Klosterhof an der Südwestecke durch das 1786 mit drei Bogen vollendete Torhaus. Die Inschrift im oberen Bogen auf der Hofseite deutet dies als Zeichen der Verehrung des dreieinigen Gottes: saCra Deo trIplICI patet absIDe porta, ter trIa fata foras pro VIDa Verte Trias. Ins Deutsche übersetzt Das Tor ist geöffnet mit dreifachem Bogen und ist dem dreifaltigen Gott geweiht. Halte dreifach fern, bewahrende Dreifaltigkeit, die drei Unheilsmächte! Gemeint sind die drei Pratzen, die römischen Schicksalsgöttinnen, die tödliches Unheil symbolisieren. Es handelt sich um ein Chronogramm, dessen Buchstaben, die einen römischen Zahlenwert darstellen, die Jahreszahl 1768 ergeben. In jenem Jahr wurde die Wiederherstellung der Klosteranlage vollendet.[16]

Auf der Nordseite des Hofes steht die kreuzförmige, rund 48 Meter lange Klosterkirche. Sie ist nicht exakt geostet, sondern besitzt eine Ausrichtung des Chores nach Südosten. Ostwärts der Kirche schließt das zweigeschossige, langgestreckte barock veränderte Konventgebäude, das ehemalige Dormitorium, aus dem 16. Jahrhundert an. Davor befindet sich das Klosterquadrum. In seinem 2005 erbauten eingeschossige Westflügel befinden sich neben der Klosterpforte noch das Sprechzimmer und die Sakristei.

Vom Südflügel des Klosterquadrums, dem sogenannten Mittelgebäude, ist das romanische Refektorium erhalten geblieben. In der Barockzeit war in diesem Saal die Bibliothek eingerichtet worden. Archäologische und bauhistorische Untersuchungen 2006–2007 belegen, dass es sich hier um ein bedeutendes Zeugnis romanischer Klosterbaukunst handelt. Denn in der Nordwand sind Reste von einem ersten Bau um 1130 erhalten und lassen Reste eines Kreuzgangs erkennen. Um 1160 errichtet man ein größeres und breiteres, zweigeschossiges Gebäude mit den zwei großen, übereinander stehenden zweischiffigen sechs Jochen langen Sälen. Der 2008 restaurierte prachtvolle Saal im Obergeschoß des Südflügels aus romanischer Zeit lässt auf eine Phase von Reichtum und Priorität in der Geschichte des Klosters schließen.[17] Durch den Anbau eines Treppenhauses ist der romanische Saal wieder zugänglich. Der sich anschließende 2008 fertiggestellte Neubau für die Verwaltung und Gästezimmer vervollständigte 2009 die kreuzgangartige Anlage eines Klausdrums.

Der heutige weite Klosterhof wird im Süden durch die repräsentativen Barockbauten des einstigen Fremdenhauses von 1746, auch Gästehaus der Abtei genannt, und durch das Wirtschaftsgebäude von 1748 mit Bäckerei und Schlachterei flankiert. Diese Gebäude wurden 2000–2008 restauriert und als Tagungs- und Gästehaus mit dem Namen Ekkehard-Haus hergerichtet. Das Fremdenhaus ließ der kunstverständige Abt Arnold Brickwedde mit dem Cellerar Conrad Nolten durch den Halberstädter Heinrich Beyer erbauen. Das aufwendige, zweigeschossige Gebäude hat einen dreiachsigen Mittelrisalit mit geschweiften Giebel. Unter dem strengen Hauptportal befinden sich im Sprenggiebel Wappen und Inschriften. Die lateinische Inschrift Siehe den Bau hier aufgeführt unterm Sieg der Preußenheere. Nach dem Friedensbund gebührt dir, o Gott, allein die Ehre bezieht sich auf den Dresdener Frieden von 1745. Das Haus zeichnet sich durch eine großzügige Raumaufteilung aus. Im Festsaal, dem sogenannten Kaisersaal, sind auf den Deckengemälden, die der Halberstädter Malers Schape ausführte, Kaiser Franz I. und Kaiser Joseph II., die Könige Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm II., ferner deren Gemahlinnen, darunter Kaiserin Maria Theresia zu sehen. Erste Restaurierungsarbeiten im Kaisersaal, am Mittelbild und Stuckergänzungen erfolgten 1965.[18]

Wie die Kirche selbst zeigt sich der Klosterhof mit seinen Gebäuden als gelungene Mischung der Baustile vom 12. Jahrhundert bis zum späten 18. Jahrhundert. Das herrschaftliche Barock scheint die Erhabenheit der früheren klösterlichen Bauten der Benediktinermönche besonders hervorzuheben.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die 1121 geweihte Klosterkirche St. Maria ist ein bedeutendes Denkmal niedersächsischer Baukunst zwischen früh- und hochromanischer Architektur. Die Baugeschichte der Kirche erstreckt sich von der romanischen Bauphase des 12. Jahrhunderts über eine spätgotische zum Ende des 15. Jahrhundertsund bis zu einer barocken des 18. Jahrhunderts. Es scheint bei einigen Zeitabschnitten aber noch Forschungsbedarf zu geben. Belegt sind die Bauphasen von 1083– 1088 und von 1106–1123.

Torturmdurchfahrt, Gästebereich, Pfarrsaal und Kirche

Nach den Zerstörungen während der Kriege im 17. und 18. Jahrhundert erhielt die Kirche eine spätbarocke Einrichtung. Zu den architektonischen Veränderungen gehörten die neuen Seitenschiffmauern mit vergrößerten Rundbogenfenstern. Der Haupteingang wurde 1756 durch eine rechteckige Vorhalle umgestaltet. Im Westen errichtete man im Kircheninnern 1767 eine vorkragende Orgelempore. Der Chor bekam 1727 an seiner nördlichen und südlichen Wand je eine Türöffnung und die Marienkapelle erhielt ein neues Portal.

1974–1977 Neuausmalung der Kirche auf der Grundlage der Instandsetzung von 1929. Wandflächen wurden weiß und Architekturteile steinsichtig gehalten. Deckenbilder von 1729 wurden gereinigt.[19] 1979 Fußboden mit roten und weißen Sandsteinplatten erneuert. 1978–1979 erfolgte an der Südwand des Chores der Neubau einer Sakristei und der nördliche Kreuzgangflügel wurde bis an das Querhaus verlängert.

Das Äußere[Bearbeiten]

Grundriss der Klosterkirche

Die Klosterkirche ist in ihrer heutigen Gestalt eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit flachgedecktem Mittelschiff und gurtlos kreuzgratgewölbten Seitenschiffen. Sie wurde aus gelblichen Muschelkalk erbaut, der am Bauplatz vorhanden ist. Während die Hochschiffwand, die Vierung, die beiden Chorapsiden in hervorragender Hausteintechnik gearbeitet sind, bestehen die übrigen Gebäudeteile aus grobem, hammerechten Handquadermauerwerk. 1975–1976 erfolgte eine Neuverfugung des Mauerwerks.

Die zwei Türme des wuchtigen Westbaus mit den steilen gotischen Turmhelmen wurden 1487 hinzugefügt. Die kupfernen Wetterfahnen haben die Darstellungen der Mutter Gottes und des hl. Benedikt. Beide Westtürme und der Vierungsturm wurden 1975–1976 mit Kupferblech neu eingedeckt. Das Satteldach und die Giebel wurden 1492 erhöht und mit einem Dachreiter versehen.

Das Innere[Bearbeiten]

Der Hauteingang der Kirche mündet in einer breiten Vorhalle in das westliche Joch des südlichen Seitenschiffes. Eine halbrunde Apsis bildet den Westchor. Eine Orgelempore mit einwärts geschwungener Brüstung ragt im Westen bis ins zweite Langhausjoch vor. Der Aufriss des Langhauses der Klosterkirche ist zweigeschossig gegliedert. Die Arkatur besteht aus drei großen, jeweils von Pfeiler zu Pfeiler gespannten Rundbögen. Zwischen die Pfeiler ist mittig je eine Säule eingestellt, die ihrerseits je zwei in der Wandstärke zurückspringende Rundbögen trägt. Die dadurch entstandene differenzierte, sechsgliedrige Bogenreihe gibt als rheinischer Stützenwechsel dem Kirchenraum seine Leichtigkeit und Ruhe. Die einzige Ornamentik befindet sich an den Kapitellen der Säulen der Blendarkaden. In situ erlebbar sind noch die sechs Kapitelle des Langhauses in korintisierenden Formen. Hier gibt es Ähnlichkeiten zu Kapitellen im Westwerk von Corvey. Auch die Kapitelle in der Marienkapelle gleichen denen in der Klosterkirche Ilsenburg und denen im Michaelsteiner Refektorium.

Die Marienkapelle war ursprünglich der Nebenchor für die Teilnahme der Einsiedlerinnen am Gottesdienst. Die Statue der Muttergottes ist eine Kopie der romanischen Madonna vom Portal des Domes in Paderborn. Diese Figur stiftete 1952 Kardinal Lorenz Jäger als Zeichen der Verbundenheit über die damalige Grenze hinweg.

Durch die großen Obergadenfenster wird der Raum mit Licht erfüllt. Die Rundbogenfenster im nördlichen Seitenschiff sind zugemauert. Die Ostteile der Kirche bestehen aus einem sehr langen, rechteckigen Chor und einer Halbrundapsis. Nördlich, im ursprünglichen Nebenchor befindet sich die heutige Marienkapelle.

Die Ausstattung[Bearbeiten]

Die Ausstattung der Kirche umfasst bedeutende stücke aus allen Epochen der monastischen Zeit. Die Flachdecke der Kirche trägt ein großes barockes Deckengemälde eines unbekannten Meisters von 1729 und wurde 1815 übermalt. Bei einer umfassenden Restaurierung der Kirche 1930–1931 und 1933–1934 durch Fritz Lewecke wurden auch die Gemälde teilweise restauriert. Die Szenen beziehen sich auf das Wirken Gottes durch Jesus Christus mit der Bildfolge vom Hochaltar aus gesehen.[20]

  • Offenbarung des dreifaltigen Gottes, dessen Gegenwart im Sakrament der Eucharistie, dem Herrenmahl, erfahren und verehrt wird.
  • Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel, der Maria erscheint.
  • Die Engel verkünden den Hirten auf dem Felde bei Bethlehem, dass der Retter der Welt geboren ist.
  • Aufnahme Mariens in den Himmel.
  • Anbetung des Jesuskindes durch die drei Weisen aus dem Osten.
  • Das Böse wird endgültig vernichtet. Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen nach der Offenbarung des Johannes.

Gleichzeitig mit der Decken- und Wandmalerei erhielt die Kirche in der Ostapsis einen neuen Hochaltar. Er besteht aus einer sechssäuligen Kolonnade korinthischer Ordnung und prachtvollem Gebälk. Der Hochaltar mit dem lebensgroßen Figurenschmuck wurde unter Abt Engelbert Engemann 1777–1787 von dem Halberstädter Bildhauer Stubenitzki geschaffen. Auf der Nordseite erscheinen die Heiligen Papst Gregor d. Große, Stephanus und Ekkehard. Südlich stehen die heilige Maria Magdalena, die Patronin der Einsiedlerinnen Pia sowie Bischof Burchard I. von Halberstadt, der Erbauer der ersten Kirche auf dem Huy. Darüber thront auf Wolken die Heilige Dreifaltigkeit.

Altar in der Kirche Huysburg

Das Altargemälde der Himmelfahrt Mariae mit schwebenden Engeln und Apostel schuf 1781–1796 der Paderborner Maler Anton Joseph Stratmann. Dessen Sohn Anton Ferdinand Sohn als Maler, später wurde er Polizeikommissar, zusammen mit dem Tischler Eilenkötter aus Hildesheim und dem Holzbildhauer Hinse aus Söder bei Hildesheim 1793 die beiden Nebenaltäre aus. Das nördliche Altargemälde zeigt Maria die Schlange zertretend, das südliche hingegen Christus am Kreuz mit Marie, Johannes und Maria Magdalena. Sie wurden von Anton Joseph Stratmann gemalt. Die zwei seitlichen Schnitzfiguren der beiden Seitenaltäre stellen heilige Äbte dar.

Die geschnitzte Barockkanzel an der nordöstlichen Langhauswand stammt von 1767. Am Kanzelkorb ist Maria und Mauritius, das Wappen wird dem Abt Mattias Hempelmann (1723–1733) und Conrad Nolten (1756–1781) zugeordnet. Der Hauptaltar in der Vierung wurde 2006 von Werner Nickel aus Nienburg entworfen und in Sandstein von Frithjof Meussling aus Pretzien ausgeführt. Die vier Basen, sind Fundstücke aus dem Ostflügel der Klausur. Die Säulenschäfte stammen aus den alten Grundmauern. Neu wurde nur die Mensa, die Tischplatte gefertigt.

Orgel in der Kirche Huysburg

Die Orgel auf der Westempore schuf 1760 der Orgelbaumeister Adolar Papenius. Das Orgelprospekt mit Rokokoskulpturen musizierenden Engeln auf mehrfach geschwungener und auch an der Unteransicht geschnitzter Empore fertigte der Halberstädter Bildhauer Bartholdi. Durch unsachgemäße Restaurierung im 19. Jahrhundert stark beschädigt, wurde 1983 durch die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen die Orgel mit einem neuen Werk mit 23 Registern ersetzt.

In der Westapsis steht eine frühbarocke Sandsteintaufe in Kelchform. Ihre Kuppa ist geschmückt mit Engeln und Fruchtfestons in Hochrelief. Die Szene auf dem Holzdeckel stellt die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer dar.

Die einzig vom barocken Geläut noch erhaltene Rosenkranzglocke von 1695 mit 44 Zoll und 900 kg wurde vom Wolfenbüttler Gießer Heiso Meyer geschaffen.

Nahe dem Ausgang und dem Orgelaufgang befindet sich ein romanisches Türsturzfragment mit einem Engel, der ein Spruchband hält und eine Botschaft verkündet. Er stammt vermutlich von den um 1170 zerstörten Chorschranken aus der Zeit der Romanik.

Bis zur Aufhebung des Klosters[Bearbeiten]

Bischof Burchard II. beurkundete am 1. November 1084, dass das Kloster seine persönliche Stiftung und ein bischöfliches Eigenkloster sei.[21] Unter Abt Alfried wurde das Kloster zur Abtei mit Recht der freien Abtswahl erhoben. Er ließ die alten Klostergebäude abreißen und dem Mönchsstand besser entsprechende Häuser errichten. Die vergrößerte, heutige Klosterkirche wurde am 1. August 1121 geweiht und die Abtei 1133 fertiggestellt. Ab 1290 hatte das Kloster verstärkt unter finanziellen Nöten zu leiden, konnte aber erst 1398 unter Abt Jasper Edler von Berwinkel seinen Besitzstand wieder vergrößern.

In der Zeit der Reform des benediktinischen Mönchtums wurde das Kloster Huysburg am 14. März 1444 als drittes Kloster in die Bursfelder Kongregation aufgenommen und blieb im Papsttum. Unter Abt Dietrich Brand wuchs der Huysburger Konvent 1470 mit 31 neuen Mönchen stark an, was sich auch an den baulichen Veränderungen im gotischen Stil ablesen lässt.

Während des Bauernkrieges wurde die Huysburg am 5. Mai 1525 von einem vorüberziehenden Bauernheer geplündert und in Brand gesetzt.[22] Die Kirche wurde nicht zerstört und der Konvent blieb weitgehend zusammen.

Erst im Dreißigjährigen Krieg kam es zu großen Zerstörungen und Verwüstungen im Kloster. Mit dem Sieg der Schweden bei Breitenfeld 1631 setzte bei den katholischen Priestern und Ordensleuten die große Schwedenflucht ein. Die Huysburger Mönche gingen überwiegend nach Hildesheim. 1648 wurde durch den Westfälischen Frieden der Bestand der Huysburg und zehn anderer Klöster im Gebiet um Halberstadt garantiert. Das Bistum Halberstadt wurde zum Fürstentum umgewandelt und die Huysburg wurde zum Zentrum für die katholische Minderheit im Raum Magdeburg.

Neuen Aufschwung im Kloster gab es ab 1677 durch den im pommerschen Bessnitz geborenen Abt Nikolaus von Zitzewitz. Als studierter Jurist zeichnete er sich durch eine hervorragende ökumenische Gesinnung aus. Unter seiner Leitung stiegen die Jahresbeiträge beträchtlich und er konnte 37 Mitbrüder in das Kloster einführen. Sein Grab und Epitaph befinden sich im südlichen Querhaus der Klosterkirche.

Unter seinen Nachfolgern entstanden die heutigen barocken Bauten, wie das Gästehaus, die Wirtschaftsgebäude mit dem Torhaus und die Inneneinrichtung der Kirche.

Die Inkorporation des Klosters Minden[Bearbeiten]

Das Kloster Huysburg unterhielt in mittelalterlichen Zeiten keine Propsteien. Doch am 5. September 1696 wurde auf Betreiben von Abt Nikolaus von Zitzewitz das verarmte Mindener Benediktinerklosters St. Mauritius[23] der Abtei auf dem Huy mit Zustimmung der Bursfelder Union inkorporiert. Das Mindener Kloster hatte nach 1690 keinen Abt mehr, bestand nur noch aus sieben Mönchen und befand sich in größten finanziellen Schwierigkeiten. Die Inkorporation in das Kloster Huysburg erfuhr ihre Bestätigung durch den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. am 14. Februar 1697. Die Leitung dieses Klosters oblag fortan einem vom Huysburger Abt bestellten Prior. Dieses Huysburger Priorat hatte über die Aufhebung Huysburg hinaus bis 1810 Bestand.[24] 1801 hatte der Klosterkonvent Huysburg-Minden noch 15 Mönche in Huysburg und sechs in Minden.

Bibliotheksgeschichte[Bearbeiten]

Die Abtei Huysburg wurde 1525 geplündert. Dabei wurde auch die Bibliothek zerstört, doch überstanden nachweislich mehrere Bücher, wie Handschriften und Drucke, den Brand und Raub. Darunter auch einige, die in Huysburg gebunden worden waren. Während der Amtszeit vom Abt Nikolaus von Zitzewitz vergrößerte sich 1693 die Bibliothek wieder. Noch nach der Klosteraufhebung von 1804 spiegelte eine enorme Anzahl von Handschriften und Büchern die Blütezeit von Kloster und Bibliothek wider. Die Huysburger Bibliothek besaß etwa 4000 gedruckte Bücher und einige hundert Manuskripte. Der weitaus größte Teil des erhaltenen und bisher bekannt gewordenen Huysburger Buchbestandes stammt aus dem Ende des Mittelalters. Nach der Aufhebung des Klosters erhielt die Universität Halle 1810 den ersten Zugriff.[25] Dort trafen 1810 sechs Kisten mit Drucken aus Huysburg ein, oftmals mit dem Vermerk Monasterii B:M:V. quod est diocoesis Halberstadensis in Huissburgk. Ein größerer Teil von über 50 Handschriften und frühen Drucken gelangte in die Hände des ehemaligen Benediktiners, Pfarrer, Priester, Theologieprofessors, Bibelübersetzer und Büchersammlers Leander van Ess, eines Vetters des Huysburger Priors Carl van Ess. Ein umfänglicher Teil davon fand später seinen Weg zum Engländer Sir Thomas Philipps, dem größten Handschriftensammler aller Zeiten.[26]

Nachweisbare Huysburger Handschriften und Bücher in heutigen Bibliotheken:

Ein Großteil der Huysburger Handschriften und Drucke befinden sich heute verstreut in mehreren Bibliotheken Europas und Amerika, darunter sind:

  • Zwischen 1836 und 1840 erwarb das Britische Museum British Library zu London 13 Handschriften Nr. 26–38 aus dem 12. bis 15. Jahrhundert.[35]
  • Eine Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, Cantica canticorum mit der Nr. 39, besitzt die Public Library in New York.
  • Die meisten Bücher aus dem 12.–15. Jahrhundert, Nr. 40–55, befinden sich in der Union Theological Seminary - The Burke Library in New York. Darunter die 1512 in Paris gedruckten Bibel- und Brevierfragmente, das bis 1710 gehende Necrologium der Nonnen von Hadmersleben, das um 1500 in Strassburg gedruckte Martyrologium et Regula Sancti Benedicti und das 1496 in Speyer gedruckte Breviarium Benedictinum Congrgationis Bursfeldensis.

Äbte und Klostervorsteher[Bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Abt. [36]

  • 1080–1083 Ekkehard
  • 1083–1134 Alfried
  • 1135–1155 Egbert I.
  • 1155–1162 Degeno
  • 1162–1180 Otto
  • 1182–1194 Reimbold
  • 1194–1197 Heinrich I.
  • 1197–1216 Ropert
  • 1216–1219 Matthias I.
  • 1219–1239 Siegfried I.
  • 1240–1252 Ludolf
  • 1252–1257 Konrad I., resigniert
  • 1257–1258 Hugo, resigniert
  • 1258–1281 Werner von Schermke
  • 1281–1290 Heinrich II.
  • 1290–1300 Bruno, resigniert
  • 1300–1303 Konrad II.
  • 1303–1326 Ditmar
  • 1326–1329 Burchard
  • 1329–1334 Egbert II.
  • 1334–1336 Ulrich
  • 1336–1353 Konrad III.
  • 1353–1380 Gottfried
  • 1380–1398 Siegfried II. von Dahlheim
  • 1398–1423 Jasper Edler von Berwynkel (Berwinkel)
  • 1423–1427 Heinrich III. Dingelstedt
  • 1427–1440 Heinrich IV.Schwegerken
  • 1440–1458 Johannes I. Oldenroth
  • 1458–1483 Dietrich Brand
  • 1483–1505 Johannes II. Stoppel
  • 1505–1506 Konrad IV. von Minden
  • 1506–1547 Hermann Eike von Unna
  • 1547–1568 Johann III. Eike
  • 1568–1583 Johann IV. Köpen
  • 1583–1590 Georg Püstermacher
  • 1590–1598 Jakob Hildesheim
  • 1598–1633 Heinrich von Dellwig
  • 1633–1643 Johannes von Gronenberg, resigniert
  • 1643–1647 Sebastian Horn, abgesetzt
  • 1643-1650 Adam Adami, resigniert
  • 1643-1650 Sebastian Horn, erneut
  • 1677–1704 Nikolaus von Zitzwitz/Zitzewitz
  • 1704–1714 Jodokus Maes
  • 1714–1723 Placidus Conzen
  • 1723–1733 Matthias II. Hempelmann
  • 1733–1756 Arnold Brikwedde
  • 1756–1781 Konrad von Nolten
  • 1781–1796 Engelbert Engemann
  • 1796–1804 Isidor Hagspiel

Priorat von Tyniec[Bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Prior.[37]

  • 1972–1981 Alfred Göbel
  • 1981–1984 Paulus M. Hauke

Selbstständiges Priorat[Bearbeiten]

(Kongregation Annuntio)

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Prior.[38]

  • 1984–1989 Paulus M. Hauke
  • 1989–1991 Benedikt Moravez

Konventual-Priorat[Bearbeiten]

(affiliert Trier, St. Matthias)

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Prior.[39]

  • 1991–1993 Petrus Henke
  • 1993–2003 Dr. Anthanasius Polag

Priorat von Trier, St. Matthias[Bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Prior.[40]

  • 2003–2005 Dr. Anthanasius Polag
  • seit 2005 Antonius Pfeil

Konventsiegel[Bearbeiten]

Das runde, seit 1264 belegte Konventsiegel von 7,5 cm zeigt die thronende Gottesmutter mit Kind im linken Arm, rechts stehend den hl. Gregor mit Mitra und Krummstab in der Rechten und geöffnetem Buch in der linken, links stehend die hl. Maria Magdalena mit erhobener Rechter. Die aus zwei Siegeln von 1340[41] und einem von 1400[42] zu rekonstruierende Umschrift:

+SIGILLUM.SANCTE.MARIE.IN.HUYSBURCH.

Innere Umschriften:

S(ANCTUS).G(R)EGORIUS:S(ANCTA).MARIA.MAG(DALENA).

Vorhanden sind noch ein kleines Konventsiegel von 1597 und Abtssiegel von 1263, 1277, 1290, 1340, 1400, 1436, 1452 und 1465.

Nach der Säkularisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation wurde am 2. Oktober 1804 das Kloster Huysburg im Namen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. durch den Kriegsrat Krieger als aufgelöst erklärt und in eine preußische Domäne umgewandelt.[43] Bei der Klosteraufhebung wurden der Pfarrei Huysburg die Abteikirche und der Westflügel der Wirtschaftsgebäude vom Tor bis zur Kirche zugewiesen. Der Prior der Abtei, Carl van Ess, wurde zum Pfarrer der neuen Pfarrei Huysburg ernannt und die verbliebenen Mönche bekamen Wohnraum im Westflügel. Ab 1851 konnte die Pfarrgemeinde in ehemaligen Nordflügel der Klausur eine katholische Schule einrichten.

König Friedrich Wilhelm III. schenkte 1823 seinem späteren General und Generalfeldmarschall Karl Friedrich von dem Knesebeck die Domäne Huysburg und das Gut Röderhof mit 342 ha Ackerland. Mit dieser Schenkung anerkannte der König von Preußen die hervorragenden Leistungen Knesebscks in den Kriegen gegen Napoleon. Ab 1826 wurden große Teile des Klosterquadrums vom neuen Eigentümer abgetragen. Das Baumaterial diente zur Errichtung eines Landhauses, dem Schloss Röderhof in der Gemeinde Röderhof. So finden sich romanische Fenster und Portale im Schloss Röderhof. Ein Teil romanischer Kapitelle kam später in die Berliner Museen und ist heute im Bode-Museum ausgestellt. Gut, Brauerei und Schloss in Röderhof gingen 1878 in den Besitz der Familie Hahn und schließlich in den der Familie Schliephake über.[44]

Ab 1929 wohnten auf der Huysburg Caritasschwestern des Dritten Ordens des hl. Franziskus, die in der Familienarbeit, Krankenpflege und Jugendarbeit tätig waren. Die Schule wurde 1939 geschlossen und danach als Ausbildungs- und Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend genutzt.

Die Huysburg nach dem Zweiten Weltkrieg und Neubeginn[Bearbeiten]

In den Jahren der sowjetischen Besatzung 1945–1949 war in den barocken Wirtschaftsgebäuden eine Kommandantur untergebracht. Die Familien Schliephake und von dem Knesebeck wurden enteignet. Die Gebäude der Huysburg, die im Besitz der Familie von dem Knesebeck gewesen waren, wurden 1949 mit einem Pflegeheim des Kreises Oschersleben, dann vom Kreis Halberstadt belegt. Diesen Bereich kaufte 1992 das Bischöfliche Amt Magdeburg und für die Pflegeeinrichtung wurde dann 1998 in Dingelstedt das Caritasheim St. Pia gebaut.

Der neue Querflügel auf dem nicht öffentlichen Teil des Klostergeländes

Das Erzbistum Paderborn richtete am 11. Mai 1952 ein Zweigseminar des Paderborner Priesterseminars für die in der DDR liegenden Teile der Diözese ein. Es diente der pastoralen Ausbildung der Theologiestudenten. Die ehemalige Schule wurde als Wohn- und Unterrichtsbereich für die Alumnen genutzt. Das Priesterseminar wurde zum Kristallisationspunkt der Huysburg als kirchlicher Ort . Seit dem 2. Juli 1951 gab es Wallfahrten der Gemeinden des paderbornischen Kommissariates Magdeburg zur Huysburg. Das Seminar wurde nach der Wiedervereinigung 1993 geschlossen und die Priesterausbildung in Erfurt konzentriert. Die barocken Gebäude wurden zu einer Familienbildungsstätte und zu einem kirchlichen Zentrum ausgebaut.

Mit Unterstützung der polnischen Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau wurde am 14. September 1972 eine benediktinische Cella unter dem Titel Aufnahme Mariens in den Himmel auf der Huysburg errichtet. Von der Abtei Tyniec wurde sie monastisch verantwortet und vom Bischöflichen Amt in Magdeburg organisatorisch getragen. Der ehemalige Görlitzer Pfarrer und Pater Alfred Göbel wurde als Subprior der Cella ernannt. Erste Interessenten wurden wurden zum Noviziat nach Tyniec geschickt.[45] Es war damit neben dem Benediktinerinnenkloster Alexanderdorf das einzige Benediktiner-Mönchskloster in der DDR. Während der Solidarnosc-Bewegung in Polen kam es zu erschwerten Kontaktbedingungen zur Abtei Tyniec. Dadurch wurde die Huysburg am 8.September 1984 ein selbstständiges Priorat und Paulus Hauke ihr erster Prior.[46]

In der romanischen Klosterkirche Mariä Himmelfahrt mit barocker Ausstattung befindet sich das Grab des ersten Abtes der Huysburg, Ekkehards von Huysburg (†1084). Nach ihm ist das Gästehaus des Klosters als Ekkard-Haus benannt worden. Auf eigenen Wunsch fand im Juli 2004 auch der frühere apostolische Administrator Magdeburgs, Bischof Johannes Braun, der 1972 an der Wiederbegründung der benediktinischen Gemeinschaft auf der Huysburg mitwirkte, seine letzte Ruhestätte in der Klosterkirche. Die Huysburg ist einer der zentralen Wallfahrtsorte im Bistum Magdeburg. Viele katholische Christen kommen jährlich auf den Berg, um Gemeinschaft zu erleben, so zum Beispiel bei der jährlich am ersten Sonntag im September stattfindenden Familienwallfahrt des Bistums Magdeburg.

Die Wiedervereinigung 1990 brachte neue Möglichkeiten, denn nun war auch die Isolation des Priorats beendet. Nach intensiven Verhandlungen konnten am 1. Juni 1992 alle Gebäude und Flurstücke innerhalb der Klostermauern, die nicht im kirchlichen Besitz waren, vom Bischöflichen Amt in Magdeburg erworben werden. Damit verbunden war die Entwicklung eines Gesamtplanes für die Huysburg und der Auftrag des Bischöflichen Amtes, seit 1994 Bistum Magdeburg, an das Benediktinerpriorat zur Betreuung der Huysburg als kirchlicher Ort des Bistums.[47] Schon am 13.Mai 1991 übernahm Abt Ansgar Schmidt von der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier als Administrator die Leitung des Priorats Huysburg. Am 8. September 2004 stimmte das Generalkapitel der Kongregation dem Zusammenschluss der beiden Konvente in Trier und auf der Huysburg zu einer Mönchsgemeinschaft , der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier und dem Konvent auf der Huysburg, zu. Seitdem hat das Kloster auf der Huysburg den Status eines abhängigen Priorats.[48]

Durch den Förderverein Huysburg e.V. werden die Bauvorhaben auf der Huysburg sowie die kirchliche und kulturelle Arbeit der Mönche und des Bistums Magdeburg finanziell unterstützt und inhaltlich begleitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl van Eß: Kurze Geschichte der ehemaligen Benedictinerabtei Huysburg nebst einem Gemälde derselben und ihrer Umgebung. Halberstadt, Bür. f. Lit. u. Kunst, 1810 (Digitalisat)
  • Theodor Eckart: Geschichte des Klosters Huysburg, Braunschweig: Albert Limbach, Franke, Leipzig 1905.
  • E. Karnatzki: Die Benediktiner-Klosterkirche Huysburg. Diss. Berlin 1943.
  • Franz Schrader: St. Maria auf der Huysburg. Mit einem Beitrag „Rundgang durch die Huysburg“ von Johannes Schirpenbach †. St. Benno-Verlag, Leipzig 1984, 34 S., 16 Abbildungen außer Text
  • Berent Schwineköper (Hrsg.): Provinz Sachsen Anhalt; in: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Band 11; Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1987; ISBN 3520314029; S. 223–225.
  • Die Urkunden der Benedictiner-Abtei S. Mariae zu Huysburg, in Auszügen von H. Beyer, mitgetheilt von Fr.L.B. von Medem, und nochmals mit dem zu diesen Auszügen benutzten Copiarium verglichen und mit einigen Anmerkungen und Registern versehen von Friedrich Wiggert (1838)
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt, Regierungsbezirk Magdeburg. München, Berlin 2002.
  • D. Lorek: In nomine Domini! Die Huysburg - Zur Geschichte des Priesterseminar. Leipzig 2004.
  • Anthanasius Polag OSB: Huysburg, Benediktinerkloster. Passau 2008
  • O. Scheib: Die Chroniken des Benediktinerklosters Huysburg bei Halberstadt. Zu Inhalt, Geschichte und Fundorten besonders der Annalen von Franz Bouvelett OSB und von Christian Paullini. SMGB 120, 2009 S. 161–184.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Huysburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Station am Jakobsweg
  2. Anthanasius Polag, OSB: Huysburg. Benediktinerkloster. 2008, S. 2.
  3. Paschasia Stumpf, OSB: Gandersheim, Sr. Marien. In: Germania Benedictina. 1984 S. 223.
  4. Christof Römer: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 629.
  5. UB Hochstift Halberstadt I, 1883, S. 281 Nr. 311.
  6. LHASA, MD, Copiar 754 b.
  7. Christof Römer: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 673.
  8. UB Hochstift Halberstadt I, 1883 S. 73 Nr. 731.
  9. LHASA, MD, Copiar 753.
  10. LHASA, MD, Copiar 754 e.
  11. LHASA, MD, A 19, a XI. Nr. 276.
  12. Analista Saxo: MGH.SS 37, 2006 S. 416.
  13. Gesta episcoprum Halberstadensis: MGH.SS 23, 1874 S. 95.
  14. Chronicon Hujesburgense: Menzel 1934, S. 137.
  15. Chronicon Hujesburgense: Menzel 1934, S. 137.
  16. Anthansius Polag OSB: Huysburg. Benediktinerkloster. 2008, S. 22.
  17. Elisabeth Rüber-Schütte: Ein Blick in die Romanik. Zur Instandsetzung des Klausurflügels im Benediktinerkloster Huysburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Halle 2008.
  18. Anne Mueller von der Haegen: Das Benediktinerkloster Huysburg. 1997 S.25.
  19. Berichte Bezirk Magdeburg, Dingelstedt Kr. Halberstadt, Klosterkirche Huysburg. In: Denkmale in Sachsen-Anhalt. 1983 S. 528.
  20. Anthanasius Polag: Huysburg. Benediktinerkloster. 2008, S. 10–11.
  21. UB Hochstift Halberstadt I. 1883, S. 73 Nr. 106.
  22. LHASA,MD, A 13 Verhörprotokolle Nr. 625.
  23. Walter Stephan: Benediktinische Stätten in Deutschland. 1992 S. 196.
  24. Christof Römer: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 671.
  25. Wolfgang Milde: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 674.
  26. Wolfgang Milde: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 675.
  27. Kataloge: Berliner Handschriften. 1925, 1932, 1985, 1990.
  28. R. Schipke, K. Heydeck: Handschriftencensus der kleinen Sammlungen in den östlichen Bundesländern Deutschlands. Staatsbibliothek zu Berlin, 2000.
  29. M. Stähli: Handschriften der Dombibliothek zu Hildesheim. Wiesbaden 1991.
  30. Katalog: Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden. 1982.
  31. Katalog: Albrecht von Brandenburg. 1990 S. 211 Nr. 89.
  32. Kurzkatalog: Handschriften in Norddeutschland. Wiesbaden 1993.
  33. Cuveland: Das Kloster-Huysburg-Herbarius in Wolfenbüttel. 1989, S. 9–19.
  34. E. Bodemann: Die Handschriften der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Hannover. 1867.
  35. Liste: List of Additions to the Manuscripts in the British Museum in the years 1836–1840 London 1843.
  36. Frank Högg: Äbte und Klostervorteher. In: Germania Benedictina Bd. X-1, 2012 S.686–687.
  37. Frank Högg: Äbte und Klostervorsteher. In: Germania Benedictina Bd. X-1, 2012, S. 687.
  38. Frank Högg: Äbte und Klostervorsteher. In: Germania Benedictina Bd. X-1, 2012, S. 687.
  39. Frank Högg: Abte und Klostervorsteher. In: Germania Benedictina Bd. X-1, 2012, S. 687.
  40. Frank Högg: Abte und Klostervorsteher. In: Germania Benedictina Bd. X-1, 2012, S. 687.
  41. LHASA, MD, Rep. U 5, XIII. Nr. 143, 144.
  42. LHASA, MD, Rep. U 5, IX. Nr. 137.
  43. Alexander Dylng: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 658–659.
  44. Pfarrarchiv Huysburg: Abschrift der Dotationsurkunde, angefertigt am 13. August 1823.
  45. P. Alfred Goebel OSB: 10 Jahre Benediktinerkloster Huysburg. (Flugblatt) Huysburg 1982.
  46. Petrus Henke, Antonius Pfeil: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 661.
  47. Petrus Henke, Antonius Pfeil: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 662.
  48. Petrus Henke, Antonius Pfeil: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 662.

51.96018611111111.001930555556Koordinaten: 51° 57′ 37″ N, 11° 0′ 7″ O