Huzulen

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Volk der Huzulen; zur gleichnamigen Ponyrasse siehe Huzule.
Huzulen in Polen in den 1930er-Jahren
Bildunterschrift: Huzule auf der Reise, Lithografie von 1872
Huzulisches Hochzeitskleid, Markt in Kossiw, Oblast Iwano-Frankiwsk, 2005
Huzulen beim Musizieren mit einer Trembita (Xylographie von Zygmunt Ajdukiewicz, 1899)

Die Huzulen, manchmal auch Hutsul oder Hutzul genannt, sind ein russinisches Bergvolk in den Karpaten.[1] Als ostslawische Volksgruppe werden sie heute zumeist als Teil des ukrainischen Volkes betrachtet.

Bezeichnung[Bearbeiten]

Der Ursprung des Volksnamens Hutsul ist unbekannt. In anderen Sprachen werden sie folgendermaßen bezeichnet: polnisch und slowakisch huculi; russisch гуцу́лы/guzuly; ukrainisch гуцули/huzuly; ungarisch huculok; rumänisch huţuli.

Sprache[Bearbeiten]

Viele Huzulen sprechen neben ihrem eigenen russinischen Dialekt, der mit rumänischen Wörtern versetzt ist, noch Rumänisch und Ukrainisch.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Hauptartikel: Pokutien

In Nachbarschaft zu Bojken und Lemken leben sie im Karpatengebirge im Grenzgebiet zwischen der Ukraine, Polen und Rumänien. Die waldreichen Täler des Pruth und des Czeremosz sind ihre Heimat. Die Hauptstadt des Huzulenlandes ist Kossiw.

Geschichte[Bearbeiten]

Durch ihr Siedlungsgebiet bewegte sich unter anderem der große Vorstoß der Mongolen unter Dschingis Khan nach Europa in die ungarische Tiefebene. Die Pferde der Huzulen sind offensichtlich Nachkommen von zurückgelassenen Tieren der sich 1241 zurückziehenden mongolischen Armee.[1]

Vom 14. bis ins 18. Jahrhundert siedelten sich die Huzulen in den nördlichen Karpaten an. Im 17. und 18. Jahrhundert begannen sie auch die südlichen Karpaten, das ukrainische Transkarpatien und die rumänische Region Maramuresch zu besiedeln.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns riefen die Huzulen in den von ihnen bewohnten Gebieten im Januar 1919 eine unabhängige Huzulenrepublik aus. Mit Unterstützung der westukrainischen Volksrepublik hatte sie ein halbes Jahr Bestand, dann wurde sie von rumänischen Truppen erobert, danach gehörte das Gebiet von 1919 bis 1938 zu Rumänien bzw. zur Tschechoslowakei, dann bis 1944 teilweise zu Ungarn, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zur Ukrainischen SSR bzw. zur Ukraine.

In einer kurzen Blütezeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Rachiw gelegentlich als Huzulisches Paris bezeichnet.

Gegenwart[Bearbeiten]

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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die Huzulen im unwegsamen Hochgebirge der Karpaten von allen Entwicklungen der Zeitgeschichte abgeschnitten und lebten nach ihren eigenen Gesetzen und Bräuchen. So gibt es auch nach über 100 Jahren moderner Zivilisation noch immer Huzulen, die nach alter Sitte irgendwo für sich alleine im Einklang mit sowie von der Natur leben. Während der Sommermonate begeben sich Teile der Bevölkerung auf die Hochebenen der Karpaten auf Viehweiden.[1]

In religiöser Hinsicht haben unter den Huzulen die Griechisch-Katholische Kirche und die Ukrainisch-orthodoxe Kirche die meisten Anhänger.

Ursprünglich beschäftigten sich die Huzulen mit Schafzucht und Forstwirtschaft. Im Tal der Theiß, westlich von Chust ist Weinbau (siehe: Weinbau in Rumänien) verbreitet. Im Nebenerwerb werden dort auch Weidenruten gesammelt und für den Export nach Rumänien vorbereitet. Bekannt sind die Huzulen für ihre kunsthandwerklichen Fähigkeiten wie Holzschnitzerei, Kupferarbeiten, Weberei, Töpferei und besonders das Verzieren von Ostereiern. So gibt es auch heutzutage in Kossiw jeden Samstag den Huzulen-Basar. Auf diesem Markt ist von Kühen über Kleidung bis zum Kühlschrank alles zu bekommen. Farbenfroh bestickte Lederkleider und dicke Felljacken sowie geschnitzte Gebrauchsgegenstände mit typischen Huzulenmotiven lassen sich wunderbar vermarkten.

Das Museum für Volkskunst von der Huzulei und Pokutien[2] in Kolomyja zeigt die Kultur und Tradition der Huzulen. Die Sammlung wurde 1910 von Kurator Henryk Gąsiorowski zusammengestellt. Zu sehen sind huzulische Stoffe, Trachten, Haushaltsgegenstände, Musikinstrumente und die Einrichtung eines huzulischen Hauses.[3]

In das Bewusstsein der modernen Öffentlichkeit gelangten die Huzulen 2004 durch den Sieg der sich huzulischer Kulturelemente bedienenden Sängerin Ruslana beim Eurovision Song Contest sowie 2010 durch die Filmdokumentation Auf den Spuren der Nomaden des Australiers Tim Cope.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten]

  • Renata Makarska: Der Raum und seine Texte. Konzeptualisierungen der Hucul'ščyna in der mitteleuropäischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-59302-8, Eingeschränkte Vorschau auf Google Books.

Huzulen in der Belletristik[Bearbeiten]

  • Józef Wittlin: Das Salz der Erde. Roman. Amsterdam 1937; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-39669-2 (Die Hauptfigur stammt aus einem Huzulendorf.)
  • Juri Andruchowytsch: Zwölf Ringe. Roman. Boalsburg - Feldafing - Stanislawo-Frankiwsk 2003; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-518-45840-2 (Das Brauchtum der Huzulen ist eines der Themen des Romans.)

Film[Bearbeiten]

Feuerpferde ist ein sowjetischer Film, der sich mit den Huzulen beschäftigt. Er wurde auch in Deutschland gezeigt und rückte nach 1965 die Huzulen in ein allgemeineres Interesse.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Huzulen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d www.timcopejourneys.com: On the Trail of Ghengis Khan / The Expedition/ Ukraine (May 2006 – August 2007)
  2. Museum für Volkskunst von der Huzulei und Pokutien. karpaty.info
  3. Aleksander Strojny, Krzystof Bzowski, Artur Grossmann: Ukraine – der Westen. Reise Know-How Verlag Peter Rump 2008, S. 352