Hydrothermale Lösung

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Eine hydrothermale Lösung ist eine Wasseransammlung in Gesteinsschichten, die aufgrund der herrschenden Druckverhältnisse noch bei weit über 100 °C flüssig sein kann, allerdings nur bis zum kritischen Punkt des Wassers bei 374,15 °C. Hydrothermale Lösungen enthalten häufig große Mengen gelöster vulkanischer Gase und Minerale, auch solcher, die bei Raumtemperatur und Normaldruck völlig unlöslich wären.

Abkühlungsverhalten[Bearbeiten]

Die Abkühlung der hydrothermalen Lösungen beim Austritt aus dem Gestein führt zur Abscheidung dieser Minerale auf den angrenzenden Bodenschichten. Sie werden je nach Bildungstemperatur in vier Kategorien eingeteilt: Bei „hochthermalen Lösungen“ (katathermal) fällen die Minerale bei einer Temperatur von etwa 350 bis 300 °C aus, im „mittelthermalen Bereich“ (mesothermal) zwischen 300 und 200 °C, in „niedrigthermalen Lösungen“ (epithermal) zwischen 200 und 100 °C und schließlich im „telethermalen Bereich“ (anothermal) unterhalb von 100 °C.[1]

Abscheidung von Mineralen[Bearbeiten]

Dabei können feinkristalline Lagen entstehen, die bei wechselnden Inhaltsstoffen mehrfarbige Bänderungen aufweisen können (Achat, Malachit und andere). Unter geeigneten Bedingungen entstehen auch grobkristalline Rasen. Hier wird primär ein bestimmter Stoff abgeschieden, beispielsweise Siliciumdioxid als Quarz. Geringfügige Verunreinigungen führen zu Färbungen, wie bei Amethyst, Citrin und anderen Varietäten des Grundminerals (nicht bei Rauchquarz, bei welchem die Färbung durch Gitterfehler hervorgerufen wird). Beeindruckende Beispiele für diesen Prozess liefern Drusen, die einen Meter und mehr im Durchmesser groß und mit Kristallen gefüllt sind, deren Größe 10 cm erreicht, selten auch mehr.

Ansprechend gebänderte Stücke, solche mit interessanten optischen Phänomenen und große Kristalle werden von der Schmuckindustrie und vom Kunstgewerbe verarbeitet. Kristalle können einen Schliff erhalten, aus gebänderten Lagen werden Gemmen geschnitten, oder der Stein wird zu einer rundlichen Form geglättet. Im Handel wurde geeignetes Material, auch wenn es keiner hydrothermalen Lösung entstammt, gelegentlich als „Halbedelstein“ bezeichnet. Heute hat sich die Bezeichnung Schmuckstein durchgesetzt.

Unter anderen Umständen erzeugen hydrothermale Lösungen innerhalb von Gesteinskörpern in situ einen Austausch von Ionen und verursachen auf diese Weise Mineralneubildungen. Dieser metasomatische Vorgang wandelt Ausgangsgesteine in völlig andere Gesteine um, ohne dass ein orogener Prozess stattfand. Propylitisierung nennt man einen dieser Vorgänge in vulkanitischen Gesteinen.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Werner Lieber: Der Mineraliensammler. 6. Auflage. Ott Verlag, Thun und München 1973, ISBN 3-7225-6229-5, S. 29.
  2.  Wolfhard Wimmenauer: Petrographie der magmatischen und metamorphen Gesteine. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-94671-6, S. 345-346.

Weblinks[Bearbeiten]