Hymenalrekonstruktion

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Die Hymenalrekonstruktion (oder Revirgination) ist ein medizinischer Eingriff, bei dem ein beschädigter oder fehlender Hymen wiederhergestellt wird. Der Hymen hat bei erwachsenen Frauen keine biologische Funktion, eine Hymenalrekonstruktion geschieht daher allein aus sozialen und kulturellen Gründen.

Da in einigen Kulturen die Jungfräulichkeit der Braut als sehr wichtige Voraussetzung für eine Eheschließung gilt, bietet eine Hymenalrekonstruktion in solchen Kulturkreisen manchmal die einzige Möglichkeit, diese Bedingung zu erfüllen. Grundlage ist der immer noch weit verbreitete Irrglaube, dass der Hymen als Beweis der Jungfräulichkeit verwendet werden kann.

Eine Rekonstruktion wird ringförmig ausgeführt. Mit Mehraufwand kann jede Struktur plastisch aufgebaut werden. Die Täuschung ist oft sehr gut und von Ärzten nicht erkennbar. Selbst ein Rechtsmediziner oder ein anderer Gynäkologe kann die Rekonstruktion in der Regel kaum erkennen, was unter Umständen ein kriminalistisches Problem darstellen kann. Oft werden Reste des Hymen oder der Scheidenpartie für die Operation herangezogen. Der Hymen wächst bei dieser Behandlung sehr schnell nach und bildet sogar Blutgefäße, die somit auch eine Blutung beim erstmaligen Geschlechtsverkehr nach dem Eingriff bewirken. Diese Blutung kann auch trotz Operation aber niemals garantiert werden, da ein intaktes Hymen nicht zwangsläufig beim Geschlechtsverkehr einreißen muss.

Daten einer Hymenrekonstruktion werden in den aktuell meist in den Niederlanden ausgeführten aufwendigeren Rekonstruktionen nicht gespeichert, und somit ist auch datenbasiert keine Feststellung möglich. In Deutschland sind auch bereits zahlreiche Kliniken auf die Rekonstruktion spezialisiert.

Die Rekonstruktion beschreibt auch die operative Praxis der Hymen-Gewebeverdickung. Falls gewünscht, wird somit eine kosmetisch angebrachte von Blutzirkulation ausgeschlossene Membran mit einer Kapsel-Implantation versehen, die beim Vorgang der Penetration zusätzlich zu der natürlichen Gewebs-Spannung/ -Widerstand auch eine künstliche, blutähnliche Substanz, bestehend aus roter Gelatine, freisetzt. Bei einer Untersuchung des Blutes kann diese Substanz nachgewiesen werden.

Im Gegensatz zur Hymenrekonstruktion mit Blutkapilaren, die eine vaginale Enthaltsamkeit für bis zu 3 Monaten voraussetzt, sind bei der Hymen-Gewebeverdickung nur einige wenige Tage Schonung erforderlich. Diese wird daher oft wenige Tage vor einer geplanten Hochzeit in Anspruch genommen. Der Eingriff kann durch einen Gynäkologen allerdings leicht festgestellt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Verina Wild, Hinda Poulin, Nikola Biller-Andorno: Rekonstruktion des Hymens: Zur Ethik eines tabuisierten Eingriffs. Dtsch Arztebl 2009; 106(8): A-340 / B-292 / C-284, online, PDF-Version
  • Martina Lenzen-Schulte: Riskante Manipulationen. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Juni 2009, online
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