Hypercholesterinämie

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Klassifikation nach ICD-10
E78.0 Reine Hypercholesterinämie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Hypercholesterinämie versteht man einen zu hohen Cholesterinspiegel im Blut. In der Literatur wird es auch in manchen Fällen gleichbedeutend mit Hyperlipoproteinämie verwendet.[1] Im Allgemeinen wird ab einem Gesamtcholesterin im Blut von 200 mg/dl, dem zur Zeit empfohlenen Grenzwert, von einer Hypercholesterinämie gesprochen. Für die Bestimmung wird das Blut bei Nüchternheit untersucht (mindestens 14 Stunden nach der letzten Mahlzeit). Die Hypercholesterinämie wird als relevanter Risikofaktor insb. für Arteriosklerose betrachtet. Eine wesentliche Rolle für den Wert als eigenständiger Risikofaktor kommt dabei der ergänzenden Bestimmung der Unterkategorien HDL und LDL zu. Die Empfehlungen zu den Ober-, aber auch Untergrenzen der Messwerte im Hinblick auf die Risikokonstellation wurden in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund neuer Studienergebnisse mehrmals angepasst. Sie sind zudem abhängig von ergänzend vorhandenen Risikofaktoren sowie dem Alter und Vorerkrankungen betroffener Patienten.

Ursachen[Bearbeiten]

Es gibt vielerlei Ursachen eines erhöhten Cholesterinspiegels im Blut: erbliche Erkrankungen, aber auch Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Bauchspeicheldrüsenentzündung, nephrotisches Syndrom, gewisse Lebererkrankungen, Übergewicht, Alkoholismus, Schwangerschaft, die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Verhütungsmittel, Kortikosteroide und antiretrovirale Wirkstoffe bei HIV-Therapie)[2] und Essstörungen.[3]

(→ Hauptartikel Hyperlipoproteinämie und Homozygote familiäre Hypercholesterinämie)

Bedeutung als Risikofaktor[Bearbeiten]

Die Hypercholesterinämie gilt als ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit. Die anzustrebenden Zielwerte sind abhängig vom Vorhandensein weiterer Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Allgemein sollte bei einem Gesamtcholesterinspiegel im Blut von über 200 mg/dl eine weitere Aufdifferenzierung in LDL- (Low Density Lipoprotein) und HDL- (High Density Lipoprotein) Cholesterin erfolgen.

(→ Hauptartikel Low Density Lipoprotein)
(→ Hauptartikel High Density Lipoprotein)
Prävention kardiovaskulärer Ereignisse

Besondere Bedeutung kommt der Hypercholesterinämie als Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse (z.B. Herzinfarkt) bei Personen unter 55 Jahren zu.[4][5]

Primärprävention des Schlaganfalls

Eine medikamentöse Lipidsenkung ist von LDL-Wert und individuellem Risikoprofil abhängig zu machen. Bestehen keine zusätzlichen Risikoindikatoren sollte der LDL-Wert unter 130 mg/dl liegen (oder therapeutisch unter diesen Wert gebracht werden). Liegen ein Diabetes mellitus, ein erhöhtes vaskuläres Risiko oder eine KHK vor, sollte er unter 100 mg/dl liegen.[1] Dieser Wert gilt auch als Risikofaktor für eine Subarachnoidalblutung.[6]

Sekundärprävention des Schlaganfalls

Eine Hypercholesterinämie wird hier zwar als ursächlich für das Voranschreiten einer Arteriosklerose betrachtet - konkrete, eigenständige Empfehlungen für Zielwerte fehlen jedoch.[7]

Aneurysmen

Die Hypercholesterinämie wird als "minor Risk factor" für die Entstehung von Bauchaorten- und Beckenarterienaneurysmen eingestuft.[8]

Weitere Bedeutung

Die Hypercholesterinämie gilt als Kontraindikation für den Einsatz von Ovulationshemmern.[9] Für die ketogene Diät (kohlenhydratarme, energie- und proteinbilanzierte sowie extrem fettreiche Diät - imitiert den metabolischen Zustand des Fastens)[9] gilt die Hypercholesterinämie als Kontraindikation.

Behandlung[Bearbeiten]

Vorrangige Maßnahmen sind Gewichtsreduktion und sportliche Aktivität.[10] Hilfreich dafür können eine cholesterinarme, fettreduzierte, kalorienangepasste und ballaststoffreiche Diät sowie viel Bewegung an der frischen Luft sein. Reduziert sich der Cholesterinspiegel trotz dieser Maßnahmen nicht ausreichend, kann eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mittels Statinen notwendig werden.[10] Wie stark der Cholesterinspiegel gesenkt werden soll, ist von den oben genannten individuellen Faktoren abhängig.

Zur Senkung kommen sogenannte CSE-Hemmer (Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer) vom Typ der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren in Frage, die zur Verminderung des LDL-Cholesterins führen, indem sie unter anderem dessen Neubildung in der Leber hemmen. Diese Arzneistoffe sind als Statine bekannt. Weitere LDL-senkende Medikamente sind die Austauschharze (Colestyramin, Colesevelam). Des Weiteren gibt es die Wirkstoffgruppen der Fibrate und Nikotinsäurederivate sowie einen selektiven Cholesterinresorptionshemmer, das Ezetimib. In therapieresistenten Fällen insbesondere bei einer erblich bedingten Störung des Fettstoffwechsel kann auch die LDL-Apherese eingesetzt werden.

Prävention kardiovaskulärer Ereignisse

Eine Reduktion der Rate kardiovaskulärer Ereignisse durch Verminderung einer bestehenden Hypercholesterinämie konnte bei Personen über 55 Jahren nicht nachgewiesen werden. Das gilt auch für Patienten mit zusätzlich bestehender Zuckerkrankheit (eine statistische Risikoreduktion durch Gabe von Statinen ist unabhängig von der Höhe des Cholesterinspiegels).[5]

Primärprävention des Schlaganfalls

Der Nutzen von Statinen ist für Hochrisikopatienten insbesondere zur Vorbeugung gegen eine Atherothrombose statistisch belegt und wird daher auch nur für diese Gruppe von Patienten empfohlen.[1][7]

Sekundärprävention des Schlaganfalls

Nach einem ischämischen Schlaganfall wird eine Statintherapie auch bei normalem Cholesterinspiegel empfohlen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c S1-Leitlinie Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie. In: AWMF online
  2. S1-Leitlinie Empfehlungen zur antiretroviralen Therapie bei HIV-infizierten Kindern. In: AWMF online
  3. S1-Leitlinie Essstörungen. In: AWMF online
  4. Leitlinie Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen bei Diabetes mellitus. In: AWMF online
  5. a b Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter. In: AWMF online
  6. S1-Leitlinie Subarachnoidalblutung. In: AWMF online
  7. a b S3-Leitlinie Schlaganfall. In: AWMF online
  8. S2-Leitlinie Bauchaortenaneurysma und Beckenarterienaneurysma. In: AWMF online
  9. a b S1-Leitlinie Empfängnisverhütung. In: AWMF online
  10. a b S1-Leitlinie Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie. In: AWMF online
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