Hypereides

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Dieser Artikel betrifft den attischen Redner Hypereides. Für den gleichnamigen Töpfer, siehe Hypereides (Töpfer).
Hypereides entkleidet Phryne.
Historiengemälde (1861) Phryne vor dem Areopag von Jean-Léon Gérôme.
Hypereides

Hypereides (griechisch Ὑπερείδης, * 390/89 v. Chr.; † 322 v. Chr.) war ein griechischer Redner und Politiker. In der Harpalosaffäre (324 v. Chr.) beteiligte er sich am Sturz von Demosthenes, danach stieg er zum führenden Staatsmann Athens auf. Nach der Niederlage im Lamischen Krieg wurde er auf Befehl von Antipatros hingerichtet.

Werke[Bearbeiten]

Bis 2002 wurde allgemein angenommen, dass von Hypereides nichts überliefert, d.h. über die Jahrtausende hinweg immer wieder neu abgeschrieben wurde. Seit 1847 wurden in Ägypten Papyrusrollen mit einigen seiner Reden gefunden. Vollständig erhalten ist die Rede Für Euxenippos (um ein Traumorakel), fragmentarisch die Reden Für Lykophron, Gegen Demosthenes (aus dem Harpalosprozess), Gegen Philippides, Gegen Athenogenes und Für die Gefallenen des Lamischen Krieges. Zwischen 2002 und 2008 wurden im Archimedes-Palimpsest Teile von zwei weiteren Reden identifiziert und entziffert.

Anekdotisches[Bearbeiten]

Hypereides war ein skandalumwitterter Lebemann: „Als Hypereides die Hetäre Phryne in einem Prozess verteidigte, ohne Eindruck zu machen (…), ließ er sie vorführen, zerriss ihre Kleider, entblößte ihren Busen und brachte bei ihrem Anblick seine Beschwörungen in einem so mitleiderregenden Ton vor, dass er die Richter mit einer Art religiöser Scheu davor erfüllte, die Prophetin Aphrodites zu verurteilen.“ (Athenaios 13,590ef)

Gemäß anderen Überlieferungen erfolgte ein Freispruch der Phryne, die der Gottlosigkeit angeklagt wurde, durch den Areopag, nachdem Hypereides der Hetäre vor der versammelten Männergesellschaft ihren Mantel vom Leibe riss. Der Französische Maler Jean-Léon Gérôme hielt diese Szene in einem Gemälde von 1861 fest.

Ausgaben[Bearbeiten]

Textausgaben
  • Christian Jensen (Hg.): Hyperidis Orationes sex cum ceterarum fragmentis. Teubner, Stuttgart 1917, Neudruck 1963 (die maßgebliche Textausgabe)
  • Kenyon, Frederic George (Hg.): Hyperidis Orationes et fragmenta, Clarendon, Oxford 1907, Neudruck 1961 (IA)
  • Friedrich Wilhelm Schneidewin (Hg.): Hyperidis Orationes duae. Ex papyro Ardeniano editae. Dieterich, Göttingen 1853 (enthält pro Euxenippo und pro Lycophrone)
Übersetzungen
  • David Whitehead (Hg. u. Übers.): Hypereides, the forensic speeches. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-815218-3
  • Wilhelm Siegmund Teuffel (Hg.): Hypereides erhaltene Reden, zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt. Stuttgart 1882

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]