Hyperkaliämie

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Klassifikation nach ICD-10
E87.5 Hyperkaliämie
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Als Hyperkaliämie bezeichnet man einen mitunter lebensbedrohlichen Zustand, der durch einen erhöhten Kaliumspiegel gezeichnet ist. Als Hyperkaliämie wird dabei ein Serumkaliumwert über 5,0 mmol/l (bei Kindern > 5,4) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Diagnose

Ein einzelner erhöhter Wert sollte immer kontrolliert werden, da durch Hämolyse bei unsachgemäßer Blutabnahme zu hohe Kaliumwerte gemessen werden.

Fehlerquellen bei falsch erhöhten Werten (Pseudohyperkaliämie) können sein:

  • Bei der Blutprobe ist zu lange gestaut bzw. zu lange mit der Hand gepumpt worden. Dadurch ist es zur Hämolyse gekommen.[1]
  • Schnelle Aspiration durch zu kleinlumige Kanüle
  • Das Blut wurde vor der Zentrifugation zu lange stehen gelassen und hat sich bereits zu stark zersetzt.
  • Kaliumfreisetzung in der Blutprobe bei exzessiver Thrombozytose oder Leukozytose (z.B. bei CML)

Bei einer Hyperkaliämie fallen im EKG eine spitze hohe T-Welle, der Verlust der P-Welle und eine Verbreiterung des gesamten QRS-Komplexes (insbesondere Rechtsschenkelblock) auf. Die EKG-Veränderungen weisen aber eine nur geringe Sensitivität und Spezifität auf. EKG-Kontrollen ersetzen daher bei der Überwachung einer kaliumsenkenden Therapie nicht regelmäßige Kalium-Kontrollen.[2]

[Bearbeiten] Ursachen

Zu erhöhten Kaliumspiegeln kommt es, wenn über die Niere nicht genug Kalium ausgeschieden werden kann. Das geschieht bei akutem Nierenversagen, chronischer Niereninsuffizienz und Nebennierenrinden-Insuffizienz (Morbus Addison). Weiterhin können verschiedene Medikamente den Blutkaliumspiegel erhöhen. Dazu gehören ACE-Hemmer, Aldosteronantagonisten, Triamteren, Zytostatika, kalte Erythrozytenkonzentrate und bestimmte hormonelle Kontrazeptiva (mit Gestagen Drospirenon (Yasmin/Petibelle)- Drospirenon ähnelt strukturell Spironolacton).

Der Serumkaliumspiegel wird akut durch pH-Wert-Änderungen beeinflusst. Ein Änderung des pH-Werts um 0,1 führt zu einer gegensinnigen Änderung des Kaliumspiegels von etwa 0,4 mmol/l. Sinkt der pH-Wert, kommt es zur Azidose (metabolisch, respiratorisch). Dadurch kommt es zur Verteilungshyperkaliämie, der Verlagerung von intrazellulärem Kalium in den Extrazellularraum.

Schwere Verletzungen der Muskulatur mit Rhabdomyolyse, aber auch Verbrennungen führen ebenfalls zu einer Verlagerung des intrazellulären Kaliums in den Extrazellularraum.

Besonders in Kombination mit verminderter Ausscheidung kann auch eine erhöhte Zufuhr zur Hyperkaliämie führen. Kaliumreiche Infusionen, sowie bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz auch schon größere Mengen Trockenobst oder kaliumreiche Früchte (Bananen) können dazu beitragen.

[Bearbeiten] Pathophysiologische Vorgänge am Herzen

Eine leichte Hyperkaliämie (bis ca. 8 mmol/L) führt zunächst insgesamt zu positiver Chronotropie und Inotropie, da die Herzzellen etwas depolarisiert und damit leichter erregbar sind. Bei schwerer Hyperkaliämie (ab ca. 10 mmol/L) wird das Membranpotential gemäß der Nernst-Gleichung stark positiv. Die Zelle kann nach einem einzigen Aktionspotential nicht mehr unter die ca. -40mV repolarisieren, und nur unterhalb dieser Schwelle öffnen die Aktionspotential-initiierenden spannungsabhängigen Natriumkanäle. Das Herz wird damit in der Diastole arretiert. Dies nutzt man in der Herzchirurgie: Das Herz wird bei Operationen mit so genannter kardiopleger Lösung (Kalium >15mmol/L) perfundiert und fängt bei normaler Durchblutung meist ohne Komplikationen eigenständig wieder das Schlagen an[3].

[Bearbeiten] Therapie: kaliumumverteilende und kaliumsenkende Maßnahmen

  • Kalziumlösung 500–1000 mg i.v. , Wirkungsdauer ca. 30 Min. Stabilisiert das Ruhemembranpotential der Herzmuskelzellen und des Reizleitungssystems, wodurch Arrhythmien verhindert werden.[4]
  • Inhalation mit ß2-Mimetika, z. B. Salbutamol. Shift von Kalium nach intrazellulär.[5]
  • Glukoselösung + Alt-Insulin, Wirkungsbeginn nach 30 Min., Wirkungsdauer 4–6 Stunden. Insulin induziert gleichzeitigen Shift von Glukose und Kalium nach intrazellulär.[4]
  • Natriumbikarbonat, Wirkungseintritt nach ca. 10 Min., Wirkungsdauer 2 Stunden. Alkalose → Natriumprotonen-Austauscher (NHE) aktiv → Shift von Natrium nach extrazellulär → erhöhte Aktivität der Natrium-Kalium-Pumpe → Kaliumsenkung extrazellulär[6]
  • Furosemid i. v.
  • Einschränkung der enteralen Kaliumzufuhr
  • Kationenaustauscher (entweder oral oder rektal)
  • Absetzen von Eplerenon, Spironolacton, Triamteren, ACE-Hemmer

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Annals of Clinical Biochemistry 2008; doi:10.1258/acb.2007.007123
  2. Brian T. Montague et al.: „Retrospective Review of the Frequency of ECG Changes in Hyperkalemia.“ Clin J Am Soc Nephrol 2008; 3: S. 324-330 Abstract
  3. Schmidt/Thews, Physiologie des Menschen, 29. Auflage, Seiten 478, 719, 802
  4. a b Sood MM, Emergency management and commonly encountered outpatient scenarios in patients with hyperkalemia, PMID 18053465
  5. Rastergar, Hypokalaemia and hyperkalaemia PMID 11723313
  6. Kamel S., Controversial issues in the treatment of hyperkalaemia, PMID 14551344

[Bearbeiten] Literatur

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