Augenabstand

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Als Augenabstand (Synonyme: Interpupillardistanz (IPD), Pupillardistanz (PD), Pupillenabstand) bezeichnet man in der Augenheilkunde und Augenoptik den in Millimeter angegebenen Abstand beider Augen zueinander. Er ist beim Anpassen einer Brille zu berücksichtigen und dient der Ausrichtung der optischen Achsen von Brillengläsern (Hauptdurchblickspunkt) an denen der Augen (Augenachsen).

Physiologie[Bearbeiten]

Der Augenabstand beträgt beim Menschen durchschnittlich 65 mm (Männer) bzw. 62 mm (Frauen),[1] kann aber je nach Konstitution und Größe im Bereich zwischen ca. 55 mm und 75 mm variieren.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kann der Augenabstand, wenn auch nur in geringem Umfang, Einfluss auf die Fähigkeit zur Unterscheidung von Entfernungen haben.[2]

Der Augenabstand wird als biometrisches Merkmal bei der Gesichtserkennung benutzt.

Mittels des eigenen Daumens und des Augenabstands kann nach dem Strahlensatz beim sogenannten Daumensprung die Entfernung zu einem Objekt geschätzt werden.

Pathologie[Bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
Q75.2 Hypertelorismus
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Ein zu großer oder kleiner Augenabstand kann krankhaft bedingt sein.

Hypertelorismus[Bearbeiten]

Der Begriff Hypertelorismus bezeichnet einen vergleichsweise großen Augenabstand. Oft geht Hypertelorismus mit einem Telekanthus einher. Hypertelorismus ist definiert als ein Abstand zwischen den Pupillenmitten (Interpupillardistanz, IPD) oberhalb des 97 %-Perzentils anteilig einer Verteilung in der Normalbevölkerung. Bei erwachsenen Frauen wird eine Interpupillardistanz größer als 65 mm, bei Männern größer 70 mm als Hypertelorismus bezeichnet.

Hypertelorismus ist nicht zwangsläufig ein Krankheitsmerkmal. Relativ häufig handelt es sich um eine isolierte Anomalie, die als Merkmal bei Frauen bis zu einem gewissen Grad oftmals als attraktiv empfunden wird. Berühmte Beispiele sind Liza Minnelli und Jacqueline Kennedy Onassis.[3] Ausgeprägter oder asynchroner Hypertelorismus kann als ernstzunehmender kosmetischer Defekt stark beeinträchtigen und für eine chirurgische Korrektur des Abstands zwischen den Augenhöhlen sprechen.[4]

Hypertelorismus ist Bestandteil einer Vielzahl von Syndromen, beispielsweise findet er sich bei Menschen mit Katzenschrei-Syndrom (5p-, Cri-du-chat-Syndrom), Wolf-Hirschhorn-Syndrom (4p-), Zellweger-Syndrom, Triploidie, Noonan-Syndrom, Gorlin-Goltz-Syndrom, Fraser-Syndrom, Trisomie 14, Edwards-Syndrom (Trisomie 18), Trisomie 22, LEOPARD-Syndrom, De-Grouchy-Syndrom, Mabry-Syndrom, Morbus Crouzon und Dubowitz-Syndrom, Down-Syndrom (Trisomie 21), Alagille-Syndrom.[5] oder ATR-X-Syndrom

Hypotelorismus[Bearbeiten]

Der Begriff Hypotelorismus bezeichnet einen vergleichsweise kleinen Augenabstand. Er kommt häufig vor bei Menschen mit Pätau-Syndrom (Trisomie 13), Trisomie 8, Trisomie 9, Holoprosencephalie oder fetalem Alkoholsyndrom.[5]

Messung[Bearbeiten]

Bezugspunkt für die Messung des Augenabstands ist entweder der Pupillenmittelpunkt oder der äußere Saum der Iris. Wegen des dynamischen Pupillenspiels ist letzterer insbesondere für ungeübte Untersucher leichter zu beurteilen. Die Bestimmung erfolgt entweder durch Summierung des rechten und linken Augenabstands von der Pupillenmitte zur Mitte der Nasenwurzel oder durch die Abstandsmessung der jeweils rechten oder linken Irisränder. In einem Brillenpass werden dann in der Regel die Werte einzeln für den Abstand der rechten und linken Pupillenmitte zur Gesichtsmitte notiert (bspw. 32 mm / 33 mm), was die Dokumentation von Asymmetrien ermöglicht und insofern für die Ermittlung der Durchblickspunkte im Brillenglas eine höhere Präzision ermöglicht als eine Messung von Auge zu Auge (bspw. 65 mm).

Die eigene Interpupillardistanz kann mit einiger Genauigkeit selbst gemessen werden, wenn man einen weit entfernten Punkt erst mit dem einen und dann mit dem anderen Auge über ein in geringem Abstand gehaltenes Lineal anvisiert und die Differenz der dabei abgelesenen Werte ermittelt.

Optische Geräte[Bearbeiten]

Zur Einstellung der Okularabstände optischer Gerätschaften, die über einen Binokulartubus verfügen, gibt es spezielle Vorrichtungen, die den individuellen Augenabstand berücksichtigen und so einen optimalen Durchblick gewährleisten.[6]

Eine weitere Bedeutung des Begriffs „Augenabstand“ besteht in der Distanz von Auge zu Okular, die einen bestimmten Wert nicht überschreiten sollte, um keine Einschränkungen des Gesichtsfeldes auszulösen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neil A. Dodgson: Variation and extrema of human interpupillary distance. In: Stereoscopic Displays and Virtual Reality Systems XI. 19–22 January 2004, San Jose, California, USA. Proceedings of Electronic Imaging, Science and Technology. (= SPIE, International Society for Optical Engineering. Proceedings. 5291). SPIE, Bellingham WA 2004, ISBN 0-8194-5194-0, S. 36–46 (PDF-Datei; 235 kB).
  2. Roland Gockeln: Der Einfluß der Interpupillardistanz auf die Tiefensehschärfe. In: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde. Bd. 209, Nr. 10, 1996, ISSN 0023-2165, S. 205–210, doi:10.1055/s-2008-1035303.
  3. Lech Korniszewski: Dziecko z zespołem wad wrodzonych: Diagnostyka dysmorfologiczna. PZWL, 1994, ISBN 83-200-1808-0.
  4. Joachim E. Zöller, Alexander C. Kübler, Wilma D. Lorber, Joachim Mühling: Kraniofaziale Chirurgie. Thieme Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-131391-9.
  5. a b Wolfgang Hammerstein, Walter Lisch: Ophthalmologische Genetik. Enke Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-94941-3.
  6. Patent Vorrichtung zur Pupillendistanz-Verstellung bei Okularen, Veröffentlichungsnummer DE102005043646 A1 vom Oktober 2006
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