Iñaki Urdangarin

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Iñaki Urdangarin
Iñaki Urdangarin

Iñaki Urdangarin (2008)

Spielerinformationen
Geburtstag 15. Januar 1968
Geburtsort Zumárraga, Guipúzcoa, Spanien
Staatsbürgerschaft SpanierSpanier spanisch
Körpergröße 1,97 m
Spielposition Rückraum rechts
Wurfhand links
Vereinsinformationen
Verein Karriere beendet
Vereine als Aktiver
  von – bis Verein
1986–2000 SpanienSpanien FC Barcelona
Nationalmannschaft
Debüt am
            gegen
  Spiele (Tore)
SpanienSpanien Spanien 170 (371)

Stand: Nationalmannschaft 1. Januar 2007

Iñaki Urdangarin Liebaert (* 15. Januar 1968 in Zumárraga, Guipúzcoa) ist ein ehemaliger spanischer Handballspieler. Er ist nach seiner Heirat mit Infantin Cristina von Spanien Herzog von Palma. In Spanien lautet die korrekte Anrede Seine Exzellenz.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Iñaki Urdangarin Liebaert ist das sechste Kind von Juan Maria Urdangarin Berriochoa (1932–2012) und der Belgierin Claire Liebaert Courtain (* 1935). Er wuchs in Barcelona auf und besuchte dort die Caspe - Sagrado Corazon de Jesus Schule. Zwischen seinem 16. und 18. Lebensjahr lebte er in Vitoria-Gasteiz und besuchte dort die Santa Maria del Pilar Schule. Bereits in der Schulzeit spielte er in der Schulmannschaft Handball. Mit 18 Jahren wechselte er zum professionellen Handball.

Während seiner Handballkarriere studierte er Business Administration und Management an der Universität Barcelona. Er erreichte einen Masterabschluss in Business Training und Audit als Unternehmensberater, einen Abschluss in Business Administration und Management mit integriertem Master in Business Administration an der ESADE in Barcelona.

Handballkarriere[Bearbeiten]

Urdangarin war von 1986 bis 2000 professioneller Handballspieler beim FC Barcelona. Er nahm mit der spanischen Handballnationalmannschaft dreimal an Olympischen Sommerspielen teil. Bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 errang er mit seiner Mannschaft jeweils die Bronzemedaille. Bei den Handballeuropameisterschaften 2000 in Kroatien gewann er ebenfalls die Bronzemedaille. 2000 zog er sich vom aktiven Sport zurück.

Im November 2001 wurde ihm das Großkreuz des Real Orden del Mérito Deportivo, ein königlicher Orden für Verdienste im Sport, verliehen.

Ehe und Kinder[Bearbeiten]

Bei den Olympischen Spielen 1996 lernte er über den Wasserball-Torhüter Jesús Miguel Rollán die Infantin Cristina de Borbón, Tochter von König Juan Carlos I., kennen. Sie heirateten am 4. Oktober 1997 in der Kathedrale von Barcelona. Urdangarin wurde anlässlich der Hochzeit der Titel des Herzogs von Palma verliehen. Das Ehepaar hat vier Kinder, die auf den Plätzen acht bis elf der spanischen Thronfolge stehen:

  • Juan Valentín de Todos los Santos (* 29. September 1999 in Barcelona)
  • Pablo Nicolás (* 6. Dezember 2000 in Barcelona)
  • Miguel (* 30. April 2002 in Barcelona)
  • Irene (* 5. Juni 2005 in Barcelona)

Aufgaben und Beruf seit 2000[Bearbeiten]

Seit seiner Eheschließung hat er Interesse für soziale und kulturelle Themen gezeigt, insbesondere wenn sie mit Sport verbunden waren. Er ist Direktor von mehreren sozialen Stiftungen in Spanien, aber auch international. Dazu zählen die Balia Stiftung für Kinder, die Equipara Stiftung, die Eisenhower Stiftung, die Sport, Kultur und Integration Stiftung und die Barcelona F.C. Stiftung.

Bis 2009 war er Berater der Motorpress Ibérica für Bertelsmann.[1]

Korruptionsaffäre[Bearbeiten]

Urdangarin fungierte von 2004 bis 2006 für die vorgeblich gemeinnützige „Stiftung Nóos“ als dessen Vorsitzender. Als 2006 der erste Verdacht der Korruption gegen Urdangarin auftauchte, übte der König Druck aus, und Urdangarin legte den Vorsitz der Stiftung nieder und wechselte zum spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica (in Deutschland bekannt durch die Marke O2).[2] Drei Jahre später zogen Urdangarin und die Infantin Cristina mit den vier Kindern in die USA um. Urdangarin arbeitet seitdem als Berater für Telefónica in Washington, D.C.[3][4]

Nach Ermittlungen der Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsdelikte besteht der Verdacht, dass Urdangarin als Vorsitzender der „Stiftung Nóos“ mit seinem Geschäftspartner Diego Torres im Umfang von vier Millionen Euro Gelder von den Regionalregierungen auf den Balearen und in Valencia veruntreut hat. Die Aufträge der Regierung der Balearen habe Urdangarin ohne öffentliche Ausschreibung erhalten. Die „Stiftung“ soll für die Organisation von Kongressen über Sport und Tourismus fiktive Rechnungen für erfundene Dienstleistungen ausgestellt haben. Ein Teil der Einnahmen soll über ein Firmengeflecht auf Privatkonten von Urdangarin und Torres gelandet sein. Das Gericht machte zwar keine genauen Angaben zur Anklage, der Ermittlungsrichter José Castro Aragón lud Urdangarin als Angeklagten für den 6. Februar 2012 zur Vernehmung vor; dies stellte einen bislang einmaligen Vorgang in Spanien dar, denn nie zuvor ist ein Mitglied der königlichen Familie angeklagt worden.[5][6]

Neben Urdangarin wurden weitere acht Personen angeklagt, darunter auch Diego Torres und dessen Frau sowie ehemalige Mitglieder der Regionalregierung der Balearen wie der ehemalige Inselpräsident Jaume Matas. Sie gehören der konservativen Volkspartei (PP) an, die nun in Spanien regiert. Die Infantin Cristina befand sich nicht unter den Angeklagten, obwohl sie zum Vorstand der Stiftung gehörte und ihr persönlicher Sekretär, Carlos García Revenga, Schatzmeister war und sie zudem Teilhaberin einiger Firmen, auf deren Konten Urdangarin Gelder geschleust haben soll. Ihnen wird zudem Steuerbetrug vorgeworfen.

Lange Zeit hat der König zu den Korruptionsvorwürfen geschwiegen, am 12. Dezember 2011 hat er seinen Schwiegersohn und die Tochter Cristina von den offiziellen Aktivitäten der Königsfamilie ausgeschlossen. Des Weiteren kündigte er an, dass er ein Tabu brechen und Volk und Regierung künftig finanzielle Rechenschaft ablegen werde. Erstmals wurden daraufhin auf der königlichen Homepage enthüllt, wie Juan Carlos und alle anderen Familienmitglieder die vom Staat zugebilligte, frei verwendbare Apanage genutzt haben. Gleichzeitig betonte er, Urdangarin habe niemals Mittel aus dem königlichen Etat bezogen.

Am 25. Januar 2013 wurde vom spanischen König Juan Carlos angeordnet, Urdangarin von der königlichen Webseite zu streichen.[7] Ein paar Tage später ordnete ein Ermittlungsrichter in Palma de Mallorca an, dass Urdangarin und Torres eine Kaution in Höhe von insgesamt 8,1 Millionen Euro hinterlegen müssen. Das Geld soll für den Fall einer Verurteilung die zivilrechtliche Haftung abdecken.[8] Da Urdangarín dem nicht nachkam, wurde die Beschlagnahmung seiner Güter eingeleitet.

Am 8. Februar hat die Stadtverwaltung von Palma eine der wichtigsten Straßen von Palma de Mallorca, die Rambla dels Ducs de Palma de Mallorca (Allee der Herzöge von Palma) auf Grund der Vorwürfe in den alten Namen La Rambla (Die Allee) umbenannt – Urdangarín wurde nach seiner Hochzeit mit der Königstochter der Titel eines Herzogs von Palma verliehen.[9] Zuvor war eine E-Mail Urdangaríns an einen Mitarbeiter des königlichen Palastes veröffentlicht worden, die sehr brüskierend war; darin unterzeichnete Urdangarín mit einer anzüglichen Verballhornung seines Herzogtitels.[10]

Im Februar 2013 wurden durch Diego Torres E-Mails der Presse zugespielt, die nahelegen, dass das Königshaus wesentlich früher über die dubiosen Geschäfte von Urdangarin besorgt gewesen war als bislang behauptet. Laut einem Bericht der New York Times sei bereits im Sommer 2004 Druck auf Urdangarin ausgeübt worden, seinen Posten als einer der Chefs von „Instituto Nóos“ zu verlassen. Aus ihnen geht auch hervor, dass Corinna zu Sayn-Wittgenstein – Freundin des Königs, die Juan Carlos 2011 bei der heftig kritisierten Elefantenjagd in Afrika begleitete – mit den Unternehmungen in Verbindung stand und Urdangarín bei der Suche nach weiteren lukrativen Nebenjobs in Stiftungen und Sportverbänden behilflich war.[11]

Anfang November 2013 wurde bekannt, dass die spanischen Justiz im Zuge der Korruptionsermittlungen 16 Immobilien von Urdangarin im Gesamtwert von 6,1 Millionen Euro beschlagnahmt hat. [12]

Laufbahn als Handballer[Bearbeiten]

FC Barcelona[Bearbeiten]

  • Internationale Titel:
  • Nationale Titel:

Spanische Handballnationalmannschaft[Bearbeiten]

Urdangarin absolvierte 170 Länderspiele und nahm an neun Großereignissen teil:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Iñaki Urdangarín, víctima del recorte de gastos de Berstelmann http://www.eleconomista.es/, abgerufen am 30. Dezember 2011
  2. Iñaki Urdangarín wegen Betrugs angeklagt, süddeutsche.de, abgerufen am 30. Dezember 2011
  3. Los Duques de Palma se trasladan a Washington al aceptar Iñaki Urdangarín una oferta de Telefónica
  4. Cristina e Iñaki, paseo por Washington
  5. Skandal im spanischen Hochadel, Süddeutsche Zeitung online vom 9. November 2011, abgerufen am 10. November 2011
  6. Leo Wieland: Der Herzog bedauert den Imageschaden., faz.net vom 12. Dezember 2011, abgerufen am 12. Dezember 2011
  7. El Rey saca a Urdangarin de su página web EL PAIS vom 25. Januar 2013 (auf spanisch)
  8. Finanzskandal: Juan Carlos' Schwiegersohn muss Millionenkaution hinterlegen Spiegel online, 30. Januar 2013, abgerufen am 31. Januar 2013
  9. Rambla pierde hoy añadido ducs Diario de Mallorca, abgerufen am 8. Februar 2013
  10. [1] El duque em...Palma...do
  11. Investigation of Spanish Duke Draws Royals Into Scandal
  12. Tagesschau.de: Urdangaríns Immobilien beschlagnahmt abgerufen am 5. November 2013