Iğdır

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Iğdır; für die gleichnamige türkische Provinz siehe Iğdır (Provinz).

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Iğdır
Wappen fehlt
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Iğdır (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Iğdır
Koordinaten: 39° 55′ N, 44° 3′ O39.92083333333344.044444444444861Koordinaten: 39° 55′ 15″ N, 44° 2′ 40″ O
Höhe: 861 m
Einwohner: 81.162[1] (2011)
Telefonvorwahl: (+90) 476
Postleitzahl: 76000
Kfz-Kennzeichen: 76
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Gliederung: 14 Stadtteile
Bürgermeister: Murat Yikit (BDP)
Webpräsenz:
Landkreis Iğdır
Einwohner: 127.609[1] (2011)
Fläche: 1.431 km²
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km²

Iğdır (armenisch Իգդիր, Igdir, nach der antiken Stadt auch Ցոլակերտ, Tsolakert; aserbaidschanisch İğdır; kurdisch Îdir) ist eine Stadt im äußersten Osten der Türkei, an der Grenze zu Armenien. Sie hat 81.162 Einwohner (Volkszählung 2011). Sie ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Iğdır und liegt in der Talebene des Aras im Nordwesten des Ararat.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1923 3716
1955 17.585
1960 14.670
1970 29.542
1980 24.352
1985 29.460
1990 35.858
1997 45.941
2000 59.880
2007 75.927
2008 75.824
2011 81.162

Geschichte[Bearbeiten]

Die Umgebung von Iğdır gehörte in urartäischer Zeit vermutlich zu Erekua.[2] Aus dieser Zeit stammt ein Gräberfeld, das 1913 wenige Kilometer östlich an der Straße nach Markara freigelegt wurde. Mit einer Ausnahme handelte es sich bei allen Bestattungen um Urnengräber in Felsspalten, die mit Steinplatten abgedeckt waren. Der Fundort lässt den Schluss zu, dass sich hier ein urartäischer Militärstützpunkt befand.[3]

Die mittelalterliche armenische Stadt Tsolakert (Ցոլակերտ) befand sich wahrscheinlich nahe der heutigen Stadt Iğdır.[4]

Lange Zeit war Iğdır lediglich ein kleines Dorf. Seit 1555 gehörte der Ort zum persischen Safawiden-Reich, abgesehen von kurzen Perioden unter osmanischer Herrschaft (1578–1605, 1635–1636 und 1722-1746). Nach dem Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) kam Iğdır unter russische Herrschaft. Unter der Zarenherrschaft siedelten sich viele Armenier in Iğdır (damals russ. Игдир) an. 1914 betrug die Bevölkerungszahl bereits 10.000, mehrheitlich Armenier. Igdir hatte zu jener Zeit drei Kirchen.[4]

1917 wurde Iğdır Teil der neu gegründeten Demokratischen Republik Armenien. Im Hungerwinter 1918/1919 kam ein erheblicher Teil seiner Bevölkerung um. 1919 wurde Iğdır zur Stadt erhoben.[5][6]

Im Türkisch-Armenischen Krieg eroberten türkische Einheiten im September 1920 die Stadt. Durch den Vertrag von Kars wurde das Gebiet von Iğdır auch formell der Türkei zugesprochen.[7]

Vor dem Ersten Weltkrieg bestand die Bevölkerung Iğdır überwiegend aus Armeniern und Aseris. In der Folge der türkischen Eroberung flohen die Armenier und andere christliche Volksgruppen aus der Stadt. Später wanderten viele Kurden aus den Provinzen Van und Ağrı ein, so dass die Bevölkerung heute mehrheitlich aus schiitischen Aseris und sunnitischen Kurden besteht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmal und Museum

In Iğdır befindet sich ein umstrittenes „Völkermord-Denkmal und Museum“ (Iğdır Soykırım Anıt-Müzesi), dessen Bau im August 1997 begann und das am 5. Oktober 1999 vom türkischen Minister Ramazan Mirzaoğlu eröffnet wurde. Es ist 43,5 Meter hoch. Das Denkmal soll dem Gedenken an Massenmorde dienen, die während des Ersten Weltkrieges und des nachfolgenden Türkisch-Armenischen Krieges von armenischen Truppen an türkischen Zivilisten begangen wurden. Die Errichtung des Denkmals wird auch als Antwort auf Mahnmale in anderen Ländern verstanden, die an den Völkermord an den Armeniern während genau dieser Jahre erinnern sollen.[8]

Sport[Bearbeiten]

Iğdır ist Sitz des Fußballvereins Iğdırspor, der zeitweise in der zweiten türkischen Liga spielte.

Fotos[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Iğdır ist mit zwei Städten verschwistert:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 15. November 2012
  2. Kemalettin Köroğlu: The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu/G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5, Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) 101
  3. R. D. Barnett: The Urartian Cemetery at Igdyr. In: Anatolian Studies, Vol. 13, 1963, S. 153–198, hier S. 163
  4. a b Armenische Sowjetische Enzyklopädie, Band 4, Jerewan, 1978, S. 309.
  5. Richard G. Hovannisian: The Republic of Armenia – The First Year, 1918–1919. University of California Press, Berkeley 1971, ISBN 0-5200-1984-9, S. 128–129.
  6. Melville Carter: The Land Of The Stalking Death: a Journey Through Starving Armenia on an American Relief Train. National Geographic, XXXVI, November 1919, abgerufen am 20. Februar 2011.
  7. Richard G. Hovannisian: The Republic of Armenia – Between Crescent and Sickle, Partition and Sovietization. University of California Press, Berkeley 1996, ISBN 0-5200-8804-2.
  8. Igdir Genocide Monument and Museum.

Weblinks[Bearbeiten]