Ińsko

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Ińsko
Wappen von Ińsko
Ińsko (Polen)
Ińsko
Ińsko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Stargard Szczeciński
Fläche: 6,95 km²
Geographische Lage: 53° 26′ N, 15° 33′ O53.43333333333315.55Koordinaten: 53° 26′ 0″ N, 15° 33′ 0″ O
Höhe: 111 m n.p.m
Einwohner: 2035
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 73-140
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 151: ŚwidwinGorzów Wielkopolski
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 18 Ortschaften
7 Schulzenämter
Fläche: 151,01 km²
Einwohner: 3554
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 24 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3214053
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Andrzej Racinowski
Adresse: ul. Bohaterów Warszawy 38
73-140 Ińsko
Webpräsenz: www.insko.pl

Ińsko ['iɲskɔ] (deutsch Nörenberg) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern, Powiat Stargardzki (Kreis Stargard Szczeciński).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ińsko liegt 40 km östlich von Stargard Szczeciński in der Neumark am südlichen Ufer des Enzigsees (Jezioro Ińsko).

Stadt Ińsko (Nörenberg)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Der genaue Zeitpunkt der Stadtgründung ist nicht bekannt. Er dürfte nach dem Jahre 1248 liegen, denn bei der Gründung des Klosters Marienfließ stattete Herzog Barnim I. dieses mit Ländereien aus, die bis zum Enzigsee reichten, jedoch zu dieser Zeit noch größtenteils unbesiedelt waren. Der erste urkundliche Beleg datiert von 1312, darin wird der Stadt Nörenberg für acht Jahre das Bischofsgeld erlassen. Nörenberg war Teil der Ländereien der Markgrafen von Brand. Zum Ausbau der Stadtbefestigung gewährte Ludwig von Brand Nörenberg 1335 eine Befreiung von der Bede auf vier Jahre, die er 1335 um weitere fünf Jahre verlängerte. 1350 ging Nörenberg als Pfand an Henning von Wedel über, der sie vier Jahre später von Markgraf Ludwig dem Römer als Erblehen abkaufte. Nörenberg blieb zur Mitte des 17. Jahrhunderts im Besitz der Wedel, lediglich 1371 gehörte die Stadt Herzog Kasimir III.

Durch die Brüder Ludwig und Hasso von Wedel erfolgte 1372 der Bau eines Schlosses. Infolge des 1402 durch König Sigismund vollzogenen Verkaufs der Neumark an den Deutschen Orden wurde Nörenberg in die Kriegshandlungen zwischen den Ordensrittern und Polen-Litauen hineingezogen. 1421 fielen die Polen ein und plünderten die Stadt und das Schloss.

In Nörenberg, das seit 1454 wieder brandenburgisch geworden war, erfolgte 1530 die Reformation und das Dominikanerkloster wurde aufgelöst. Durch den Dreißigjährigen Krieg erlitt der Ort schwere Schäden. Im Jahre 1682 fiel der Kirchturm ein und den Nörenbergern fehlte das Geld für den Wiederaufbau, so dass lediglich ein Glockenstuhl errichtet werden konnte. Seit 1775 wurden die von Götze und Bornstedt neue Schlossherren.

Bei der Neuorganisation der Verwaltungsbezirke im Jahre 1816 wurde Nörenberg aus der Neumark herausgelöst und dem pommerschen Landkreis Saatzig zugeordnet. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Hand- und Spanndienste aufrechterhalten geblieben. 1858 erfolgte der Abriss von Rathaus und Kirche, Kirchweihe für das neue Gotteshaus war am 21. Juni 1860.

Lebensgrundlagen der Bewohner bildeten hauptsächlich die Landwirtschaft und Fischerei, daneben bestanden in der Stadt etliche Handwerksbetriebe. Wegen der Lage der Stadt wurde sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt zur Sommerfrische. 1896 wurde eine Schmalspurbahnstrecke der Saatziger Kleinbahnen nach Stargard in Betrieb genommen. Nahe der Stadt entstand an der Bahnlinie nach Grassee zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Kalksandsteinfabrik. Die „Neue Kalksandstein- und Cementwarenfabrik GmbH“ gehörte bis 1933 einem jüdischen Unternehmer aus Nörenberg und wurde danach vom örtlichen Bauunternehmer Rietz erworben. In diesem Werk wurden mittels Sand, Kalk und Wasser Kalksandsteine (Mauersteine) hergestellt. Für den Transport der Kalksandsteine bestand ein eigenes Anschlussgleis.

Notgeldschein 75 Pfennig der Stadt Nörenberg, 1920 (Bildseite)

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt am 1. März 1945 geräumt und am übernächsten Tag von der Roten Armee eingenommen. Nach der Besetzung durch die sowjetischen Truppen brach im eng bebauten Stadtkern ein Großfeuer aus, bei dem die Stadtkirche ausbrannte und die Stadt zu 60 % zerstört wurde. Nach Kriegsende wurde Nörenberg unter dem neuen Namen Ińsko unter polnische Verwaltung gesellt. Die beschädigten Gebäude wurden später abgebrochen, so dass Ińsko danach zu einem Ort ohne Stadtzentrum wurde. Die deutsche Bevölkerung wurde bis etwa 1947 aufgrund der so genannten Bierut-Dekrete aus Nörenberg vertrieben.

In Ińsko wird alljährlich das Sommerfilmfestival veranstaltet, das am 15. August 2005 seine 32. Auflage erfuhr.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1719 219
1750 605
1852 2098
1939 3012
2007 2023[2]

Kirche[Bearbeiten]

Die Stadtkirche von 1858/60

Standort der Kirche war seit Jahrhunderten die Nordostecke des Marktplatzes. 1652 brannte der Turm und stürzte ein. Er wurde nicht wieder aufgebaut, auch nicht bei der Erweiterung der Kirche 1770.

Im Jahre 1858 wurde die alte Kirche abgebrochen und an ihrer Stelle ein neues Gotteshaus errichtet. Am 21. Juni 1860 wurde es durch den Generalsuperintendenten von Pommern, Albert Sigismund Jaspis, feierlich eingeweiht. Die bisher in einem separaten Glockenstuhl aufgehängten Glocken von 1660 bekamen nun im Turm der neuen Kirche wieder ihren Platz.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Nörenberg zum evangelischen Kirchenkreis Jacobshagen (Dobrzany) in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Der letzte deutsche Geistliche des Kirchspiels, zu dem auch die Filialgemeinden Alt Storkow (Storkowo) und Klein Grünow (Gronówko) gehörten, war Pfarrer Werner Ladwig.

Die Kirche wurde nach dem Kriege zerstört und vollständig abgetragen. Heute unterhält die katholische Kirche ein neues Gotteshaus, das dem Hl. Josef geweiht ist. Der Ort ist wieder Pfarrsitz, nun auch für die Filialgemeinden Ciemnik (Temnik), Czertyń (Zehrten) und Ścienne (Zeinicke) und ist Sitz des Dekanats Ińsko im Erzbistum Stettin-Cammin der Katholischen Kirche in Polen. Evangelische Kirchenglieder werden vom Pfarramt in Stettin aus betreut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Ińsko[Bearbeiten]

Notgeldschein 75 Pfennig der Stadt Nörenberg, 1920 (Rückseite)

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Gemeinde Ińsko hat eine Fläche von 151 km² und 3500 Einwohner. Der westliche Gemeindeteil liegt im Landschaftsschutzpark Iński Park Krajobrazowy.

Nachbargemeinden sind:

Die Lage der Gmina Ińsko im Powiat Stargardzki

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ińsko umfasst neben der Stadt sieben Ortsteile (Schulzenämter), denen insgesamt 18 Ortschaften zugeordnet sind.

  • Ortsteile: Ciemnik (Temnick), Czertyń (Zehrten), Grabnica (Gräbnitzfelde), Linówko (Klein Lienichen), Storkowo (Storkow), Studnica (Grassee) und Ścienne (Zeinicke)
  • Übrige Ortschaften: Dolnik, Gronówko (Klein Grünow), Kanice (Kanitzkamp), Kleszcze (Heinrichshöhe), Miałka (Werderfelde), Powalice (Karlshof), Nierybno, Waliszewo (Margarethenhof) und Wierzchucice (Friedrichsfeld).

Landschaftsschutzpark[Bearbeiten]

Nördlich und westlich der Stadt Ińsko erstreckt sich das 1981 eingerichtete Landschaftsschutzgebiet Ińsko (Iński Park Krajobrazowy) mit zehn Seen, von denen der Enzigsee (Jezioro Ińsko) der größte ist. Fünf Kilometer östlich von Ciemnik befindet sich die Quelle der Ihna.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Durch die Gmina Ińsko verläuft in Nord-Süd-Richtung die polnische Landesstraße 151, die von Świdwin (Schivelbein) nach Gorzow Wielkopolski (Landsberg a.d. Warthe) führt. Sie verbindet die Gemeinde mit wichtigen Straßen:

Schienen[Bearbeiten]

Während früher eine Strecke der Saatziger Kleinbahnen das jetzige Gemeindegebiet durchzog, ist heute kein Bahnanschluss mehr vorhanden.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S.279–281 (Volltext).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. II. Teil, 4. Band, Anklam 1868, S. 382–410, online.
  • Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-181-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 31. Dezember 2007