IHK Berlin

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Ludwig-Erhard-Haus, seit 1998 Sitz der IHK Berlin

Die IHK Berlin (Industrie- und Handelskammer zu Berlin) hat den gesetzlichen Auftrag, als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft das Gesamtinteresse aller Gewerbetreibenden im Bundesland Berlin gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten.

Die IHK Berlin hat ihren Sitz im Ludwig-Erhard-Haus, das nach Ludwig Erhard, dem ersten Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland, benannt ist. Das Haus befindet sich in der Fasanenstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf neben dem Theater des Westens zwischen Kurfürstendamm und dem Bahnhof Berlin Zoologischer Garten.

Geschichte[Bearbeiten]

Berliner Börse um 1900

Die Berliner Handelskammer wurde 1902 durch eine Verfügung des preußischen Handelsministers vom 19. Dezember 1901 gegründet. Ein Jahr später wurde der Kammer die Hoheit über die Berliner Börse übertragen. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung hatte die Berliner Handelskammer ihre Geschäftsräume in einer Mietwohnung in der Charlottenstraße in Berlin Mitte. 1905 zog die Kammer dann in ein eigenes repräsentatives Gebäude in der Dorotheenstraße. Ihr erster Präsident war Wilhelm Herz (bis 1913); ihm folgte von 1914 bis 1927 Franz von Mendelssohn (1865–1935).[1]

Mit dem Inkrafttreten des Kammergesetzes vom 1. April 1924 wurde die Berliner Handelskammer in Industrie- und Handelskammer zu Berlin umbenannt.[2]

Ab 1933 – ab der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten – wurden im Rahmen der Gleichschaltung die jüdischen Repräsentanten und Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer zu Berlin aus ihren Ämtern entfernt, ohne dass sich die verbleibenden Vertreter der IHK dem ernsthaft widersetzt hätten. Mit einem Gesetz vom 20. August 1934 verloren die Industrie- und Handelskammern im Deutschen Reich ihre Unabhängigkeit und wurden dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt. 1938 wurde die Berliner Kammer in die Gauwirtschaftskammer Berlin umgewandelt. Im Jahre 1943 schließlich löste das NS-Regime die Industrie- und Handelskammern ganz auf.[3]

Fünf Jahre nach Kriegsende wurde am 1. Juli 1950 im Westteil Berlins die IHK zunächst als eingetragener Verein (e.V.) wiedergegründet. Am 18. Juni 1954 legte der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard den Grundstein für das Gebäude in der Hardenbergstraße, das am 18. Juni 1955 eröffnet wurde. 1958 erhielt die IHK Berlin den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Im Ostteil der Stadt wurde ebenfalls eine Industrie- und Handelskammer eingerichtet, die als Ausführungsorgan der Planwirtschaft den (kleinen) nichtstaatlichen Sektor der Ostberliner Wirtschaft vertreten sollte. Die Ostberliner Kammer wurde 1958 dem Magistrat Ost-Berlins unterstellt und führte ab 1983 den Namen Handels- und Gewerbekammer.[4]

Die Handels- und Gewerbekammer im Ostteil Berlins löste sich zum Tag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 auf. Seitdem vertritt die IHK Berlin alle Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in der wiedervereinigten Bundeshauptstadt.[5] 1998 wurde das neu errichtete Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße bezogen, das von 1994 bis 1997 von den britischen Architekten Nicholas Grimshaw und Partner erbaut wurde.[6] Im Jahr 2002 feierte die IHK Berlin ihr 100-jähriges Bestehen.

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Die inhaltliche Arbeit der IHK Berlin gliedert sich in sechs Geschäftsfelder:

  • Standortpolitik, wie etwa der Wettbewerb Mittendrin Berlin
  • Existenzgründung und Unternehmensförderung
  • Aus- und Weiterbildung
  • Innovation und Umwelt
  • Recht und Steuern
  • International

Organisation[Bearbeiten]

Die IHK Berlin beschäftigt ca. 250 hauptamtliche Mitarbeiter. Diese arbeiten nach Vorgaben der Vollversammlung mit max. 110 direkt gewählten, ehrenamtlichen Vertretern. An der letzten Wahl (2012) nahmen über 11.000 von 197.000 erreichten Unternehmen teil, also 5,85 %. Die Vollversammlung kann sich nach den Wahlen selbst per mittelbarer Wahl um bis zu zwölf Mitglieder erweitern, die durch die direkte Wahl keinen Sitz erhielten.

Franz von Mendelssohn (Präsident der IHK Berlin von 1914 bis 1933, links außen) beim Festbankett der Anwälte im Marmorsaal des Berliner Zoologischen Gartens (1930)

Vollversammlung[Bearbeiten]

Das oberste Entscheidungsgremium der IHK ist die Vollversammlung (VV). Die VV wählt das Präsidium und bestellt – auf Vorschlag des Präsidenten – den Hauptgeschäftsführer. Sie legt die Richtlinien der Kammerarbeit fest. Ferner beschließt die VV die Höhe der Beiträge und sie berät und beschließt den Haushalt der Kammer.

In die Vollversammlung wählbar sind alle Personen, die als Inhaber, Geschäftsführer oder als Vorstandsmitglied berechtigt sind, ein Mitgliedsunternehmen der IHK Berlin zu vertreten. Die Mitglieder der Vollversammlung werden alle fünf Jahre von Kammerzugehörigen in allgemeiner und geheimer Wahl gewählt. Jedes Unternehmen hat – unabhängig von seiner Größe – bei der Wahl eine Stimme. Um eine gleiche Wahl handelt es sich indes nicht, weil die Stimmen der Unternehmen mit unterschiedlichen Gewichten versehen werden, um eine ihrer Wirtschaftskraft entsprechende Vertretung der verschiedenen Branchen in der Vollversammlung zu gewährleisten. Die ungewichteten Stimmzahlen einzelner Kandidaten werden von der IHK Berlin nicht veröffentlicht.

Präsidium[Bearbeiten]

Das Präsidium setzt sich aus 14 Berliner Unternehmern, Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern zusammen (Stand: 2012). Zum Präsidium gehören der Präsident, bis zu vier Vizepräsidenten und bis zu neun weitere Mitglieder. Zu den Aufgaben des Präsidiums zählt die Vorbereitung der Beschlüsse der Vollversammlung und der Beschluss aller Kammerangelegenheiten, die nicht der Vollversammlung vorbehalten sind.

Amtszeit Präsident Unternehmen
1902–1913 Wilhelm Herz, Geheimrat Inhaber der Firma S. Herz, Gummi- und Putzextraktfabrik
1914–1931 Franz von Mendelssohn Inhaber des Bankhauses Mendelssohn & Co.
1932–1935 Karl Gelpcke Direktor der Hypothekenbank Hamburg
1935–1943 Friedrich Reinhart*, Staatsrat Vorsitzender des Aufsichtsrates der Commerzbank
1943–1945 Heinrich Hunke* (Gauwirtschaftskammer Berlin¹) Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank
1943–1945 Wilhelm Zschintzsch* (Gauwirtschaftskammer Mark Brandenburg¹)
1950–1957 Friedrich Spennrath Vorsitzender des Vorstands der AEG
1957–1968 Wilhelm Borner Vorsitzender des Vorstands der Schering AG
1968–1976 Walter W. Cobler, Konsul Inhaber der Turbon Werke
1976–1984 Horst Elfe, Offizier des Order of the British Empire Mitglied des Vorstands der Deutschen Eisenhandel GmbH
1984–1997 Horst Kramp Mitglied des Vorstands der Schering AG
1997–2004 Werner Gegenbauer Inhaber der Unternehmensgruppe Gegenbauer
seit 2004 Eric Schweitzer Mitglied des Vorstands der ALBA AG

* Als Präsident nicht von einer ordentlichen Vollversammlung gewählt.

¹ An Stelle der Gauwirtschaftskammer Berlin-Brandenburg, die mit Wirkung vom 31. Oktober 1943 aufgelöst wurde, traten für den Bereich des Gaues Berlin eine Gauwirtschaftskammer Berlin und für den Bereich des Gaues Mark Brandenburg eine Gauwirtschaftskammer Mark Brandenburg, beide mit dem Sitz in Berlin. Sie galten als Rechtsnachfolger der aufgelösten Kammer Berlin-Brandenburg (Quelle: Anordnung des Reichswirtschaftsministers vom 26. Oktober 1943, veröffentlicht im Reichsanzeiger Nr.251 vom 27. Oktober 1943).

Hauptamt[Bearbeiten]

Die Mitarbeiter der IHK, unter Leitung des Hauptgeschäftsführers, bilden das sogenannte Hauptamt. Neben dem Präsidenten, der dem Ehrenamt zugeordnet wird, vertritt auch der Hauptgeschäftsführer die IHK nach außen.

Amtszeit Hauptgeschäftsführer
1902–1927 Heinrich Dove
1927–1933 Oscar Meyer
1936–1943 v. Baltz, Ministerialrat a.D.
1950–1969 Bernhard Skrodzki
1969–1990 Günter Braun
1990–2002 Thomas Hertz
seit 2003 Jan Eder

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Jäkel, Werner Junge: Die deutschen Industrie- und Handelskammern und der Deutsche Industrie- und Handelstag. Droste Verlag, Düsseldorf 1986.
  • Peter Lemburg, Werner Hildebrandt, Jörg Wewel-Blake: Aufbruch im Wandel. Der Weg zum Ludwig Erhard Haus. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1998, ISBN 3-89488-127-5.
  • Thomas Hertz: Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte Berlins. de Gruyter, Berlin und New York 2008, ISBN 978-3-11-020669-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Hertz (2008): S. 13–24 (Herz) und 24–41 (Mendelssohn)
  2. Vgl. Hertz (2008): S. 1–60.
  3. Vgl. Hertz (2008): S. 61–97.
  4. Vgl. Hertz (2008): S. 98–266.
  5. Vgl. Hertz (2008): S. 304–449.
  6. Vgl. Lemburg et al. (1998): S. 23ff.