II. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Das II. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee.

Aufstellung[Bearbeiten]

Der Verband wurde am 3. April 1820 durch Teilung des Armee-Korps in Brandenburg und Pommern als II. Armee-Korps errichtet. Standort des Generalkommandos war zunächst Berlin, ab 1837 Stettin, dann bis 1870 wieder Berlin und schließlich bis zur Auflösung 1919 erneut Stettin.

Gliederung[Bearbeiten]

Friedensgliederung 1914[Bearbeiten]

Dem Korps unterstanden mit letztem Friedensstand[1]:

Fahnen der Linien-Infanterie-Regimenter[Bearbeiten]

Muster
Muster (Jäger)

Das Mittelfeld der Fahne war von silbernen Lorbeerzweigen umwunden. Über ihm befand sich die Königskrone unter der sich ein silbernes Spruchband, „Pro Gloria et Patria“, befand. Das Mittelfeld selbst zierte der alte friderizianische bewehrte schwarze Adler. In den vier Ecken befanden sich, in Gold oder Silber ausgeführt, die mit Palmenzweigen umwundenen, ebenfalls gekrönten Namenszüge, der zum Zeitpunkt der Verleihung regierenden Könige. Zwischen den Eckmedaillons befanden sich vier Seitenflammen. Diese befanden sich erstmals auf den 1808 verliehenen Fahnen.[2]

Für die große Menge an Linien-Infanterie-Regimentern wurde von Kaiser Wilhelm II. per Ordre vom 18. Dezember 1890 bestimmt, dass die Farbe der Fahnentücher sich nach der der Achselklappen zu richten habe. Hierdurch wurde innerhalb des Korps eine Gleichförmigkeit erzielt. Abweichend von diesen wurde für die Jäger-Bataillone, leichte Infanterie, die grüne Farbe für die Fahnen nach dem Linienmuster bestimmt.

Das II. Korps trug weiße Achselklappen.

Des Weiteren wurden grundlegende Anordnungen über die zukünftige Gestaltung der Fahnen- und Standartentücher erlassen. Die Fahnen waren in Zukunft in Gold oder Silber, je nach Knopffarbe des Truppenteils, bestickt. Die gemalten Tücher hatten nur eine geringe Haltbarkeit bewiesen. Gleichfalls wurde angeordnet, das die Fahnen in deren Abmessungen um 16 cm, ergo deren Fläche auf 126 cm², verringert werden sollten. Der im Mittelfeld befindliche „preußische Kriegsadler“ sollte wieder seine friderizianische Gestalt erhalten. Die Krone, der Schwertknauf und das Blitzbündel des Adlers waren stets in Gold zu halten.

In der Folgezeit wurden vier Arten von Fahnen unterschieden:

  1. Gardefahnen
  2. Garde-Grenadierfahnen
  3. Fahnen für die Grenadier-Regimenter
  4. Fahnen für die neuen Linien-Regimenter

Das Mittelfeld, die vier Eckmedaillons (sie waren von der Knopffarbe durchwirkt) und das Spruchband hatten die Farbe der Achselklappen. Die vier Keile waren weiß mit schwarzen Rändern.[3]

Anlässlich der Jahrhundertfeier erließ der Kaiser den Befehl, er wolle den Fahnen und Standarten, deren Tücher ruhmreich im Felde standen, die Tücher erneuern. In der Folgezeit, d. h. in den nächsten 7 Jahren, fand die feierliche Weihe der neuen Feldzeichen in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses statt.[4] Sie wurden dann anlässlich der Kaiserparade, die den Kaisermanövern vorausging, den Truppen feierlichst übergeben.[5]

Am 1. August 1914 sollte die deutsche Armee aus 25 Armeekorps bestehen.

Fahnenschmuck[Bearbeiten]

Die Fahnenstangen waren schwarz und maßen mit deren Spitze etwa 3 Meter. In der Spitze befand sich der Namenszug des zur Zeit der Verleihung regierenden Königs. Da die Fahne ein Symbol darstellte, wurden auch ihr, wie dem Offizier und Mann an der Front, Auszeichnungen und Orden verliehen.

So wurden auf Befehl Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen diejenigen Fahnen, die an der Front gestanden hatten, ein Eisernes Kreuz. An die Stelle des Namenszuges trat die von zwei Lorbeerzweigen umgebene erwähnte Auszeichnung in einer schlank gehaltenen Spitze. Die Füsilier-Bataillone, die ohne Fahne ausgerückt waren, erhielten diese Auszeichnung nicht.

Nach dem Kriege von 1870/71 wurde anlässlich des Einzuges der siegreichen Truppen am 16. Juni 1871 in Berlin angeordnet, dass die Fahnen der am Kriege teilnehmenden Truppenteile, sofern sie noch kein 1813er Kreuz hatten, eines bekamen. Dieses war jedoch nicht von Lorbeerzweigen umgeben, sondern, in einer breiteren Spitze stehend, von einem Lorbeerkranz. Am 11. April 1872 wurde diese Auszeichnung auch jenen Fahnen verliehen, die bestimmungsgemäß ihre Fahnen beim Ausmarsch zurückgelassen hatten[6] Die einzige Fahne, die diese Auszeichnung nicht erhielt, war die des II. Bataillons des 8. Pommerschen Infanterie-Regiments Nr. 61. Bei der Schlacht an der Lisaine wurde sie vor Dijon vom Feinde erobert.

Zu jeder Fahne gehörte ferner, ein 3,7 cm breites Band, welches Banderole genannte wurde. Es trug die Landesfarben schwarz-weiß und lief in zwei gleichfarbigen Quasten aus. Es wurde an der Fahne befestigt, indem man es um die Spitze schlung. Erhielt das Feldzeichen ein Kriegsband, so ersetzte dies die Banderole. Es wurden folgende Fahnenbänder verliehen:

Außer mit Bändern waren die preußischen Feldzeichen auch mit Ringen, Erkennungs- oder Gedenkringe, geziert.

Die Ersteren geben den Besitzer des betreffenden Truppenteils mit schwarzen Buchstaben auf messingnen Ringen an, also z. B. II IR 162 = II. Bataillon Infanterie-Regiment 162. Sie wurden 1837 eingeführt, weil die Fahnen wegen ihres gleichen Aussehens der Tücher nur schwer zu Unterscheiden waren. Unter König Wilhelm wurde neben des Regiments auch die Bataillonsbezeichnung hinzugefügt.

Per AKO vom 14. Dezember 1899 wurde an den schwarz-silbernen Bändern der Banderole möglichst nahe der Quasten das Anbringen einer Spange befohlen. Sie sollten ein sichtbares Zeichen für die Einheit des Reiches sein. Sie bestanden aus vergoldeten Metallplatten. Auf der Vorderseite hatten sie den gekrönten Namenszug (WR), auf der Rückseite den Stiftungstag des Truppenteils und das Datum 1. Januar 1900.

Geschichte[Bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Im Krieg 1870/71 kämpfe das Korps unter dem Kommando von General von Fransecky unter anderem bei Gravelotte, Metz, Paris und Villiers. Es hatte erheblichen Anteil an der Einschließung der Armee Bourbaki, die nur durch ihren Übertritt in die Schweiz der Vernichtung entgehen konnte.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war das Korps der VIII. Armee-Inspektion unterstellt. Es kam nach der Mobilmachung zunächst an der Westfront bei der 1. Armee in Belgien zum Einsatz und wurde im Oktober 1914 der neu aufgestellten 9. Armee unterstellt.

Am 9. Januar 1915 wurde das Korps formell aufgelöst und zum Stab des Armeeoberkommandos Süd umgegliedert.[7]. 1918 wieder errichtet, bestand das Korps dann über das Kriegsende hinaus bis zur Auflösung Ende September 1919.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Die Kommandobehörde des Armeekorps war das Generalkommando unter Führung des Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[8]
General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Preußen 20. März 1820 bis 29. März 1838
Generalleutnant Karl Heinrich Stephan von Block 30. März 1838 bis 18. Januar 1839
General der Kavallerie Friedrich zu Dohna-Schlobitten 30. März 1839 bis 6. April 1842
Generalleutnant Friedrich von Wrangel 7. April 1842 bis 2. November 1849
General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Grabow 3. November 1849 bis 6. Mai 1857
General der Infanterie Johann Georg von Wussow 7. Mai 1857 bis 28. Januar 1863
General der Infanterie Karl Friedrich von Steinmetz 29. Januar 1863 bis 17. Mai 1864
General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Preußen 18. Mai 1864 bis 16. Mai 1866
Generalleutnant Stephan von Schmidt 17. Mai bis 16. September 1866
General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Preußen 17. September 1866 bis 17. Juli 1870
General der Infanterie Eduard Friedrich Karl von Fransecky 18. Juli 1870 bis 19. März 1871
General der Kavallerie Benno Hann von Weyhern 20. März 1871 bis 13. Juni 1881
General der Infanterie Ferdinand Franz von Dannenberg 14. Juni 1881 bis 14. Januar 1887
General der Infanterie Ernst von der Burg 15. Januar 1887 bis 27. Oktober 1891
General der Infanterie Paul Hermann von Blomberg 28. Oktober 1891 bis 5. Januar 1898
General der Kavallerie Arnold von Langenbeck 6. Januar 1898 bis 20. September 1906
General der Infanterie Josias von Heeringen 21. September 1906 bis 31. August 1909
General der Infanterie Alexander von Linsingen 1. September 1909 bis 10. Januar 1915
Generalleutnant Richard von Kraewel 17. Dezember 1918 bis 22. Juni 1919
Generalleutnant Ernst von Oven 23. Juni bis 30. September 1919

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kriegsministerium, Geheime Kriegs-Kanzlei (Redaktion): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. [...] Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. [...], Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin o.J., S. 56 ff.
  2. Gustaf Lehmenn: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807.; 1895 Berlin, E.S. Mittler & Sohn
  3. Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee; Frankh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935
  4. Fahnenverleihung: 28. August 1904
  5. Kaiserparade: 4. September 1904
  6. Wie z. B. die Jäger-Bataillone Nr. 1-11
  7. II.Armeekorps, Deutsche Kriegsgeschichte
  8. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 43-44.