II. Armeekorps (Wehrmacht)

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Das II. Armeekorps der deutschen Wehrmacht, im vollen Titel Generalkommando II. Armeekorps, war die Bezeichnung für die entsprechende Kommandobehörde aber auch für den Verband aus mehreren Divisionen und eigenen Korpstruppen, der von diesem Generalkommando geführt wurde und unter dem Oberbefehl einer Armee oder Heeresgruppe stand.

Aufstellung[Bearbeiten]

Das II. Armeekorps wurde im Oktober 1934 im Wehrkreis II aus der 2. Division der Reichswehr in Stettin aufgestellt. Kommandierender General war seit November 1938 der General der Infanterie und spätere Generaloberst Adolf Strauß.

Im Polenfeldzug[Bearbeiten]

Im Polenfeldzug unterstand der Verband der 4. Armee unter General der Artillerie Günther von Kluge, welche der Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Fedor von Bock angehörte. Am 2. September 1939 durchbrach das II. Armeekorps mit der 3. Infanterie-Division und der 32. Infanterie-Division die stark befestigten Stellungen beiderseits Polnisch Krone (Koronowo) an der Brahe (Brda), um am nächsten Tag die Weichsel bei Kulm (Chełmno) zu überqueren. Somit war eine Verbindung zwischen Pommern und Ostpreußen durch den polnischen Korridor hergestellt; deutsche Truppen konnten ab jetzt auf dem Landweg verschoben werden. Am 4. September ging das Korps in Richtung Briesen (Wąbrzeźno) vor, weitere Divisionen wurden in den Brückenkopf geführt. Die weitere Verfolgung führte das Korps beiderseits der Weichsel auf Warschau.

Im Westfeldzug[Bearbeiten]

Ab Dezember 1939 stand das II. Korps während des sogenannten Sitzkrieges als Grenzschutz in der Gebiet der Eifel an der Westfront und war wieder der 4. Armee unterstellt. In dem am 10. Mai 1940 begonnenen Westfeldzug gelang dem Korps der Durchbruch durch die südbelgischen Befestigungen und der Einmarsch in die Ardennen. Es folgten die Besetzung von Lille und weitere Kämpfe bei Cambrai und an der Scarpe. Am 30. Mai 1940 übernahm General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel die Führung des Korps, das für die zweite Phase des Feldzuges der Heeresgruppe B (Generaloberst Fedor von Bock) unterstellt wurde. Im „Fall Rot“ wurde ab 6. Juni die Weygand-Linie durchbrochen und der Übergang an der Somme erzwungen. Der Angriff richtete sich südwärts zur Seine, dann kam es zur weiteren Verfolgung der Franzosen bis zur Loire. Zwischen August 1940 und Februar 1941 war das Korps der 6. Armee (GFM Walter von Reichenau) an der Kanalküste unterstellt um an der Invasion in England teilzunehmen. Nachdem die Operation Seelöwe aber nicht mehr zur Ausführung kam erfolgte die Rückverlegung an die Ostfront.

An der Ostfront[Bearbeiten]

Das II. Armeekorps wurde im März 1941 der 18. Armee (Generaloberst Georg von Küchler) nach Ostpreußen zugeführt, später aber noch vor Beginn der Operation Barbarossa der 16. Armee (Generaloberst Ernst Busch) nach Gumbinnen überstellt. Am 22. Juni 1941 erfolgte unter dem Kommandierenden General Walter von Brockdorff-Ahlefeldt der Angriff der unterstellten 12., 32. und 121. Infanterie-Division südlich Schloßberg über die litauische Grenze. Zusammen mit dem südlich angreifenden VI. Armeekorps (General Förster) der 9. Armee wurde der Durchbruch zwischen Mariampol und Kalvarija erzwungen. Gemeinsam mit dem nördlicher operierenden XXVIII. Armeekorps überschritt das II. Korps am 25. Juni die Memel bei Kowno. Östlich Dünaburg bei Krāslava erfolgt am 3. Juli der Düna-Übergang, bis 8. Juli wurde die Sarjanka erreicht. Das Korps war an der Kesselschlacht von Newel beteiligt, danach folgte der Vorstoß zur Lowat, bis 2. August wurde Cholm genommen. Bis Jahresende folgen Kämpfe im Raum Demjansk und im Waldai-Gebiet.

Am 8. Januar 1942 eröffnete die sowjetische Nordwestfront zwischen dem Ilmensee und dem Seligersee den Angriff auf die Stellungen des X. und II. Armeekorps. Die sowjetische 11. Armee (Generalleutnant Morosow) durchbrach am südlichen Ufer des Ilmensee die Stellungen der 290. Infanterie-Division und stand bereits am 9. Januar vor Staraja Russa, dadurch wurde das II. Korps bei Demjansk eingekesselt (→ Kesselschlacht von Demjansk). Durch die Entsatzoperation „Brückenschlag“ des Generals Seydlitz wurde Ende März 1942 die Verbindung zu dem abgeschnittenen Korps wiederhergestellt, der kräfteraubende Frontbogen wurde aber auf Befehl Hitlers weiterhin bis März 1943 gehalten. Ende Februar 1943 wurde Demjansk geräumt und das freigewordene Generalkommando für die Abwehrkämpfe im Raum Cholm und Newel herangezogen.

Nach Aufhebung der Blockade Leningrads musste die 18. Armee im Februar 1944 auf Narva zurückgehen, daher wurde das Generalkommando nach Estland überstellt, um der Armeeabteilung Narwa zugeführt zu werden. Unter Führung des Kommandierenden Generals Wilhelm Hasse erfolgte ab 21. August 1944 die Abwehrschlacht zwischen Dorpat und Walk. Im Juli 1944 erfolgte infolge des Zusammenbruchs der Heeresgruppe Mitte auch der Rückzugskampf der 16. Armee über Polozk und Dünaburg nach Riga, dadurch kam das Generalkommando wieder kurz unter deren Führung.

Nachdem die russische 51. Armee (Genlt. Kreiser) am 10. Oktober 1944 den Durchbruch zur Ostsee bei Polangen erreicht hatte, musste die vom II. Armeekorps östlich Riga gehaltene Front abermals aufgegeben werden. Der Verlust von Riga samt der Räumung von Estland wurde damit erzwungen. Der Rückzug brachte das II. AK in den Kurland-Kessel, es wurde im westlichen Abschnitt unter dem AOK 18 in die neue Front eingegliedert. In sechs Kurlandschlachten verteidigte das Korps unter General der Infanterie Johannes Mayer und ab April 1945 unter Generalleutnant Alfred Gause den Abschnitt zwischen Moscheiken und Vaiņode bis Kriegsende gegen die Baltische Front des sowjetischen Marschalls Hovhannes Baghramjan. Am Tag der Kapitulation der Heeresgruppe Kurland am 9. Mai 1945 stand das II. AK im Raum südwestlich Schrunden.

Führung[Bearbeiten]

Kommandierende Generale:

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 2. Die Landstreitkräfte 1–5. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1973, ISBN 3-7648-0871-3.
  • Werner Haupt: Heeresgruppe Nord 1941-1945, Podzun Verlag, Bad Nauheim 1966.