III. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das III. Armee-Korps war ein Großverband der Preußischen Armee, dessen Hauptquartier in Berlin stationiert war.

Gliederung[Bearbeiten]

Dem Korps unterstanden 1914 mit letztem Friedensstand 1914:[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71[Bearbeiten]

1870 war das Korps Teil der deutschen 2. Armee unterstellt und wurde am 28. Juli zusammen mit dem X. Korps im Raum Bingen ausgeladen. [2] Beim Vormarsch zur Saar wurde am Abend des 5. August Neunkirchen erreicht, der erste große Einsatz fand am 6. August 1870 in der Schlacht bei Spichern statt.[3]Nachdem die 14. Division des VII. Korps an diesem Tag kampflos Saarbrücken besetzen konnte, war sie an den Spicheren Höhen festgelaufen. Das III. Korps hatte Befehl dem bedrängten General von Kameke sofort mit der 5. Division (Generalleutnant von Stülpnagel) zur Hife zu kommen. Die 9. Brigade unter Generalmajor von Döring traf als Spitze der Division am Winterberg ein, das Infanterie-Regiment Nr. 48 stürmte eine Verschanzung östlich des Gifert-Waldes.[4] Nach Ankunft der 10. Brigade (Generalmajor von Schwerin) konnte auch der Forbacher Berg genommen werden.[5]Am 13. August erreichte das Korps im Raum südlich von Metz vorgehend Remilly und schwenkte danach nordwärts.

Am 16. August zeichnete sich das Korps in der Schlacht von Mars-la-Tour/Vionville besonders aus. Der Großverband sollte dabei über Gorze und Onville einen Vorstoß gegen die Straße Metz-Verdun ausführen und traf in Richtung Rezonville auf drei komplette französische Korps. [6] Das französische 2. Korps vertrieb die deutsche Kavallerie aus Vionville und besetzte den Höhenzug nach Gorze sowie den Ort Flavigny. Etwa gegen 10 Uhr erhielten die deutschen Reiter Verstärkung durch die 5. und 6. Division, die von Gorze und Onville her das Schlachtfeld erreichten. General Konstantin von Alvensleben befahl der Infanterie sofort den Angriff. Er ging davon aus, nur noch die feindliche Nachhut vor sich zu haben. Bis zum Mittag hatte die 12. Brigade unter Oberst von Bismarck (der dabei fiel) den Ort Flavigny wieder erobert, während die Divisionsartillerie gegen den Ort Rezonville wirkte. [7] Die 6. Division (Generalleutnant von Buddenbrock) ging nördlich bis Tronville vor und schwenkte dann teilweise nach Osten in Richtung der 5. Division ein und eroberte gegen 11.30 Uhr Vionville. Damit hatten sich die beiden deutschen Divisionen zwischen den Ortschaften Vionville und Flavigny vereinigt und verringerten somit die Gefahr, dass die beiden Divisionen voneinander getrennt würden. In diesen Positionen mussten sich die deutschen Einheiten ohne nennenswerte Verstärkung den ganzen Nachmittag gegen den überlegenen Gegner halten. [8]Das zahlenmäßig weit unterlegene Korps verhinderte mit der Einnahme von Vionville den französischen Rückzug nach Westen. Es war hauptsächlich das III. Korps, welches den Abzug der Rheinarmee aufhielt und später die Einschließung von 180.000 Soldaten in der Festung Metz möglich machte.

Zwei Tage später, am 18. August griff das Korps über St. Marcel vorrückend auch in der Schlacht bei Gravelotte ein und verblieb danach als Belagerungskorps am linken Moselufer. [9]Der Oberbefefehlshaber der 2. Armee, Friedrich Karl von Preußen, erreichte bis zum 26. Oktober die Übergabe der Festung Metz. Nach Beendigung der Belagerung von Metz zog das III. Korps in Eilmärschen in den Raum zwischen Paris und Orléans.

Der Angriff der Loirearmee zum Entsatz von Paris konnte auf dem deutschen linken Flügel in den Schlacht bei Beaune-la-Rolande aufgehalten werden. Hier kam das Korps dem X. Korps (Voigts Rhetz) gerade noch rechtzeitig zur Hilfe um die drohende Niederlage am 28. November in einen Sieg zu verwandeln. Als die französischen Angriffe gestoppt worden waren, ging das III. Korps zusammen mit den weiteren Verbänden der Armee von Friedrich Karl von Preußen selbst zum Angriff über. Nach der Eroberung von Orléans am 4. Dezember wurde die französische Loirearmee in Beaugency bis 10. Dezember erneut geschlagen. Am 9. Januar 1871 ging das III. Korps in zwei Kolonnen nach Westen vor, die 6. Division stieß vor Artenay auf starken Widerstand, die 5. Division war bei St. Mars de Locquenay vom Gegner aufgehalten worden.[10]Am 10. Januar stand die 11. Brigade bei Changé im Gefecht, auch die von Parigue heranmarschierende 10. Brigade geriet bei den Schlössern Raison und La Paillerie auf feindliche Truppen.[11] In der Schlacht bei Le Mans stand das III. Korps im Zentrum des deutschen Angriffs und war am 12. Januar auch an der Eroberung der Stadt beteiligt.[12]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Kriegsbeginn 1914 stand das Korps unter Führung des Generals der Infanterie Ewald von Lochow. Im Verband der 1. Armee erfolgte der Vormarsch durch Belgien. Nach erstem Feindkontakt bei Tirlemont folgte der weitere Vormarsch in Richtung auf St. Quentin nach Nordfrankreich. Am 23. August 1914 trug das Korps die Hauptlast im Kampf gegen die Briten in der Schlacht bei Mons. Rechts am IX. Armee-Korps anschließendend sollte es in Richtung auf St. Ghislain und Jemappes gegen den Mons-Condé-Kanal vorzugehen. Die 5. Division unter General Georg Wichura konnte Tertre stürmen, blieb aber südlich davon liegen; ein anderer Teil konnte bei Wasmuël den Kanal überschreiten. Die direkt gegenüber von Jemappes angreifende 6. Division unter General Richard Herhut von Rohden kam zunächst nicht vorwärts, erst am Abend wurde Frameries erreicht. Nach erbitterten Häuserkämpfen ging die 6. Division am 24. August auf Warquignies vor, die 5. Division hatte St. Ghislain eingenommen und war über Hornu nach Süden durchgebrochen. Es folgte der Vormarsch über Le Cateau und St. Quentin zur Marne, wo das III. Korps zusammen mit dem IX. Korps am 8. September westlich Mareuil die rechte Flanke der 1. Armee bildete. Nach dem Rückzug von der Marne folgte die Schlacht an der Aisne. Das Korps besetzte mit der 5. Division die Höhen von Condé und mit der 6. Division dahinter die Gegend um Nanteuil-la-Fosse und ging in den Stellungskrieg über. Am 12. Januar 1915 schlug das Korps alle französischen Angriffe nördlich Soissons zurück.

Anfang Oktober 1915 wurde das Korps an die Südostfront verlegt und der 11. Armee für den Feldzug gegen Serbien zugewiesen. Mit der dabei unterstellten 6. Division und der 25. Reserve-Division vollzog das Korps den Donauübergang bei Semendria. Ende Oktober und Anfang Oktober wurde Kragujevac erreicht und die Serben bis an die Morava verfolgt.

Ende November erfolgte die Rückverlegung an die Westfront, ab 21. Februar 1916 wurde das Korps in der Schlacht um Verdun eingesetzt. Erschöpft von den schweren Kämpfen im Caillette-Wald und um Dorf und Fort Vaux wurde die 5. und 6. Division Mitte März aus der Angriffsfront vor Douaumont herausgezogen. Zwischen 5. und 27. Oktober 1916 stand das Korps als Reserve an der Somme, danach folgten bis Februar 1917 Stellungskämpfe in den Argonnen.

Am 26. April 1917 wurde das abgekämpfte XIV. Armee-Korps während der Schlacht an der Aisne östlich von Reims herausgezogen. Das Korps übernahm als „Gruppe Prosnes“ den linken Flügel der 1. Armee im Raum beiderseits Moronvilliers und erhielt auch die 223. und 23. Division zugewiesen. Nach Beendigung der Schlacht Ende Mai 1917 waren dem Generalkommando die 13., 51. und 54. Reserve-Division neu unterstellt worden. Das Korps verblieb in der Champagne bis zum Februar 1918.

Im März 1918 wechselte das Korps in den Bereich der 18. Armee und beteiligte sich zwischen Bellenglise bis nördlich von St. Quentin an der Frühjahrsoffensive an der Somme. Dem Korps Lüttwitz waren dabei die 28., 88. und die 113. Division unterstellt, es gewann den Holnon-Wald und drang bis zum 24. März zur Somme durch.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Die Kommandobehörde des Armeekorps war das Generalkommando unter Führung des Kommandierenden Generals.

Dienstgrad Name Datum[13]
Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Bülow April 1813 bis 2. Juni 1814
Generalleutnant Johann Adolf von Thielmann April 1815 bis Oktober 1815
General der Infanterie Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien 7. April 1820 bis 20. Februar 1824
Generalleutnant Wilhelm Prinz von Preußen 22. März 1824 bis 29. März 1838
Generalleutnant Adolf Eduard von Thile 30. März 1838 bis 8. Mai 1840
Generalleutnant/General der Infanterie Karl Christian von Weyrach 9. Mai 1840 bis 12. November 1849
General der Kavallerie Friedrich von Wrangel 13. November 1849 bis 19. September 1857
General der Kavallerie August von Württemberg 19. September 1857 bis 2. Juni 1858
General der Infanterie Wilhelm Fürst von Radziwill 3. Juni 1858 bis 30. Juni 1860
General der Kavallerie Friedrich Karl von Preußen 1. Juli 1860 bis 17. Juli 1870
General der Infanterie Constantin von Alvensleben 18. Juli 1870 bis 26. März 1873
General der Infanterie Julius von Groß gen. von Schwarzhoff 27. März 1873 bis 17. Oktober 1881
General der Infanterie Alexander August Wilhelm von Pape 18. Oktober 1881 bis 20. August 1884
General der Kavallerie Hermann Ludwig von Wartensleben 21. August 1884 bis 11. Juli 1888
General der Infanterie Walther Bronsart von Schellendorff 12. Juli 1888 bis 23. März 1890
General der Kavallerie Maximilian von Versen 24. März 1890 bis 6. Oktober 1893
General der Kavallerie Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen 7. Oktober 1893 bis 17. April 1896
Generalleutnant/General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Lignitz 18. April 1896 bis 26. Januar 1903
General der Infanterie Karl von Bülow 27. Januar 1903 bis 30. September 1912
General der Infanterie Ewald von Lochow 1. Oktober 1912 bis 24. November 1916
Generalleutnant Walther von Lüttwitz 25. November 1916 bis 11. August 1918
Generalleutnant Alfred von Böckmann 12. August 1918 bis 30. September 1919

Literatur[Bearbeiten]

J. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland - unter Zugrundelegung des Großen Generalstabswerkes Verlag von W. Paulis Nachfolger (H. Jerosch), Berlin 1895

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Preußisches Kriegsministerium (Hrsg.): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. Nach dem Stande vom 6. Mai 1914. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1914. S. 59ff.
  2. J. Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland - unter Zugrundelegung des Großen Generalstabswerkes Verlag von W. Paulis Nachfolger (H. Jerosch), Berlin 1895, S. 11
  3. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 22
  4. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.44
  5. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 48
  6. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 70
  7. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 71
  8. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 75 und 76
  9. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.161
  10. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.218
  11. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.219
  12. J. Scheibert: Krieg zwischen Frankreich und Deutschland" Verlag von W. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S.226
  13. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 46–47.