I puritani

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Werkdaten
Titel: Die Puritaner
Originaltitel: I puritani
Originalsprache: italienisch
Musik: Vincenzo Bellini
Libretto: Carlo Pepoli
Literarische Vorlage: Tètes rondes et cavaliers von Jacques-François Ancelot und Xavier-Boniface Saintine.
Uraufführung: 24. Januar 1835
Ort der Uraufführung: Paris
Spieldauer: ca. 2½ bis 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Die Oper spielt zur Zeit Oliver Cromwells in England
Personen
  • Lord Gualtiero Walton, Bass
  • Sir Giorgio, Bass
  • Lord Arturo Talbo, Tenor
  • Sir Riccardo Forth, Bariton
  • Sir Bruno Roberton, Tenor
  • Enrichetta di Francia, eigentlich Königin Henrietta Maria, Mezzosopran
  • Elvira, Sopran

I Puritani (auch I puritani di Scozia; Die Puritaner oder Die Puritaner von Schottland) ist eine romantische Oper von Vincenzo Bellini. Sie wurde am 24. Januar 1835 im Paris uraufgeführt.

Entstehung[Bearbeiten]

Nach dem Misserfolg der Oper Beatrice di Tenda (1833) hatte sich Bellini mit seinem langjährigen Librettisten Felice Romani zerstritten. In Paris lernte Bellini den liberalen Dichter Carlo Pepoli kennen, der den Auftrag zur Erstellung des Textes zur neuen Oper erhielt. Grundlage des Librettos ist das französische Theaterstück Tètes rondes et cavaliers (1833) von Jacques-François Ancelot und Xavier-Boniface Saintine. Der ursprüngliche Titel der Opernadaption I Puritani di Scotia lehnt sich an eine Übersetzung von Walter Scotts Roman Old Mortality (1816) an, mit dem die Oper inhaltlich allerdings nichts zu tun hat (die Oper spielt nicht in Schottland); man wollte sich lediglich an die damals grassierende Walter-Scott-Mode anhängen.[1] Pepoli verfügte jedoch nicht über die nötige Bühnenerfahrung, so dass sich Bellini immer wieder gezwungen sah, selbst in die Abfassung des Librettos einzugreifen; auch Gioachino Rossini soll sich mit korrigierenden Hinweisen an dieser Arbeit beteiligt haben. Im Zuge der schwierigen Textarbeiten und der Auseinandersetzungen mit Pepoli kam es zu Bellinis berüchtigtem Spruch, dass ein gutes Libretto eines sei, das keinen rechten Sinn habe.[1] Das Libretto von I Puritani, in dem die englische Revolution nur den Hintergrund für eine konventionelle Liebesgeschichte bildet, scheint dieses Diktum untermauern zu wollen und gilt denn auch als missglückt: "Die wenig plausible Geschichte von I Puritani ist kaum ernstzunehmen; es mangelt ihr an Glaubwürdigkeit, und das schwache Handlungsgerüst strotzt von wirkungslosen Motiven. … Was dieses staubige und wunderliche Werk dennoch bemerkenswert macht, sind die isolierten Äußerungen von Emotion durch die Hauptfiguren, großartig gezeichnet in der melodischen Zaubersprache von Bellini. Obwohl I Puritani nichts Bedeutendes auf die Bühne bringt, gehört diese Oper zum Raffiniertesten, was das Theater je hervorgebracht hat."[1]

Von I Puritani gibt es zwei Fassungen: Zeitgleich mit den Arbeiten an der in Paris uraufgeführten und heute allgemein verbreiteten, erstellte Bellini noch eine weitere Fassung für Neapel, die sogar früher fertiggestellt wurde. Diese Version weist einige deutliche Unterschiede auf: Die Rolle der Elvira sollte in Neapel Maria Malibran übernehmen, also ein Mezzosopran; für Riccardo (in Paris Bariton) war eine Tenorrolle vorgesehen. Das berühmte Duett Riccardo/Giorgio (Suoni la tromba) aus dem II. Akt fehlt in dieser Fassung; es wurde für Paris erst nach Abschluss der neapolitanischen Fassung geschrieben. Dagegen enthält diese Fassung einige Teile, die Bellini in de Pariser Fassung wieder gestrichen hat; so ein Terzett im 1. Finale, ein Rezitativ im II. Akt und Cabaletta im 3. Finale. Die Aufführung in Neapel kam nicht zustande. Diese Fassung wurde erst 1985 in London uraufgeführt; eine szenische Uraufführung erfolgt am 1. April 1986 in Bari.[2]

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten]

Luigi Lablache und Giulia Grisi in I puritani, King's Theatre, London, 1835

Die Uraufführung in Paris am 24. Januar 1835 wurde zum letzten Triumph Bellinis, wozu auch die damals "unüberbietbare Besetzung"[2] mit Grisi, Rubini, Tamburini und Lablache ihren Beitrag leistete. Die italienische Erstaufführung fand 1835 an der Mailänder Scala statt, in den folgenden Jahren wurde das Werk an nahezu allen Opernbühnen des Landes gegeben. Schon 1835 erfolgte die deutsche Erstaufführung in Berlin, 1840 wurden die Puritaner erstmals in München gespielt. Weitere Meilensteine waren 1847 London und 1883 New York. "Seit dem späten 19. Jahrhundert galten die Puritani als Monument einer vergangenen Epoche der Operngeschichte, als vokales Schaustück für Sopran- und Tenorstars." [2] Wie bei vielen Opern des Belcanto schlug sich diese Auffassung in der Besetzungspraxis nieder: Elvira wurde als Koloratursopran besetzt, Arturo, dessen Partie das dreigestrichene F erfordert, "verkam zum Prüfstein für die Bewältigung tenoraler Spitzentöne". [2]

Die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Intentionen erfolgte erst Mitte des 20. Jahrhunderts, als – wie in einer Reihe ähnlicher Fälle – Maria Callas "Virtuosität mit dramatischem Ausdruck verband"[2]. Callas sang die Elvira insgesamt nur 17 Mal auf der Bühne, erstmals 1949 in Venedig, 1952 in Florenz, Rom und Mexico (Live-Mitschnitt erhalten) und schließlich 1955 in Chicago; 1953 sang sie die Partie im Studio. Diese Interpretationen waren "von kaum zu überschätzender Bedeutung für die künftige Aufführungsgeschichte dieser Oper als auch für die Rezeption der Belcantooper überhaupt." [2] Insbesondere Joan Sutherland führte diese Tradition in der 70er-Jahren fort.

Damit kehrte die Oper, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts an den Opernhäusern selten geworden war, ohne dass sie ganz verschwunden gewesen wäre, auch wieder in die Repertoires zurück. Neuerdings werden I Puritani sogar recht häufig inszeniert, so in jüngster Zeit zum Beispiel 1999 in München mit Edita Gruberova als Elvira oder 2006 in New York mit Anna Netrebko als Elvira [3] oder 2010 in Genf mit Diana Damrau.[4] Mittlerweile sind die Puritaner sogar in den Spielplänen kleinerer Bühnen zu finden, so etwa 2010 am Landestheater Niederbayern oder 2011 in Essen.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt in Plymouth während des englischen Bürgerkrieges. Der puritanische Heerführer Oliver Cromwell hat die Streitkräfte der Königstreuen 1644 entscheidend geschlagen und den Monarchen Charles I. entmachtet. Als dessen Anhänger, die "Cavaliers" sich 1648 erneut erheben, wird der König gefangengesetzt und ein Jahr später hingerichtet.

1. Akt:

Der königstreue Arturo und die Puritanertochter Elvira lieben sich. Auch Riccardo liebt Elvira. Als jedoch Arturo kurz vor der Hochzeit auf Enrichetta, die Frau des hingerichteten Stuartkönigs trifft, ist er entschlossen sie zu retten. Riccardo wird davon Zeuge. Elvira deutet Arturos Verschwinden als Treuebruch und verliert den Verstand.

2. Akt:

Arturo wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Elvira will sterben und irrt halb wahnsinnig durch die Puritanerfestung. Sir Giorgio kann Riccardo überreden, nach dem Kampf für die Begnadigung seines Rivalen einzutreten, um so Elvira zu retten.

3. Akt:

Arturo kehrt zurück und überzeugt Elvira von seiner Treue, woraufhin diese wieder zu Verstand kommt. Arturo wird festgenommen und sieht keine Hoffnung mehr. Riccardo jedoch bringt das Begnadigungsurteil. Allgemeine Freude.

Musik[Bearbeiten]

Joan Sutherland und Luciano Pavarotti in I Puritani, 1976

Orchester[Bearbeiten]

2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Baßtuba, Pauken, Schlagzeug, Harfe, Streicher
Bühnenmusik: Bläser, Trommeln, Glocken, Orgel, Harfe

Nummern[Bearbeiten]

Akt I
1 Introduktion - All'erta
2 Rezitativ und Arie - Ah! Per sempre io ti perdei (Riccardo)
3 Szene und Duett - Sai com'arde in petto mio (Elvira, Giorgio)
4 Chor und Quartett - A te, o cara (Arturo, Elvira, Giorgio, Valton)
5 Erstes Finale - Il rito augusto si compia senza me

Akt II
6 Introduktion und Romanze - Cinta di fiori (Giorgio)
7 Szene und Arie - Qui la voce sua soave (Elvira)
8 Duett – zweites Finale - Il rival salvar tu dêi (Giorgio, Riccardo)

Akt III
9 Sturm, Romanze und Duett (Arturo, Elvira)
10 Drittes Finale - Ancora s'ascolta questo suon molesto (Alle)

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986; Band 1, S. 257ff

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Niel Rishoi: I Puritani: Bellini und der Belcanto, in: Beiheft zur CD, 1994, S.17
  2. a b c d e f Friedrich Lippmann, I Puritani, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986; Band 1, S. 259
  3. Besprechung in der New York Times vom 29. Dezember 2006
  4. Besprechung in der NZZ vom 3. Februar 2011

Weblinks[Bearbeiten]