Ian Lilburn

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Ian Robertson Lilburn (* 2. Juni 1927; † 30. September 2013 in London) war ein schottischer Historiker. Als einer der maßgeblichen Genealogen des Vereinigten Königreichs war er Sachverständiger beim Anastasia-Prozess. In London gründete er einen Verein für Corpsstudenten, den ersten in Großbritannien. Er gilt als der bedeutendste Sammler von Tonträgern mit Werken von Carl Loewe.

Leben[Bearbeiten]

Lilburn entstammte altem schottischen Adel. Sein Vater war Lieutenant colonel William Lilburn of Coull († 1958), seine Mutter Madeline Constance Maud Reid (* 1892), ein Großvater Sir Hugh Reid Bart. Er hatte zwei ältere Geschwister: Alistair James Lilburn of Coull (1919-2005) und Hugh Lilburn († 1945). Lilburn war Mitglied der Society of Antiquaries of Scotland und arbeitete für das College of Arms.[1] Nach dem Brand in Windsor Castle im November 1992 war er Berater bei der Restaurierung der zerstörten „German shields“ (Order of the Garter) in der St.-Georgs-Kapelle.

Anastasia-Prozess[Bearbeiten]

Im sogenannten Anastasia-Prozess um die Ansprüche der Anna Anderson auf das Erbe der Romanows war Lilburn in den 1950er und 1960er Jahren als Sachverständiger auf der Anderson-Seite tätig. Mit Friedrich Ernst von Sachsen-Altenburg bereitete er Anderson auch auf die Gerichtsverhandlungen vor,[2] in denen sie von den Hamburger Anwälten Paul Leverkuehn und Kurt Vermehren vertreten wurde. Während des jahrelangen Verfahrens lebte er in Deutschland. Trotz der abschlägigen Entscheidung des Gerichtes und ihrer Bestätigung durch eine negative DNA-Analyse war er nicht davon überzeugt, dass es sich um zwei verschiedene Personen gehandelt hatte.[3] So führte er zunächst mit Blick auf ihre Herkunft aus:

„She was a lady even when she marched down the garden calling Prinz Friedrich a pig.“

Nach dem DNA-Test meinte er in Bezug auf ihre Verwandten:

„[Anna] had natural dignity ... But she [Annas Nichte] could have been a belly-dancer.“

Charlotte Hobson [4]

Lilburns umfangreiche Privatsammlung zu den Romanow wurde später mit Familienalben der russischen Herrscherfamilie zum Bildband Royal Russia. The private albums of the Russian imperial family verarbeitet. Die Alben sind im Eigentum der Stiftung vom Anderson-Biographen James Blair Lowell.

Scotto-Germania[Bearbeiten]

Feldschnalle Scotto-Germania

Bei seinen langen Deutschland-Aufenthalten lernte Lilburn die Tradition und das Zusammenleben deutscher Corps kennen und schätzen. Jahrzehntelang hielt er enge Verbindung zu den weißen Corps, vor allem zu Borussia Bonn und Saxo-Borussia. 1975 etablierte er im Royal Borough of Kensington and Chelsea den Corpsstudenten-Verband Scotto-Germania zu London. Es entstand ein Treffpunkt deutscher Corpsstudenten, die in London lebten und studierten oder die Stadt besuchten. Sein Haus aus dem Viktorianischen Zeitalter diente als Verbindungssitz und wurde von einigen Mitgliedern bewohnt. Eine mit dem deutschen Corpsleben vergleichbare Aktivität fand dort zwar nicht statt; aber Inaktive und Alte Herren wurden nach einer Probezeit aufgenommen. Sie erhielten eine Feldschnalle mit den Farben blau–weiß–schwarz. Blau–weiß stand für Schottland, Schwarz–weiß für Preußen. Scotto-Germania feierte alle Kneipen und Bälle bei Borussia und im Bahnhof Rolandseck.

Siehe auch: Kösener Kreise

Carl-Loewe-Sammlung[Bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren sammelte Lilburn Tonträger mit der Musik des Komponisten Carl Loewe. Die Texte der Balladen kannte er auswendig. Die Lilburn-Sammlung besteht aus 2000 Schellackplatten (darunter Heinrich der Vogler als älteste Aufnahme von 1902), Rundfunkaufnahmen, Tonbandmitschnitten, Musikwalzen, akustischen Platten sowie solchen mit Tiefenschrift und vielen modernen Tonträgern. Sie ist die in der Welt größte zum Werk Loewes. Zu den Interpreten der Aufnahmen gehören Theo Adam, Paul Bender, Rudolf Bockelmann, Julia Culp, Oskar Czerwenka, Karl Erb, Dietrich Fischer-Dieskau, Josef Greindl, Georg Hann, George Henschel, Hans Hotter, Gerhard Hüsch, Josef von Manowarda, Richard Mayr, Kurt Moll, Hans Hermann Nissen, Sigrid Onegin, Hermann Prey, Elisabeth Rethberg, Arno Schellenberg, Heinrich Schlusnus, Leo Slezak, Wilhelm Strienz, Richard Tauber, Lawrence Tibbett, Lula Mysz-Gmeiner, Franz Völker und Eberhard Waechter. In den Jahren 2008 und 2011 schenkte Lilburn große Teile diese Sammlung dem Carl-Loewe-Museum in Löbejün[5]. Neben der Sammlung erhielt das Museum auch die von Lilburn erstellte Diskografie sämtlicher Aufnahmen Loewes.[6]

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anthony Summers, Tom Mangold, The file on the Tsar, Ausgabe 3, Verlag Gollancz, 1976, S. 13
  2. John D. Klier und Helen Mingay, The search for Anastasia, ISBN 978-1-85685-085-8, Smith Gryphon, 1995, S. 138
  3. Carlos Mundy und Marie Stravlo, The Lost Romanov Icons, ISBN 978-0-85728-201-9, Thames River Press, London 2012, S. 153 war Lilburn ein loyal supporter of the claimant
  4. She's not Anastasia, she's a very naughty girl in The Daily Telegraph vom 18. Februar 2007
  5. Ralf Böhme, Schatzsuche in London bei Mz-web.de vom 18. November 2011
  6. Claus Fischer, Lieder im Museum bei dradio.de vom 22. Dezember 2008
  7. Hinweis auf der Webseite der Gesellschaft

Weblinks[Bearbeiten]