Ibn al-Dschauzī

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Abū l-Faradsch ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAlī Ibn al-Dschauzī (arabisch ‏ابو الفرج عبد الرحمان بن علي ابن الجوزي‎, DMG Abū l-Faraǧ ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAlī Ibn al-Ǧauzī; * 1116 in Bagdad; † 1201), war ein äußerst produktiver hanbalitischer Gelehrter, Polyhistor und Prediger. Er hat mehrere hundert arabische Werke zu so unterschiedlichen Themen wie Koran, Hadith, Fiqh, Predigt, Medizin, Literatur und Sprache, Geographie, Geschichte und Erzählgut abgefasst, von denen allerdings nicht alle erhalten sind.

Leben[Bearbeiten]

Ibn al-Dschauzī stammte aus einer wohlhabenden Familie von Kupferschmieden. Sein Vater starb, als er drei Jahre alt war. Ein Onkel mütterlicherseits, der hanbalitische Gelehrte Abū l-Fadl Muhammad ibn Nāsir (st. 1155), nahm sich seiner an, unterrichtete ihn im Musnad von Ahmad ibn Hanbal und wies ihm verschiedene Lehrer an, die ihn in den Koranwissenschaften und der Hadithwissenschaft unterrichteten.[1] Unter seinen zahlreichen Lehrern war auch der hochbetagte und vielseitige Gelehrte Muhammad ibn ʿAbd al-Bāqī (st. 1143), genannt Qāḍī l-Māristān.[2] Seine eigene Laufbahn als Gelehrter begann Ibn al-Dschauzī um 1150. Um 1178/19 war er Leiter von fünf Madrasa-Hochschulen. Am bekanntesten wurde er aber aufgrund seiner Begabung als mitreißender Redner und Prediger.

Ibn al-Dschauzī gehörte zu den hanbalitischen Gelehrten, die unter dem abbasidischen Kalifen al-Muqtafī bi-'llāh (reg. 1136–1160) besonders stark gefördert wurden, und stand zu Ibn Hubaira, dem Wesir dieses Kalifen, in engem Kontakt. Als sich unter al-Mustandschid (reg. 1160–70) die Religionspolitik änderte, verringerte sich auch der Einfluss Ibn al-Dschauzīs am Hofe beträchtlich. Der nächste Kalif, al-Mustadī' bi-amri 'llāh (reg. 1170–1180), unterstützte aber wieder die Traditionalisten, allen voran die Hanbaliten, was wiederum Ibn al-Dschauzī zugutekam. Er erhielt unter diesem Herrscher quasi inquisitorische Macht und hatte das Recht, die Freitagspredigt in der dem Palast zugehörigen Moschee abhzuhalten. Al-Mustadīs Nachfolger, an-Nāsir li-Dīni 'llāh (reg. 1180–1225), änderte wiederum die Religionspolitik, wodurch Ibn al-Dschauzī allmählich seine machtvolle Stellung verlor. Ab 1194 unter Hausarrest in der ostirakischen Stadt Wasit, hatte er kaum noch Einfluss auf die Geschicke des Landes. Erst 1199, nach der Intervention der Kalifenmutter, konnte er nach Bagdad zurückkehren.[3]

Werke[Bearbeiten]

Der Umfang von Ibn al-Dschauzīs Gesamtwerk ist, wie bereits erwähnt, sehr groß. Als ein Einblick in sein Schaffen seien die folgenden Werke erwähnt:

  • Al-Muntaẓam fī sulūk al-mulūk wa-l-umam („Geordnete Auflistung der Verhaltensweisen der Herrscher und Völker“), Weltchronik in 18 Bänden.
  • Al-Mudhisch („Das Erstaunliche“), enzyklopädisches Werk zur Koran-, Hadith- und Sprachwissenschaft als Grundlage für Predigten.
  • Zād al-masīr fī ʿilm at-tafsīr („Reiseproviant für die Wissenschaft der Koranexegese“).
  • Ṣifat aṣ-ṣafwa ("Die Eigenschaft der Auslese") eine Geschichte der Sufik in Anlehnung an das Werk Ḥilyat al-Auliyāʾ von Abū Nuʿaim al-Isfahānī (st. 1038).
  • Talbīs Iblīs („Die Verführung /Fälschung des Teufels“), Abhandlung, in der er sich polemisch mit anderen theologischen und religiösen Richtungen des Islams, insbesondere mit verschiedenen Sufis kritisch auseinandersetzt.
  • Kitāb aḥkām an-nisāʾ („Buch der Weisungen für Frauen“).[4]

Ibn al-Dschauzī hat auch eine Abhandlung über al-Chidr verfasst, in der er den Glauben an dessen Fortleben bekämpfte. Diese Abhandlung ist jedoch nur durch Zitate in Werken späterer arabischer Autoren erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Fisch: Die Frau ist eine rechtsfähige Person wie der Mann. Es ist eine Pflicht der Frau (wie des Mannes) nach Wissen zu suchen. Abû Al-Faradj Ibn al-Djauzis »Buches der Weisungen für Frauen. In: Zeitschrift für interkulturelle Germanistik 2 (2012) S. 5–12
  • Angelika Hartmann: Islamisches Predigtwesen im Mittelalter. Ibn al-Ǧauzī und sein 'Buch der Schlußreden (1186 n.Chr.) in: Saeculum 38 (1987), S. 336–366.
  • Stefan Leder: Ibn al-Ǧauzī und seine Kompilation wider die Leidenschaft. Der Traditionalist in gelehrter Überlieferung und originärer Lehre. Beirut 1984.
  • Merlin Swarz: Ibn al-Jauzī. A study of his life and work as a preacher. Harvard 1967.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Leder 65.
  2. Vgl. Leder 109.
  3. Vgl. die biographischen Angaben zu Ibn al-Dschauzī in H. Koloskas Übersetzung seines Frauenbuches S. 219–229.
  4. Vgl. dazu die deutsche Übersetzung von Hannelies Koloska, erschienen 2009 im Insel-Verlag.