Ibogain

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Strukturformel
Struktur von Ibogain
Allgemeines
Name Ibogain
Andere Namen
  • (−)-Ibogain
  • 12-Methoxy-Ibogamin
Summenformel C20H26N2O
CAS-Nummer
PubChem 363272
Eigenschaften
Molare Masse 310,44 g·mol−1
Schmelzpunkt

148 °C [1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 22
S: 22​‐​26​‐​37/39​‐​45
Toxikologische Daten

327 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Ibogain ist ein Indolalkaloid mit im weiteren Sinne halluzinogener Wirkung. Es kommt in verschiedenen Hundsgiftgewächsen vor, vor allem in Tabernanthe iboga.

Geschichte[Bearbeiten]

Ibogain wurde erstmals 1901 sowohl von Dybowski und Landrin[4] als auch von Haller und Heckel aus der Wurzelrinde der Tabernanthe iboga extrahiert. Im selben Jahr beobachteten französische Pharmakologen eine ungewöhnliche Art der Erregung bei Tieren. Phisalix vermutete eine halluzinogene Wirkung aufgrund des veränderten Verhaltens von Hunden. Nach weiteren klinischen Tests wurde das Alkaloid zur Unterstützung der Rekonvaleszenz und bei Neurasthenie empfohlen, wurde dann aber kaum eingesetzt. In den 1940er Jahren veröffentlichten Raymond-Hamet und Kollegen Untersuchungen zur pharmakologischen Wirkung auf isoliertes Zellgewebe und das kardiovaskuläre System.

In Frankreich wurde von 1939 bis 1967 ein Stimulans namens Lambarene verkauft. Eine Tablette enthielt 8 mg Ibogain, welches aus Tabernanthe manii, einer Verwandten der Tabernanthe iboga, extrahiert wurde. Ein weiterer Ibogainextrakt, Iperton, wurde als Tonikum verkauft.

Die anspruchsvolle Totalsynthese gelang 1966 G. Büchi.[5] Seitdem wurden weitere totalsynthetische Zugänge entwickelt,[6] die sämtlich nur von akademischen Interesse sind.

Iboga und Ibogain sind bereits seit 1967 in den USA verboten (Schedule I). 1989 wurde Ibogain in die Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees aufgenommen.

Wirkung[Bearbeiten]

Ibogain wirkt in geringen Dosen stimulierend. Höhere Dosierungen (ab 5–10 mg/kg Körpergewicht) lösen Visionen aus, d. h., bei geschlossenen Augen werden in einer Art traumähnlichem Erleben schnelle Abfolgen von Bildern und Filmen gesehen, oft mit intensivem emotionalem und auch religiös-mystischem Empfinden. Halluzinationen bei geöffneten Augen treten hingegen kaum auf. Daher ist die Wirkung nicht mit der von bekannteren Psychedelika wie LSD vergleichbar. Es wurde vorgeschlagen, statt „halluzinogen“ das Wort „oneirogen“, d. h. traumerzeugend, zu verwenden. Die Wirkung hält zwischen acht und zwölf Stunden an, wobei die akut visionäre Phase nur vier bis acht Stunden dauert. Rund ein Fünftel der Konsumenten berichtet von subjektiven Nachwirkungen noch 24 Stunden nach der Einnahme, 15 Prozent sogar noch nach 36 Stunden. Noch höhere Dosierungen führen zu Krämpfen, Lähmungserscheinungen und können im Tod durch Atemstillstand enden. Des Weiteren besteht die Gefahr von Herzrhythmusstörungen, was im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen kann.[7][8]

Ibogain vermindert den Blutdruck, den Appetit und die Verdauungstätigkeit und ist ein schwacher Acetylcholinesterasehemmer.[9]

Verwendung zum Drogenentzug[Bearbeiten]

In den 1960er-Jahren entdeckte Howard Lotsof die suchtunterbrechende oder suchtvermindernde Wirkung[10] von Ibogain und erhielt in den 1980er und 90er Jahren mehrere US-Patente für die Therapie mit Ibogain. Ein erforschter Effekt ist sowohl die Verbesserung der Entzugssymptomatik bei Opiatentzug als auch der potentielle Nutzen in der Behandlung von Nikotin-, Methamphetamin-,[11] Alkohol- und anderer Substanzabhängigkeit.[12]

Seit Mitte der 1980er Jahre bieten Selbsthilfeorganisationen und Privatleute, aber auch Ärzte, den Entzug mit Ibogain an, sowohl in klinischer wie auch in informeller Umgebung. Während Ibogain in den meisten Ländern zwar nicht als Medikament zugelassen, aber auch nicht illegal ist, hat sich in den USA aufgrund des dortigen Verbots eine Untergrundbewegung gebildet.[13] Dennoch wurde es als Hilfsmittel in der Psychotherapie verwendet.[14]

Der genaue Wirkungsmechanismus, nach dem das Alkaloid Abhängigkeiten durchbrechen soll, ist nicht bekannt. Probanden, denen Ibogain verabreicht wurde, beschrieben wiederholt, dass sie während des Rausches Situationen wiedererlebt hatten, die ihrer Meinung nach für ihre Abhängigkeit ausschlaggebend waren. Andere berichteten von Visionen, die ihnen halfen, die ihrer Sucht zugrundeliegenden Ängste zu erkennen und zu überwinden.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Ibogain soll einen relativ schnellen und schmerzfreien Entzug von Opiaten ermöglichen.[15] Neuere Untersuchungen deuten auf eine Erhöhung des Nervenwachstumfaktors GDNF (Glial Cell Line-Derived Neurotrophic Factor) im Gehirn hin. Im Tierversuch konnte nachgewiesen werden, dass an Alkohol gewöhnte Ratten bei erhöhtem GDNF-Pegel im Gehirn weniger Ethanol konsumierten und auch nach einer zweiwöchigen Abstinenzphase eine geringere Rückfallquote aufwiesen als eine unbehandelte Kontrollgruppe.[16]

Ibogain wird in der Leber zu Noribogain (12-Hydroxyibogamin)[17] metabolisiert, welches einem moderaten Depot-Effekt unterliegt. Man geht heute nicht davon aus, dass Noribogain die zentrale Rolle beim Abstinenz-Phänomen spielt.

Aufgrund von Nebenwirkungen und der nicht gegebenen toxikologischen Unbedenklichkeit wird die Verwendung von Ibogain als Arzneimittel für die Zukunft ausgeschlossen bleiben. Bemühungen, verbesserte Wirkstoffe zu entwickeln und ferner den Wirkmechanismus des Abstinenz-Phänomens zu erklären, führten zu einer Reihe von synthetischen Ibogain-Derivaten, wobei das Derivat 18-Methoxycoronaridin in Tierversuchen deutlich geringere Nebenwirkungen als Ibogain zeigte. Pharmakologisch ist diesen Verbindungen gemein, dass sie den Nikotin-Rezeptor des Typs α3β4 hemmen.[18][19][20][21][22]

Durch die hemmende Einwirkung auf den hERG-Kanal[7] kommt es am Herzen zur QT-Verlängerung.[23]

Ibogain hemmt den Serotonintransporter, und zwar in nicht-kompetitiver und nicht-kovalenter Weise, und unterscheidet sich damit von allen bisher bekannten Inhibitoren plasmalemmaler Monoamintransporter.[24]

Rechtslage[Bearbeiten]

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In Deutschland unterliegt Ibogain nicht dem BtMG. Es fällt jedoch unter die Definition von § 2 Abs. 1 des AMG, sobald es für die medizinisch-biologisch wirksame Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt ist. Somit ist Herstellung und Verkauf einer Substanz nach dem AMG reguliert, unabhängig davon in welcher Form die Substanz vorliegt, wenn sie in Bestimmung § 2 Abs. 1 erfüllt.[25][26] Der Verkauf und die Herstellung von Arzneimitteln ohne Genehmigung ist strafbar nach AMG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1, StPO § 354a. Dies wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu der frei verfügbaren Chemikalie γ-Butyrolacton (GBL) bestätigt, welche nach dem AMG als Arzneimittel eingestuft wird, sobald sie für den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt ist.[27][28]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag Ibogain bei ChemIDplus.
  2. a b c Datenblatt Ibogaine hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 4. April 2011 (PDF).
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. J. Dybowski, E. Landrin C. R. Acad. Sci. 1901, Vol. 133, S. 748. (pdf, engl.; 61 kB).
  5. G. Büchi: The Total Synthesis of Iboga Alkaloids. In: J. Am. Chem. Soc. 1966, Vol. 88 (13), S. 3099–3109. (pdf, engl.; 2,1 MB).
  6. C. Frauenfelder Dissertation 1999, S. 24 (pdf).
  7. a b Koenig X, Kovar M, Boehm S, Sandtner W, Hilber K: Anti-addiction drug ibogaine inhibits hERG channels: a cardiac arrhythmia risk. In: Addict Biol. 2012. doi:10.1111/j.1369-1600.2012.00447.x. PMID 22458604.
  8. Paling FP, Andrews LM, Valk GD, Blom HJ: Life-threatening complications of ibogaine: three case reports. In: Neth J Med. 70, Nr. 9, 2012, S. 422–4. PMID 23123541.
  9. Alper K, Reith ME, Sershen H: Ibogaine and the inhibition of acetylcholinesterase. In: J Ethnopharmacol. 139, Nr. 3, 2012, S. 879–82. doi:10.1016/j.jep.2011.12.006. PMID 22200647.
  10. K.R. Alper, H.S. Lotsof, G.M. Frenken , D.J. Luciano , J. Bastiaans 1999 234–42.
  11. Giannini, A. James: Drugs of Abuse, 2nd, Practice Management Information Corporation, 1997, ISBN 1-57066-053-0.
  12. K.R. Alper, H.S. Lotsof, G.M. Frenken , D.J. Luciano , J. Bastiaans 1999 234–42.
  13. H.S. Lotsof (1995). Ibogaine in the Treatment of Chemical Dependence Disorders: Clinical Perspectives (Originally published in MAPS Bulletin (1995) V(3):19-26).
  14. Naranjo, Claudio: V, Ibogaine: Fantasy and Reality. In: The healing journey: new approaches to consciousness. Pantheon Books, New York 1973, ISBN 0-394-48826-1, S. 197–231.
  15. ibeginagain.org: "Ibogain Therapie Fragen und Antworten"
  16. "wissenschaft.de" 2005.
  17. S.D. Glick: Ibogaine-like effects of noribogaine in rats. In: Brain Res.. 713(1–2), 1996, S. 294–7. PMID 8725004.
  18. Arias HR, Rosenberg A, Targowska-Duda KM, et al.: Interaction of ibogaine with human alpha3beta4-nicotinic acetylcholine receptors in different conformational states. In: Int. J. Biochem. Cell Biol.. 42, Nr. 9, 2010, S. 1525–35. PMID 20684041.
  19. O.D. Taraschenko: Is antagonism of alpha3beta4 nicotinic receptors a strategy to reduce morphine dependence?. In: Eur. J. Pharmacol.. 513(3), 2005, S. 207–18. PMID 15862802.
  20. C.J. Pace: Novel iboga alkaloid congeners block nicotinic receptors and reduce drug self-administration. In: Eur. J. Pharmacol.. 492(2–3), 2004, S. 159–67. PMID 15178360.
  21. I.M. Maisonneuve (2003). Anti-addictive actions of an iboga alkaloid congener: a novel mechanism for a novel treatment. Pharmacol. Biochem. Behav. 75(3), 607–18 (engl.).
  22. Link-Sammlung bei "ibogaine.org" (engl.).
  23. Hoelen DW, Spiering W, Valk GD: Long-QT syndrome induced by the antiaddiction drug ibogaine. In: N. Engl. J. Med.. 360, Nr. 3, 2009, S. 308–9. doi:10.1056/NEJMc0804248. PMID 19144953.
  24. Bulling S, Schicker K, Zhang YW, et al.: The mechanistic basis for noncompetitive ibogaine inhibition of serotonin and dopamine transporters. In: J. Biol. Chem.. 287, Nr. 22, 2012, S. 18524–34. doi:10.1074/jbc.M112.343681. PMID 22451652. PMC: 3365767 (freier Volltext).
  25. Erwin Deutsch, Rudolf Ratzel, Hans-Dieter Lippert: Kommentar zum Arzneimittelgesetz (AMG). 3. Auflage, Gabler Wissenschaftsverlage, 2010, ISBN 978-3-6420-1454-3, S. 64–66.
  26. ArzneimittelG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1. Abgerufen am 16. Mai 2012.
  27. Martin Kämpf: Strafrecht: Handel mit Gamma-Butyrolacton (GBL, liquid ecstasy) zu Konsumzwecken. 25. Juli 2011.
  28. Das unerlaubte Inverkehrbringen von Gamma-Butyrolacton (GBL) zu Konsumzwecken ist nach dem Arzneimittelgesetz strafbar. BGH-Urteil vom 8. Dezember 2009, 1 StR 277/09, LG Nürnberg-Fürth bei Lexetius.com/2009,3836.

Weblinks[Bearbeiten]

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