Ich folgte einem Zombie

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Filmdaten
Deutscher Titel Ich folgte einem Zombie
Originaltitel I Walked with a Zombie
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1943
Länge 68 Minuten
Altersfreigabe FSK 12 (Video)
Stab
Regie Jacques Tourneur
Drehbuch Curt Siodmak, Ardel Wray
Produktion Val Lewton
Musik Roy Webb
Kamera J. Roy Hunt
Besetzung

Ich folgte einem Zombie (Originaltitel: I Walked with a Zombie) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Spielfilm von Jacques Tourneur aus dem Jahr 1943. Er entstand im Rahmen des von Val Lewton für das Studio RKO produzierten Horrorfilm-Zyklus.

Eine junge Krankenschwester nimmt eine Stelle als Pflegerin auf einer westindischen Insel an. Nach und nach entdeckt sie, dass ihre apathische Patientin das Opfer eines Voodoo-Kultes geworden ist.

Inhalt[Bearbeiten]

Die junge Krankenschwester Betsy kommt auf die westindische Insel Sankt Sebastian, um Jessica Holland, die Frau des Plantagenbesitzers Paul Holland, zu pflegen. Auf dem Anwesen der Hollands leben neben Paul und seiner kranken Frau Pauls Mutter Mrs. Rand und sein alkoholsüchtiger Halbbruder Wesley. Jessica Holland verharrt in einer vollkommenen Trance, ein Zustand, der nach Meinung des Hausarztes Dr. Maxwell auf ein unheilbares Tropenfieber zurückzuführen ist. Paul erklärt Betsy, er trage die Schuld an Jessicas Zustand, jedoch ohne eine Erklärung für seine Behauptung zu geben. Betsy verliebt sich in ihren Arbeitgeber und versucht, Jessica aus Liebe zu ihm zu heilen, doch die von ihr angewandten Insulinschocks bleiben erfolglos. Eine der einheimischen Hausangestellten schlägt Betsy vor, die Kranke von einem Voodoo-Priester heilen zu lassen. Betsy überlegt, dass das Ritual einen heilsamen Schock bei Jessica auslösen könnte, und sucht den Ort der Zeremonien auf. Dort entdeckt sie, dass der Voodoo-Priester niemand anderes als Pauls Mutter Mrs. Rand ist. Später gesteht Mrs. Rand, dass sie selbst mittels Voodoo-Praktiken Jessicas Zustand herbeigeführt habe, weil Jessica eine Affäre mit Pauls Halbbruder Wesley hatte und Paul verlassen wollte. Die Intensität der Rituale der Einheimischen nimmt erneut zu, bei dem einer der Teilnehmer eine Puppe mit einer Nadel durchsticht. Wesley bricht einen Pfeil von einer Statue, ersticht Jessica und trägt die Tote ins Meer hinaus. Die Einheimischen finden die Leichname Wesleys und Jessicas und tragen sie zurück zum Anwesen der Hollands.

Produktion[Bearbeiten]

Ich folgte einem Zombie war Val Lewtons zweiter Horrorfilm für RKO nach dem Überraschungserfolg Katzenmenschen (1942). Das Drehbuch basierte zum Teil auf einem Artikel von Inez Wallace in American Weekly, bediente sich aber auch Motiven aus Jane Eyre.[1][2]

Ich folgte einem Zombie hatte am 21. April 1943 Weltpremiere in New York City und lief ab dem 30. April 1943 regulär in den US-Kinos. In Deutschland wurde der Film nicht im Kino gezeigt, sondern erstmals am 10. Juli 1974 im Fernsehen ausgestrahlt.[1][3]

Kritiken[Bearbeiten]

Nach der Uraufführung bezeichnete die New York Times Ich folgte einem Zombie als "stumpfsinnige, abstoßende Übertreibung einer ungesunden, abnormalen Einstellung zum Leben"[4]. Das Urteil des Branchenfachblatts Variety fiel nur wenig besser aus: „Der Film enthält ein paar furchteinflößende Stellen, quillt aber ansonsten über mit banalen Dialogen und schwerfälligen darstellerischen Leistungen.“[5]

In späteren Jahren revidierte die englischsprachige Kritik ihr Urteil und bezeichnete den Film als „intelligent“ (William K. Everson)[6], „außergewöhnlich“ (Leonard Maltin)[7] und als „den elegantesten“ in Lewtons RKO-Horrorzyklus (Tom Milne)[8].

Auch bei der deutschen Filmkritik gilt Tourneurs Film als Klassiker. Für das Lexikon des Internationalen Films ist Ich folgte einem Zombie ein Meilenstein seines Genres: „Ein subtiler Klassiker des Horrorfilms, der sich durch seine atmosphärische Dichte und das meisterliche Spiel mit Licht und Schatten auszeichnet. Tourneur versteht es, die Spannung geschickt zu steigern und das alptraumhafte Klima einer ständigen Bedrohung durch seine symbolhafte Bildsprache heraufzubeschwören. Ein Film, der stilbildend auf sein Genre eingewirkt hat.“[3]

Prisma TV Guide schrieb: „Wenn man überhaupt einen Horrorfilm als ‚schön‘ bezeichnen kann, dann Ich folgte einem Zombie mit seinen wunderbaren geisterhaften Bildmotiven und seiner atmosphärischen Genauigkeit.“[9]

Filmwissenschaftler Norbert Grob bemerkte zur Atmosphäre des Films: „Von Beginn an strahlt I Walked with a Zombie eine seltsam schicksalsergebene, düstere Stimmung aus. Die Figuren scheinen es zu genießen, im Vergangenen zu verharren, untergangs- und todesverliebt. […] Horror entsteht bei Tourneur niemals durch Spielerei mit Gefahr, Furcht, Schock, eher durch Andeutungen auf eine parallele Welt, die zutiefst einwirkt auf die Ereignisse des Alltags.“[10]

Nachwirkung[Bearbeiten]

2001 erschien ein Remake unter dem Namen Das Ritual – Im Bann des Bösen, welches jedoch den Erfolg des Originals nicht wiederholen konnte.

Die Rockband Wednesday 13 und der Sänger Roky Erickson veröffentlichten Songs mit dem Titel I Walked with a Zombie.

DVD-Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Ich folgte einem Zombie ist in der 2005 in den USA erschienenen (und 2008 neu aufgelegten) DVD-Box The Val Lewton Horror Collection enthalten. In Deutschland erschien der Film 1999 auf VHS-Videokassette.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag in der Internet Movie Database, abgerufen am 24. März 2012.
  2. Artikel auf Focusfeatures.com vom 21. April 2010, abgerufen am 24. März 2012.
  3. a b Ich folgte einem Zombie im Lexikon des Internationalen Films', abgerufen am 24. März 2012.
  4. „[…] a dull, disgusting exaggeration of an unhealthy, abnormal concept of life.“ – Besprechung in der New York Times vom 22. April 1943, abgerufen am 24. März 2012.
  5. „Film contains some terrifying passages, but is overcrowded with trite dialog and ponderous acting.“ – Besprechung in Variety aus dem Jahr 1943 (ohne Datumsangabe), abgerufen am 24. März 2012.
  6. William K. Everson: Klassiker des Horrorfilms, Goldmann, München 1980.
  7. Leonard Maltin's 2008 Movie Guide, Signet/New American Library, New York 2007.
  8. Time Out Film Guide, Seventh Edition 1999, Penguin Books, London 1998.
  9. Kurzbiographie zu Jacques Tourneur auf prisma TV Guide, abgerufen am 24. März 2012.
  10. Norbert Grob: Ich folgte einem Zombie, in: Ursula Voss (Hrsg.): Filmgenres: Horrorfilm, Reclam, Stuttgart 2004, S. 122-127.