Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

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Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten ist der im September 2008 erschienene dritte Roman von Christian Kracht. Er wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorabgedruckt.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman gehört zum Genre der Alternativweltgeschichten. In ihm wird von einer „Schweizer Sowjet Republik (SSR)“ erzählt, die sich unter anderem im Dauerkrieg mit einem Großteil Resteuropas befindet. Es handelt sich um eine Dystopie, eine Geschichte von der Endzeit aller Zivilisation.

In dieser Alternativ-Geschichte bleibt Lenin im Schweizer Exil, da Russland einer kontinentalen Explosion zum Opfer gefallen ist. Hierbei wird auf das Tunguska-Ereignis Bezug genommen, welches in der Alternativwelt eine weitaus größere Zerstörung verursacht hat. Die Schweiz befindet sich fortan in einem jahrzehntelangen Krieg mit den faschistischen Ländern Deutschland und England. Zur Nachwuchsgewinnung hat die Schweiz umfangreiche Kolonien im Süden Afrikas errichtet.

Aus einer dieser Kolonien entstammt der Erzähler. Als Politischer Kommissar wird er beauftragt, den auffällig gewordenen jüdischen Oberst Brazhinsky ausfindig zu machen und zu verhaften. Auf der Suche nach ihm gerät er in das erst kürzlich von den deutschen Besatzern befreite Neu-Berner Umland, um schließlich in das massiv befestigte Réduit zu gelangen. Dort trifft er auf Brazhinsky und gerät in seinen Bann. Bald schon gelangt er aber hinter die fragile Realität der Alpenfestung und enttarnt sie als Kulisse und Ort von geistiger und kultureller Armut.

Übersetzungen[Bearbeiten]

Der Roman wurde bislang in das Russische, ins Bulgarische, ins Niederländische, ins Schwedische, ins Polnische, ins Französische, ins Koreanische und in das Kroatische übersetzt.[1] [2] [3] [4]

Rezeption[Bearbeiten]

Krachts dritter Roman wurde von der Kritik vorwiegend gelobt. Elmar Krekeler schrieb in seiner Besprechung in der Welt: „Kracht menetekelt eine Geschichte hin, die einer Albtraumlogik folgt, in der deswegen alles möglich ist und alles merkwürdig plausibel, so irre wie es scheint. Eine Traumgeschichte, unter der sich wie im Schachteltraum immer wieder Subträume öffnen. Eine schwarzromantische Geschichte vom Ende aller Moral, aller Gesellschaft. Und man gibt sich diesem Albtraum hin. Man kann nicht anders. Mit kantigen, kalten Sätzen stanzt Kracht eines jener Bücher in die Literaturlandschaft, die es braucht, damit man den Kopf frei bekommt.“ Von Popliteratur erkennt Krekeler keine Spuren mehr; stattdessen Bezüge auf: „Friedrich Glauser und Joseph Conrad und Ludwig Wittgenstein und Ernst Jünger, ein paar Comic-Hefte, Gothic Novels, drei Bände Sprachtheorie, afrikanische Mythen, ein bisschen Steampunk und Bergliteratur, Kitsch, ein paar Drogen, versteckte Witze, die afrikanischen Tagebücher Krachts unter anderem vom Aufstieg auf den Kilimandscharo und Unmengen literarische Eiswürfel“.[5]

Gustav Seibt lobte in der Süddeutschen Zeitung das Buch wie folgt: „Wenn es noch irgendjemanden gibt, der Literatur um des Stils und nicht um der Information willen liest, aus purer Freude an der Wirkung von Sätzen, Rhythmen und Adjektiven, hier findet er seinen Text. Plump und zolaisierend überausführlich wirkt im Vergleich dazu das Gros von Krachts Generationsgenossen, überdeutlich oder, oft noch quälender, literaturinstitutshaft geschliffen. Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten ist kein deutscher Gegenwartsroman.“[6]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Titel des Romans übersetzt eine Zeile des irischen Volksliedes Danny Boy.

Adaption[Bearbeiten]

Von Regisseur Armin Petras wurde Krachts Roman erstmals in Deutschland als Theaterstück adaptiert. Die Inszenierung wurde im Juli 2010 im Stuttgarter Staatstheater uraufgeführt. Bereits einen Monat früher kam eine Theaterfassung von Corinna von Rad am Theater Basel auf die Bühne.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Birgfeld, Claude D. Conter (Hrsg.): Christian Kracht. Zu Leben und Werk. 2009, Verlag Kiepenheuer und Witsch, ISBN 346204138X
  • Stefan Bronner: Das offene Buch – Zum Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit in Christian Krachts Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. 2009/Heft 2: Deutsche Bücher - Forum für Literatur, Weidler-Buchverlag

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.actesud.com/ficheisbn.php?isbn=9782742788767
  2. http://www.arbeiderspers.nl/web/Auteurs/Boek-5.htm?dbid=29052&typeofpage=94280
  3. http://ersatz.se/bok_kracht.htm
  4. http://moonji.com/auth/6748/
  5. Elmar Krekeler, „Schweizer Imperialismus; Christian Kracht macht Ernst. "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" ist ein grandioser Schauerroman von dunkler Größe“. Die Welt, 20. September 2008, „Literarische Welt“, S.3.
  6. Gustav Seibt, „Es roch nach Menschentalg“, Süddeutsche Zeitung vom 20./21. September 2008.
  7. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,702673,00.html