Idar-Oberstein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Idar-Oberstein
Idar-Oberstein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Idar-Oberstein hervorgehoben
49.7133333333337.3119444444444272Koordinaten: 49° 43′ N, 7° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Birkenfeld
Höhe: 272 m ü. NHN
Fläche: 91,56 km²
Einwohner: 28.459 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 311 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55743
Vorwahlen: 06781; 06784 (Stadtteile: Georg-Weierbach, Kirchen-, Mittel- und Nahbollenbach, Weierbach) Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BIR
Gemeindeschlüssel: 07 1 34 045
Stadtgliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Georg-Maus-Straße 1
55743 Idar-Oberstein
Webpräsenz: www.idar-oberstein.de
Oberbürgermeister: Bruno Zimmer (SPD)
Lage der Stadt Idar-Oberstein im Landkreis Birkenfeld
Horbruch Krummenau (Hunsrück) Weitersbach Gösenroth Schwerbach Oberkirn Hausen (Hunsrück) Rhaunen Stipshausen Hottenbach Hellertshausen Schauren Asbach Sulzbach (Hunsrück) Bollenbach Bundenbach Baumholder Frauenberg Reichenbach Heimbach Ruschberg Berglangenbach Fohren-Linden Berschweiler bei Baumholder Mettweiler Eckersweiler Rohrbach Rückweiler Hahnweiler Leitzweiler Sien Sienhachenbach Schmidthachenbach Oberreidenbach Mittelreidenbach Dickesbach Fischbach Bergen Berschweiler bei Kirn Hintertiefenbach Gerach Niederwörresbach Niederhosenbach Griebelschied Sonnschied Wickenrodt Herrstein Oberwörresbach Veitsrodt Herborn Mörschied Breitenthal Oberhosenbach Weiden Vollmersbach Kempfeld Kirschweiler Bruchweiler Allenbach Wirschweiler Langweiler (bei Idar-Oberstein) Idar-Oberstein Sensweiler Hettenrodt Mackenrodt Siesbach Leisel Schwollen Hattgenstein Oberhambach Rinzenberg Börfink Buhlenberg Abentheuer Brücken (bei Birkenfeld) Achtelsbach Meckenbach Ellweiler Dambach Gimbweiler Hoppstädten-Weiersbach Dienstweiler Nohen Birkenfeld (Nahe) Ellenberg Gollenberg Rimsberg Schmißberg Elchweiler Niederhambach Niederbrombach Kronweiler Sonnenberg-Winnenberg Oberbrombach Rötsweiler-Nockenthal Wilzenberg-Hußweiler Saarland Landkreis Trier-Saarburg Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Landkreis KuselKarte
Über dieses Bild
Stadtpanorama
Idar-Oberstein bei Nacht
Luftbild

Idar-Oberstein ist eine Große kreisangehörige Stadt im Landkreis Birkenfeld, Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist das Ergebnis umfassender Verwaltungs- und Strukturreformen der Jahre 1933, 1969 und 1970. Die einzelnen Stadtteile mit ihren Einwohnern haben ihre eigene Identität bewahrt, wobei abgesehen von den städtisch geprägten Stadtteilen Idar und Oberstein ein insgesamt dörflicher Charakter erhalten blieb. Idar-Oberstein ist als Edelstein- und Garnisonsstadt bekannt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Idar-Oberstein liegt am südlichen Rand des Hunsrücks beiderseits der Nahe.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stand 30. Juni 2005

Altstadt, Zusammenschluss mit der Verwaltungsreform 1933[Bearbeiten]

  • Oberstein (8.794 Ew.)
  • Idar mit Tiefenstein, damals Stadtteil von Idar (11.108 Ew.)
  • Algenrodt (2.385 Ew.)

Einwohner: 22.284

Neuere Stadtteile, eingemeindet mit der Verwaltungsreform 1969/70[Bearbeiten]

  • Göttschied (2.924 Ew.)
  • Weierbach (2.703 Ew. / Fläche 751,6 ha)
  • Nahbollenbach (1.970 Ew. / Fläche 821,7 ha)
  • Mittelbollenbach (1.197 Ew. / Fläche 360,9 ha)
  • Kirchenbollenbach (938 Ew. / Fläche 227,5 ha)
  • Regulshausen (835 Ew.)
  • Enzweiler (Idar-Oberstein) (747 Ew.)
  • Georg-Weierbach (709 Ew.)
  • Hammerstein (Idar-Oberstein) (573 Ew. / Fläche 217,5 ha)

Einwohner: 12.596

Klima[Bearbeiten]

Die folgenden Werte beziehen sich auf den Zeitraum 1961–1990, also Werte des langjährigen klimatologischen Mittels. Bei den Temperaturen wird jeweils das arithmetische Mittel der Durchschnittstemperaturen an den Tagen der jeweiligen Monate berechnet. Bei den Niederschlagswerten wird die Summe aller gefallenen Niederschläge berechnet, die Einheit ist mm (Millimeter).


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Idar-Oberstein
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) −0,6 −0,2 3,8 7,0 11,6 14,8 16,9 16,4 13,0 8,8 3,1 0,3 Ø 8
Niederschlag (mm) 68 52 66 51 68 67 60 63 55 63 80 81 Σ 774
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Quelle: alte Tabelle aus Wikipedia

Die Jahresniederschlagsmenge beträgt 774 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 57 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der April, die meisten Niederschläge fallen im Dezember. Im Dezember fallen 1,6-mal mehr Niederschläge als im April. Die Niederschläge variieren kaum und sind gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 13 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht von Oberstein nach Matthäus Merian
Ansicht von Oberstein, um 1875. Ölgemälde von van Prouyen
Marktplatz Idar und Schule „Am Markt“

Die Territorialgeschichte der einzelnen Stadtteile ist durch die erhebliche Zersplitterung der Herrschaften des Gebiets geprägt. Erst durch die Neuorganisation und Zusammenfassung der Gebiete durch das napoleonische Frankreich in den Jahren ab 1794 kam etwas Ordnung. Doch bereits nach dem Wiener Kongress erfolgte eine erneute Aufteilung des heutigen Stadtgebiets, wobei in erster Linie die Teile nördlich der Nahe an das Großherzogtum Oldenburg fielen und Teil des Fürstentums Birkenfeld wurden.

Geschichte der Stadtteile bis zur Neuorganisation durch die Franzosen nach 1794[Bearbeiten]

Altstadt etwa 1957

Der Stadtteil Oberstein entwickelte sich aus der reichsunmittelbaren Herrschaft Oberstein. Die Herren vom Stein, erstmals 1075 erwähnt, hatten ihren Sitz auf der Burg Bosselstein oberhalb der später errichteten Felsenkirche, die bereits im 12. Jahrhundert erwähnt wird und als Altes Schloss bekannt ist. Der Kernbereich der Herrschaft wurde begrenzt durch die Nahe, den Idarbach, den Göttenbach und den Ringelbach. Nach 1323 nannten sich die Herren vom Stein „von Daun-Oberstein“ und konnten ihren Machtbereich erheblich, auch auf Gebiete südlich der Nahe und den Idarbann, ausdehnen. Als Herrschaftssitz mit der Burg und den Befestigungen – Reste der um 1410 angelegten Stadtmauer sind heute noch „Im Gebück“ sichtbar – konnte Oberstein einen städtischen Charakter entwickeln, ohne jedoch über den rechtlichen Status eines Flecken hinaus zu kommen. 1682 wurden die Grafen von Leiningen-Heidesheim, 1766 die Grafen von Limburg-Styrum Besitzer der Herrschaft Oberstein, die im Wesentlichen auf das vorgenannte Kerngebiet zusammenschmolz, nachdem der Idarbann im Jahre 1771 an die Hintere Grafschaft Sponheim angegliedert wurde. 1776 wurden die Markgrafen von Baden Besitzer der Herrschaft, nachdem die Hintere Grafschaft Sponheim geteilt wurde.

Die Besiedlung von Idar kann bis in früheste Zeit durch Bodenfunde nachgewiesen werden. Der Ort Idar rechts des Idarbachs gehörte mit den Orten Enzweiler, Algenrodt, Mackenrodt, Hettenrodt, Hettstein, Obertiefenbach und Kirschweiler zum Idarbann. Das Gebiet gehörte überwiegend den Herren von Oberstein und teilt damit die Geschichte mit Oberstein, doch hatten insbesondere in Tiefenbach und Kirschweiler die Wild- und Rheingrafen sowie die Abtei Tholey Güter und sonstige Rechte.

Der Ort Tiefenstein entstand aus der Zusammenlegung der Orte Tiefenbach und Hettstein im Jahre 1909. Die Territorialgeschichte der Idarbann-Gemeinde entspricht der von Idar und Oberstein. Tiefenbach wird in einer Urkunde von 1283 als Hof erwähnt; eine Erwähnung von 1051 kann nicht sicher dem Ort zugeordnet werden. Hettstein wurde 1321 als Henzestein bzw. Hezerten erwähnt und hatte unter  anderem wildgräfliche Untertanen als Bewohner.

Das Dorf Algenrodt wird erstmals sicher in einer obersteinischen Lehensurkunde von 1321 als Alekenrod erwähnt. 1324 wurde es von den Herren von Oberstein an die Kyrburger Wild- und Rheingrafen verpfändet. Im Übrigen teilt Algenrodt die Geschichte mit den anderen Idarbann-Gemeinden.

Enzweiler kann Siedlungsspuren bis in römische Zeit nachweisen. 1276 besaß die Abtei Tholey eine Mühle bei Enzweiler. Der Ort selbst ist wohl im 14. Jahrhundert entstanden und war stets Teil des Idarbanns.

Der nördlich der Nahe terrassenförmig auf einem steil zur Nahe abfallenden Gelände gelegene Ort Georg-Weierbach geht wahrscheinlich auf eine Kirchengründung des Mainzer Erzbischofes Hatto im 10. Jahrhundert zurück. 1155 wird der Ort im Zusammenhang mit den Herren von Wirebach (= Weierbach) erwähnt. 1327 wurde der Ort, der kurzzeitig im Besitz der Herren von Randeck war, größtenteils an die Wild- und Rheingrafen verkauft und dem Amt Kyrburg zugeordnet. Die Bezeichnung Georg-Weierbach entstammt dem Patrozinium der Kirche.

Das 1271 erstmals urkundlich erwähnte Göttschied gehörte gemeinsam mit Regulshausen, Gerach und Hintertiefenbach zur Abtei Mettlach („Abteidörfer“). 1561 wurden diese Dörfer an die Hintere Grafschaft Sponheim verkauft.

Hamerzwiller (= Hammerstein) wird 1438 im Gültbuch der Grafschaft Sponheim erwähnt und befand sich bereits 1269 in hintersponheimischem Besitz, als es als Lehen an den Grafen von Schwarzenberg gegeben wurde.

Als Ursprung des Orts Kirchenbollenbach wird eine Kirchengründung des Mainzer Erzbischofs Williges nach 975 angesehen. Erstmals urkundlich nachweisbar ist der Ort 1128 unter dem Namen „Bolinbach“. Zunächst als Lehen der Herren von Schwarzenberg von den Grafen von Zweibrücken belegt, kam der Ort 1595 an die Kirner Wild- und Rheingrafen. Als eine regionale Besonderheit ist hier zu nennen, dass im weiteren Verlauf eine katholische Seitenlinie der überwiegend protestantischen Rheingrafen unter dem Fürsten Johann Dominik von Salm-Kyrburg in Kirchenbollenbach das Simultaneum einführte und eine neue (katholische) Pfarrei gründete.

Als Grundstein des Orts Mittelbollenbach gilt der 1283 als Besitz der Herren von Oberstein im Bereich des Waldgebiets Winterhauch erwähnte Hof Bollenbach. 1432 wurden die Herzöge von Lothringen mit Nah- und Mittelbollenbach belehnt, was nach dem Erlöschen der Obersteiner Linie wegen der komplizierten Erbfolge zu erbitterten Auseinandersetzungen führte. Erst im Jahre 1778 kam es zum Verzicht der Lothringer zu Gunsten von Kurtrier.

Bis 1667 entspricht die Geschichte Nahbollenbachs der von Mittelbollenbach. Dann wurde Nahbollenbach von Lothringen als Allodialbesitz von Oberstein anerkannt, verblieb aber seit 1682 als kurtrierisches Lehen bei der Herrschaft.

Das Abteidorf Regulshausen gehörte zur Abtei Mettlach und wurde 1561 von dieser an die Hintere Grafschaft Sponheim verkauft. Die älteste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahre 1491.

Als „Weygherbach“ ist Weierbach 1232 erstmals erwähnt und gehörte zum vordersponheimischen Amt Naumburg. Die späteren Besitzer der Vorderen Grafschaft Sponheim waren die Markgrafen von Baden, wodurch der Ort auch unter dem Namen Baden-Weierbach bekannt wurde. Die häufig benutzte Bezeichnung Martin-Weierbach entstammt dem Patrozinium der Kirche.

Von Frankreich über Oldenburg nach Preußen[Bearbeiten]

Nach Auflösung der alten Herrschaften führten ab 1794 die neuen französischen Herren eine umfassende Neuorganisation der territorialen (und sozialen) Struktur herbei. Der gesamte Raum gehörte zum Arrondissement Birkenfeld im Département de la Sarre und war vom 4. November 1797 nominell und nach den Vereinbarungen beim Frieden von Lunéville ab dem 9. März 1801 offiziell bis 1814 französisches Staatsgebiet. Die Einführung des Code civil, eine Justizreform und ganz besonders die Abschaffung von Adel und Klerus mit dem damit verbundenen Wegfall von Fron und anderen Lasten machten die französische Herrschaft rasch populär. Die enorme Steuerbelastung und die ständigen Aushebungen zu Gunsten der französischen Armee drückten jedoch auf die Menschen der Region.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde der Raum erneut neu strukturiert. Auf der Grundlage des Artikels 25[2] der Schlussakte zum Wiener Kongress kam der Nordteil des Département de la Sarre im Juni 1815 zunächst an Preußen. Da sich Preußen im Pariser Frieden von 1815 verpflichtet hatte, aus diesem Gebiet einen Bereich mit zusammen 69 000 Einwohnern an den Herzog zu Sachsen-Coburg und Gotha (20 000 Seelen), den Herzog von Oldenburg (20 000 Seelen) und andere kleine Fürsten abzugeben und dieses im Artikel 49[3] der Schlussakte zum Wiener Kongress festgelegt wurde, kam es zu einer weiteren Aufteilung der Region.

Die südlich der Nahe gelegenen Orte Hammerstein, Kirchenbollenbach, Mittelbollenbach, Nahbollenbach und Martin-Weierbach sowie der Homerische Hof kamen daher 1816 an das Fürstentum Lichtenberg der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha. Die Coburger Herzöge waren mit diesem Zugewinn nicht zufrieden, wie auch die Einwohner des Fürstentums Lichtenberg mit den Coburgern unzufrieden waren. Das Gebiet wurde 1834 für zwei Millionen Taler an Preußen verkauft und in den Landkreis St. Wendel umgewandelt, aus dessen nicht in das Saargebiet eingegliederten Teilen nach dem Ersten Weltkrieg der Restkreis St. Wendel-Baumholder hervorging. Die Preußen wurden ebenfalls nicht geliebt, weil sie teils mit militärischer Macht die eigene Ordnung durchsetzten. Man trug ihnen nach, dass sie u.  a. auf coburgischen Hilferuf zum Hambacher Fest im Mai 1832 eine Protestkundgebung in St. Wendel, wo auch in napoleonischer Tradition ein Freiheitsbaum gesetzt wurde, mit militärischer Gewalt beendeten.

Idar, Oberstein, Tiefenstein, Algenrodt, Enzweiler, Georg-Weierbach, Göttschied und Regulshausen wurden am 16. April 1817 Teil des neu geschaffenen oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld im Amt Oberstein mit den Bürgermeistereien Herrstein, Oberstein und Fischbach. Die französische Gesetzgebung blieb bestehen, doch erließ der Herzog ein Staatsgrundgesetz, womit die Bevölkerung nicht einverstanden war, weil sie lieber bei Preußen geblieben wäre. Diese Fortsetzung der deutschen Kleinstaaterei wurde insbesondere in Idar und Oberstein sehr kritisch gesehen, im Gegensatz zu dem nun zur Residenzstadt aufgestiegenen Birkenfeld. Die seinerzeit schon überregional bis international ausgerichtete Schmuckindustrie und die bei aller Provinzialität doch weltläufigen Edelsteinhändler empfanden dieses, zumal nach der jahrelangen Zugehörigkeit zu Frankreich mit der mondänen Metropole Paris und den dort getätigten guten Geschäften, als Rückschritt und forderten z.  T. energisch, aber erfolglos, den erneuten Anschluss an Preußen. Dennoch konnten sich die Oldenburger rasch bei der Bevölkerung beliebt machen, weil sie eine uneigennützige Verwaltung installierten, die unabhängige Rechtsprechung sicherstellten und vielfältige Aktivitäten zu Gunsten der Bauern und der Wirtschaft einleiteten. Ein geordnetes Schulsystem (1830 wurde in Oberstein eine Bürgerschule eingerichtet) und der vorübergehende Verzicht auf die Aushebung für den Militärdienst unterstützten dieses positive Bild. Es wurden Straßen ausgebaut und eine Fahrpost eingerichtet. Der Bau der Nahe-Eisenbahn und die Inbetriebnahme der Strecke von Bad Kreuznach nach Oberstein am 15. Dezember 1859 führten zu einem weiteren wirtschaftlichen Aufschwung.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verzichtete der oldenburgische Großherzog Friedrich August auf seinen Thron. Aus dem Fürstentum Birkenfeld wurde der Landesteil Birkenfeld des Freistaats Oldenburg. Der Landesteil Birkenfeld wurde am 4. Dezember 1918 wie das gesamte Rheinland von französischen Truppen besetzt, die erst zum 30. Juni 1930 wieder abzogen.

Bei den Oldenburger Landtagswahlen im Jahre 1931 erreichte die NSDAP über 37 Prozent der abgegebenen Stimmen, konnte jedoch noch nicht die Regierung bilden. Nachdem die NSDAP zunächst eine Toleranzerklärung für die bestehende Regierung abgegeben hatte, forderte sie bald die Auflösung des Landtags. Da dieser die Auflösung verweigerte, strengten die Nazis ein Volksbegehren an, das zu einem Volksentscheid führte, mit dem am 17. April 1932 der oldenburgische Landtag aufgelöst wurde. Es kam damit zu einer noch weitgehend freien Neuwahl zum Oldenburger Landtag am 20. Mai 1932, die mit einem Gesamtstimmenanteil von 48,38 Prozent zu einem überwältigenden Sieg der NSDAP führte, die damit 24 von 46 Sitzen erlangte. In der damals noch selbständigen Stadt Idar erreichten die Nationalsozialisten über 70 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit konnten sie bereits vor der offiziellen Machtübernahme im Deutschen Reich im Oldenburgischen mit Billigung der Deutschnationalen Volkspartei, die über zwei Sitze verfügte, regieren. Eine der ersten Initiativen der neuen Machthaber war der Erlass einer Verwaltungsreform für das Land Oldenburg, dem am 27. April 1933 das ähnliche Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung für den Landesteil Birkenfeld folgte. Damit wurden insgesamt 18 ehemals selbständige Orte zusammengelegt, so auch die bis dahin selbständigen Städte (Stadtrechte seit 1865) Idar und Oberstein mit den Gemeinden Algenrodt und Tiefenstein zur neuen Stadt Idar-Oberstein. Das Gesetz ließ das Kommende ahnen: Es wurde innerhalb weniger Wochen ohne weitere Diskussion oder Beteiligung, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und auch gegen den Willen der nicht gefragten Gemeinden wie Herrstein und Oberwörresbach, Rötsweiler und Nockenthal, Hoppstädten und Weiersbach durchgesetzt. Die Umstrukturierung gab auch Gelegenheit, unliebsames „Altpersonal“ loszuwerden; die Nazis unter dem Kreisleiter Herbert Wild aus Idar besetzten bis zum Ende des Nazireichs alle wesentlichen öffentlichen Positionen.

1937 wurde auf der Grundlage des Groß-Hamburg-Gesetzes der oldenburgische Landesteil Birkenfeld aufgelöst und mit dem Restkreis St. Wendel-Baumholder in den preußischen Landkreis Birkenfeld überführt,[4] dem somit alle Gemeinden der heutigen Stadt Idar-Oberstein angehörten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel mit dem Landkreis Birkenfeld das gesamte heutige Stadtgebiet an Rheinland-Pfalz.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der rheinland-pfälzischen Kommunalgebietsreform wurden neun Umlandgemeinden eingemeindet. Am 7. Juni 1969 wurden die Gemeinden Enzweiler, Göttschied, Hammerstein und Regulshausen eingemeindet, am 7. November 1970 erfolgte die Eingemeindung von Georg-Weierbach, Kirchenbollenbach, Mittelbollenbach, Nahbollenbach und Weierbach.[5]

Dieser Gebietsreform gingen umfangreiche, teilweise im Verborgenen geführte Gespräche des damaligen Idar-Obersteiner Oberbürgermeisters Wittmann mit Verhandlungsangeboten an insgesamt 22 Gemeinden des Umlands voraus („Umlandgespräche“). Einer der Gründe war die damals erkennbare Abwanderung von Idar-Obersteiner Bürgern in die Umlandgemeinden, die umfangreiche Neubaugebiete bereitstellten – unter anderem Göttschied, Rötsweiler-Nockenthal und Kirschweiler –, während im Stadtgebiet selbst auf Grund der problematischen Geländestruktur derartige Neubauflächen kaum vorhanden waren. Ebenso mangelte es im Stadtgebiet an geeigneten Flächen für Industrieansiedlungen. Überraschend war das ohne vorhergehende Idar-Obersteiner Initiative durch den Ort Weierbach geäußerte Beitrittsbegehren, der seinerzeit noch nicht an die Stadt Idar-Oberstein angrenzte und als Nukleus für eine neue Großgemeinde oder Stadt vorgesehen war, die unter anderem aus den dann zusammenzulegenden Gemeinden Weierbach, Fischbach, Georg-Weierbach und Bollenbach bestehen sollte.

Mit Ausnahme von Georg-Weierbach waren in den Orten bzw. den Gemeinderäten die Mehrheiten zu Gunsten der Auflösung der jeweiligen Gemeinde und des anschließenden Beitritts zur Stadt Idar-Oberstein sehr deutlich. Trotzdem kam es insbesondere im ehemaligen Amt Weierbach, das nun seiner Kerngemeinden beraubt war, zu erbitterten Diskussionen und auch verwaltungsgerichtlichen Auseinandersetzungen. Im April 1970 legte das Amt Weierbach Verfassungsbeschwerde beim rheinland-pfälzischen Verfassungsgerichtshof ein, der am 8. Juli 1970 feststellte, dass das Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung in Rheinland-Pfalz in Teilen verfassungswidrig sei. Das Selbstverwaltungsrecht des Amts Weierbach sei durch das Gesetz beeinträchtigt und die Lebensfähigkeit des Gemeindeverbands gefährdet. Damit wurden Weierbach, Georg-Weierbach, Nah-, Mittel- und Kirchenbollenbach mit sofortiger Wirkung wieder ausgemeindet und selbständig. Nach erbitterten Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Idar-Oberstein gemeinsam mit den Fusionsbefürwortern einerseits und dem Amt Weierbach und den Fusionsgegnern andererseits, die in Demonstrationen, Versammlungen oder Leserbriefduellen ihre Überzeugungen vertraten, fand Anfang September 1970 eine Bürgerbefragung mit einer Abstimmung im Amt Weierbach statt. Das Ergebnis entsprach dem vorherigen Stand: die zuvor nach Gerichtsbeschluss abgetrennten Gemeinden stimmten mit fast 80 Prozent der abgegebenen Stimmen für den Anschluss an Idar-Oberstein, während die übrigen Gemeinden des Amts Weierbach – Sien, Sienhachenbach, Schmidthachenbach, Fischbach, Zaubach und Dickesbach – mit einer Quote von rund 95 Prozent für den Erhalt des Amts Weierbach votierten.

Mit dieser Stadterweiterung hatten sich die Schwerpunkte im Kreis Birkenfeld wesentlich verschoben. Idar-Oberstein konnte sich als Mittelzentrum weiter entwickeln: Die Schullandschaft wurde erweitert (Realschule, Heinzenwies-Gymnasium), Neubaugebiete konnten ausgewiesen werden (besonders in Göttschied, Regulshausen und Weierbach), es war Raum für ein neues Krankenhausgebäude vorhanden und neue Flächen für Industrie- und Gewerbeansiedlung standen zur Verfügung (zum Beispiel Globus-Handelshof in Weierbach und das Einkaufszentrum in der Vollmersbach).

Da Idar-Oberstein nicht nur über eine gute Allgemeininfrastruktur, sondern nach der Inbetriebnahme der Steinbachtalsperre über mehr als ausreichende Wasservorräte verfügte, war die Beitrittsoption für viele weitere Gemeinden attraktiv. Auf Initiative des Oberbürgermeisters Wittmann, der ein Gutachten eines Osnabrücker Planungsbüros zur Untersuchung des Verhältnisses der Stadt zu 25 weiteren Nachbargemeinden erstellen ließ, wurde in einem Stadtratsbeschluss die „unbedingte Eingemeindung“ der Gemeinden Fischbach, Dickesbach, Zaubach, Mittelreidenbach, Oberreidenbach, Schmidthachenbach, Sienhachenbach, Sien, Hintertiefenbach und Vollmersbach gefordert. Die Gemeinden Rötsweiler-Nockenthal, Siesbach, Gerach, Veitsrodt, Kirschweiler, Hettenrodt und Mackenrodt sollten ein Eingliederungsangebot erhalten. Daraufhin wurde die Kreisverwaltung in Birkenfeld aktiv und es kam zu einem Kreistagsbeschluss, in dem die als rücksichtslos empfundene Eingemeindungspolitik der Stadt Idar-Oberstein verurteilt wurde. Da sich mittlerweile bei den Beitrittsgemeinden und auch der Stadt Idar-Oberstein selbst eine gewisse Ernüchterung hinsichtlich der Eingemeindungen eingestellt hatte, verliefen alle weiteren Initiativen im Sand bzw. wurden eingestellt.

Am 1. Januar 1994 wurde der den Truppenübungsplatz umfassende Gutsbezirk Baumholder aufgelöst, wobei mehrere Flurstücke, auf denen die Gemarkungen abgesiedelter Gemeinden lagen, auch an die Stadt Idar-Oberstein fielen, die ihre Stadtfläche so vergrößerte.[6]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Die Orte Idar und Oberstein entwickelten sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts neben Pforzheim, Hanau und Schwäbisch Gmünd zu einem der vier wichtigsten Schmuckzentren Deutschlands. Aufgrund der natürlichen Vorkommen an Achaten, Jaspis und anderen Edelsteinen waren in Idar und Oberstein schon früh die Berufe des Achatschleifers und später auch des Achatbohrers entstanden. Als Folge siedelten sich um 1660 Goldschmiede in der Region an, denn durch das Fassen der Achatwaren konnten deren Absatzmöglichkeiten gesteigert werden. Die Goldschmiede siedelten sich hauptsächlich am Obersteiner Naheufer an, die Achatschleifer hingegen am Idarbach wegen der besseren Wasserverhältnisse zum Betreiben der Schleifsteine. Die Nahe führte nämlich regelmäßig Hochwasser und hätte die Schleifmühlen überschwemmt. Für die Goldschmiede war die Nahe jedoch ideal, da sie für viele Arbeitsvorgänge Wasser brauchten. Deshalb lagen auch alle frühen Fabrikgründungen am Obersteiner Naheufer.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erschöpften sich die regionalen Achatvorkommen. In Idar verarbeitete man von da an brasilianischen Achat, in Oberstein fand eine Entwicklung zur reinen Metallwarenherstellung hin statt, und das Goldschmiedehandwerk emanzipierte sich von der Achatschleiferei. Dies führte in Oberstein Ende des 19. Jahrhunderts zur Gründung zahlreicher Uhrkettenfabriken, die zu einem weltweit bedeutenden Industriezweig wurden. Mit dem Aufkommen der Armbanduhr während des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion mehr und mehr auf Modeschmuck umgestellt. Die großen Namen waren z.B. Jakob Bengel, Klein & Quenzer, Ziemer & Söhne, Carl August Haupt, Gebrüder Stern, Gottlieb & Wagner, Carl Maurer Sohn, Walter Fischer, Ernst Schindler – Prägenanstalt – u. v. m. Mit dem Aufkommen verschärfter Umweltauflagen und der Konkurrenz aus Billiglohnländern in den 1970er Jahren wurde die Lage für die Modeschmuckfabriken immer schwieriger. Doch noch heute gibt es in Idar-Oberstein einige Schmuckfabriken aus der Gründerzeit. Im Industriedenkmal Jakob Bengel hat sich sogar eine Schmuckfabrik im Originalzustand erhalten, die zu besichtigen ist. Der Stadtteil Idar war und ist teilweise noch heute der Welthandelsplatz für Edelsteine neben Antwerpen und Amsterdam, deren Schwerpunkt jedoch im Diamantenhandel liegt. In der Blütezeit waren für die Idarer Diamantschleifereien rund 7.000 Diamantschleifer beschäftigt, sowie etliche Tausend Achat- und Schmucksteinschleifer.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Stadtteil Idar hielten sich um 1790 die Eltern des Räubers Johannes Bückler (1777–1803), genannt Schinderhannes, auf. Der Stadtteil Oberstein war 1796 Schauplatz eines der ersten Vergehen des Schinderhannes. Dort vertrank er in einer Gastwirtschaft das Geld (1 Louisdor) des Gastwirts Koch aus Veitsrodt, für den er Branntwein hätte kaufen sollen.[7]

Aus dem Stadtteil Weierbach stammt Juliana Blasius (1781–1851), die Geliebte des Schinderhannes, der in Mainz hingerichtet wurde. Das „Julchen“ trat seit ihrer Kindheit zusammen mit ihrem Vater und ihrer älteren Schwester Margarethe als Bänkelsängerin und Geigenspielerin auf Märkten und Kirchweihen auf. Zu Ostern 1800 sah der Schinderhannes das „Julchen“ erstmals auf dem Wickenhof bei Kirn, wo die 19-Jährige zum Tanz aufspielte. Aus der Verbindung des „Julchen“ mit dem Schinderhannes gingen eine Tochter und 1802 der Sohn Franz Wilhelm hervor. Nach dem Tod des Schinderhannes heiratete das „Julchen“ zunächst einen Gendarmen, mit dem es sieben Kinder zeugte, und nach dessen Tod einen Viehhirten und Tagelöhner.[8]

Im 18. Jahrhundert ließen die Edelsteinfunde im Hunsrück nach, und der Bevölkerung ging es nicht gut. Viele zogen aus, um in der Fremde ihr Glück zu finden. Einige verschlug es bis nach Brasilien. Dort konnten die Edelsteine im Tagebau gefördert oder in Flüssen und Bächen gefunden werden. Die bei den Einheimischen verbreitete Tradition der Zubereitung von Fleisch auf dem offenen Feuer (Churrasco) wurde von den Einwanderern übernommen und mit den Edelsteintransporten in die alte Heimat übermittelt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wanderten viele Menschen, von Hungersnöten getrieben, nach Südamerika aus. Im Jahre 1827 entdeckten Auswanderer aus Idar-Oberstein in Rio Grande do Sul/Brasilien die wichtigsten Achatvorkommen der Erde. Schon 1834 erreichte Idar-Oberstein die erste Lieferung aus Rio Grande do Sul. Die brasilianischen Achate zeichneten sich im Gegensatz zu den Idar-Obersteiner Achaten durch besonders gleichmäßige Lagen aus. Deshalb eigneten sie sich gut für die Gravur von Gemmen.

Am 1. April 1960 wurde die Stadt Idar-Oberstein auf ihren Antrag hin von der Landesregierung zur Großen kreisangehörigen Stadt erklärt.[9]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Idar-Oberstein besteht aus 40 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Oberbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[10]

Wahl SPD CDU FDP GRÜNE LINKE REP Fr. Liste LUB Gesamt
2009 12 11 7 2 2 3 3 40 Sitze
2004 13 16 3 2 1 3 2 40 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bruno Zimmer, Oberbürgermeister seit 2007

Zum 1. April 1960 verlieh das Land Rheinland-Pfalz der Stadt Idar-Oberstein den gemeinderechtlichen Sonderstatus „Große kreisangehörige Stadt“. Seit diesem Zeitpunkt tragen die Verwaltungsleiter die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister.

von bis Name Partei Bemerkungen
1920 1945 Ludwig Bergér Stadtbürgermeister in Oberstein
30. Juli 1933 Otto Schmidt Stadtbürgermeister in Idar
10. Mai 1945 29. April 1947 Walter Rommel Stadtdirektor (durch die französische Besatzungsmacht verhaftet und abgesetzt)
22. September 1946 4. Februar 1949 Emil Lorenz ehrenamtlicher Bürgermeister
5. Februar 1949 1953 Ernst Herrmann hauptamtlicher Bürgermeister
15. Dezember 1953 31. März 1960 Leberecht Hoberg CDU Bürgermeister
1. April 1960 8. April 1968 Leberecht Hoberg CDU Oberbürgermeister
1968 26. September 1974 Wilfried Wittmann SPD durch Abwahl aus dem Amt geschieden
1977 28. Februar 1991 Erwin Korb SPD
1. März 1991 28. Februar 2001 Otto Dickenschied SPD
1. März 2001 28. Februar 2007 Hans Jürgen Machwirth CDU erster urgewählter OB nach der Wahlreform 1994; schied mit Erreichen der Altersgrenze für kommunale Wahlbeamte von 68 Jahren vor Ablauf der 8-jährigen Amtszeit aus
1. März 2007 28. Februar 2015 Bruno Zimmer SPD am 5. November 2006 durch Urwahl gewählt

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen vereint Elemente der Wappen der zusammengeführten Städte Idar und Oberstein. Es wurde am 10. Juli 1934 vom oldenburgischen Staatsministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „Im halbrunden silbernen Schild befindet sich ein aufgerichteter roter Forsthaken, begleitet im rechten Obereck von einer sechsblättrigen roten Rose mit goldenem Kelch und grünen Kelchblättern, links unten von einer roten Eichel.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Achicourt seit 1966, Stadtteil Kirchenbollenbach seit 1963
  • FrankreichFrankreich Les Mureaux seit 1971
  • Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Margate seit 1981

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Neben dem Stadttheater im Stadtteil Oberstein existierte bis 2011 eine Kleinkunstbühne („Theaterchen“). Vor der Kulisse des Schlosses Oberstein findet jedes Jahr der Theatersommer Schloss Oberstein statt.

Museen[Bearbeiten]

Überregional bekannt ist das Deutsche Edelsteinmuseum im Stadtteil Idar, das mit zahlreichen Edelstein-Exponaten aufwarten kann.

Das Deutsche Mineralienmuseum Idar-Oberstein – im Stadtteil Oberstein direkt unterhalb der berühmten Felsenkirche gelegen – widmet sich dem besonderen Thema „Mineralien“ und zeigt dabei neben den heimischen Fundorten auch die weltweiten Fundstätten. Zugleich werden die Idar-Obersteiner Schmuckindustrie und die Edelsteinbearbeitung sowie speziell die Achatschleiferei in eindrucksvoller Weise präsentiert.

Einblicke in die Produktion von Art Deko-Schmuck, wie er um die Jahrhundertwende gefertigt wurde, bietet das ganzjährig geöffnete Industriemuseum Jakob Bengel im Stadtteil Oberstein.

In den Edelsteinminen Steinkaulenberg, der einzigen für Besucher zugänglichen Edelsteinmine Europas, und der Historischen Weiherschleife kann man einiges über Schmuckverarbeitung und die Geschichte Idar-Obersteins erfahren. Siehe auch: Jaspis.

Bauwerke[Bearbeiten]

Mittelalterliche Bauten[Bearbeiten]

Felsenkirche
Altstadt mit Felsenkirche

Die weltbekannte Felsenkirche ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie entstand durch Wirich IV. von Daun-Oberstein (um 1415–1501), der 1482 auf den Fundamenten der „Burg im Loch“ die heute protestantische Kirche erbaute.

Nach jetzigem Kenntnisstand war diese Burg die erste Wehranlage der Herren von Stein und Zufluchtsstätte für die Bewohner der Siedlung darunter, die in der großen Naturhöhle des „oberen Steins“ (Felsen) an der Nahe errichtet wurde. Daraus entstand der Name Oberstein.

Diese „Burg im Loch“ war die einzige Höhlenburg an der oberen Nahe. Die Felsenkirche ist heute für Besucher durch einen in der Neuzeit angelegten Felstunnel zugänglich.

Burg Bosselstein

Über dem kleinen Gotteshaus erhebt sich auf dem Felsbuckel (Bossel) die Burg Bosselstein, die seit 1600 aufgelassen wurde. Von ihr stehen lediglich noch ein Turmstumpf und einige Mauerreste. Im Mittelalter war sie eine schwer einnehmbare Burg mit ihrem Vorwerk, den zwei Halsgräben sowie ihren beiden Vorburgen.

Schloss Oberstein

Etwas oberhalb, wenig von der Burg Bosselstein entfernt, entstand um 1325 die dritte Burg, das heutige Schloss Oberstein. Es war bis 1624 die Residenz der Grafen von Daun-Oberstein. 1855 brannte es ab. In den Jahren 1926–1956 wurde das Schloss als Jugendherberge genutzt, danach diente ein Raum als Gaststätte.

1961 stürzte ein Teil der Ostmauer ein. Der daraufhin 1963 gegründete Burgenverein Schloss Oberstein e. V. kümmerte sich bis heute um die Erhaltung der damals akut gefährdeten Bausubstanz der ehemaligen Vierturm-Anlage. 1998 wurde die Stadt Idar-Oberstein Eigentümer von Schloss Oberstein. Heute gibt es wieder eine kleine Gaststätte, die Wyrich-Stube, und es existieren jetzt einige vom Burgenverein restaurierte Räumlichkeiten, welche für festliche Anlässe und kulturelle Veranstaltungen gemietet werden können.

St. Peter und Paul[Bearbeiten]

St. Peter und Paul ist die katholische Kirche im Stadtteil Idar. Sie wurde 1925 als Holzkirche für den Stadtteil gebaut. Seit dem 17. Jh. wurden die Katholiken von Oberstein aus betreut. 1951 wurde der Holzbau wegen Baufälligkeit weitgehend um- und in Stein aufgebaut.

Naheüberbauung[Bearbeiten]

Naheüberbauung in Oberstein

In den 1980ern wurde die Nahe mit einer vierspurigen Straße, der Bundesstraße 41 überbaut, so dass der Fluss jetzt unterirdisch unter der Stadt hindurchfließt. Dies ist einmalig in Deutschland und hat das Erscheinungsbild der Stadt in diesem Bereich sehr verändert. Erste Pläne für die Naheüberbauung (offiziell Nahehochstraße) lagen schon im Jahre 1958 vor, doch diese Pläne lösten eine Welle von Kritik aus, die weit über die Grenzen der Stadt noch Wellen schlug. So strahlte der Südwestfunk in den 1980ern eine Talkshow aus mit dem Thema Naheüberbauung – Ja oder Nein? Das Bauwerk sollte der Entlastung des innerstädtischen Durchgangsverkehrs auf der B 41 dienen, die bis dato noch durch die heutige, sehr enge Fußgängerzone – mitten durch die Altstadt – verlief. Erst im Jahre 1980 begannen die Bauarbeiten. Insgesamt fünf Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung der Nahehochstraße. Die Nahe wurde dabei in einen knapp zwei Kilometer langen Flusstunnel gefasst. Ein Fachwerkhaus in der Nähe, das Sachsenhaus, wurde abgerissen und in nummerierten Einzelteilen eingelagert; der beabsichtigte Wiederaufbau ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Am 24. September 1986 wurde die Naheüberbauung für den Verkehr freigegeben. Aufgrund dieser Überbauungsmaßnahme errang Idar-Oberstein 1988 in einem von deutschen Städteplanern durchgeführten „Wettbewerb um die konsequenteste Verschandelung eines historischen Stadtbildes“ den ersten Platz.[11]

Zum 20. Jubiläum im Jahre 2006 wurde im Stadthaus Idar-Oberstein eine Ausstellung mit Fotogalerien über Planung, Bauzeit bis zur Fertigstellung ins Leben gerufen.

Sport[Bearbeiten]

Bekanntester Sportverein der Stadt ist der SC 07 Idar-Oberstein. Er spielte bis zur Saison 2012/13 in der Fußball-Regionalliga Südwest, konnte die Klasse jedoch nicht halten und spielt seit der Saison 2013/14 in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

In Idar-Oberstein gibt es ein Hallenbad und seit dem September 2005 ein Naturfreibad. Am Stadtrand ist ein Naturfreundehaus gelegen, das (Rad-) Wanderern und Touristen kostengünstige Verpflegung und Unterkunft bietet. Des Weiteren befindet sich im nahe gelegenen Kirschweiler ein Golfplatz.

  • Schleiferweg: 22 km langer ausgeschilderter Wanderweg rund um den Stadtteil Idar. Der Weg führt um die Stadtteile Idar, Oberstein, Göttschied, Algenrodt und Tiefenstein. Vor allem für anspruchsvolle Wanderer bietet der Schleiferweg durch einen hohen Pfadanteil durch dichte Wälder ein besonderes Wandererlebnis. Der Wanderweg führt an verschiedenen touristischen Attraktionen vorbei, wie zum Beispiel die Weiherschleife, Steinkaulenberg, Kammerwoog oder auch das Spießbratenhaus „Wäschertskaulen“. Durch die gute Anbindung an das städtische Verkehrsnetz kann der etwa 22 Kilometer lange Wanderweg in beliebig viele Etappen aufgeteilt werden.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Das Neujahrsgala-Konzert des Symphonischen Blasorchester Obere Nahe e. V. ist seit 1991 der kulturelle Startschuss ins neue Jahr.
  • Die Internationale Fachmesse für Edelsteine, Edelsteinschmuck und Edelsteinobjekte (Intergem) findet jährlich im September/Oktober statt.
  • Die regionale Verbrauchermesse, besser bekannt als Idar-Obersteiner Wirtschaftstage, wurde von den Wirtschaftsjunioren Idar-Oberstein 2003 ins Leben gerufen, und entwickelte sich zu einer richtigen „Erfolgsstory“. Sie wurde von 2003 bis 2005 durch die Wirtschaftsjunioren Idar-Oberstein organisiert und durchgeführt.
  • Die Deutsche Edelsteinkönigin wird alle zwei Jahre aus der Region der Deutschen Edelsteinstraße gewählt.
  • Das Spießbratenfest findet seit 1967 jeweils von freitags bis dienstags um das Wochenende des letzten Junisonntags statt. Es gilt als das größte Volksfest an der Oberen Nahe.
  • Die Kinderkulturtage finden seit mehreren Jahren als Nachfolgeveranstaltung des Kinderliederfestivals statt. 15 bis 20 Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene.
  • Jedes Jahr Anfang Juni finden die Jazztage Idar-Oberstein statt. Hier treten regionale und überregionale Jazz-Größen auf mehreren Bühnen in der Fußgängerzone Idar auf.
  • Jedes Jahr findet am Wochenende nach Ostern der Jugendworkshop des Magischen Zirkels von Deutschland statt. Am Samstag findet eine öffentliche Gala für die Bevölkerung statt.
  • Diamantschleifer, Facetten- und Flächenschleifer sowie Achatschleifer demonstrieren die unterschiedlichsten Arbeitstechniken im Rahmen des Deutschen Edelsteinschleifer- und Goldschmiedemarktes. Auch Goldschmiede und Schmuckdesigner gewähren im historischen Ortskern Oberstein unterhalb der Felsenkirche Einblicke in ihr kreatives Schaffen.
  • Das Kama Festival fand von 1991 bis 2007 auf dem Gelände des Naturschutzgebietes Kammerwoog an Pfingsten statt. Es war das größte Open-Air-Festival in Idar-Oberstein. 2008 fand zuletzt noch eine verkleinerte Form als Kamache statt.
  • Das Idar-Obersteiner Schützenfest findet am ersten Wochenende im September auf dem Schulhof der Marktschule in Idar statt.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Idarer Spießbraten
Obersteiner Spießbraten
Spießbraten

Man unterscheidet in erster Linie zwischen Idarer und Obersteiner Spießbraten. Idarer Spießbraten ist eine Art Schwenkbraten, während Obersteiner Spießbraten ein Rollbraten ist. Spießbraten ist fest verwurzelt im kulinarischen und kulturellen Brauchtum Idar-Obersteins und der umliegenden Region.

Beim häufiger konsumierten Idarer Spießbraten wird das Fleisch – original ist Hochrippe, heute oft auch Roastbeef oder Schweinenacken – am Tag vor der Zubereitung in rohen Zwiebeln, Salz und Pfeffer eingelegt. Die Zwiebeln werden gerne während der Zubereitung des Fleisches roh am Feuer zu einem Bier gegessen. Die Einheimischen verwenden bevorzugt Buchenholz, um den traditionellen Geschmack zu vollenden.

Fillsel (Füllsel, Füllung)

Geröstetes Brot, Hackfleisch, gewürfelter Speck, Lauch, Eier, Salz, Pfeffer.

Gefillte Klees

Grobe Kartoffelklöße (Klees) aus rohen Kartoffeln, gefüllt mit Fillsel, serviert mit einer Specksauce.

Kartoffelwurst

Die „Krumbierewurscht“ war früher ein „Arme-Leute-Essen“, heute ist es eine Spezialität. Kartoffeln, Schweine- und Rindfleisch sowie Zwiebeln werden durch den Wolf gedreht und mit Bohnenkraut, Pfeffer und Salz gewürzt. Sie kann in Därme oder Einmachgläser gefüllt oder gleich gegessen werden.

Murde on Klees

Rohe Kartoffelklöße (Klees), die mit Karotten/Mohrrüben (Murde) und gepökeltem oder geräuchertem Schweinefleisch zusammen gekocht und serviert werden.

Riewe on Draehurjel

Rüben mit gebratener Blutwurst.

Dibbelabbes

Eine Kartoffelmasse aus Kartoffeln, Speck, Eiern, Mehl, Salz und Pfeffer wird im Dibbe (regional für Topf, fast immer ein gusseiserner Bräter) im Backofen gebraten und bleibt ein Laib (regional: Labbes). Wem das zu daatschich (teigig), also zu wenig kross ist, der macht

Schaales

Die gleiche Kartoffelmasse wie beim Dibbelabbes wird in einer Pfanne (Schale) mit Bratfett oder Speiseöl auf dem Herd mit Dörrfleisch gebacken, in Stücken vom Boden gehoben, mehrere Male gewendet und beidseitig sehr krustig (mit Kruschde oder Kärschtscher) gebraten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Insgesamt gibt es zirka 219,3 ha gewerbliche Bauflächen in Idar-Oberstein. Folgende Gewerbegebiete bieten weitere 28 ha Reserveflächen für wirtschaftliche Expansion:

  • Gewerbe- und Industriegebiet „Dickesbacher Straße“,
  • Gewerbegebiet „Finkenberg Nord“ und
  • Gewerbegebiet „Am Kreuz“

Darüber hinaus steht der Stadt im Stadtteil Nahbollenbach die Konversionsfläche Gewerbepark Nahetal zur Verfügung, die 23 Hektar umfasst.

Der Bundesverband der Diamant- und Edelsteinindustrie e. V. hat seinen Sitz in Idar-Oberstein. Er vertritt die Interessen der Industrie gegenüber dem Gesetzgeber sowie Vertretern von Bund, Ländern und Gemeinden. Er berät die Mitglieder in Bereichen wie Umweltschutz, Wettbewerbsproblemen, Nomenklaturfragen etc. und stellt, wenn erforderlich, die nötigen Kontakte her. Zur Förderung von Entwurf und Qualität von Schmuck und Edelsteinen rief der Bundesverband 1970 den internationalen Wettbewerb um den Deutschen Schmuck- und Edelsteinpreis ins Leben.

Deutsche Edelsteinbörse: Blick über den Schleiferplatz
500 Jahre Edelsteinregion Idar-Oberstein: Briefmarke von 1997

Die Deutsche Diamant- und Edelsteinbörse e. V. wurde 1974 als weltweit erste kombinierte Börse für Diamanten als auch Farbedelsteine eröffnet. Die Diamant- und Edelsteinbörse gehört als eine von 25 Börsen dem Weltverband der Diamantbörsen an.

Die Firma Klein & Quenzer gehörte zu den bekanntesten Produzenten von Modeschmuck, bevor sie während der Weltkriege zu einem der größten Hersteller für deutsche Kriegsorden avancierte.

Die Wirtschaftsjunioren Idar-Oberstein wurden 1972 gegründet. Hier engagieren sich Unternehmer und Führungskräfte für Wirtschaft, Kultur und Soziales in der Region.

Der Kochgeschirr-Hersteller Fissler hat hier seinen Hauptsitz. Bekannt wurde die Firma durch die Erfindung der fahrbaren Feldküche (Gulaschkanone) 1892. Auch Giloy und Söhne, einer der größten Diamantschmuck-Hersteller Europas, hat hier seinen Hauptsitz.

Seit über 20 Jahren findet in Idar-Oberstein die Internationale Fachmesse für Edelsteine, Edelsteinschmuck und Edelsteinobjekte – kurz Intergem – statt. Rund 130 Aussteller präsentieren exquisite Edelsteine in modernen und klassischen Schliffen, vollkommenen Schmuck, kunstvolle Gravuren, raffinierte Colliers mit Farbsteinen, Mineralien, Rohsteine, die ganze Zuchtperlenpalette und Zubehör. Die Messe findet im Jahnhaus im Stadtteil Algenrodt statt. Voraussichtlich ab dem Jahre 2008 findet die Messe in der geplanten Messehalle im neuen Gewerbepark Nahetal (Storage Depot der US Army) statt.

Als eine Messe der Region rund um Idar-Oberstein verstehen sich die von den Wirtschaftsförderverein Idar-Oberstein initiierten Idar-Obersteiner Wirtschaftstage.

Natürliche Edelsteinvorkommen[Bearbeiten]

Man findet in Idar-Oberstein Edelsteine aus der ganzen Welt, aber Auslöser für den Edelsteinhandel waren die natürlichen Vorkommen in der Region:

Garnison[Bearbeiten]

Klotzbergkaserne Idar-Oberstein

Truppenteile der Wehrmacht wurden 1938 in neuerrichteten Kasernen stationiert. Seitdem ist Idar-Oberstein Garnisonstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straßburgkaserne zunächst von der US-Army genutzt. In der Klotzbergkaserne und in der Hohl-Kaserne waren französische Truppen stationiert, ab 1956 die Artillerieschule der Bundeswehr. Diese zog Ende der 1960er Jahre in die neue Rilchenbergkaserne. Hier – und zeitweise auch in Baumholder – erhielten Artilleristen aller Dienstgrade ihre militärische Aus- und Weiterbildung. Im September 2003 wurden neue Internatsgebäude sowie neue Lehrsäle eingeweiht, so dass die heutige Artillerieschule sowohl über Unterkünfte in der Qualität Kaserne 2000 als auch über ein modern ausgestattetes Ausbildungszentrum mit Audio-, Video- und Simulationstechniken verfügt. In der Klotzbergkaserne war noch bis zum 31. März 2003 das Beobachtungspanzerartillerielehrbataillon 51 stationiert. Nach dessen Auflösung folgte das Sprachausbildungszentrum für Offizieranwärter. 2006 wurde das Offizieranwärterbataillon Idar-Oberstein aufgestellt und zum 31. Dezember 2012 aufgelöst.

Für die in Idar-Oberstein und Umgebung heimischen Betriebe stellt die Bundeswehr als Arbeitgeber und Auftraggeber einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Seit 1988 besteht eine Patenschaft zwischen der Stadt Idar-Oberstein und der Artillerieschule, im Jahr 1998 beschloss der Stadtrat die Anbringung eines zusätzlichen Ortsschildes mit der Aufschrift „Hauptstadt der deutschen Artillerie“. Nach kritischen Einwänden aus der Wirtschaft, u. a. der örtlichen Industrie- und Handelskammer und aus der Bevölkerung wurde auf die Anbringung der Schilder verzichtet.[12]

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wird die Artillerieschule zum Ausbildungsbereich Indirektes Feuer des Ausbildungszentrums Munster umgewandelt. Das Artillerielehrbataillon 345 aus Kusel (noch: -regiment) zieht bis spätestens Ende 2014 in die Rilchenberg-Kaserne. Die Klotzberg-Kaserne wird voraussichtlich im II. Quartal 2017 geschlossen. Die dortige Inspektion Sprachausbildung wird in der ersten Jahreshälfte 2016 zur Offizierschule des Heeres nach Dresden verlegt.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Idar-Oberstein ist als Regionalexpress- und Regionalbahn-Halt über die Bahnstrecke Bingen–Saarbrücken von Bingen (Rhein) nach Saarbrücken mit dem Saarland und dem Rhein-Main-Gebiet verbunden. Der Nahe-Express auf der Relation Mainz–Saarbrücken verkehrt im Stundentakt. Jeder zweite Zug ist bis Frankfurt/Main Hauptbahnhof mit Halt am Flughafen durchgebunden. Ebenfalls stündlich verkehrt die Regionalbahn zwischen Mainz und Türkismühle, die in Idar-Oberstein ebenfalls am Haltepunkt im Stadtteil Weierbach hält.

Früher verkehrten internationale Schnellzüge über Idar-Oberstein. So fuhren um 1930 noch der D 132 Frankfurt – Nancy, D 144 Wiesbaden – Paris und D 1328 Frankfurt – Paris (mit Schlafwagen) über Idar-Oberstein. Zudem fuhren auch vereinzelt Züge von Berlin über Idar-Oberstein nach Paris. Eine kurze Renaissance fanden die Fernzüge in den 1980er Jahren. So fuhren von 1985 bis 1991 erneut zwei Fernzugpaare über Idar-Oberstein. Zum einen ein Eilzug von Göttingen über Frankfurt nach Saarbrücken, zum anderen fuhr nun ein D-Zug von Frankfurt nach Paris mit Halt in der Schmuckstadt. Diese Verbindungen führen allerdings seit 1991, wie alle ICE/IC/EC-Verbindungen, über Darmstadt, Mannheim und Kaiserslautern.

Für den Nahverkehr in Idar-Oberstein war von 1900 bis 1956 die Straßenbahn Idar-Oberstein zuständig, sie wurde ab 1932 durch den Oberleitungsbus Idar-Oberstein ergänzt beziehungsweise später von diesem vollständig ersetzt. Letzterer fuhr bis 1969. Heute verkehren in der Stadt sechs Omnibuslinien der Verkehrsgesellschaft Idar-Oberstein GmbH, die zur Rhenus Veniro-Gruppe gehört. Außerdem starten in Idar-Oberstein die Regio-Buslinien nach Baumholder und Birkenfeld. Eine direkte Busverbindung zum internationalen Flughafen Frankfurt-Hahn besteht zudem. Die B 41 stellt die wichtigste Straßenverbindung dar. Einen direkten Autobahnanschluss besitzt die Stadt nicht. Die A 62 kann jedoch über die Anschlussstellen Birkenfeld (B 41) oder Freisen erreicht werden.

Verkehrslandeplatz I-O/Göttschied[Bearbeiten]

Der Flugplatz Idar-Oberstein/Göttschied liegt nördlich der Stadt zwischen dem Ortsteil Göttschied und den Gemeinden Gerach und Hintertiefenbach und ist geeignet für Helikopter, Motorsegler, Segelflugzeuge, Ultraleicht und, ebenfalls nach vorheriger Anmeldung (PPR), Fallschirmspringer.

Flugplatz Idar-Oberstein-Göttschied

Medien[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Klinikum Idar-Oberstein
  • KMT-Klinik: Klinik für Knochenmarktransplantation und Hämatologie

Das aus den ehemaligen Städtischen Krankenanstalten hervorgegangene Schwerpunktkrankenhaus und Lehrkrankenhaus der Universität Mainz ist Teil der Saarland Heilstätten und hat etwa 500 Betten und 1000 Mitarbeiter sowie Fachabteilungen für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Gynäkologie mit Geburtshilfe, Innere Medizin mit Gastroenterologie, Nephrologie, Diabetologie und Dialyse, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kardiologie, Knochenmarktransplantation und Hämatologie/Onkologie, Neurologie mit Stroke-Unit und Neurochirurgie, Psychiatrie mit Kinder-/Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Pädiatrie mit Neonatologie, Strahlentherapie, Unfallchirurgie und Urologie sowie Belegabteilungen für Augenheilkunde und HNO. Angeschlossen ist eine geriatrische Rehabilitationsklinik in Baumholder, außerdem eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule.

Bildung[Bearbeiten]

Idar-Oberstein beheimatet Schulen aller Bildungseinrichtungen und ist seit 1986 Hochschulstandort. Die international renommierte Fachrichtung Edelstein- und Schmuckdesign des Fachbereichs Gestaltung der FH Trier bietet als einzige Bildungsstätte in Europa ein künstlerisch-wissenschaftlich orientiertes Designstudium im Bereich Edelsteine und Schmuck. Zusammen mit dem Berufschulzentrum sowie der einzigen Realschule der Stadt liegt es im „Schulzentrum Vollmersbachtal“. Mehrere Hauptschulen sind über das Stadtgebiet verteilt. Vier Gymnasien hat die Stadt: Das Göttenbach-Gymnasium und das Gymnasium an der Heinzenwies können ab der fünften Klasse besucht werden, ein Technisches Gymnasium und ein Wirtschaftsgymnasium ab der elften Klasse.

  • Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz unterhält in Idar-Oberstein das Institut für Edelsteinforschung. Die Abteilung Edelsteinforschung gehört zur Lehreinheit Mineralogie im Fachbereich Geowissenschaften.
  • Die Fachhochschule Trier bietet an ihrem Standort Idar-Oberstein die Fachrichtung Edelstein- und Schmuckdesign an.
  • Die Deutsche Gemmologische Gesellschaft e. V. wurde 1932 gegründet und entwickelte sich zu einer international renommierten Institution der technisch-wissenschaftlichen Gemmologie (Edelsteinkunde). Die erfolgreiche Teilnahme an den DGemG-Bildungsgängen Edelsteinkunde und Diamantenkunde führt zu einer urkundlichen Bestätigung der erbrachten Prüfungsleistungen, die zur Beantragung der Fachmitgliedschaft in der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft (F. G. G.) berechtigt. Mehr als 30.000 Lehrgangsteilnehmer aus 75 Ländern der Erde besuchten bisher die für die Ansprüche des Wirtschaftsbereiches Edelsteine und Schmuck konzipierten DGemG-Bildungsgänge.
  • Auch das Forschungsinstitut für mineralische und metallische Werkstoffe Edelsteine/Edelmetalle GmbH (FEE) hat seinen Sitz in Idar-Oberstein. Das FEE ist spezialisiert auf die Kristallzucht und Herstellung optischer Elemente für Laser.
  • Das Deutsche Diamantprüflabor GmbH bewertet seit 1970 die Qualität geschliffener Diamanten. Als erstem Labor seiner Art in Deutschland und weltweit als zweitem Labor wurde der DPL von der Deutschen Akkreditierungssystem Prüfwesen GmbH, Berlin, offiziell attestiert, dass sie die Qualitätsbestimmung nach Farbe, Größe, Schliff und Proportion von Diamanten kompetent nach international anerkannten Standards durchführen kann.

Personen und Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Jahr 1997 wurde ein Airbus A319 der Deutschen Lufthansa AG auf den Namen „Idar-Oberstein“ getauft.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Cosimo Alessandro Collini: Collini auf seiner Mineralogischen Reise in Oberstein und Idar im Jahre 1774 und seine Beschreibung der Achat-Industrie. Keßler, Idar 1921.
  • Anne-Barbara Knerr: Zeitgeist. 100 Jahre Modeschmuck aus Idar-Oberstein, Stuttgart 2009.
  • Wilhelm Lueg (Hg.): Chronik der Stadt Oberstein. Verlagsgesellschaft Nahetal-Bote, Oberstein 1921. (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Idar-Oberstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Idar-Oberstein – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Acte du Congrès de Vienne du 9 juin 1815, Art. 25: Possessions prussiennes sur la rive gauche du Rhin
  3. Acte du Congrès de Vienne du 9 juin 1815, Art. 49: Territoires réservés pour les maisons d’Oldenbourg, de Saxe-Cobourg, de Mecklenbourg-Strelitz, et le comte de Pappenheim
  4. Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen vom 26. Januar 1937, Artikel II, § 8 (1)
  5. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 180 (PDF; 2,6 MB)
  6. Landesgesetz über die Auflösung des Gutsbezirks Baumholder und seine kommunale Neugliederung” vom 2. Nov. 1993 (GVBl. Rheinland-Pfalz S. 518); zum Kartenvergleich: alte Gemeindegrenzenkarte: Walther Hubatsch (Hg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Band 7, Marburg/Lahn 1978, Karten-Anlage 8; neue Gemeindegrenzenkarte: Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, Rheinland-Pfalz (Hg.): Übersichtskarte mit Gemeindegrenzen Ausgabe B, EAN / ISBN 9783896373168
  7. Peter Bayerlein: Schinderhannes-Chronik, S. 45
  8. Ernst Probst: Superfrauen 1 Geschichte; Mainz-Kostheim 2001; S. 10
  9. Landesverordnung über die großen kreisangehörigen Städte Bad Kreuznach, Idar-Oberstein und Neuwied vom 29. März 1960
  10. Kommunalwahl Rheinland-Pfalz 2009, Stadtrat
  11. Auf den zweiten Platz kam Itzehoe, wo in den 1970ern der historische Stadtkern saniert und die durch ihn verlaufende Flussschleife der Stör zugeschüttet und überbaut worden war. Vgl. Dagmar Vorbeck, in: Stadt Itzehoe (Hrsg.): Itzehoe. Geschichte einer Stadt in Schleswig-Holstein, Bd. II, S. 390.
  12. JungleWorld: Bum-Bum-Helau – ein Schuß ins Knie; Ausgabe vom 10. Juni 1998
  13. Foto des Airbus A319 D-AILN „Idar-Oberstein“