If I Had a Hammer

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Pete Seeger, 1955

If I Had a Hammer ist der Titel eines von Pete Seeger (Musik) mit Lee Hays (Text) im Jahre 1949 geschriebenen Protestsongs, der zu einem Evergreen wurde.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Folkgruppe The Weavers hatte ihr Radio-Debüt am 2. Januar 1949 beim Folksong-Festival des Senders WNYC In New York. In den nächsten Monaten entstand das Lied mit dem ursprünglichen Titel The Hammer Song als Protest gegen die Strafverfolgung von 11 Kommunisten der Fortschrittsbewegung („Progressive movement“),[1] die gegen den Smith Act wegen Befürwortung eines Umsturzes verstoßen hatten und im Juni 1949 deswegen vor dem Foley Square Federal Courthouse angeklagt wurden. Dieses bereits im Juni 1940 erlassene Gesetz verbot alle Aktivitäten, die den Sturz der US-Regierung unterstützten. Die Weavers hatten die Komposition erstmals am 3. Juni 1949 in der St. Nicholas-Arena in New York während eines Abendessens bei den Führern der kommunistischen Partei aufgeführt,[2] deren Anhänger Pete Seeger bis 1951 war. Als im September 1950 der Internal Security Act verabschiedet wurde und unter anderem die Untersuchungen „subversiver Songs“ veranlasste,[3] musste Pete Seeger deswegen vor dem „House of Un-American Affairs“-Komitee am 18. August 1955 aussagen und stellte klar, er habe „vor Landstreichern und den Rockefellers gesungen“ und er sei stolz, es niemals abgelehnt zu haben, „vor Zuhörern gleich welcher Religion, Hautfarbe oder Lebenssituation“ zu singen.[4]

Der Text kombinierte den „Hammer der Gerechtigkeit“ (hammer of justice) der Kommunistischen Partei der USA (CPUS) mit dem Symbol der Freiheitsglocke (bell of freedom). Es ging darum, laut über Gefahren und Warnungen zu singen – ein Hinweis auf die kommenden schwierigen Zeiten der Linksbewegung - , aber auch über die Liebe zwischen den Brüdern und Schwestern im ganzen Land (“sing out danger ... sing out a warning ... sing out love between all my brothers and my sisters all over this land“). Der „Hammer der Gerechtigkeit“ war zwar keine Anspielung auf die Symbolik von Hammer und Sichel, wurde jedoch als verräterische Anpreisung der Ideologie der Sowjetunion angesehen; Seeger hatte diese Metapher aus dem Spiritual Hammering Judgement („Urteil einhämmern“) entlehnt und sie für Macht, die die Liebe und den Kampf gegen Ungerechtigkeit fördern soll, verwendet.

The Weavers - The Hammer Song

Die Weavers waren bei Decca Records unter Vertrag. Nachdem Decca die Aufnahme wegen des politischen Inhalts abgelehnt hatte,[5] nahmen die Weavers den Song zunächst im November 1949 in New York in der Besetzung Pete Seeger (Banjo/Gesang), Lee Hays (Gesang), Ronnie Gilbert (Gesang) und Fred Hellerman (Gesang/Gitarre) für Charter Records auf. Zur Veröffentlichung kam es jedoch nicht, weil das kleine Label kurz danach liquidiert wurde. Eine Neuaufnahme erfolgte im Dezember 1949 für das kleine Label Hootenanny Records, das als Plattform für subversive, politisch links orientierte Platten galt.

Veröffentlichung und Erfolg[Bearbeiten]

Bei Hootenanny Records kam die Single The Hammer Song / Banks of Marble (Hootenanny 101) im März 1950 auf den Markt. Auch die B-Seite war ein extrem politisches Lied. Nach nur 7 Singles und einer LP verschwand auch dieses obskure Label vom Markt. Diese Single wurde zum Sammlerobjekt, konnte sich jedoch nicht in der Hitparade platzieren. Die Wortkombination “sing out” (laut singen) aus The Hammer Song verbreitete sich schnell und gab dem Magazin Sing Out! seinen Namen, dessen erste Ausgabe im Mai 1950 auch das Titelbild mit dem Liedtext des Hammer Song trug.

Coverversionen[Bearbeiten]

Trini Lopez - If I Had A Hammer

Es gibt mindestens 116 aufgenommene Coverversionen.[6] Als eine der ersten Gruppen griffen The Limelighters den Folksong auf (LP The Limelighters; März 1960), und zwar noch als Hammer Song. Peter, Paul and Mary arrangierten das Lied neu und titelten erstmals als If I Had a Hammer (LP Peter, Paul and Mary; April 1962); die LP erreichte Rang 1 der LP-Charts und verkaufte 2 Millionen Exemplare. Hieraus koppelten sie If I Had a Hammer als ihre zweite Single aus (August 1962) und sangen den Titel auch beim Civil Rights-Marsch am 28. August 1963 (March on Washington for Jobs and Freedom). Die Single erreichte Rang 10 der Billboard Hot 100. Die Weavers präsentierten den Song live am 2./3. Mai 1963 in der Carnegie Hall als If I Had a Hammer. Es folgten insbesondere die Brothers Four (LP Big Folk Hits; Mai 1963), The Lettermen (September 1963), Martha and the Vandellas (September 1963), Bobby Darin (LP Golden Folk Hits; Juli 1962, veröffentlicht im November 1963), Brian Hyland (15. November 1963) oder Sam Cooke (7./8. Juli 1964).

Trini Lopez nahm If I Had A Hammer live im „P.J.’s Club“ in Los Angeles für sein Debüt-Album Trini Lopez at P.J.’s auf. Er war hier mit seiner Begleitung (Dick Brant/Bass und Mickey Jones/Schlagzeug) für 3 Monate gebucht. Musikproduzent Don Costa fing mit Hilfe vom Tonstudio-Inhaber Wally Heider die Live-Atmosphäre des Nachtclubs mit ansteckendem Zuschauerklatschen ein.[7] Die am 5. Juni 1963 veröffentlichte LP verkaufte mehr als 1 Million Exemplare, die im Juli 1963 veröffentlichte Single-Auskopplung verblieb in den USA in den Top 40 für 48 Wochen, erreichte Rang 3 der Hitparade und wurde zum Nummer-eins-Hit in 36 Ländern. Sie verkaufte in den USA 1 Million, in Deutschland 500.000 und weltweit mehr als 4,5 Millionen Exemplare.[8]

Claude François machte die französische Version Si j'avais un marteau („Wenn ich einen Hammer hätte“) zum Nummer-eins-Hit in Frankreich (Oktober 1963). Rita Pavone brachte es in Italien mit der Twist-Version Datemi Un Martello („Gib mir einen Hammer“; Januar 1964) bis auf Rang 2. Eine spanischsprachige Version mit dem Titel Si Tuviera un martillo machte der chilenische Sänger Víctor Jara bekannt.[9] Eine deutschsprachige Version stammt von Peter Kraus und Gina Dobra unter dem Titel Hätt’ ich einen Hammer (1964).[10] Wanda Jackson (8. November 1968) brachte eine Contryversion heraus, die Rang 41 der Countrycharts erreichte. Von Country-Kollege Johnny Cash gab es im Juni 1972 ein Duett mit June Carter Cash.

Das Lied entwickelte sich zu einer Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Die Internetplattform Wikileaks wählte das Lied etwa ein halbes Jahrhundert nach seinem Entstehen zum „Wikileaks song“.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steve Sullivan, Encyclopedia of Popular Song Recordings, Band 2, 2013, S. 216
  2. Ankündigung im The Daily Worker vom 1. Juni 1949
  3. Lewis MacAdams, Birth of the Cool, 2012, o.S.
  4. Steve Sullivan, a.a.O., S. 216 (FN 322)
  5. Ronald D. Cohen/James Capaldi, The Pete Seeger Reader, 2013, S. 19
  6. Robbie Lieberman, My Song is My Weapon, 1995, S. 161
  7. Mickey Jones, That Would Be Me, 2007, S. 51
  8. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 178
  9. El martillo bei Allmusic (englisch)
  10. Peter Kraus & Gina Dobra – Hätt ich einen Hammer. Abgerufen am 30. März 2013.
  11. Inspirational Material. Abgerufen am 30. März 2013.