Igel-Stachelbart

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Igel-Stachelbart
2006-11-03 Hericium erinaceus crop.jpg

Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Stachelbartverwandte (Hericiaceae)
Gattung: Stachelbärte (Hericium)
Art: Igel-Stachelbart
Wissenschaftlicher Name
Hericium erinaceus
(Bull.) Pers.

Der Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus), auch Affenkopfpilz, Löwenmähne, Yamabusitake oder Pom-Pom blanc genannt, ist eine Pilzart aus der Ordnung der Täublingsartigen.

Merkmale[Bearbeiten]

Junge Fruchtkörper des Igel-Stachelbarts
Blick in das Innere eines jungen Igel-Stachelbarts
Ausschnittsvergrößerung der Stacheln

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Der Fruchtkörper ist beigefarben, manchmal auch leicht rötlich und kann Größen von bis zu 30 cm erreichen. Die Pilze sind meist kurz gestielt und werden 10–25 cm dick. Die Oberseite ist faserig aufgerissen. An der Unterseite befinden sich weiche, dicht stehende Stacheln. Sie werden 2–5 cm lang und 1,5–2 mm dick; deren Oberfläche ist bereift. Das Fleisch ist weißlich und besitzt eine zähe, etwas faserige Konsistenz. Das Sporenpulver ist weiß.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Sporen sind farblos, rundlich und besitzen eine glatte oder leicht warzige Oberfläche. Sie messen 5–7 × 4–6 Mikrometer.

Genetische Merkmale[Bearbeiten]

Heterothallie und bifaktorieller Kreuzungsmechanismus sind Merkmale seiner Genetik.[1]:5

Ökologie[Bearbeiten]

Der Igel-Stachelbart ist ein seltener Pilz, der als Wundparasit an älteren Laubbäumen, zumeist Eichen und Buchen, wächst.[2] Er ist sowohl an stehenden, als auch an liegenden alten Baumstämmen und Stümpfen zu finden. Der Pilz wächst bevorzugt in Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Igel-Stachelbart ist in der Holarktis anzutreffen, wo er eine temperate Verbreitung findet. In Europa ist der Pilz weit verbreitet, aber überall selten. Er kommt von Frankreich und Großbritannien bis Ungarn sowie von Dänemark und Südnorwegen bis nach Österreich und die Schweiz vor. In Deutschland wächst der Igel-Stachelbart sehr zerstreut, ist jedoch in fast allen Bundesländern mindestens einmal nachgewiesen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Speisewert[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den meisten Stachelpilzen ist der Pom-Pom-Pilz essbar. Zur Zubereitung wird er ungewaschen (ansonsten würde er sich mit Wasser vollsaugen) in Würfel geschnitten und in Butter oder Öl angebraten. In Scheiben geschnitten kann der Pilz auch paniert und wie ein vegetarisches Schnitzel zubereitet werden. In der Konsistenz ähnelt der Pilz Meeresfrüchten. Sein Geschmack erinnert an Kalbs- oder Geflügelfleisch mit leicht fruchtigen Aromen von Kokosnuss und Zitronengras, die auf 4-Octanolid bzw. Limonen zurückzuführen sind.

Nährwert[Bearbeiten]

Bezogen auf den Mineralstoffgehalt ist der Igelstachelbart anderen Pilzen gleichwertig. Er enthält jedoch überdurchschnittlich viele essenzielle freie Aminosäuren. In einer Studie nachgewiesen wurde ein Gehalt von 16 %. Insgesamt konnten 19 freie Aminosäuren nachgewiesen werden; fast alle für den Menschen essenzielle waren enthalten (mit Ausnahme von Methionin und Tryptophan).[1]:124–125

Zucht[Bearbeiten]

In China werden zum Anbau des Igelstachelbarts Behälter aus Kunststoff oder Glas verwendet. Als Nährboden dienen Sägemehl, Altpapier, Reisstroh, Maiskolben, Zuckerrohr- und Baumwollabfälle. Zusätze von Kleie, Gips oder Saccharose sind üblich; insbesondere Weizenkleie führt zu kräftigen und schnell wachsenden Myzelen. Eine Gefahr ist mit zunehmendem Alter der Grünschimmel (Trichoderma). Permethrinbehandlung nach Trauermückenbefall ist nicht empfehlenswert, da sich das Insektizid im Pilz in hohen Mengen ablagert.[1]:121 ff. Das Myzel wächst in einem sauren pH-Bereich zwischen 4 und 5,5 am besten.[1]:8 ff.

Traditionelle Medizin[Bearbeiten]

In der chinesischen Medizin gilt der Affenkopfpilz als heilsam bei Magen- und Atembeschwerden, Nervenleiden, hohem Cholesterinspiegel, Krebs und geschwächtem Immunsystem. Einige der ihm nachgesagten Wirkungen sind auch wissenschaftlich bestätigt worden.[3]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  German Josef Krieglsteiner, Armin Kaiser: Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Korallenartige. In: G. J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2, Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.
  •  Susanne Ehlers: Untersuchungen zum Anbau und zur pharmakologischen Wirkung des Speisepilzes Hericium erinaceus. Dissertation. Technische Universität München. Herbert Utz Verlag, München 1999, ISBN 3-89675-561-7.
  •  Susanne Ahrndt: Der Pom Pom Pilz. Die neue Heilkraft aus Fernost. Urania Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-332-01018-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Renate Eisenhut: Untersuchungen zur Anbautechnologie und zum ernährungsphysiologischen Wert des Speisepilzes Hericium erinaceus (Bull.:Fr.) Pers.. Hartung-Gorre, 1994, ISBN 3-89191-852-6.
  2.  Hermann T. Jahn: Pilze, die an Holz wachsen. Busse, Herford 1979, ISBN 3-87120-853-1, S. 78.
  3.  Jinn Chyi Wang, Shu Hui Hu, Jih Terng Wang, Ker Shaw Chen, Yi Chen Chia: Hypoglycemic effect of extract of Hericium erinaceus. In: Journal of the Science of Food and Agriculture. 85, Nr. 4, 2005, S. 641–646, doi:10.1002/jsfa.1928.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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