Ignoranz

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Die Ignoranz zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person etwas – möglicherweise absichtlich – nicht kennt, nicht wissen will oder nicht beachtet. Das Wort ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf das lateinische Substantiv ignorantia = Unwissenheit bzw. das Verb ignorare = „nicht wissen“, „nicht kennen“ (von notus, -a, -um = bekannt und dem verneinenden in) zurück.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entwicklungen

Ignoranz wird heute im Deutschen oft als ein Vorwurf an eine Person verwendet, der Desinteresse und Unwissenheit bis hin zur Dummheit unterstellt wird. Als Gegensatz zur Toleranz gilt die Ignoranz auch als die Unfähigkeit oder den Unwillen, Nicht-Akzeptanz zu äußern.

Unter den französischen Existentialisten galt die Ignoranz als die Weigerung, sich durch das Sein betroffen zu fühlen, Wissen und Bildung wurde als Ausweg gesehen.

In einer Informationsgesellschaft gewinnt der Begriff Ignoranz eine neue Bedeutung, indem er den Bereich des Nichtwissens umfassend kennzeichnet und dem Bereich des Wissens gegenüber gestellt wird. Diese Sichtweise macht es möglich, zum Beispiel die Wikipedia auf Inhalte und Qualität untersuchen zu können. Dadurch löst sich die bisherige Auffassung der Ignoranz von einzelnen Personen. Die aktuelle Entwicklung kann in Richtung eines kollektiven Begriffs gehen. In diesem Kontext unterscheidet Hans Rott, Philosoph an der Universität Regensburg, zwei Formen:

  • Ignoranz als Disposition: Hierbei handelt es sich um eine generelle Veranlagung, mögliches Wissen nicht wissen zu wollen.
  • Ignoranz als Episode: Diese Form ist zeitlich begrenzt und meint partikulare Vorkommnisse von Nichtwissen, das etwas der Fall ist. [1]

Wenn diese Unterscheidung auf Wikipedia bezogen wird, dann besteht eine Unkenntnis im Sinne eines Nichtwissens nur bis zu demjenigen Zeitpunkt, an dem ein Artikel neu angelegt ist. Ein Beispiel:

Das Nichtwissen über die Buchgemeinschaft Der Bücherkreis (partikulares Vorkommnis) dauerte an bis zum Anlegen des Artikels am 3. Juli 2009. Benutzer von Wikipedia durften den Eindruck haben, diese Buchgemeinschaft werde aus politischen Motiven ignoriert. Recherchen zeigen allerdings, dass nur ein kostenaufwändigen Zugang zu einer profunden Quelle besteht, so dass ein Sammeln diverser Quellen notwendig war.

Einer episodischen Ignoranz inhärent ist die Möglichkeit, im Laufe der Zeit zu verschwinden. Die Beobachtung dieser Form von Ignoranz hat folglich einen nur vorläufigen Charakter.

[Bearbeiten] Varianten

[Bearbeiten] Ignorieren

Das Verb ignorieren bezeichnet sowohl das bewusste wie das unbewusste nicht zur Kenntnis nehmen eines Sachverhaltes, eines Vorgangs oder einer Person. Im Gebrauch hat das Verb keine zwingende negative Konnotation; möglicherweise hat eine Person, die etwas ignoriert, dafür gute und nachvollziehbare Gründe. Beispiel: Von Konrad Adenauer weiß man, dass er einmal empfahl, den Spiegel „nicht einmal zu ignorieren“ (= komplett ignorieren).

[Bearbeiten] Ignorant

Die Bezeichnung Ignorant für eine Person, die etwas nicht zur Kenntnis nimmt, ist in der deutschen Sprachpraxis ein Vorwurf, hat also im Gegensatz zum Verb ignorieren eine negative Konnotation. Der Ignorant ist jemand, der sich nicht um Wissen und Erkenntnis bemüht und daher unwissend verbleibt. Das Wort kann als Schimpfwort oder als Beleidigung gelten.

[Bearbeiten] Rationale Ignoranz

Bei rationaler Ignoranz verzichtet jemand bewusst darauf, sich mit einem Thema auseinander zu setzen, und verpflichtet jemand anderes, sich damit zu befassen. Es ist der Verzicht auf die Einmischung in einzelne (politische) Geschäfte in einem Gremium, weil es für Einzelne gar nicht möglich ist, sich mit jedem Geschäft vertieft auseinander zu setzen. Rationale Ignoranz ist eine Form freiwilliger Ungewissheit.

[Bearbeiten] Ignoranzeid

Im Preußischen Recht existierte ein sogenannter Ignoranzeid (Jusjurandum lgnorantiae). Er stellte speziell im Handels- und Wechselrecht die eidliche Versicherung einer Person dar, dass sie von einer behaupteten Tatsache nichts wisse (vgl. auch Eid).

[Bearbeiten] Literatur

  • Achim Geisenhanslüke u. Hans Rott: Ignoranz. Nichtwissen, Vergessen und Missverstehen in Prozessen kultureller Transformationen. Transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-778-3
  • Rainer Hammwöhner: Wikipedia - Ein Medium der Ignoranz? In: Ebenda, S. 229-257.
  • Hans Rott: Meinungsverschiedenheit und Missverständniss. In: Geisenhanslücke, S. 61-96.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Hans Rott, S. 61 FN 2.

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Ignoranz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Wikiquote Wikiquote: Ignoranz – Zitate
  • B. Bernstein: Ignorance is bliss. [1]
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