Iitate (Fukushima)

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Iitate-mura
飯舘村
Iitate (Fukushima) (Japan)
Red pog.svg
Geographische Lage in Japan
Region: Tōhoku
Präfektur: Fukushima
Koordinaten: 37° 41′ N, 140° 44′ O37.678736111111140.73494444444Koordinaten: 37° 40′ 43″ N, 140° 44′ 6″ O
Basisdaten
Fläche: 230,13 km²
Einwohner: 5910
(1. November 2014)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 07564-7
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Iitate
Baum: Japanische Rotkiefer
Blume: Lilium auratum
Vogel: Japanbuschsänger
Rathaus
Adresse: Iitate Village Hall
580-1, Aza Itamizawa, Itamizawa
Iitate-mura, Sōma-gun
Fukushima 960-1892
Webadresse: www.vill.iitate.fukushima.jp
Lage Iitates in der Präfektur Fukushima
Lage Iitates in der Präfektur

Iitate (jap. 飯舘村, -mura) ist eine Dorfgemeinde im Landkreis Sōma in der Präfektur Fukushima in Japan.

Geografie[Bearbeiten]

Iitate liegt im Abukuma-Hochland (阿武隈高地, Abukuma-kōchi). Die größte Erhebung ist der Hanazuka-yama (花塚山) mit 918,5 m auf der Westgrenze zu Kawamata.[1]

Größter See ist der Hayama-ko (はやま湖), der 1991 34 Jahre nach der Projektplanung als Stausee des Mono-Damms (真野ダム, Mono-damu) entstand.[2] Zufluss ist der Mono-gawa (真野川). Im Süden befindet sich das Nitta-gawa-Flusssystem (新田川), der an seinem Seitenarm Iitoi-gawa (飯樋川) am Iwabe-Damm (岩部ダム, Iwabe-damu) und am Notegami-gawa am Notegami-Damm (野手上川, Notegami-damu) – auch Fugane-Damm (風兼ダム, Fugane-damu) genannt – zu zwei viel kleineren Seen gestaut wird.[3]

Die Gemeinde besteht aus 20 Ortsteilen, die bis auf Nagadoro (長泥) und Warabidaira (蕨平) alle auf vormoderne Dörfer zurückgehen (siehe Geschichtsabschnitt).

Nachbargemeinden sind Sōma im Nordosten, Minamisōma im Osten, Namie im Süden, Kawamata im Südwesten und Westen und Date im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde Iitate entstand am 30. September 1956 aus der Vereinigung der beiden Dörfer Iiso (飯曽村) und Ōtate (大舘村), von denen auch der Name abgeleitet wurde, ebenso wie es in der Vergangenheit bei diesen beiden Dörfern geschah: Iiso entstand am 1. April 1889 aus Iitoi (飯樋村) und Hiso (比曽村), sowie Ōtate am 1. April 1967 aus Ōsu (大須村) und Niitate (新舘村).[4]

Ōsu wiederum wurde am 1. April 1889 gebildet aus Ōkura (大倉村, dt. „großes Lager“) und Sasu (佐須村, dt. „notwendige Hilfe“), sowie Niitate aus Kusano (草野村, dt. „Grasfeld“), Yagisawa (八木沢村, dt. „Fluss mit vielen Bäumen/acht Baumarten“), Ashimata (?, 芦股村, dt. „Schilfrohrgabelung“), Sekisawa (関沢村, dt. „Barrierefluss“), Numadaira (沼平村, dt. „flacher Morast, Morastebene“), Komiya (小宮村, dt. „kleiner Schrein“), Itamizawa (伊丹沢村) und Fukaya (深谷村, dt. „tiefes Tal“).[4]

Zudem wurde am 1. April 1967 Ishibashi (石橋村, dt. „Steinbrücke“) in Iiso eingemeindet, das am 1. April 1889 gebildet wurde aus Usuishi (臼石村, dt. „Mörserstein“), Nimaibashi (二枚橋村, dt. „zwei Brücken“), Maeda (前田村, dt. „Vorreisfeld“), Sugaya (須萱村, dt. „notwendiges Schilfgras“), Sekine (関根村) und Matsuzuka (松塚村, dt. „Kieferngrab(hügel)“).[4]

Diese ursprünglichen 18 Dörfer von vor der nationalen Reorganisation des Gemeindewesens am 1. April 1889 haben sich bis heute mit ihren Namen (außer Ashimata, das heute Ashihara (芦原, dt. „Schilfrohrebene“) heißt, zumal ashi homophon mit „Fuß, Bein“ ist und das Schriftzeichen von mata auch „Oberschenkel; Schritt[bereich]“ bezeichnen kann) in den Ortsteilen überlebt.

2004 stellte sich die Gemeinde gegen den allgemeinen Eingemeindungstrend, trat aus der Ratsversammlung über die Eingemeindung nach Minamisōma aus und verfolgt seitdem einen Unabhängigkeitskurs.[5]

Nuklearkatastrophe 2011[Bearbeiten]

Lage von Iitate in Relation zum Kraftwerk Fukushima I und den Kern-Evakuierungszonen

Bekannt wurde Iitate weltweit aufgrund der Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Trotz einer Entfernung von 40 Kilometern zum havarierten Kernkraftwerk gehörte Iitate zu den am stärksten radioaktiv kontaminierten Gebieten. Bei einer Analyse von Bodenproben in der Präfektur Fukushima wurde auf einem Bauernhof in Iitate die mit Abstand höchste Kontamination nachgewiesen[6][7] (siehe auch: Hotspot in Iitate im Artikel Strahlungsbelastung durch die Nuklearunfälle von Fukushima).

Die Internationale Atomenergie-Organisation und Greenpeace forderten die japanischen Behörden Ende März 2011 auf, die Evakuierung der Umgebung des Kernkraftwerks auf Iitate auszuweiten.[8] Am 12. April verfügte die japanische Regierung die Evakuierung von Iitate und vier benachbarten Orten.[9] Bis Ende Mai müssen alle Bewohner den Ort verlassen haben.[10] Der älteste Einwohner von Iitate, ein 102-jähriger Mann, war deswegen sehr deprimiert und beging Suizid.[11]

Die Nuklearkatastrophe war eine Folge des Tōhoku-Erdbebens und des Tsunami am 11. März 2011 bei dem es in der Gemeinde zu einem Todesfall kam.[12]

Verkehr[Bearbeiten]

Wichtigste Fernverkehrsstraße ist die Nationalstraße 339 nach Iwaki oder Nan’yō.

Iitate ist nicht an das Schienennetz angeschlossen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wolfsstatue beim Yamatsumi-Schrein

Der 918,5 m hohe Hanazuka-yama auf der Westgrenze, der 705,5 m hohe Toratori-yama (虎捕山) auf der Grenze zum Ortsteil Ryōzanmachi-Ishida von Date, sowie der 628,6 m hohe Notegami-yama (野手上山) gegenüber dem Notegami-Stausee zählen zu den 100 schönsten Bergen der Präfektur.[1][2]

Auf dem Hanazuka-yama wurde der Gott Hanazukayama-daigongen (花塚山大権現) verehrt. Der Berg hat eine lange Bergsteigergeschichte, einerseits wurde er bestiegen um dort für Regen zu beten, aber auch von buddhistischen Bergasketen, wie Ennin (Shigaku-daishi). Der Berg selber zeichnet sich durch seine großen Granitblöcke auf dem Gipfel aus und seinem Blick auf den 35 km entfernten Pazifischen Ozean.[1][13]

Der Name des Toratori-yama, „Tigerfang-Berg“, kommt daher dass hier der Bandit Tachibana no Sumitora (橘墨虎, wobei Sumitora wörtlich „Tuschetiger“ heißt) von Minamoto no Yoriyoshi (988–1075) gefangen wurde. Minamoto hatte dabei Hilfe durch einen weißen Wolf, zu dessen Ehren im Jahr 1051 der Shintō-Schrein Yamatsumi-jinja (山津見神社) gegründet wurde, wobei yamatsumi in etwa „Berggott“ bedeutet, der hier verehrt wird. Am Südfuße des Berges befindet sich die Gebetshalle (haiden), die bekannt ist für ihre vielen weißen Wolfsstatuen und 231 Deckengemälden mit Wölfen. Von diesem aus gibt es einen Pfad zum Gipfel, auf dem sich das eigentliche Heiligtum, die Haupthalle (honden), befindet. Die heutigen Gebäude stammen jedoch aus der Meiji-Zeit. Jedes Jahr am 17. Tag des 10. Mondmonats findet hier ein Fest zu Ehren des Berggottes statt, die zwei Tage zuvor ein Herbstfest.[14] Vom Berggipfel aus kann auch der 30 km entfernte Pazifische Ozean gesehen werden.[1]

Auch am Notegami-yama gibt es einen Schrein, den Notegami-jinja (野手神神社), in dem fünf Götter verehrt werden, darunter einer des Seidenbaus, der buddhistische Sonnengott Marici, ein Berggott und ein Schlangengott.[1]

Nordwestlich des Ortszentrums befindet sich der Wald Sonmin no Mori (村民の森) mit dem Campingplatz Ai no Sawa (あいの沢) entlang eines Sees, dessen Promenade zu den 50 schönsten der Präfektur zählt.[13] Von 2001 bis 2005 wurde jährlich ein Haiku-Wettbewerb zum Thema Liebe ausgeschrieben, mit Tausenden von Einsendungen aus dem ganzen Land, dessen beste 50 jährlich durch Madoka Mayuzumi ausgewählt wurden und dann auf Stein verewigt entlang der Promenade aufgestellt wurden.[15]

Bildung[Bearbeiten]

In Iitate befinden sich die Grundschulen (飯舘村立X小学校, Iitate-sonritsu X shōgakkō) Usuishi, Iitoi und Kusano, die Mittelschule Iitate (飯舘村立飯舘中学校, Iitate-sonritsu Iitate chūgakkō), sowie die Iitate-Zweigschule der präfekturalen Landwirtschaftsoberschule Sōma (福島県立相馬農業高等学校飯舘校, Fukushima-kenritsu Sōma nōgyō kōtō gakkō Iitate-kō).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e 飯舘の山. Iitate, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch, Höhenangaben aus amtlicher topografischer Karte).
  2. a b 59.飯舘村の歴史を探る(飯舘村) / ふくしまの歴史と文化の回廊. Präfektur Fukushima, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  3. 福島県.湖沼百選. In: 福島百選. Prounitte, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  4. a b c Satoshi Ishida: 07:福島県 [浜通り] (1). In: 市町村の変遷. 8. Februar 2007, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  5. 福島県本部/自治労飯舘村職員労働組合: 市町村合併問題への取り組みから自立へ. Nationale Gemeinde-Arbeitergewerkschaft, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  6. Aya Takada: Cattle Struggling to Survive in Fukushima as Radiation Taints Soil, Water (englisch) Bloomberg. 1. April 2011. Archiviert vom Original am 8. April 2011. Abgerufen am 8. April 2011.
  7. Daniel Wagner: Japan's Government Needs to Move Quickly (englisch) Huffington Post. 3. April 2011. Archiviert vom Original am 8. April 2011. Abgerufen am 8. April 2011.
  8. Hohe Strahlung außerhalb der Evakuierungszone in Japan, Nachrichten, 30. März 2011, DerWesten
  9. Japan expands evacuation areas around crippled nuclear plant (englisch) Kyodo News. 11. April 2011. Archiviert vom Original am 12. April 2011. Abgerufen am 12. April 2011.
  10. Evacuation zone widened beyond 20 km from Fukushima nuclear plant (englisch) Kyodo News. 22. April 2011. Archiviert vom Original am 22. April 2011. Abgerufen am 22. April 2011.
  11. Man, 102, 'kills self over nuclear evacuation plan' (english) The Straits Times. 14. April 2011. Archiviert vom Original am 20. Dezember 2011. Abgerufen am 20. Dezember 2011.
  12. 東日本大震災 図説集. In: mainichi.jp. Mainichi Shimbun-sha, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 19. Juni 2011, abgerufen am 19. Juni 2011 (japanisch, Übersicht über gemeldete Tote, Vermisste und Evakuierte).
  13. a b 観光ガイドマップ. Iitate, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  14. 山津見(やまつみ)神社. In: raifuku.net. Abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).
  15. 愛の句碑事業. Iitate, abgerufen am 15. Mai 2011 (japanisch).

Weblinks[Bearbeiten]