Iliomar

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Subdistrikt Iliomar
Iliomar (Osttimor)
Red pog.svg
Hauptstadt Iliomar
Fläche 302,17 km²[1]
Einwohnerzahl 7.201 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Aelebere 845
Caenlio 1.273
Fuat 887
Iliomar I 1.205
Iliomar II 1.312
Tirilolo 1.679
Übersichtskarte
Iliomar im Südwesten des Distrikt Lautém
Lage des Distrikts Lautém

Iliomar ist ein Subdistrikt und dessen Hauptort im osttimoresischen Distrikt Lautém. Der Name leitet sich ab von den Makalero-Wörtern Ili (deu.: Stein) und omar (Pfahlhaus).[3]

Der Ort[Bearbeiten]

Hütten in Iliomar

Der Ort liegt im Südwesten des Distrikts nahe der Südküste Timors in einer Höhe von 315 Metern über dem Meer. Er liegt verteilt auf die Sucos Aelebere, Iliomar I und Iliomar II. Hier gibt es eine Grundschule, eine Bücherei, eine Schule zur Vorbereitung auf die Sekundärstufe und ein kommunales Gesundheitszentrum. Das Fußballfeld bei der Grundschule wird als Hubschrauberlandeplatz verwendet. Im Dorf befindet sich ein Reiterstandbild, das den ehemaligen Herrscher Nokameta darstellt. Es wurde 1999 während der Gewaltwelle der pro-indonesischen Milizen beschädigt.[3] Die katholische Kirche verfügt über einen eigenen Pfarrer, die umliegenden Dörfer haben zumeist Kapellen. Erst seit 2002 verfügt Iliomar wieder über eine störanfällige Stromversorgung. Zwei Dieselgeneratoren versorgen den Ort zwischen 7 und 12 Uhr abends, sofern Treibstoff vorhanden ist.[3] Zum Siedlungszentrum von Iliomar gehören die Dörfer Fuat (im Suco Iliomar I), Ara'Ara, Aelebere, und Uatamar (alle im Suco Aelebere).

Zur Distriktshauptstadt Lospalos sind es in Luftlinie 28 km nach Nordosten und zur Landeshauptstadt Dili etwa 137 km nach Nordwesten. Die südliche Küstenstraße, eine der Hauptverkehrsachsen des Landes, verlässt wenige Kilometer westlich von Iliomar die Küste, führt durch den Ort und dann 42 km weiter bis Lospalos, ihrem östlichen Ende. Je nach Zustand der Straße kann die Fahrt drei bis fünf Stunden dauern. Gerade in der Regenzeit kann es vorkommen, dass die Straßen aufgrund von Erdrutschen nicht passierbar sind.[4] Regelmäßig fährt ein Lastwagen Iliomar an, ab und zu auch mal ein Bus.[3]

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten]

Sucos von Iliomar

Iliomar liegt im Südwesten von Lautém. Im Süden liegt die Timorsee, im Osten grenzt Iliomar an den Subdistrikt Lospalos, im Norden an Luro und an einer schmalen Stelle an den Subdistrikt Lautém. Der Distrikt Baucau liegt im Nordosten mit seinem Subdistrikt Baguia und im Westen Viqueque mit dem Subdistrikt Uatucarbau. Der Subdistrikt Iliomar teilt sich in sechs Sucos: Aelebere, Caenlio (Cainliu), Fuat, Iliomar I, Iliomar II und Tirilolo (Trilolo). Tirilolo ist als urban klassifiziert. Die Region ist stark bewaldet und gebirgig, auch wenn der höchste Gipfel, der Naunili,[3] nur 879 m[5] erreicht. Den westlichen Grenzfluss zu Uatucarbau bildet der Irebere, den östlichen zu Lore I der Namaluto. Dazwischen münden von West nach Ost der Cocolai, der Lihulo, der Massoco, der Miaira und der Veira in die Timorsee.

In der Regenzeit zwischen Dezember und Juli fallen etwa 160 bis 270 cm Regen und die Temperaturen erreichen gerade im Juni/Juli tagsüber „nur noch“ 24°C. Die Nächte können empfindlich kühl werden, zumal ein Großteil der Bevölkerung in einfachen Hütten lebt und selten Matratzen oder Decken hat. Entsprechend häufig sind dann Erkrankungen.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Subdistrikt leben 7.201 Menschen (2010,[1] 2004: 6.726[7]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher des Makalero. Diese Nationalsprache wird traditionell nur im Subdistrikt Iliomar gesprochen. Der Altersdurchschnitt beträgt 16,0 Jahre (2010,[1] 2004: 18,2 Jahre[8]).

Eine große Rolle in der Gesellschaft der Makalero in Iliomar spielt Fulidai-dai, was man mit einem kulturellen System der Nachbarschaftshilfe vergleichen kann. Fulidai-dai fördert in seinem Kern eine verstärkte Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und freiwillige Beiträge. Sein Hauptzweck besteht darin, Einzelpersonen zum Handeln zum Wohle der Gemeinde anstatt zum Wohle eines Einzelnen anzuhalten. Zu den Grundsätzen gehören Solidarität, Kollektivität, Austausch und gegenseitige Hilfe. So wird gemeinsam Ackerland gewonnen, gepflanzt, geerntet, Häuser gebaut oder Festlichkeiten vorbereitet. Fehlverhalten wird mit der Tradition des Tarabandu (Tara Bandu) behandelt. Beispielsweise beleidigte ein Dorfbewohner während einer Zeremonie Vertreter der Regierung. Der Übeltäter stiftete Fleisch und den lokalen Palmwein für eine Tarabandu-Zeremonie mit den Ältesten und lokalen Würdenträgern aus dem ganzen Distrikt Lautém, inklusive des katholischen Pfarrers. Während der Zeremonie wurde über das Vergehen gesprochen und darüber, wie wichtig Vergebung sei. Der Name des Übeltäters wurde dabei nie genannt, weil das gesamte Dorf die Verantwortung für das Fehlverhalten des Einzelnen übernommen hatte.[4]

Wirtschaft und Umwelt[Bearbeiten]

46 % der Haushalte in Iliomar verfügen über Kokospalmen, 50 % bauen Mais an, ebenso viele Maniok, 38 % Gemüse, 26 % Reis und 11 % Kaffee.[2] Gerade in der Trockenzeit kann es zu Nahrungsmittelmangel kommen, da die Bevölkerung weitgehend von der eigenen Ernte abhängig ist.[4]

An der Mündung des Ireberes wurden 16.554 ha zu einer Important Bird Area erklärt.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Ufer des ehemaligen Hafens
Ruinen bei Iliomar
Der alte Leuchtturm bei Iliomar

Traditionell teilen sich die Makalero in verschiedene Clans, deren Schöpfungsgsgeschichte für Außenstehende Tabu ist. Die falsche Wiedergabe dieser führt nach dem Glauben zu einem frühen Tod oder hat ähnlich schlimme Folgen.[3]

Die damaligen Herrscher Nokameta und Rapimeta verlegten die Orte Iliomar I und II, vermutlich um 1894, ein paar Kilometer entlang der Küste nach Nordosten an ihre heutigen Standorte. 1904 wurde in Iliomar ein portugiesischer Militärposten mit Fort und Hafen errichtet. Das hier unterbrochene Korallenriff bot dem Hafen Schutz. Heute sind von den Anlagen nur noch Ruinen übrig.[3]

Iliomar war 1976 ein Rückzugsgebiet der FALINTIL, die gegen die indonesischen Invasoren kämpfte. Hier gründete sie eine base de apoio, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Iliomar, Lospalos und Uatucarbau bot.[10] Der Widerstandskämpfer Francisco Ruas Hornay hatte in Iliomar seine Heimatbasis. Er wurde aber aufgrund von internen Kämpfen in der FRETILIN gefangen gesetzt und am 24. November 1976 hingerichtet.[11]

Erst ab 1977 begann die indonesische Armee mit Angriffen auf den Subdistrikt von Iliomar. Die Einwohner von Fuat flohen nach Luro.[10] Ende des Jahres wurde auch die restliche Bevölkerung von Iliomar durch die FRETILIN zum Matebian evakuiert. Zunächst zum Berg Legumau, und als die Indonesier im Juni 1978 von Uatucarbau anrückten weiter nach Lavateri und schließlich zum Matebian. Nach dem Zusammenbruch des Widerstands dort am 22. November 1978 wollten die Einwohner Iliomars wieder in ihre Heimat zurückkehren. Am 28. November trafen sie auf indonesische Truppen, die sie zur Militärbasis in Baguia brachten, wo sie verhört wurden. Als FRETILIN-Führer Identifizierte wurden gefoltert und zum Teil hingerichtet. Die anderen konnten in den Subdistrikt Iliomar zurück.[3][10] Die ersten drei Wochen ließen sich 4.000 bis 6.000 Flüchtlinge um den alten portugiesischen Stützpunkt nieder. Dann trafen indonesischen Soldaten vom Bataillon 328 und Hansip-Milizionäre in Iliomar ein. Sofort wurden um den Posten sechs Militärposten eingerichtet. Die Chefes de Suco wurden angewiesen ihre Leute zu reorganisieren. Notunterkünfte wurden innerhalb des Militärrings errichtet. Portugiesisch wurde als Sprache verboten. Niemand durfte sich weiter als einen Kilometer von dem alten portugiesischen Posten entfernen, auch nicht zur Nahrungssuche. Wer sich nicht daran hielt, dem drohte die Erschießung. Jede Familie erhielt pro Woche Mais in Dosen, der gerade mal für drei Mahlzeiten reichte. Trotz vorhandener Möglichkeit wurde den Einheimischen verboten Gärten anzulegen. Bald kam es zu einer Hungersnot. Cholera und Beriberi brachen aus und Menschen starben. Eine Zeit lang wurde einigen Wenigen erlaubt, außerhalb des Lagers nach Eßbarem zu suchen, doch als 162 Timoresen flohen, wurde diese Erleichterung wieder abgeschafft. Es wird geschätzt, dass in Iliomar zwischen Januar und Juli 1979 pro Monat 305 Menschen starben. Viele der Toten wurden nahe der alten portugiesischen Schule begraben. Einige Opfer wurden inzwischen von ihren Familien wieder ausgegraben und woanders beerdigt. Im Juni 1980 zählte der Subdistrikt 5.435 Einwohner. Zu ihnen gehörten auch Flüchtlinge aus den Nachbarregionen. 1970 hatte die Bevölkerungshöhe noch 4.136 betragen. Das Rote Kreuz versorgte zwischen September 1979 und 1981 die Bewohner mit Nahrungsmittel. Die Todesrate sank auf zehn pro Monat. Ab Mitte 1982 übernahm die UNICEF die Aufgabe der Versorgung, musste aber seine Tätigkeiten 1983 einstellen, als die militärischen Operationen der Indonesier in der Region zunahmen.[10]

Die indonesischen Besatzer ließen nicht zu, dass die Bewohner Iliomars an ihre alten Heimatorte zurückkehrten. Sie mussten sich stattdessen nach strategischen Gesichtspunkten an bestimmten Orten („daerah pemukiman“) neu ansiedeln. Die Bewohner von Iliomar II, die zuvor in der Region von Kampung Lama lebten, etwa drei Kilometer südlich des Ortes Iliomar, wurden nördlich des Ortes Aelebere und im Süden von Iliomar I angesiedelt. Die Einwohner Fuats lebten zuvor in der Region Bubutau, nördlich von Maluhira. Sie kamen nun in den Norden von Iliomar I. Die Menschen aus Caenlio wurden an dem Ort angesiedelt, an dem heute die Sekundärschule und die Kirche stehen. Bei der Kirche wurden auch die Einwohner von Tirilolo angesiedelt. Die Menschen durften Felder nur im Umkreis von 500 Metern um ihr neues Heim anlegen. Wer weiter weg wollte, brauchte eine Reisegenehmigung. Die Folge der Restriktion war Hunger. 1981 durften die Menschen von Tirilolo und Caenlio, 1982 die von Fuat in ihre alten Heimatdörfer zurückkehren. Die Einwohner von Larimi (Caenlio) mussten 1982 in die Aldeia Liufalun übersiedeln. Der Feldanbau blieb trotzdem durch die indonesischen Sicherheitskräfte eingeschränkt. Die Einwohner von Iliomar I und II blieben in den Umsiedlungslagern. 1983 wurden etwa 300 Familien infolge des Aufstands im Distrikt Lautém von Iliomar auf die Insel Atauro deportiert.[10] Im selben Jahr wurde in der Region ein Waffenstillstand zwischen Indonesiern und FALINTIL vereinbart. 1985 kam es erneut zu einer Hungersnot. Bis 1989 gab es in Iliomar keinen organisierten Widerstand gegen die Besatzer, so dass sich die indonesische Verwaltung hier etablieren konnte. Trotzdem gab es immer wieder kleinere Scharmützel zwischen Guerilleros und indonesischen Sicherheitskräften.[3] 1988 wurden die Einwohner Iliomars II nach Iradarate umgesiedelt, im Osten ihrer alten Heimat. Im selben Jahr kehrten die Menschen aus Iliomar I in ihre Dörfer zurück. Der in der Umsiedlungsphase gegründete Ort Dataran Faebere wurde wieder aufgegeben und ist heute unbewohnt.[10] Die 1990er blieben weitgehend ruhig.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999, bei dem sich die Mehrheit der Osttimoresen für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach, brannten die indonesische Streitkräfte in Iliomar öffentliche Gebäude, wie das Verwaltungsgebäude, die medizinische Station und die prä-sekundäre Schule nieder und erschossen mehrere Haustiere.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iliomar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. a b c d e f g h i j Juliette Huber: A grammar of Makalero - A Papuan language of East Timor, LOT Utrecht 2011
  4. a b c d www.etwa.org.au/about/about-iliomar/ (Version vom 8. März 2010 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt About Iliomar
  5. geographic.org
  6. a b c Seeds of Life
  7. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  8. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  9. Birdlife Data Zone: TL16 Irebere estuary and Iliomar forest
  10. a b c d e f „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  11. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

-8.7091666666667126.82833333333Koordinaten: 8° 43′ S, 126° 50′ O