Ilja Iwanowitsch Iwanow

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Ilja Iwanow (1927)

Ilja Iwanowitsch Iwanow (russisch Илья Иванович Иванов; * 20. Julijul./ 1. August 1870greg. in Schtschigry, Gouvernement Kursk; † 20. März 1932 in Alma-Ata, Kasachische SSR) war ein russischer Biologe und Tierzüchter. Er ist unter anderem bekannt für Versuche, Schimpansen mit Menschen zu kreuzen.

Leben[Bearbeiten]

Iwanow studierte in Charkiw und war von 1917 bis 1921 und von 1924 bis 1930 am Staatlichen Institut für experimentelles Veterinärwesen tätig, in den Jahren dazwischen an einer Forschungsstation, die sich mit der Züchtung und Fortpflanzung von Haustieren befasste. Von 1928 bis 1932 arbeitete er am Moskauer und am Kasachischen Zoologischen Institut.

Die von Iwanow entwickelten Methoden zur künstlichen Befruchtung landwirtschaftlicher Nutztiere waren in der Sowjetunion weit verbreitet.

Iwanow war es ferner gelungen, den ersten Hybriden aus Zebra und Pferd zu erzeugen. Daraufhin versuchte er, Hybride von Mensch und Schimpanse zu erzeugen. Seine heute befremdlich anmutenden Experimente mit Schimpansen waren gedacht als Test auf Darwins Hypothese, dass die Schimpansen die nächsten Verwandten des Menschen seien. Pläne, zum Experiment bereite Frauen mit Schimpansensperma zu befruchten, scheiterten mangels männlicher Schimpansen. Um diese zu beschaffen, nahm er 1926 Kontakt zu Rosalía Abreu auf, die seit mehr als 20 Jahren auf Kuba eine Gruppe von Schimpansen hielt. Hiervon hatte er 1924 erfahren, als er mit finanzieller Unterstützung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR das Institut Pasteur in Paris und dessen Außenstelle in Guinea besuchte, wo er drei weibliche Schimpansen mit menschlichem Sperma zu befruchten versuchte; sie wurden jedoch nicht schwanger. Die Akademie unterstützte seine Forschung, da eine Bestätigung von Darwins Evolutionstheorie Argumente im Kampf gegen die christliche Schöpfungslehre zu liefern versprach. Bezüglich der männlichen Schimpansen äußerte sich Abreu zunächst aufgeschlossen, nach einem an sie gerichteten Drohbrief des Ku-Klux-Klans zog sie sich jedoch aus diesem Vorhaben zurück.[1]

1930 fiel Iwanow bei Stalin in Ungnade und wurde zu fünf Jahren Verbannung in Alma-Ata verurteilt, wo er 1932 starb.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clive D. L. Wynne: Rosalià Abreu and the Apes of Havana. In: International Journal of Primatology, Band 29, Nr. 2, 2008, S. 289–302, doi:10.1007/s10764-008-9242-0