Iljuschin Il-38

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Iljuschin Il-38
Il-38 der russischen Marine
Typ: U-Boot-Abwehrflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Werk Nr. 30 Moskau–Chodinka
Erstflug: 28. September 1961
Indienststellung: 1969
Produktionszeit: 1967–1972
Stückzahl: 58[1]

Die Iljuschin Il-38 (russisch Ильюшин Ил-38, NATO-Codename: May) ist die militärische U-Boot-Abwehr-Variante des Propellerpassagierflugzeuges Iljuschin Il-18.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Projektierungsarbeiten begannen im OKB Iljuschin nach einer Forderung des Zentralkomitees und des Ministerrates vom 18. Juni 1960. Die Entwicklung leitete Sergej Iljuschin selbst, Chefingenieur war Jakow Kooterow. Im Gegensatz zu anderen Il-18-Versionen verfügt das Muster über einen um etwa vier Meter verlängerten Rumpf mit 1,8 Meter nach vorn verlegtem Tragflügel, um den durch die im vorderen Bereich platzierte elektronische Ausrüstung verursachten verschobenen Schwerpunkt auszugleichen. Den Erstflug absolvierte Wladimir Kokkinaki am 28. September 1961. Durch Probleme vor allem bei der Entwicklung der Avionik verzögerte sich die Truppeneinführung bei den sowjetischen Seefliegerkräften. Obwohl das Muster bereits im Dezember 1965 für die Serienproduktion freigegeben worden war, wurde die Il-38 erst am 17. Januar 1969 offiziell in Dienst gestellt, die ersten Flugzeuge waren ab März 1968 an die Einheiten ausgeliefert worden. Ursprünglich sollten 250 Il-38 gebaut werden, jedoch endete die Produktion 1972 nach 58 Exemplaren. Geflogen wurde die Il-38 beim 24. OPAP (Selbstständiges U-Boot-Jagd-Fliegerregiment) in Seweromorsk, beim 77. OPAP in Nikolajewa bei Wladiwostock und der 145. OPAE (Selbstständige U-Boot-Jagd-Staffel) in Riga.

Von 1974 bis 1977 wurde eine als Il-38M bezeichnete Variante mit Luftbetankungssonde getestet; ebenfalls existierte eine Version Il-38MZ mit ausfahrbarem Betankungsschlauch im Bombenschacht. Beide Typen blieben Prototypen. Am 4. April 2001 flog der Prototyp der modernisierten Il-38N, die anstatt des alten Berkut-U-Jagdystems über ein Morskoi Smei (Seedrache) und ein ELINT-System auf dem Rumpfrücken verfügt.

1977 und 1983 gingen drei bzw. zwei Il-38 an die indischen Luftstreitkräfte. Im September 2001 erging ein 200-Millionen-Dollar-Auftrag zur Modernisierung dieser Flugzeuge unter der Bezeichnung Il-38SD, deren erstes Exemplar 2006 ausgeliefert wurde. Zwei der indischen Maschinen kollidierten im Oktober 2002 während eines Formationsfluges über dem Flughafen Goa und stürzten ab, wobei beide Besatzungen ums Leben kamen. Sie wurden durch zwei weitere Il-38SD ersetzt. Statt des älteren Berkut-Radars sind diese mit einem Morskoi Smei (russisch Морской змей, Seeschlange) sowie Raketen zur Bekämpfung von Überwasserseezielen ausgerüstet. Von 1970 bis 1972 wurden auch einige Il-38 mit ägyptischen Hoheitszeichen im Mittelmeerraum eingesetzt. Diese Flugzeuge gehörten zur 90. ODRAE (Selbstständige Fernaufklärungsfliegerstaffel), waren gechartert worden und flogen mit sowjetischen Besatzungen.[2] 1983 wurde eine zweite Version mit zusätzlichem Radom unter dem Rumpf bekannt (May-B).

Von den vorhandenen etwa 25 bis 30 Maschinen sollen fünf zur Il-38N modernisiert werden und bis mindestens 2020 im Dienst bleiben. Die Il-38N ist unter anderem mit dem Sensorsystem Nowella P-38 ausgerüstet, das aus dem für Indien entworfenen Morskoi-Smei-System entwickelt wurde. Die erste umgerüstete Maschine wurde der russischen Marine am 15. Juli 2014 übergeben.[3] Durch die Modernisierung erweitert sich das Aufgabenspektrum der Il-38N neben der U-Boot-Jagd auf Elektronische Aufklärung, Überwasser-Schiffsbekämpfung sowie SAR-Missionen.

Die Il-38 sind in Seweromorsk–1 (7050. Basis), Petropawlowsk-Kamtschatski/Jelisowo (7060. Basis) und Nikolajewka (7062, Basis) stationiert.[4]

Technische Daten[Bearbeiten]

Iljuschin Il-38 überfliegt den Flugzeugträger USS Midway, 1979
Kenngröße Daten
Besatzung normal zehn (Pilot, Copilot, Flugingenieur + bis zu 9 Mann Operatoren)
Länge 40,07 m
Spannweite 37,42 m
Höhe 10,10 m
Flügelfläche 140 m²
Leermasse 36,3 t
Startmasse max. 66 t
Triebwerk 4x Iwtschenko AI-20M Turboprops, mit je 3.169 kW
Höchstgeschwindigkeit 720 km/h
Patrouillengeschwindigkeit 350 km/h
Reichweite 9.500 km
Dienstgipfelhöhe 10.000 m
Steigrate 320 m/min
Startstrecke 1300 m
Stückzahl 176, davon in Russland noch 26 im Dienst[5]
Bewaffnung 8,4 t Zuladung mit Sonarbojen, Minen, Torpedos und Bomben in zwei Rumpfschächten
Berkut Radar mit 360° Erfassungswinkel
Magnetfeldsensor (APM-60) im Hecksporn

Nutzerstaaten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Vergleichbare Typen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ilyushin Il-38 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Iljuschin Il-38 „May“. In: Flug Revue Nr. 01/2013, S. 47
  2. Friedrich List, Uli Jeschke: Russische Seekampfflugzeuge in Flieger Revue Extra Nr. 9, Möller, 2005, S.70
  3. Fliegerrevue Nr. 09/2014, S. 8
  4. Piotr Butowski: Iljuschin Il-38N. Zweites Leben. In: Flug Revue Nr. 10/2014, S. 52/53
  5. http://warfare.ru/?linkid=2191&catid=259