Illinois Central Railroad

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Logo der IC ab 1972
Logo der IC bis 1972

Die Illinois Central Railroad (IC, ICRR, ICG) war eine US-amerikanische Eisenbahngesellschaft. Aufgrund der Fusion mit der Gulf, Mobile and Ohio Railroad hieß die Gesellschaft von 1972 bis 1988 Illinois Central Gulf Railroad. Die Gesellschaft wurde 1998 von der Canadian National Railway gekauft. Ihre beiden wichtigsten Strecken verliefen von Chicago nach New Orleans und nach Sioux Falls und Omaha (Nebraska). Ein berühmter Personenzug war der City of New Orleans auf der Strecke Chicago–New Orleans, dem Steve Goodman mit dem gleichnamigen Lied eine bleibende Erinnerung schuf. Bekannt wurde das Lied jedoch erst in der Version von Arlo Guthrie. Legendär bis heute war 1900 eine waghalsige Aufholfahrt des I.C.R.R.-Lokführers Casey Jones, die zu einem Unglück führte, wobei Jones durch Selbstaufopferung jedoch größere Verluste an Menschenleben verhindern konnte.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung bis 1945[Bearbeiten]

EMD TR1 9251 der IC im November 1942
Streckennetz 1850

Die IC wurde mit Unterstützung der Illinois General Assembly am 10. Februar 1851[1] gegründet, um eine Strecke von Cairo an der Mündung des Ohio River in den Mississippi River nach Centralia und von dort mit zwei Zweigen nach Galena an der Grenze Illinois/Iowa/Wisconsin sowie nach Chicago zu bauen. Der Bau der Eisenbahn wurde ab 1850 durch die Gewährung von Landrechten durch Präsident Millard Fillmore unterstützt. Mit der Fertigstellung der Strecke 1856 verfügte Chicago nun über eine Verbindung zum Mississippi und die Gesellschaft errichtete eine Dampfbootlinie von Cairo nach New Orleans.

Von New Orleans aus wurden 1858 die New Orleans, Jackson & Great Northern Railway von New Orleans über Jackson (Mississippi) nach Canton (Mississippi) und 1860 die Mississippi Central Railway von Canton nach Jackson (Tennessee) fertiggestellt. Die Illinois Central vollendete 1873 den Abschnitt von Jackson nach Cairo und konnte erstmals eine durchgehende Nord-Süd-Schienenverbindung – allerdings vorerst nur mit Schiffspassage über den Mississippi in Cairo – anbieten. Im Jahr darauf übernahm die Illinois Central die beiden Gesellschaften. Die Strecken südlich von Cairo hatten bis 1881 die in den Südstaaten übliche Breitspur von 1.524 mm (5 foot). Die beiden Teile der Illinois Central wurden erst 1889 mit dem Bau einer Mississippi-Brücke in Cairo verbunden.[2]

Ab den 1870er Jahren begannen die Eisenbahnen, in die fruchtbaren Gebiete des Yazoo-Deltas am Westrand des Bundesstaats Mississippi vorzudringen. Die Illinois Central gründete zu diesem Zweck 1882 die Yazoo & Mississippi Valley Railroad, um von Jackson aus Richtung Westen eine Strecke zu errichten. In der Zwischenzeit erfolgte durch die konkurrierende Louisville, New Orlans & Texas Railroad der Bau einer Strecke zwischen Memphis und New Orleans über Vicksburg und Baton Rouge. Diese Gesellschaft wurde von Collis P. Huntington unterstützt, der damit eine Verbindung zwischen seinen Eisenbahnen Southern Pacific Railroad und Chesapeake, Ohio & Southwestern Railroad (Memphis–Louisville) herstellen wollte. Dieses Vorhaben wurde 1884 vollendet und durch den Aufkauf der Mississippi & Tennessee Railroad zwischen Memphis und Grenada (Mississippi) zunächst Verkehr von der IC abgezogen. Der angekündigte Konkurrenzkampf mit der Illinois Central blieb jedoch aus, da Huntingtons Imperium inzwischen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. In dieser Situation erwarb die Illinois Central diese Strecken und fusionierte sie mit der Yazoo & Mississippi Valley Railroad. Damit erweiterte sich das Streckennetz um 28 % und die Präsenz der Illinois Central im Süden der Vereinigten Staaten.[2]

Streckennetz 1892

Ab Galena wurde die Strecke über den Mississippi River hinaus nach Iowa verlängert und erreichte 1870 Sioux City am Missouri River. Unter der Führung von E. H. Harriman begann in den 1880er Jahren eine weitere Expansion nach Westen. So wurde die Chicago, Madison & Northern Railroad gegründet, um eine Verbindung von Chicago zur Centralia-Galena-Strecke bei Freeport (Illinois) sowie nach Madison (Wisconsin) und Dodgeville (Wisconsin) herzustellen. Die Illinois Central baute ferner Strecken nach Cedar Rapids, Sioux Falls in Süd-Dakota und Omaha in Nebraska.

1893 erfolgte der Kauf der Chesapeake, Ohio & Southwestern Railroad und 1895 der Bau einer Strecke nach St. Louis. 1906 wurde Indianapolis und 1908 Birmingham (Alabama) ans Netz angebunden. 1909 erwarb sie die Kontrolle der Central of Georgia Railway. 1926 wurde die Nahverkehrstrecke in Chicago elektrifiziert und 1928 erfolgte der Neubau einer Abkürzungssstrecke zwischen Edgewood (Illinois) und Fulton (Kentucky), um den Engpass in Cairo zu umgehen.[2]

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem 2. Weltkrieg begann die Gesellschaft ihre Firmenstruktur zu vereinfachen. Bis Ende der 1950er Jahre wurden die Yazoo & Mississippi Valley Railroad und die Gulf & Ship Island Railroad vollständig integriert, die Chicago, St. Louis & New Orleans; Waterloo, Cedar Falls & Northern; Tremont & Gulf; Peabody Short Line; Louisiana Midland und der Westteil der Tennessee Central erworben.[2]

Am 10. August 1972 fusionierten die Illinois Central und die Gulf, Mobile and Ohio Railroad (GM&O) zur Illinois Central Gulf Railroad. In der gleichen Zeit wurden noch einige kleinere Gesellschaften erworben, so die Columbus & Greenville, die Bonhomie & Hattiesburg Southern und die Fernwood, Columbia & Gulf. Die Illinois Central Gulf verfügte nach diesen Akquisitionen stellenweise über acht parallel laufende Nord-Süd-Strecken. Nur in der Nähe von Fulton (Kentucky) war ein Engpunkt im Streckennetz. Dazu kamen noch acht Ost-West-Strecken:

Der Weg zur Nord-Süd-Bahn[Bearbeiten]

Die Illinois Central Gulf war der Auffassung, dass diese Ost-West-Strecken nicht ins Unternehmenskonzept einer Nord-Süd-Eisenbahn passten. Außerdem waren die Verbindungen zu den angrenzenden Eisenbahngesellschaften nicht in dem Maße vorhanden, wie sie für einen profitablen Geschäftsbetrieb benötigt wurden. Die Gesellschaft begann deshalb, nicht benötigte Strecken zu verkaufen. Es entstanden aus diesen Verkäufen mehrere neue regionale Eisenbahngesellschaften:

An so genannte Shortlines wurden zwischen 1974 und 1990 ebenfalls mehrere Strecken verkauft.

Streckennetz 1996

Diese Reduzierungen bezogen sich nicht nur auf Strecken, sondern auch auf Gleise und das Rollmaterial. So war der größte Teil der Strecke zwischen Chicago und New Orleans zweigleisig. Die Illinois Central entfernte ein Gleis und führte eine computergesteuerte Zugkontrolle ein, außerdem wurden nicht benötigte Wagen verschrottet und überzählige Lokomotiven verkauft.

Am 29. Februar 1988 benannte sich die Gesellschaft wieder in Illinois Central Railroad um, da die meisten der durch die Fusion mit der Gulf, Mobile & Ohio erworben Strecken wieder abgestoßen waren. Ende 1988 wurde die Eisenbahngesellschaft von ihrer Muttergesellschaft Whitman Corporation (früher IC Industries) verkauft. Im August 1989 erlangte die Prospect Group, früher Eigentümer der MidSouth Rail Corporation, die Kontrolle über die Gesellschaft. 1990 versuchte Illinois Central erfolglos die MidSouth zu erwerben. 1994 wurde eine Fusion mit der Kansas City Southern erwogen. Um ein höhere Verkehrsaufkommen zu erreichen, erwarb die Illinois Central im Juni 1996 die Chicago, Central & Pacific für einen Preis von 157 Mio $.

Im Februar 1998 erwarb die Anfang der 1990er Jahre privatisierte Canadian National Railway die Illinois Central Railroad.

Personenverkehr[Bearbeiten]

Die Illinois Central war auf den Hauptachsen zwischen Chicago und New Orleans sowie zwischen Chicago und St. Louis ein bedeutender Anbieter von Reisezugverbindungen. Es waren auch Fernzugverbindungen zwischen Chicago und Omaha eingerichtet, jedoch erreichten diese nie die Bedeutung der beiden erstgenannten. Der größte Personenbahnhof war die Central Station in der 12. Straße östlich der Michigan Avenue in Chicago. Durch den Süd-Nord-Verlauf der Hauptlinie vom Golf von Mexiko zu den Großen Seen spielte die Bahn eine große Rolle während der afroamerikanischen Great Migration in den 1920er Jahren.

Der wichtigste Zug war der Panama Limited, ein erstklassiger Nachtreisezug aus Pullmanwagen zwischen Chicago, St. Louis und New Orleans. Infolge der Verluste, die durch den Betrieb des Zuges auftraten, wurde er 1967 mit einem reinen Sitzwagenzug namens Magnolia Star kombiniert. Am 1. Juni 1971 übernahm Amtrak den Betrieb des Zuges, änderte jedoch nach zehn Jahren den Namen aus Marketinggründen zu Gunsten des bis 1971 tagsüber verkehrenden Stromlinienzuges City of New Orleans, der durch den gleichnamigen Song inzwischen Berühmtheit erlangt hatte. Auf der Route verkehrten auch weitere bedeutende Fernzüge wie der Creole oder der Louisiane. Zwischen Chicago, Springfield und St. Louis selbst war hingegen der Green Diamond der wichtigste Zug. Weitere bedeutende Fernzüge waren der Hawkeye, der täglich zwischen Chicago und Sioux City fuhr, und der City of Miami, der jeden zweiten Tag von Chicago nach Miami über die Atlantic Coast Line Railroad, die Central of Georgia Railway und die Florida East Coast Railway fuhr.

Im Nahverkehr war vor allem der Vorortverkehr in Chicago von Bedeutung, welcher die Bahnhöfe entlang der South Michigan Avenue mit den Vororten der Millionenstadt verband und von METRA übernommen wurde.

Nach 1971 fuhr Amtrak neben dem Panama Limited noch den Shawnee zwischen Chicago und Carbondale (Illinois) über die Gleise der Illinois Central. Heute werden neben dem City of New Orleans der Illini und der Saluki täglich zwischen Chicago und Carbondale betrieben. Ein weiterer Reisezugkorridor für Illinois ist für die frühere Blackhawk-Route zwischen Chicago, Rockford und Dubuque (Iowa) geplant. Die Projektstudie geht von Kosten zwischen 32 und 55 Millionen Dollar je nach Routenwahl aus. Im Betrieb würden jährlich weitere 5 Millionen Dollar an staatlichen Zuschüssen aufgewendet werden. Der Betrieb soll 2014 über die nunmehr zur Canadian National gehörenden Gleise aufgenommen werden.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Illinois Central Railroad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Illinois Central Railroad number 790. Steamtown National Historic Site, abgerufen am 15. September 2012 (englisch).
  2. a b c d  George H. Drury: The Historical Guide to North American Railroads. 2. Auflage. Kalmbach Publishing Co., Waukesha November 1999, ISBN 0-89024-356-5, S. 195–199.
  3. Amtrak Black Hawk Service Restoration Status Updates (Englisch) 7. April 2011. Abgerufen am 15. September 2012.