Illuminatenorden

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Symbol des Bundes: Die Eule der Minerva, auf einem Buche sitzend. Druckgraphik aus dem Jahr 1776

Der Illuminatenorden (lat. illuminati „die Erleuchteten“) war eine kurzlebige Geheimgesellschaft mit dem Ziel, durch Aufklärung und sittliche Verbesserung die Herrschaft von Menschen über Menschen überflüssig zu machen. Sie wurde am 1. Mai 1776 vom Philosophen und Kirchenrechtler Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet und existierte nur bis zu ihrem Verbot 1785 im Kurfürstentum Bayern.

Zahlreiche Mythen und Verschwörungstheorien ranken sich um das angebliche Fortbestehen dieser Gesellschaft und ihre angeblichen geheimen Tätigkeiten, darunter die Französische Revolution, der Kampf gegen die katholische Kirche und das Streben nach Weltherrschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Adam Weishaupt, Gründer des Illuminatenordens

Der Professor für Kirchenrecht und praktische Philosophie an der Universität Ingolstadt, Adam Weishaupt (1748–1830), gründete am 1. Mai 1776 mit zwei seiner Studenten den Bund der Perfektibilisten (von lateinisch perfectibilis: zur Vervollkommnung befähigt). Als Symbol des Bundes wählte Weishaupt die Eule der Minerva, der römischen Göttin der Weisheit. Hintergrund war das intellektuelle Klima an der Universität, das fast vollständig von ehemaligen Jesuiten beherrscht wurde, deren Orden 1773 aufgehoben worden war. Der erst achtundzwanzigjährige Weishaupt war der einzige Professor in Ingolstadt ohne jesuitische Vergangenheit und dementsprechend isoliert im Lehrkörper, was auch an seiner Begeisterung für die Ideen der Aufklärung lag. Um seinen Schülern Schutz vor jesuitischen Intrigen zu bieten, die er allerorten vermutete, vor allem aber, um ihnen Zugang zu zeitgenössischer kirchenkritischer Literatur zu gewähren, gründete er den „Geheimen Weisheitsbund“. Dieser war anfangs nur ein antiklerikaler Lesezirkel von höchstens zwanzig Mitgliedern.

Zudem sah Weishaupt im Orden der Gold- und Rosenkreuzer, einem mystisch-spirituellen Orden in der Freimaurerei, ein immer stärker werdendes Übel, das es zu bekämpfen gelte. Über diesen Gründungsanlass der Illuminati berichtete er 1790 in seiner Schrift Pythagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst:

„Zwei Umstände aber gaben vollends Ausschlag. Zu eben dieser Zeit [1776] hatte ein Offizier, Namens Ecker, in Burghausen eine Loge errichtet, welche auf Alchemie ging und sich gewaltig zu verbreiten anfing. Ein Mitglied dieser Loge kam nach Ingolstadt, um dort zu werben und die Fähigsten unter den Studierenden auszuheben. Seine Auswahl fiel zum Unglück gerade auf diejenigen, auf welche auch ich mein Auge geworfen hatte. Der Gedanke, so hoffnungsvolle Jünglinge auf diese Art verloren zu haben, sich auch überdies mit der verderblichen Seuche, mit dem Hang zur Goldmacherei und ähnlichen Torheiten angesteckt zu sehen, war für mich quälend und unerträglich. Ich ging darüber mit einem jungen Mann, auf welchen ich das meiste Vertrauen gesetzt hatte, zu Rate. Dieser ermunterte mich, meinen Einfluß auf die Studierenden zu benutzen und diesem Unwesen durch ein wirksames Gegenmittel, durch Errichtung einer Gesellschaft, so viel als möglich zu steuern […]“

[1]

Einen ersten bescheidenen Aufschwung nahm der Orden, als er 1778 von Franz Xaver von Zwack, einem ehemaligen Schüler Weishaupts und späteren Regierungspräsidenten der Pfalz, reorganisiert wurde. Weishaupt schlug als neuen Namen „Bienenorden“ vor, weil ihm vorschwebte, dass die Mitglieder unter der Leitung einer Bienenkönigin den Nektar der Weisheit sammeln sollten. Doch entschied man sich für „Bund der Illuminaten“ und schließlich für „Illuminatenorden“. 1780 hatte dieser etwa 60 Mitglieder.[2]

Kurze Blüte[Bearbeiten]

Adolph Freiherr Knigge, der wirksamste Werber für den Illuminatenorden

Eine weitere Umorganisation erfolgte nach dem Beitritt des niedersächsischen Adligen Adolph Freiherr Knigge. Dieser war am 1. Juli 1780 in der Loge L’Union in Frankfurt am Main von dem bayrischen Hofkammerrat Constantin Costanzo für den Orden geworben worden und entfaltete nach seinem Beitritt eine rege Tätigkeit.[3] Er gab dem Orden, der zu dieser Zeit nach Weishaupts eigenem Eingeständnis „eigentlich noch gar nicht, sondern nur in seinem Kopfe“ existierte, 1782 eine den Freimaurerlogen ähnliche Struktur: Danach hatte ein so genannter Areopag mit Weishaupt, Knigge und anderen die Führung des Ordens inne. Mit dieser neuen Organisation gelang es den Illuminaten, zahlreiche Freimaurer anzuwerben und ganze Logen zu unterwandern.

Hintergrund war die Krise, in die die deutsche Freimaurerei in ihren Hochgraden nach 1776 mit dem Zusammenbruch der Strikten Observanz geraten war. Mit dieser eher unpolitisch-romantisierenden Bewegung, die behauptete, in der Nachfolge des 1312 aufgehobenen Templerordens zu stehen, war es Karl Gotthelf von Hund und Altengrotkau gelungen, die deutschen Logen unter seiner Führung anzuwerben. Er hatte jahrelang behauptet, er stünde in Kontakt mit „Unbekannten Oberen“, die ihn in das tiefste Geheimnis der Freimaurerei eingeweiht hätten. Als sich nach von Hunds Tod 1776 aber keine „Geheime Oberen“ meldeten, war die Ratlosigkeit in den Logen groß. Auf dem großen Freimaurerkonvent der Strikten Observanz (16. Juli bis 1. September 1782 in Wilhelmsbad) konnten die beiden Vertreter der Illuminati, Knigge und der Radikalaufklärer Franz Dietrich von Ditfurth, die Meinungsführerschaft für ihren Orden gewinnen. Das Templersystem wurde aufgegeben; der Orden der Gold- und Rosenkreuzer, der sich seinerseits bemüht hatte, die Strikte Observanz zu beerben, blieb in der Minderheit. Die beiden Illuminaten konnten sogar Johann Christoph Bode, einen der führenden Vertreter der Strikten Observanz, gewinnen.[4]

Krise und Verbot[Bearbeiten]

In der Folge wuchs die Mitgliederzahl rasch an. Doch dieser Erfolg war gleichzeitig der Anfang vom Ende: Weishaupt kritisierte, dass zu rasch zu viele Mitglieder aufgenommen würden, ohne jede Prüfung, ob sie für die Ziele des Ordens geeignet wären.[5] Knigge sah seine Leistungen bei der Rekrutierung neuer Mitglieder nicht honoriert und drohte in Briefen, er werde dessen Geheimnisse an Jesuiten und Rosenkreuzer verraten. Damit verstärkte er aber nur Weishaupts Misstrauen, dem es erhebliche Sorgen bereitete, dass Knigge und der ebenfalls sehr umtriebige Bode Vertreter der absolutistischen Obrigkeit wie die Prinzen Karl von Hessen und Ferdinand von Braunschweig sowie die Herzöge Ernst von Sachsen-Gotha und Carl August von Sachsen-Weimar in den Orden gebracht hatten. Tatsächlich waren Carl August und sein Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe den Illuminaten beigetreten, um den Orden auszuforschen.[6]

In der Folge spitzte sich der Dissens zwischen Weishaupt und Knigge derart zu, dass der Orden zu zerbrechen drohte. Im Februar 1784 wurde daher ein „Congress“ genanntes Schiedsgericht in Weimar einberufen, an dem unter anderen Goethe, Johann Gottfried Herder und Herzog Ernst von Sachsen-Gotha beteiligt waren. Für Knigge überraschend urteilte der Congress, es müsse ein gänzlich neuer Areopag gebildet werden; beide führenden Persönlichkeiten des Ordens sollten ihre Machtpositionen aufgeben. Dies schien ein tragbarer Kompromiss zu sein. Da aber absehbar war, dass der Ordensgründer auch ohne formalen Vorsitz im Areopag weiterhin einflussreich bleiben würde, bedeutete es eine klare Niederlage für Knigge. Es wurde Stillschweigen und Rückgabe aller Papiere vereinbart. Am 1. Juli 1784 verließ Knigge den Illuminatenorden.[7] Er wandte sich danach von der „Mode-Thorheit“ ab, die Welt durch geheime Gesellschaften verbessern zu wollen. Weishaupt gab die Leitung des Ordens an Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla ab.

Inmitten der internen Streitereien hatten Geheimbünde die Aufmerksamkeit der bayerischen Obrigkeit auf sich gezogen. Ihr waren die Ziele von aufklärerisch gesinnten Geheimorden suspekt, richteten sie sich doch darauf, die überkommene Ordnung zu verändern, ja durch Unterwanderung der öffentlichen Ämter einen „Vernunftstaat“ zu errichten.[8] Konsequent wurden am 22. Juni 1784 alle „Communitäten, Gesellschaften und Verbindungen“ durch den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor verboten, die ohne seine „landesherrliche Bestätigung“ gegründet worden waren.

Kurfürst Karl Theodor (hier ein Porträt aus dem Jahr 1763) verbot den Orden in mehreren Edikten 1784/85

Am 2. März 1785 folgte auf Druck von Pater Frank, Kanzler Freiherr von Kreittmayr, dem Rosenkreuzer Freiherr von Törring und anderen Hofleuten ein weiteres Edikt, das Illuminaten und Freimaurer diesmal beim Namen nannte und als landesverräterisch und religionsfeindlich verbot. Es wurden bei Hausdurchsuchungen verschiedene Papiere des Ordens beschlagnahmt, die weitere Indizien für seine radikalen Ziele erbrachten. Papiere, die bei einem verstorbenen Kurier gefunden wurden, boten Aufschluss über die Namen einiger Mitglieder. Im selben Jahr erklärte auch Papst Pius VI. in zwei Briefen (vom 18. Juni und 12. November) an den Bischof von Freising die Mitgliedschaft im Orden als unvereinbar mit dem katholischen Glauben.

Die sich an die Verbote von 1784/85 anschließenden Verfolgungen der Ordensmitglieder hielten sich im Rahmen. Es kam zu Hausdurchsuchungen und Konfiskationen; einige Hofräte und Offiziere verloren ihre Anstellung, einige Ordensmitglieder wurden des Landes verwiesen, doch eingesperrt wurde keiner.[9] Weishaupt selbst, von dem man gar nicht wusste, dass er der Gründer des Ordens war, wurde verdächtigt, floh aber, als er den katholischen Glauben bekennen sollte, zuerst in die Freie Reichsstadt Regensburg, 1787 dann weiter nach Gotha, wo ihm Herzog Ernst eine Sinekure als Hofrat beschaffte. Aus dem Besitz dieses illuminatischen Fürsten stammt auch eine wichtige Sammlung von Quellen zur Geschichte des Ordens, die so genannte Schwedenkiste, die seit 1990 von der Forschung ausgewertet werden kann.[10]

Im April 1785 hatte Graf Stolberg-Roßla den Orden offiziell für suspendiert – also für einstweilig aufgehoben – erklärt. Diese Tatsache nutzte Bode dazu, den Bund weiter am Leben zu erhalten. Er versuchte mit der Weimarer „Minervalkirche“ und dem „Orden der unsichtbaren Freunde“ Nachfolgeorganisationen ins Leben zu rufen, musste aber in dem scharf anti-illuminatischen Klima der Revolutionsjahre diese Bemühungen 1790 einstellen. In der Forschung wird allgemein angenommen, dass die Zerschlagung des Illuminatenordens erfolgreich war.[11]

Am 16. August 1787 folgte ein drittes, noch schärferes Verbotsedikt, das die Rekrutierung von Mitgliedern für Freimaurer und Illuminaten gar unter Todesstrafe stellte, woraus man schließen kann, dass man in Kreisen der Obrigkeit an ein Fortbestehen der Illuminaten glaubte. Ordensmitglieder im bayrischen Staatsdienst, derer man habhaft geworden war, mussten ein umfassendes Geständnis ablegen und ihre Mitgliedschaft widerrufen, wenn sie nicht entlassen werden wollten. Das Ergebnis waren Bekenntnisschriften wie die von Zwack.[12] Diese Texte, von denen einige auch veröffentlicht wurden, waren stark ausgeschmückt und haben daher geringen Quellenwert.[2] Gleichwohl lösten die Veröffentlichungen eine erste Illuminatenhysterie aus, überall witterte man nun die Umtriebe des radikalaufklärerischen Geheimbunds. Eine zweite, deutlich heftigere Welle dieser Hysterie setzte nach der Französischen Revolution ein, als die Furcht vor den Jakobinern mit der älteren vor den Illuminaten zu einer einzigen Angstphantasie verschmolz. In dieser Stimmung ließ der bayerische Staatsminister Montgelas – wiewohl selber ehemaliger Illuminat – gleich bei seinem Regierungsantritt 1799 und erneut 1804 alle geheimen Gesellschaften verbieten. Wie stark die deutsche Öffentlichkeit in den Jahren um die Französische Revolution von mysteriös-unheimlichen Geheim- und Initiationsgesellschaften fasziniert war, lässt sich an diversen literarischen Werken der Zeit ablesen, von Schillers Der Geisterseher (1787/89) über Jean Pauls Die unsichtbare Loge (1793) bis zu Goethes Der Groß-Cophta (1792) und der geheimnisvollen Turmgesellschaft in Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796).

Gedenktafel

Heute erinnert in Ingolstadt nur noch eine Gedenktafel an dem Gebäude, in dem sich der Versammlungssaal der Illuminaten befand, an den Orden. Das Gebäude befindet sich in der Theresienstraße 23 (früher Am Weinmarkt 298[13]) in der heutigen Fußgängerzone der Stadt.

Struktur[Bearbeiten]

Ziele[Bearbeiten]

Der Illuminatenorden war ganz dem Weltbild der Aufklärung verpflichtet. Ziel war die Verbesserung und Vervollkommnung der Welt und die Verbesserung und Vervollkommnung seiner Mitglieder (daher auch der alte Name Perfectibilisten). Auf diesem Wege wollten die Illuminaten die Freiheit erreichen, die sie durchaus politisch verstanden. Diese Ideen gelten als erster Schritt in der Politisierung der Aufklärung.[14] Weishaupt schrieb 1782 in seiner Rede an die neu aufzunehmenden Illuminatos dirigentes:

„Wer also allgemeine Freyheit einführen will, der verbreite allgemeine Aufklärung: aber Aufklärung heißt nicht Wort- sondern Sachkenntniß, ist nicht Kenntniß von abstracten, speculativen, theoretischen Kenntnissen, die den Geist aufblasen, aber das Herz um nichts bessern.“

Adam Weishaupt

Mittel, die Freiheit zu erlangen, war für Weishaupt also vor allem die Bildung, und zwar nicht nur das oftmals nur äußerliche Vermitteln von Wissen, sondern in erster Linie die Bildung des Herzens, die Sittlichkeit. Diese sollte den Einzelnen befähigen, sich selbst zu beherrschen, wodurch andere Formen der Beherrschung, namentlich der „Despotismus“ der absolutistischen Fürsten, aber auch der geistige Despotismus, den die katholische Kirche ausübe, überflüssig würden. Das „Sittenregiment“ sei also Voraussetzung und Weg zu einer freien und gleichen Gesellschaft ohne Fürsten und ohne Kirche – eine libertäre Utopie, die der des Anarchismus recht nahe kommt.

Anders als die militanten Anarchisten des 19. Jahrhunderts glaubten die Illuminaten jedoch, ihr Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft gewaltlos erreichen zu können. Wie Weishaupt in der zitierten Rede erläuterte, meinte er, die Geschichte selbst dabei auf seiner Seite zu haben. Unter Rückgriff auf Denker wie Joachim von Fiore legte er eine Geschichtsphilosophie von drei Weltzeitaltern dar: In der „Kindheit der Menschheit“ habe es weder Herrschaft noch Eigentum noch Streben nach Macht gegeben. Das habe erst in der „Jugendepoche“ Einzug gehalten, als die ersten Staaten entstanden wären, die aber nun mehr und mehr in den „Despotismus“ abgeglitten seien. Dieser selbst lasse aber die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies der Herrschaftslosigkeit entstehen: „Der Despotismus soll selbst das Mittel seyn, um […] den Weg zur Freyheit zu erleichtern“, schrieb Weishaupt in einer Ausarbeitung für die Mysterienklasse seines Ordens. In der „Reifezeit“ des Menschengeschlechts werde der Despotismus dann durch die von ihm selbst ausgelöste Sehnsucht nach Freiheit durch Aufklärung und durch die von ihr gelehrte Selbstbeherrschung gewaltlos überwunden werden. Diese Aufklärung nun zu verbreiten und die Menschheit ins „Gelobte Land“ zurückzuführen, sei die Aufgabe „geheimer Weisheitsschulen“, für die Weishaupt eine ideelle Traditionslinie vom Urchristentum bis zur Freimaurerei behauptete. Zwar seien die Freimaurerlogen heute unpolitisch geworden, doch würden sie den Illuminaten als Maske dienen. Schließlich werde eine „Zeit des Verfalls“ einen neuen Zyklus einleiten.[15]

Karikatur gegen die Illuminaten: Eine von Teufeln bediente Kanone bombardiert München mit Flugblättern. Lavierte Federzeichnung, Stadtmuseum München

In diesem Geschichtsbild mischen sich mittelalterlicher Chiliasmus und neuzeitliche Utopie, vormoderne Prophezeiung einer erlösten Welt und moderne Prognose, wie diese durch eigenes Handeln zu erreichen sei. Weishaupt verknüpfte zwei gegenteilige Botschaften miteinander: Zum einen predigte er einen Quietismus, der die Ordensmitglieder von jeder Verantwortung für den Fortgang der Geschichte entlastete; zum anderen forderte er einen subversiven Aktivismus, der das bestehende Herrschaftssystem aktiv untergraben sollte. Welcher von beiden Aspekten der wichtigere sei, ließ er in der Schwebe. Zum einen hieß es, man brauche nichts zu tun als abzuwarten, denn die Zeit der absolutistischen Despotie würde aus innerer Logik quasi von alleine zu Ende gehen. Auf der anderen Seite behauptete Weishaupt, die Illuminaten würden allein durch ihre Tätigkeit, ja durch ihr bloßes Vorhandensein, an der Aufhebung der Despotien mitwirken.[16]

Die Abschaffung der absolutistischen Herrschaft sollte nun nicht auf dem Wege einer Revolution erfolgen, sondern mit den Mitteln der Personalpolitik: Man wollte immer mehr Schlüsselpositionen im absolutistischen Staat übernehmen, um diesen sukzessive in die eigene Gewalt zu bringen. Zu den letzten Stadien seiner Utopie, etwa ob und wie der Staat nach der Machtübernahme tatsächlich abgeschafft werden oder bloß durch die Illuminaten als quasi noch aufgeklärteren Absolutisten in vervollkommneter Weise ersetzt werden würde, machte Weishaupt keine Angaben. Eine Demokratie im Sinne einer Volkssouveränität strebten die Illuminaten, anders als die Jakobiner, mit denen spätere Kritiker sie gleichsetzten, nicht an.[17]

Organisation[Bearbeiten]

Die Illuminaten waren eine der zahlreichen Gesellschaften und Vereine, die kennzeichnend waren für die Herausbildung des modernen Phänomens der Öffentlichkeit während der Aufklärungszeit, wie sie Jürgen Habermas in seiner Studie Strukturwandel der Öffentlichkeit beschrieben hat. Während die vormoderne Ständegesellschaft sich entweder in der Kirche oder am Fürstenhof sozial reproduziert hatte, bestand nun in Lesegesellschaften, diversen Wohltätigkeitsvereinen (z. B. Hamburgs Patriotischer Gesellschaft), in Freimaurer- und Rosenkreuzerlogen oder eben in Geheimgesellschaften wie den Illuminaten die Möglichkeit, über die Standesgrenzen hinweg auf einem zumindest prinzipiell egalitären Niveau gesellig zusammenzukommen.

Im Unterschied zu den anderen Formen dieser neuen Geselligkeit aber hatten die Illuminaten ein explizit politisches Programm, wohingegen bei Freimaurern etwa konfessionelle, religiöse oder parteipolitische Streitgespräche bis heute unerwünscht sind. Auch bekennen sich Freimaurer zu ihrer Zugehörigkeit und sind deshalb, anders als die Illuminaten keine Geheimgesellschaft im eigentlichen Sinn. Die Illuminaten übernahmen zwar freimaurerische Strukturen wie die Loge und ein Gradsystem, doch gehörten sie der Freimaurerei nicht an. In den landesweiten Organisationen der Freimaurer, den Großlogen oder Groß-Orienten, arbeiteten sie nicht mit.

Um die Freimaurerei besser unterwandern zu können, gab Knigge bei seiner Ordensreform den Illuminaten eine an die Freimaurerei angelehnte Struktur mit phantasievoll betitelten Graden, von denen jeder ein eigenes Initiationsritual und eigene „Geheimnisse“ hatte, die dem Initianden offenbart wurden: Eine „Pflanzschule“, die Unerfahrene in das Logen- und Geheimbundwesen einführen sollte, bestand aus den Graden Novize, Minerval (abgeleitet von der römischen Göttin der Weisheit) und Illuminatus minor (lat. für niederer Erleuchteter). Die an die Freimaurerei angelehnte „Maurerklasse“ enthielt die Grade Lehrling, Geselle, Meister, Illuminatus maior (lat. für höherer Erleuchteter) und Illuminatus regens (lat. für leitender Erleuchteter). Den Orden krönen sollte die „Mysterienklasse“, die aus den Graden Priester, Regent, Magus (lat. für Zauberer) und Rex (lat. für Herrscher) bestand. Die Vorschriften und Riten für diese Klasse wurden jedoch in der kurzen Zeit, die der Orden bestand, nicht ausgearbeitet.[18]

Ebenfalls als werbewirksame Mystifikation erhielt jedes Ordensmitglied bei seiner Initiation einen Geheimnamen (nom de guerre), der stets nicht-christlicher oder zumindest nicht-orthodoxer Herkunft war: Weishaupt selbst nannte sich bezeichnenderweise nach dem Anführer des antiken Sklavenaufstands Spartacus, Knigge war Philo, ein jüdischer Philosoph, und Goethe erhielt den Namen Abaris nach einem skythischen Magier. Auch in der Geografie gab es Geheimnamen (München hieß z. B. Athen, Tirol wurde zur Peloponnes, Frankfurt war Edessa und Ingolstadt Eleusis); ja selbst das Datum wurde nach einem neuen Geheimkalender mit persischen Monatsnamen angegeben, dessen Jahreszählung mit dem Jahr 632 begann.

Die Ordensnamen trugen zur Gleichheit unter den Illuminaten bei: Da sie sich in den ersten beiden Graden nur mit Ordensnamen kannten, konnten sie voneinander nicht wissen, wer nun adlig, wer bürgerlich, wer ein Universitätsprofessor, wer nur Schankwirt oder Student war. Darüber hinaus waren sie ein Teil des rigiden Bildungsprogramms, das der Orden seinen Mitgliedern auferlegte. Jeder Illuminat hatte sich nicht nur mit seinem Namenspatron geistig auseinanderzusetzen, er bekam auch von seinen Ordensvorgesetzten ein monatliches Lesequantum, in dem aufklärerische und deistische Werke mit aufsteigenden Graden eine immer größere Rolle spielten. Seine intellektuelle und sittliche Entwicklung hatte er obendrein tagebuchartig in so genannten Quibuslicet-Heften zu protokollieren (von lat.: quibus licet – wem es erlaubt ist [ergänze: dies zu lesen]). Wurden sie schlecht geführt oder enthielten sie nicht die vorgesehenen Fortschritte, antwortete der Ordensobere mit einem „Reprochen-Zettel“ (franz. reproche „Tadel“, „Vorwurf“).

Bei aller Gleichheit innerhalb der Grade war die Hierarchie zwischen verschiedenen Graden im Orden also sehr ausgeprägt. Dies zeigte sich schon an dem Eid, in dem jeder Initiand „ewiges Stillschweigen in unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Oberen und den Satzungen des Ordens“ zu geloben hatte. Zur strengen Hierarchie kam noch verschärfend die esoterische Struktur des Ordens hinzu, das heißt, dass Neumitglieder über dessen wahre Ziele bewusst getäuscht wurden. In der „Pflanzschule“ wurde den Novizen noch bedeutet, es sei keineswegs das Ziel des Ordens „die weltlichen oder geistlichen Regierungen zu untergraben, sich der Herrschaft der Welt zu bemächtigen und so weiter. Haben sie sich unsere Gesellschaft unter diesem Gesichtspunkt vorgestellt, oder sind sie in dieser Erwartung hineingetreten, so haben sie sich gewaltig betrogen“. Das war die Unwahrheit, denn im obersten Grad des Ordens sollte das „größte aller Geheimnisse“ offenbart werden, „das so viel sehnlich gewünscht, so oft fruchtlos gesucht haben, [die] Kunst, Menschen zu regieren, zum Guten zu leiten […] und dann alles anzuführen, was den Menschen bishero Traum und nur den Aufgeklärtesten möglich schien“.[19] Das tiefste Arkanum der Illuminaten war also ihr eigenes moralisches Herrschaftssystem, das innerhalb des Ordens bereits praktiziert wurde, nun aber auch nach außen angewandt werden sollte.

Diese Täuschung und Gängelung der Mitglieder in den unteren Graden erregten schon bald auch innerhalb des Ordens Kritik. Sie waren Weishaupts Ziel geschuldet, das Individuum durch Erziehung bzw. Anregung zur Selbsterziehung und durch verborgene Leitung zu perfektionieren. Voraussetzung einer solchen Verbesserung des einzelnen Menschen war einerseits dessen Folgsamkeit, die durch persönliches Vorbild der höheren Grade, durch Furcht der unteren und durch Ausnutzung des „Hangs des Menschen zum Wunderbaren“ erreicht werden sollte.[20] Andererseits bedurfte es einer totalen Kenntnis über alle persönlichen Geheimnisse der so zu Erziehenden. Dieses Konzept übernahm Weishaupt von seinen schärfsten Gegnern, den Jesuiten, mit ihrem Kadavergehorsam und ihrer behutsamen, aber umso wirkungsvolleren Menschenführung durch die Beichte. Ein Gegner des Ordens kritisierte dies Konzept als „Despotismus der Aufklärung“.[21] Der Historiker Manfred Agethen stellt fest, dass die Illuminaten ihren Gegnern in einer dialektischen Verschränkung verbunden waren: Um das Individuum von der geistigen und geistlichen Herrschaft der Kirche zu emanzipieren, wurden jesuitische Methoden der Gewissenserforschung angewandt; um den Siegeszug der Aufklärung und der Vernunft zu befördern, gab man ein Hochgradsystem und ein mystisches Brimborium, das an den schwärmerischen Irrationalismus der Rosenkreuzer gemahnte; und um die Menschheit schließlich aus dem Despotismus der Fürsten und Könige zu befreien, unterwarf man die Mitglieder einer nachgerade totalitären Kontrolle und Psychotechnik.[22]

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Illuminaten hatten einigen Erfolg: Zu Beginn der 1780er Jahre kam der Orden in 70 verschiedenen Städten des Reichs auf 1500 bis 2000 Mitglieder, welche zu rund einem Drittel zugleich Freimaurer waren. Schwerpunkte waren Bayern und die thüringischen Kleinstaaten Weimar und Gotha; außerhalb des Reiches lassen sich Illuminaten nur in der Schweiz nachweisen.

Der Sozialhistoriker Eberhard Weis untersuchte stichprobenartig die Sozialstruktur des Ordens und kam zu folgendem Ergebnis: Rund ein Drittel seiner Mitglieder waren Adlige, immerhin 12 Prozent Geistliche. Fast 70 Prozent der Illuminaten hatten eine akademische Ausbildung, die Zahl der Handwerker lag mit fast 25 Prozent deutlich höher als die der Kaufleute, die mit unter 10 Prozent deutlich unterrepräsentiert waren. Die ganz überwiegende Mehrheit der Illuminaten mit fast 75 Prozent bestand aus Beamten, Offizieren und sonstigen Staatsdienern, was angesichts des Ordensziels, den absolutistischen Staat zu unterwandern, nicht verwundern kann. Weishaupt selbst gab 1787 stolz an, es sei dem Orden gelungen, mehr als ein Zehntel der höheren Beamtenschaft Bayerns zu stellen. Besonders deutlich war dieser Unterwanderungserfolg im bayrischen Zensurkollegium, das bis zum Einschreiten des Kurfürsten 1784 überwiegend aus Illuminaten bestand. Auch die Zensoren, die dem Orden nicht angehörten, sympathisierten mit der Aufklärung, und dementsprechend war die Praxis der Behörde: Schriften von Ex-Jesuiten und andere gegenaufklärerische oder klerikale Schriften, ja sogar Gebetbücher wurden verboten, aufklärerische Literatur dagegen befördert.[23]

Dieser vorübergehende Erfolg kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Illuminatenorden zum überwiegenden Teil aus durchaus zweitrangigen Akademikern bestand, die vielleicht gerade deshalb in den Orden strömten, weil sie sich von ihm Karrierechancen erhofften, eine Hoffnung, die durchaus mit Weishaupts Unterwanderungskonzept korrelierte. Diese Ziele waren neu aufgenommenen Mitgliedern freilich unbekannt. Sein eigentliches Ziel, nämlich die intellektuelle und politische Elite der Gesellschaft zu bilden, erreichte der Orden kaum. Von den erwähnten Ausnahmen abgesehen (Goethe, Herder, Knigge), blieben alle wirklich bedeutenden Vertreter der deutschen Spätaufklärung dem Orden entweder gänzlich fern (Schiller, Kant, Lessing, aber auch Lavater, um den sich Knigge lange vergeblich bemüht hatte) oder traten wie Friedrich Nicolai rasch aus Enttäuschung über die rigiden Strukturen innerhalb des Ordens wieder aus. Von einer realen Gefährdung des bayrischen Staates durch den „Bücherwurm Weishaupt und seine Kameraden, Utopisten im guten wie im lächerlichen Sinne“ konnte keine Rede sein, doch „die Herausforderung an die alten Mächte war freilich auch in dieser handzahmen Form noch zu stark“.[24]

Rezeption[Bearbeiten]

Mythen und Verschwörungstheorien[Bearbeiten]

Die Illuminatenhöhle bei Aigen (Salzburg) (siehe Schloss Aigen), ein Beispiel für die verklärte Sicht auf den Illuminatenorden im Sturm und Drang

Viele Verschwörungstheorien kolportieren bis heute, die Illuminaten hätten nach ihrem Verbot weiter bestanden und seien eine besonders mächtige Geheimgesellschaft, die hinter einer Vielzahl von als negativ beurteilten Erscheinungen stehe. So sollen sie etwa die Entstehung der USA beeinflusst haben. Dies ist schon wegen der zeitlichen Abfolge (der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg begann bereits 1775, also vor der Gründung des Ordens) unhaltbar.[25]

Auch für die Französische Revolution wurden die Illuminaten verantwortlich gemacht. Diesen folgenreichen Verdacht äußerte 1791 erstmals der französische Priester Jacques François Lefranc in seinem Buch Le voile levé pour les curieux ou les secrets de la Révolution révéles à l’aide de la franc-Maçonnerie (übersetzt etwa: „Der Schleier gelüftet für die Neugierigen, oder die aufgedeckten Geheimnisse der Revolution über die Hilfe der Freimaurerei“). Der französische ehemalige Jesuit Augustin Barruel und der schottische Gelehrte John Robison verbreiteten diese These in ihren kurz darauf verfassten Werken über die Ursachen der Französischen Revolution.[26][27] Sie versuchten unabhängig voneinander nachzuweisen, dass nicht etwa die andauernde Unterdrückung des Dritten Standes, die Verbreitung der Ideale der Aufklärung, die Missernte des Vorjahres und das schlechte Krisenmanagement König Ludwigs XVI. die Revolution ausgelöst hatten, sondern die Illuminaten. Dafür nannten sie vor allem drei angebliche Belege:

  • Fast alle bedeutenden Führer der Revolutionäre seien Freimaurer gewesen. Damit setzten sie gegen die historischen Tatsachen Freimaurer und Illuminaten miteinander gleich.
  • Es habe in Frankreich kurz vor der Revolution eine Freimaurerloge Les Illuminés („die Erleuchteten“) gegeben. Tatsächlich war diese Gruppe sehr klein, wenig einflussreich und vertrat eine mystische Richtung, den Martinismus, der nichts mit der Radikalaufklärung Knigges und Weishaupts zu tun hatte.
  • Johann Christoph Bode sei 1787 zur Auslösung der Revolution nach Paris gereist. Tatsächlich war der Zweck seines Aufenthalts, der nur vom 24. Juni bis zum 17. August währte, ein ganz anderer: Bode war zu einem Freimaurerkonvent eingeladen, der aber bei seiner Ankunft schon beendet war.[28]

Dieser Verschwörungsthese fehlte also jede Grundlage. Dennoch wurden Barruels und Robisons Werke große Erfolge. Im deutschsprachigen Raum verbreitete vor allem die kurzlebige konservative Zeitschrift Eudämonia (1795–1798) die Theorie, die Illuminaten würden auch nach der Auflösung des Ordens fortexistieren, seien verantwortlich für die Französische Revolution und stellten eine aktuelle Gefahr dar.[29]

In den Vereinigten Staaten kam es 1798 zu einer regelrechten Illuminaten-Panik, als puritanische Geistliche wie Jedidiah Morse und Timothy Dwight IV. Robisons und Barruels Verschwörungstheorien auf die innenpolitische Situation ihres Landes bezogen. Für sie stellten die Demokratisch-Republikanische Partei und namentlich deren Gründer Thomas Jefferson, der sich 1785 bis 1789 in Paris aufgehalten hatte, die aktuelle Ausprägung der Illuminaten dar, die angeblich nicht nur die gemäßigt-konservative Regierung der Föderalistischen Partei unter Präsident John Adams, sondern gleich das gesamte Christentum abschaffen wollten. Ein Ergebnis dieser weitverbreiteten Befürchtung waren die Alien and Sedition Acts, der es Ausländern erschwerte, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben und jede „falsche, skandalträchtige und bösartige Veröffentlichung gegen die Regierung der USA“ unter Strafe stellte.[30][27]

Der Mythos vom Fortbestand des Ordens wurde im 20. Jahrhundert unter anderem von einigen okkultistischen oder theosophischen Gruppen genährt, die versuchten, sich selbst als die angeblich jahrzehntelang im Untergrund verschwundenen Illuminaten zu stilisieren. 1896 gründete zum Beispiel der Historiker Leopold Engel den Weltbund der Illuminaten, der die Nachfolge von Weishaupts Orden beanspruchte. 1929 wurde dieser eingetragene Verein wieder aus dem Berliner Vereinsregister gelöscht. Auch der 1912 entstandene sexualmagische Ordo Templi Orientis oder die 1978 gegründeten Illuminaten von Thanateros versuchen, sich in eine Traditionslinie zu den bayerischen Illuminaten zu stellen, doch haben sie mit dem aufklärerisch-rationalistischen Orden Weishaupts, Bodes und Knigges nichts zu tun.

Die anti-illuminatische Verschwörungstheorie wurde Ende des 19. Jahrhunderts antisemitisch aufgeladen, indem man behauptete, Weltjudentum und Freimaurer bzw. Illuminaten würden an einem Strang ziehen oder seien letztlich identisch.[31] Die englische Faschistin Nesta Webster zog seit den 1920er Jahren Parallelen zwischen den angeblichen Komplotten der „Weisen von Zion“ und denen der Illuminaten.[32] Rechte und rechtsextremistische Gruppen und Personen verbreiten heute weiterhin Verschwörungsthesen über die Illuminaten:[33] so etwa die amerikanische John Birch Society, der christliche Prediger Pat Robertson[34] und der Verschwörungstheoretiker Des Griffin.[35]

Der deutsche Verschwörungstheoretiker Jan Udo Holey („Jan van Helsing“) hat mehrere Bücher über die Illuminaten veröffentlicht, in denen er etwa behauptet, es handele sich um von Außerirdischen gesteuerte jüdische „Blutsauger“, die den Zweiten Weltkrieg angezettelt hätten und den Dritten Weltkrieg vorbereiteten, um ihre als „neue Weltordnung“ bezeichnete Weltherrschaft zu erringen. Er beruft sich dazu auf die antisemitische Fälschung der Protokolle der Weisen von Zion und knüpft an ähnliche Verschwörungstheorien des Nationalsozialismus an. Derartige paranoide Fantasien gelten als Beleg für den engen Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und Teilen der Esoterik.[36]

Romane[Bearbeiten]

Die Illuminaten werden häufig in populären Romanen dargestellt, so zum Beispiel in der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Shea und Robert Anton Wilson, in Umberto Ecos Das Foucaultsche Pendel oder in Illuminati von Dan Brown. Hier werden sie als finstere Schurken, undurchsichtige Komplottschmieder oder dämonische Weltverschwörer dargestellt, denn die genannten Autoren schöpfen nicht aus den quellenmäßig gut belegten historischen Fakten über den Orden, sondern überwiegend aus den Verschwörungstheorien, die über ihn im Umlauf sind. Gleichwohl werden heute oftmals diese fiktiven Angaben über die Illuminaten irrtümlich für wahr gehalten. Dan Brown etwa verknüpfte sie darin mit den Ismailiten und nährte damit Verschwörungsthesen, die die Illuminaten mit islamistischem Terror in Verbindung bringen.[37] Auch waren Galileo Galilei (1564–1642) und Gian Lorenzo Bernini (1598–1680) keine Mitglieder, wie es bei Brown heißt, und sie stehen auch nicht in einer jahrtausendealten Traditionslinie von keltischen Druiden über Assassinen und Templer mit dem Ziel, den umbilicus telluris (lat. „Nabel der Erde“) zu finden.

Siegel der Vereinigten Staaten auf der Ein-Dollar-Banknote

Besonders populär ist die in einigen dieser Romane verbreitete Annahme, die Illuminaten hätten bestimmte Symbole verwendet, um ihre Existenz für Eingeweihte und findige „Symbolologen“ erkennbar zu machen, darunter das Allsehende Auge, auch als Abschlussstein einer Pyramide (→ Siegel der Vereinigten Staaten), die Zahl 23 und Ambigramme. Keins dieser Symbole lässt sich jedoch historisch mit den Illuminaten in Verbindung bringen; sie benutzten nur ein Symbol für ihre „geheime Weisheitsschule“, nämlich die Eule der Minerva. Es erscheint auch wenig plausibel, dass eine international agierende Verschwörung, als die die Illuminaten oft bezeichnet werden, überall ihre Symbole hinterlassen würde.

Andere Medien[Bearbeiten]

Auf die Illuminaten wird oft auch in Filmen, Computerspielen und Musikstücken angespielt. Der hohe Bekanntheitsgrad ihres Namens durch Verschwörungstheorien, in denen sie zu einer sehr geheimen und sehr mächtigen Gruppe gemacht werden, prädestiniert sie immer wieder für die Rolle der mysteriösen Bedrohung. Populäre Beispiele sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1987, ISBN 3-486-54171-4.
  • Richard van Dülmen: Der Geheimbund der Illuminaten. Frommann-Holzboog, Stuttgart 1977, ISBN 3-7728-0674-0 (Textauszug online). In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. 36/1973, S. 793–833.
  • Karl-Heinz Göttert: Knigge oder von den Illusionen des anständigen Lebens. dtv, München 1995, ISBN 3-423-04672-4.
  • Stephan Gregory: Wissen und Geheimnis: Das Experiment des Illuminatenordens. Stroemfeld, Frankfurtam Main 2009, ISBN 978-3-86109-183-7.
  • Thomas Grüter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren. Scherz, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-502-15047-8.
  • Ludwig Hammermayer: Entwicklungslinien, Ergebnisse und Perspektiven neuerer Illuminatenforschung. In: Alois Schmid und Konrad Ackermann (Hrsg.): Staat und Verwaltung in Bayern. Festschrift für Wilhelm Volkert zum 75. Geburtstag. München 2003, S. 421–463.
  • Jochen Hoffmann: Bedeutung und Funktion des Illuminatenordens in Norddeutschland. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. 45/1982, S. 363–380.
  • Christoph Hippchen: Zwischen Verschwörung und Verbot. Der Illuminatenorden im Spiegel deutscher Publizistik (1776–1800). Böhlau, 1998, ISBN 3-412-04296-X.
  • Eugen Lennhoff: Politische Geheimbünde. Langen/Müller, München/ Wien 1968.
  • Reinhard Markner, Monika Neugebauer-Wölk, Hermann Schüttler: Die Korrespondenz des Illuminatenordens. Band 1: 1776–1781. Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-10881-9. Band 2: Januar 1782 – Juni 1783. De Gruyter, Berlin 2013. ISBN 978-3-11-029486-6.
  • Wilhelm Mensing: Der Illuminatismus auf dem Freimaurer-Konvent in Wilhelmsbad vom 14. 7. bis zum 1. 9. 1782. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. 41/1978, S. 271–292.
  • Walter Müller-Seidel, Wolfgang Riedel (Hrsg.): Die Weimarer Klassik und ihre Geheimbünde. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2528-8.
  • Helmut Reinalter (Hrsg.): Der Illuminatenorden (1776–1785/87). Ein politischer Geheimbund der Aufklärungszeit. Peter Lang, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-631-32227-5.
  • Jan Rachold (Hrsg.): Die Illuminaten. Quellen und Texte zur Aufklärungsideologie des Illuminatenordens (1776–1785). Akademie-Verlag, Berlin 1984.
  • Johannes Rogalla von Bieberstein: Die These von der Verschwörung 1776–1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung. 2., verbesserte und vermehrte Auflage. Peter Lang, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-261-01906-9.
  • Hans-Jürgen Schings: Die Brüder des Marquis Posa. Schiller und der Geheimbund der Illuminaten. Niemeyer-Verlag, Tübingen 1996, ISBN 3-484-10728-6.
  • Hermann Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens 1776–1787/93. Ars Una, München 1991, ISBN 3-89391-018-2.
  • Eberhard Weis: Der Illuminatenorden (1776–1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen seiner sozialen Zusammensetzung, seiner Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786. In: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften. Zur politischen Funktion und Sozialstruktur der Freimaurerlogen im 18. Jahrhundert. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1989, ISBN 3-486-54751-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Illuminati – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adam Weishaupt: Pythagoras: oder, Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungs-Kunst. 1. Band, 1.[-3.] Abschnitt. 1790; Volltext online; zitiert bei Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften. Marix-Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-006-4, S. 455.
  2. a b Jeffrey L. Pasley: Illuminati. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Band 1, ABC Clio, Santa Barbara 2003, ISBN 1-57607-812-4, S. 336.
  3. Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. Oldenbourg, München 1987, S. 73 f.
  4. Ludwig Hammermayer: Der Wilhelmsbader Freimaurer-Konvent von 1782. Ein Höhe- und Wendepunkt in der Geschichte der deutschen und europäischen Geheimgesellschaften. Heidelberg 1980, ISBN 3-7953-0721-X, S. 42 ff.
  5. Karl-Heinz Göttert: Knigge oder: Von den Illusionen des anständigen Lebens. München 1995, S. 59 f.
  6. W. Daniel Wilson: Geheimräte gegen Geheimbünde. Ein unbekanntes Kapitel der klassischromantischen Geschichte Weimars. Metzler, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-00778-2.
  7. Karl-Heinz Göttert: Knigge oder: Von den Illusionen des anständigen Lebens. München 1995, S. 66 f.
  8. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1700–1815, Band 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur Defensiven Modernisierung der Reformära. C.H. Beck, 4. Auflage. München 2007, ISBN 978-3-406-32261-7, S. 324.
  9. Andreas Kraus: Geschichte Bayerns. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 3. Auflage. München 2004, S. 350.
  10. Renate Endler: Zum Schicksal der Papiere von Johann Joachim Christoph Bode. In: Quatuor Coronati Jahrbuch 27/ 1990, S. 9–35.
  11. Hermann Schüttler (Hrsg.): Johann Joachim Christoph Bode: Journal von einer Reise von Weimar nach Frankreich im Jahr 1787. Ars Una, München 1994; Claus Werner: Le voyage de Bode à Paris en 1787 et le «complot maconnique». In: Annales historiques de la révolution française 55/ 1987, S. 432–445.
  12. Leopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens. Ein Beitrag zur Geschichte Bayerns. Hugo Bermühler, Berlin 1906, S. 79–86 (online auf Wikisource, Zugriff am 16. Februar 2013).
  13. Leopold Engel: Geschichte des Illuminatenordens. Ein Beitrag zur Geschichte Bayerns. Vorgeschichte, Gründung (1776), Beziehung zur Freimaurerei, Verfolgung durch die Jesuiten, Fortentwicklung bis zur Jetztzeit. Bermühler, Berlin 1906; Reprint: Faksimile-Verlag, Bremen 1985.
  14. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin Verlag, Salzburg 2010, ISBN 978-3-7110-5070-0, S. 80.
  15. Zitiert nach W. Daniel Wilson: Illuminatenorden: Die höheren Mysterien. In: Richard E. Schade (Hrsg.): Lessing Yearbook Xxv/ 1993. Wayne State University Press, 1994, ISBN 0-8143-2487-8, S. 174 ff.
  16. Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. Oldenbourg, München 1987, S. 106–119; Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Salzburg 2010, S. 76–80.
  17. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Salzburg 2010, S. 76 ff.
  18. Karl-Heinz Göttert: Knigge oder: Von den Illusionen des anständigen Lebens. München 1995, S. 51 f.; Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Salzburg 2010, S. 81 ff.
  19. Reinhart Koselleck: Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt. Suhrkamp, 11. Auflage. Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-27636-0, S. 76.
  20. Adam Weishaupt: Instruction für den ganzen Regentengrad (1781), zitiert nach Karl-Heinz Göttert: Knigge oder: Von den Illusionen des anständigen Lebens. München 1995, S. 54 f.
  21. Karl-Heinz Göttert: Knigge oder: Von den Illusionen des anständigen Lebens. München 1995, S. 59 f.
  22. Manfred Agethen: Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. Oldenbourg, München 1987.
  23. Franz Josef Burghardt: Der Geheimbund der Illuminaten. Köln 1988, S. 19 f. (online (PDF; 3,8 MB), Zugriff am 21. Februar 2013).
  24. Jürgen Roth, Kay Sokolowsky: Der Dolch im Gewande. Komplotte und Wahnvorstellungen aus zweitausend Jahren. KVV Konkret, Hamburg 1999, ISBN 3-930786-21-4.
  25. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Salzburg 2010, S. 81 und 86 f.
  26. John Robison: Ueber geheime Gesellschaften und deren Gefährlichkeit für Staat und Religion. Edingburgh, 3. Auflage. 1800 (deutsch übersetzt)
  27. a b Jeffrey L. Pasley: Illuminati. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Band 1, Santa Barbara 2003, S. 337.
  28. Claus Werner: Le voyage de Bode à Paris en 1787 et le «complot maconnique». In: Annales historiques de la révolution française. 55 (1987), S. 432–445.
  29. Klaus Epstein: The Genesis of German Conservatism. Princeton University Press, Princeton/ New Jersey 1966, Kapitel 10.
  30. Zitat (“any false, scandalous, and malicious writing against the government of the United States”) nach dem Gesetzestext auf constitution.org, Zugriff am 16. Februar 2013. Vernon Stauffer: New England and the Bavarian Illuminati. Columbia University Press, New York 1918, S. 229–320.
  31. Wolfgang Benz: Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-53613-7, S. 37.
  32. Nesta Webster: World Revolution. The Plot against Civilization, 1921; Artikel Illuminaten. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus 03: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. K.G. Saur, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-027878-1, S. 322.</ref.
  33. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 247 ff.; Jeffrey L. Pasley: Illuminati. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Band1, Santa Barbara 2003, S. 339..
  34. David Marley: Pat Robertson: An American Life. Rowman & Littlefield, 2007, ISBN 978-0-7425-5295-1, S. 174.
  35. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, 2006, ISBN 0-520-24812-0, S. 54.
  36. Artikel Jan Udo Holey. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus 02: Personen. K.G. Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 375.; Friedrich Paul Heller, Anton Maegerle: Die Sprache des Hasses: Rechtsextremismus und völkische Esoterik, Jan van Helsing, Horst Mahler. Schmetterling, 2001, ISBN 3-89657-091-9, S. 132 f.; Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 146–149.
  37. Illuminaten. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus 03: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. Berlin 2012, S. 323.
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