Illyrische Sprache

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Sprache der antiken Illyrer. Für den Begriff „Illyrische Sprache“ als veraltete Bezeichnung für neuzeitliche südslawische Sprachen siehe Illyrische Sprache (Neuzeit).
Illyrisch (†)
Zeitraum ca. 2000 v. Chr. - 600 n. Chr.

Ehemals gesprochen in

Illyrien (westlicher Teil der Balkanhalbinsel)
Linguistische
Klassifikation

Indogermanische Sprachen

  • Illyrisch
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

ine (sonstige Indogermanische Sprachen)

ISO 639-3:

xil

Illyrische Stämme in der Antike

Die illyrische Sprache wurde in der Antike vom Volk der Illyrer gesprochen und war ein eigenständiger Zweig der indogermanischen Sprachen. Das Verbreitungsgebiet deckte sich größtenteils mit der historischen Region Illyrien, die Messapier in Apulien (im heutigen Italien) sprachen möglicherweise ebenfalls einen illyrischen Dialekt.

Das Illyrische ist nur spärlich überliefert und kaum erforscht. Man kennt lediglich wenige Einzelwörter sowie einige Orts- und Personennamen, die vornehmlich auf Grab- oder Gebäudeinschriften überliefert sind. Die Einzelwörter kennt man aus griechischen und römischen Quellen, so zum Beispiel sabaia (bierartiges Getränk), sybina (Jagdspieß), mantia (Maulbeere), rhinos (Nebel, Wolken), brisa (Gefäß mit Trauben gefüllt), tertigio (Händler) und Bosona (laufendes Wasser). Auch viele Orts- und Personennamen sind über griechische und römische Quellen überliefert, so zum Beispiel die Königin Teuta, die Könige Agron, Genthios, Glaukias, Bardyllis und Monunios und illyrische Orte wie Amantia, Lychnidos, Byllis, Ulpiana und andere.

Bis heute ist es umstritten, ob und in welchem Umfang die albanische Sprache mit dem Illyrischen zusammenhängt. Ein solcher Zusammenhang wurde bereits von Johann Georg von Hahn in dessen 1845 erschienenen Buch Albanesische Studien angenommen. Die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Forschungen des 20. Jahrhunderts sprechen teilweise für und teilweise gegen diese Vermutung. Gemäß dem aktuellen Forschungsstand kann weder die Abstammungshypothese noch die gegenteilige Hypothese bewiesen werden.[1] Mehr dazu im Artikel Albanische Sprache.

Spuren[Bearbeiten]

Die illyrische Sprache hat kaum schriftliche Spuren hinterlassen und ist deswegen besonders spärlich überliefert. Es ist bisher noch kein ganzer illyrischer Satz gefunden worden; deswegen sind die einzigen Quellen eine Handvoll Wörter, die in griechischen und römischen Quellen überliefert worden sind. Außerdem sind mehrere Personennamen überliefert.

Über die illyrische Grammatik ist praktisch nichts bekannt; nur dass die indogermanischen Fälle erhalten gewesen sind, ist sicher.

Geschichte[Bearbeiten]

Die illyrischen Dialekte entstanden erstmals vermutlich um das 2. Jahrtausend v. Chr., vielleicht um 1300 v. Chr., als die mykenischen Zentren in Griechenland zusammenfielen. Die Sprache entwickelte sich ziemlich autochthon in ihren Regionen (Illyrien). Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. gründeten Griechen einzelne Kolonien auf dem Gebiet der Illyrer (z. B. Dyrrachium, Apollonia oder Lissus), seit diesem Jahrhundert beeinflusste die altgriechische Sprache die illyrische im Wortschatz. Im 1. Jahrhundert v. Chr. begann die Eroberung der illyrischen Gebiete durch die Römer, erstmals unter Caesar (Illyrisch-Römischer Krieg). Die weitere Geschichte der illyrischen Sprache ist nicht sicher geklärt. Nur unter der umstrittenen Annahme, dass das Albanische eine Tochtersprache des Illyrischen darstellt, lässt sich sicher festhalten, dass eine vollständige Romanisierung der illyrischen Sprache(n) nicht stattgefunden hat und auch die spätere slawische Einwanderung diese nicht verdrängen konnte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Krahe, Die Sprache der Illyrer, 2 Bände, 1955 u. 1964
  • Anton Mayer, Die Sprache der alten Illyrier, 2 Bände, 1957 u. 1959
  • Ivan Duridanov, Thrakisch, Dakisch, Illyrisch, in: Handbuch der Südosteuropa-Linguistik, hrsg. v. Uwe Hinrichs, 1999 (ISBN 3-447-03939-6), S. 733-759
  • The Cambridge encyclopedia of the World's ancient languages, ed. by Roger D. Woodard, 4. Aufl., 2005 (ISBN 0-521-56256-2), S. 12f

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matzinger, Joachim (2009): Die Albaner als Nachfahren der Illyrer aus Sicht der historischen Sprachwissenschaft, in: Schmitt, Jens (Hrsg.), Albanische Geschickte - Stand und Perspektiven der Forschung, Oldenbourg Verlag, S.13-36.