Ilse (Oker)

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Ilse
Verdeckte Ilse (Oberlauf); Kanal-Ilse (Unterlauf)
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Ilsetal mit Brocken (2012)

Ilsetal mit Brocken (2012)

Daten
Gewässerkennzahl DE: 4824
Lage Harz und Harzvorland; Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (Deutschland)
Flusssystem Weser
Abfluss über Oker → Aller → Weser → Nordsee
Quelle im Harz an der Heinrichshöhe
51° 47′ 15″ N, 10° 38′ 14″ O51.78743055555610.637222222222960
Quellhöhe ca. 960 m ü. NN[1]
Mündung bei Börßum in die Oker52.0691510.56973055555682Koordinaten: 52° 4′ 9″ N, 10° 34′ 11″ O
52° 4′ 9″ N, 10° 34′ 11″ O52.0691510.56973055555682
Mündungshöhe ca. 82 m ü. NN[1]
Höhenunterschied ca. 878 m
Länge 62 km[2]
Einzugsgebiet ca. 258 km²[3]
Abfluss am Pegel Hoppenstedt[4]
AEo: 160 km²
Lage: 11,3 km oberhalb der Mündung
NNQ (03.07.1954)
MNQ 1930-2007
MQ 1930-2007
Mq 1930-2007
MHQ 1930-2007
HHQ (18.07.2002)
30 l/s
258 l/s
1,2 m³/s
7,5 l/s km²
14,5 m³/s
50,1 m³/s
Linke Nebenflüsse Suenbeek, Kienbach, Ochsenbach, Nonnenbach, Stimmecke
Rechte Nebenflüsse Rammelsbach, Schneibekebach, Ellergraben, Wöhrengraben, Schiffgraben, Hasenbeeke
Kleinstädte Ilsenburg
Gemeinden Osterwieck, Veckenstedt, Wasserleben, Hornburg, Börßum
Winterliche Ilse in Ilsenburg; im Hintergrund die Krugbrücke

Die Ilse, im Oberlauf Verdeckte Ilse und im Unterlauf Kanal-Ilse genannt, ist ein 62 km langer, südöstlicher und orografisch rechtsseitiger Zufluss der Oker in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (Deutschland). Sie fließt im Harz und nördlichen Harzvorland.

Verlauf und Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Die Ilse entspringt im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz im Oberharz. Ihre Quelle liegt innerhalb des Naturparks Harz/Sachsen-Anhalt im Nationalpark Harz auf dem Osthang der Heinrichshöhe. Sie befindet sich nahe der Kreisstraße 1356 auf etwa 960 m ü. NHN.[1]

Anfangs fließt die Ilse durch das Tal zwischen der Heinrichshöhe und dem Brocken im Westen sowie dem östlichen RenneckenbergBrockenbett genannt. Nordnordöstlich des Brockens verläuft sie – abschnittsweise im Oberlauf für den Betrachter unsichtbar – als Verdeckte Ilse gurgelnd unter großen Felsblöcken, die als eiszeitlicher Blockstrom das Flussbett überdecken. Am Nordnordostfuß des Brocken, den sie östlich passiert, schneidet der Bach ein enges Tal in die Hochfläche des Harzes, in der sie eine Folge kleiner Kaskaden bildet, die als Ilsefälle bekannt sind und vom Heinrich-Heine-Weg begleitet werden.

Danach fließt die Ilse nach einem scharfen Rechtsknick für eine kurze Laufstrecke in einer Längstalung, die im Inneren des Harzes parallel zum Nordrand verläuft. Das dann wieder engere Ilsetal wird östlich vom schroffen, kreuzgekrönten Ilsestein überragt.

Nach Verlassen des Nationalparks Harz durchfließt die Ilse Ilsenburg, wo sie die Krugbrücke unterquert und im weiteren Verlauf unter der ehemaligen Kupferhütte im Tunnel geführt wird.[5] Unterhalb von Ilsenburg tritt sie in das Harzvorland ein und durchfließt oder passiert die Ortschaften Veckenstedt und Wasserleben, wo sie nach Aufnahme des von rechts zufließenden Schneibekebachs den Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt verlässt. Sie schwenkt bei Berßel nach Nordwesten, lässt den Großen Fallstein rechts liegen und folgt unterhalb von Osterwieck dem Verlauf des nordöstlich gelegenen Kleinen Fallstein. Hinter Hoppenstedt und Bühne nimmt sie bei Rimbeck die von links zufließende Stimmecke auf, die im Eckertal entspringt und auch aus der Ecker gespeist wird, und erreicht den niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel. Auf der Höhe von Willeckes Lust zweigt die Mühlen-Ilse nach Osten ab und durchfließt das heute noch zu besichtigende Wassermühlenbauwerk Hagenmühle im Ortskern von Hornburg.

Der andere Teil der Ilse passiert Hornburgs Ortskern westlich und heißt im Unterlauf Kanal-Ilse. In diese mündet der Zusammenfluss aus dem Schiffgraben-West, der durch das Große Bruch fließt, und der Mühlen-Ilse, die vorher den Zieselbach aufnimmt.

Westlich des niedersächsischen Börßum mündet die Ilse nach dem östlichen Zufluss der Hasenbeeke auf etwa 82 m ü. NHN in den Aller-Zufluss Oker.[1] Vor der Regulierung verlief die Ilse östlich der Oker und mündete erst vor dem historischen Okerübergang Ohrum bei Hedwigsburg. Südlich von Hedwigsburg ist noch ein Altarm mit der Bezeichnung Alte Ilse vorhanden.

Das Einzugsgebiet der Ilse ist etwa 258 km² groß. Die Ilse ist im Okereinzugsgebiet der östlichste Fluss aus dem Harz und grenzt das Einzugsgebiet der Weser von dem der Elbe ab.

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Die reichhaltigen Grundwasservorkommen im Dreieck aus Kanal-Ilse und Oker werden von der Salzgitter AG für die Trinkwasserversorgung Salzgitters und der Hüttenwerke genutzt. Insgesamt fördern im Grundwasserwerk Börßum-Heiningen 88 Brunnen über 22 Millionen Kubikmeter im Jahr durch 1,2 Meter dicke Betonrohrleitungen zum Aufbereitungswerk in Adersheim.[6]

Gewässerqualität[Bearbeiten]

Die Ilse wird hinsichtlich der Gewässerqualität und der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt überwacht, der sie in zwei geographische Abschnitte unterteilt: Von der Quelle bis zum Absturz in Ilsenburg (als Oberflächenwasserkörper mit der Nr. WESOW20-00) und weiter bis zur Mündung in die Oker in Niedersachsen (unter der OWK-Nr. WESOW21-00).[7]

Der 13 Kilometer lange Oberlauf wird im Datenblatt des Landesbetriebs von 2008 hinsichtlich der Strukturqualität zu mehr als 50 % mit „sehr gut“ bewertet, also als „überwiegend naturbelassen“. Die biologische Qualität und der chemische Zustand sind zwar „gut“, die Gesamteinstufung des Öko-Zustands erfolgt jedoch als „mäßig“, weil Orienterungsparameter für den Sauerstoffgehalt und den pH-Wert nicht eingehalten worden sind.

Der 49 Kilometer lange Abschnitt bis zur Mündung wird als erheblich veränderter Wasserkörper („HMWB“ - Heavy Modified Water Body) eingestuft, was auf Untertunnelungen, Begradigungen und Deichbauwerke zurückzuführen ist. Der biologisch-chemische Zustand erhält nur die Note „4“, was auf verminderte Sauerstoffwerte und überschrittene Phosphat-Werte (beispielsweise aus Düngemitteln) zurückzuführen ist. Das gesamte ökologische Potenzial wird mit „unbefriedigend“ angegeben.

Sage und Literatur[Bearbeiten]

Die Volkssage personifiziert die Ilse als schöne Prinzess Ilse, die im Felsen des Ilsesteins ihre Wohnstatt hat. Literarisch erwähnt wird der Fluss unter anderem in der Harzreise Heinrich Heines.

„Es ist unbeschreibbar, mit welcher Fröhlichkeit, Naivität und Anmut die Ilse sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, so daß das Wasser hier wild emporzischt und unten wieder über die kleinen Steine hintrippelt, wie ein munteres Mädchen. Ja, die Ilse ist eine Prinzessin, die lachend und blühend den Berg hinabläuft.“

Heinrich Heine: Die Harzreise

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Weser-Ems 2008. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, 2012, abgerufen am 7. Oktober 2012 (PDF, deutsch, 6184 KB).
  3. NLWKN:Gewässergütebericht Oker 2002, Braunschweig 2002
  4. Pegel: Hoppenstedt Auf: hochwasservorhersage.sachsen-anhalt.de
  5. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (heute NLWKN):Gewässergütebericht Oker 2002, S. 44, Braunschweig, 2002
  6. WEVG-Wasserwerke: Internetpräsenz Wasserwerke, (19. März 2013/3. März 2014)
  7. Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt:Gewässerbericht Oberflächengewässer 2005-2008 - tabellarischer Teil, S. 133 ff. WES_gesamt_web.pdf (9. Dezember 2013)