Ilse (Oker)
Die Ilse, im Oberlauf Verdeckte Ilse und im Unterlauf Kanal-Ilse genannt, ist ein 42,9 km langer, südöstlicher und orografisch rechtsseitiger Zufluss der Oker in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (Deutschland). Sie fließt im Harz und nördlichen Harzvorland.
Verlauf und Einzugsgebiet[Bearbeiten]
Die Ilse entspringt im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz im Oberharz. Ihre Quelle liegt innerhalb des Naturparks Harz/Sachsen-Anhalt im Nationalpark Harz auf dem Osthang der Heinrichshöhe. Sie befindet sich nahe der Kreisstraße 1356 auf etwa 960 m ü. NN[1].
Anfangs fließt die Ilse durch das Tal zwischen der Heinrichshöhe und dem Brocken im Westen sowie dem östlichen Renneckenberg – Brockenbett genannt. Nordnordöstlich des Brockens verläuft sie – abschnittsweise im Oberlauf für den Betrachter unsichtbar – als Verdeckte Ilse gurgelnd unter großen Felsblöcken, die als eiszeitlicher Blockstrom das Flussbett überdecken. Am Nordnordostfuß des Brocken, den sie östlich passiert, schneidet der Bach ein enges Tal in die Hochfläche des Harzes, in der sie eine Folge kleiner Kaskaden bildet, die als Ilsefälle bekannt sind und vom Heinrich-Heine-Weg begleitet werden.
Danach fließt die Ilse nach einem scharfen Rechtsknick für eine kurze Laufstrecke in einer Längstalung, die im Inneren des Harzes parallel zum Nordrand verläuft. Das dann wieder engere Ilsetal wird östlich vom schroffen, kreuzgekrönten Ilsestein überragt.
Nach Verlassen des Nationalparks Harz durchfließt die Ilse Ilsenburg, wo sie die Krugbrücke unterquert und im weiteren Verlauf unter der ehemaligen Kupferhütte im Tunnel geführt wird[4]. Dann tritt sie aus dem Harz in das Harzvorland ein und durchfließt oder passiert darin unter anderem Veckenstedt, Wasserleben, wo sie den Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt verlässt, Berßel, Osterwieck, Hoppenstedt, Bühne und das im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel gelegene Hornburg. Vor Hornburg auf der Höhe von Willeckes Lust zweigt die Mühlen-Ilse nach Osten ab und durchfließt das heute noch zu besichtigendes Wassermühlenbauwerk Hagenmühle im Ortskern.
Der andere Teil der Ilse heißt im Unterlauf Kanal-Ilse, in diese mündet der Zusammenfluss aus dem Schiffgraben-West, der durch das Große Bruch fließt, und der Mühlen-Ilse, die vorher den Zieselbach aufnimmt.
Die reichhaltigen Grundwasservorkommen im Dreieck aus Kanal-Ilse und Oker werden von der Salzgitter AG für die Trinkwasserversorgung Salzgitters und der Hüttenwerke genutzt. Insgesamt fördern im Grundwasserwerk Börßum-Heiningen 88 Brunnen über 22 Millionen Kubikmeter im Jahr durch 1,2 Meter dicke Betonrohrleitungen zum Aufbereitungswerk in Adersheim[5].
Westlich des niedersächsischen Börßum mündet die Ilse nach dem östlichen Zufluss der Hasenbeeke auf etwa 82 m ü. NN[1] in den Aller-Zufluss Oker. Vor der Regulierung verlief die Ilse östlich der Oker und mündete erst vor dem historischen Okerübergang Ohrum bei Hedwigsburg. Südlich von Hedwigsburg ist noch ein Altarm mit der Bezeichnung Alte Ilse vorhanden.
Das Einzugsgebiet der Ilse ist etwa 290 km² groß. Die Ilse ist im Okereinzugsgebiet der östlichste Fluss aus dem Harz und grenzt das Einzugsgebiet der Weser von dem der Elbe ab.
Sage und Literatur[Bearbeiten]
Die Volkssage personifiziert die Ilse als schöne Prinzess Ilse, die im Felsen des Ilsesteins ihre Wohnstatt hat. Literarisch erwähnt wird der Fluss unter anderem in der Harzreise Heinrich Heines.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b c d Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
- ↑ a b Bestandsaufnahme zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, Oberflächengewässer, Bearbeitungsgebiet Oker; Tab. 2
- ↑ Pegel: Hoppenstedt Auf: hochwasservorhersage.sachsen-anhalt.de
- ↑ Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (heute NLWKN):Gewässergütebericht Oker 2002, S. 44, Braunschweig, 2002
- ↑ WEVG-Wasserwerke: Internetpräsenz Wasserwerke, abgerufen am 19. März 2013