Ilse Dvorak-Stocker

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Ilse Dvorak-Stocker (* 19. Januar 1922 in Graz; † 9. April 2011 ebenda) war eine österreichische Verlegerin.

Leben[Bearbeiten]

Dvorak-Stocker wurde 1922 als Tochter des Grazer Verlegers Leopold Stocker und seiner sudetendeutschen Frau geboren.[1] Ihr Bruder fiel im Zweiten Weltkrieg.[1] Dvorak-Stocker studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz und wurde 1950 zum Dr. phil. promoviert.[2] Danach übernahm sie die geschäftsführende Leitung des Leopold Stocker Verlages von ihrem Vater und leitete ihn zunächst (bis 1972) gemeinsam mit ihrer Mutter Marianne Stocker.[1] 1995 übergab sie die Geschäfte an ihren Sohn Wolfgang Dvorak-Stocker.[3] Dvorak-Stocker war ab 1997 verwitwet und Mutter von zwei Kindern.[1]

Sie unterhielt gemeinsam mit ihrem Sohn Wolfgang nach Einschätzung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) enge Kontakte zur rechtsextremen Szene, wie u.a. die Annahme der Ulrich-von-Hutten-Medaille belegt.[4][5]

Ehrungen[Bearbeiten]

Auf Beschluss der Landesregierung vom 21. Oktober 1982 wurde Ilse Dvorak-Stocker mit dem Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark geehrt. Außerdem wurde ihr der Tiroler Adlerorden in Gold und das Goldene Ehrenzeichen der Landeshauptstadt Graz verliehen.[1] 1992 erhielt sie den Berufstitel „Professorin“.[2] Am 12. Dezember 1996 wurde sie zur Bürgerin der Stadt Graz ernannt.[2]

Im April 2002 wurde Ilse Dvorak-Stocker von der in München ansässigen Gesellschaft für freie Publizistik, laut Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, „die mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“[6], die Ulrich-von-Hutten-Medaille verliehen. Der rechtsextreme FPÖ-Politiker und Publizist Otto Scrinzi (1918–2012) sagte in seiner Laudatio:

„Sehr früh wandte man sich der Zeitgeschichte in bestem revisionistischen Geiste zu. Diese sich ständig ausweitende Sparte des Verlages erfreut sich natürlich des besonderen Zuspruches unseres Gesinnungskreises und sichert ihr unsere große Dankbarkeit. Mit ebenso viel Festigkeit wie Klugheit hat die Jubilarin das Schifflein des Verlages durch die Untiefen und Stürme einer hoffentlich bald endenden Epoche geleitet, in der Sondergesetze, Staatsanwälte und Gerichte über vorgebliche Wahrheiten und über 'gerichtsnotorische Fakten' mit Strafurteilen entscheiden.“[4]

Am 1. Juli 2002 wurde Dvorak-Stocker mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 50 Jahre Verlagsarbeit ein Rückblick. Leopold Stocker Verlag 1917–1967. Stocker, Graz u.a. 1967.

Literatur[Bearbeiten]

  • Nachruf auf Prof. Dr. phil. Ilse Dvorak‐Stocker, Verlagsinhaberin i.R., Sitzung des Gemeinderates vom 14. April 2011, S. 32–33.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Ilse Dvorak-Stocker verstorben. auf: landwirt.com, abgerufen am 24. November 2014.
  2. a b c Nachruf auf Prof. Dr. phil. Ilse Dvorak‐Stocker, Verlagsinhaberin i.R., Sitzung des Gemeinderates vom 14. April 2011, S. 32–33.
  3. Juden, Schafe, Apfelwein. In: profil, Nr. 10/10, 8. März 2010.
  4. a b DÖW: Stellungnahme des DÖW zum Leopold Stocker Verlag: Neues von ganz rechts – August 2004.
  5. Vgl. Gudrun Hentges: Staat und politische Bildung. Von der „Zentrale für Heimatdienst“ zur „Bundeszentrale für politische Bildung“. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-18670-2, S. 429.
  6. Innenministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2010. Stuttgart 2011, S. 203.
  7. Auszeichnungen und Berufstitel verliehen. In: Kleine Zeitung, 1. August 2002, S. 21.