Im Juli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Im Juli.
Originaltitel Im Juli.
Produktionsland Deutschland, Ungarn, Türkei
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2000
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Fatih Akın
Drehbuch Fatih Akın
Produktion Stefan Schubert
Ralph Schwingel
Musik Alex Menck
Ulrich Kodjo Wendt
Kamera Pierre Aïm
Schnitt Andrew Bird
Besetzung

Im Juli ist ein Roadmovie von Regisseur Fatih Akın aus dem Jahr 2000 mit Moritz Bleibtreu und Christiane Paul. Der Film spielt unter anderem während der Sonnenfinsternis von 1999. Der Untertitel auf dem Filmplakat lautete im herz im bauch im juli.

Handlung[Bearbeiten]

Der etwas weltfremde, aus Hamburg stammende Lehramtsreferendar Daniel trifft als Anhalter „irgendwo in Bulgarien“ auf einer Landstraße auf einen deutsch-türkischen Autofahrer, der am Wegesrand angehalten hat, um die Sonnenfinsternis zu beobachten. Als Daniel ihn während des Versuchs, den unangenehmen Geruch einer Leiche in seinem Kofferraum mit Raumspray zu übertünchen, anspricht, ob er ihn mitnehmen könne, erschrickt der Autofahrer und nimmt die Flucht auf, bei der er Daniel anfährt und dieser benommen zu Boden geht. Der Unfallfahrer namens Isa wendet, da er befürchtet, Daniel getötet zu haben, und legt ihn auf den Rücksitz. Nachdem Daniel erwacht und Isa nötigt, ihn ein Stück als Anhalter mitzunehmen, bittet Isa seinen Mitfahrer die Geschichte zu erzählen, die ihn an diesen abgelegenen Ort in Bulgarien gebracht hat.

Daraufhin berichtet Daniel in einer Rückblende von den Ereignissen.

Daniel trifft zu Beginn der Sommerferien die alternative Schmuckverkäuferin Juli, die ihm einen Maya-Ring mit einem Sonnensymbol aufschwatzt. Dieser soll ihn im Zeichen der Sonne zur Frau seines Lebens führen. Da Juli sich in Daniel verliebt hat und ein Pendant zu diesem Ring als Tätowierung auf ihrem Rücken trägt, gibt sie ihm auch noch eine Einladung zu einer Party – in der Hoffnung, ihn dort zu treffen.

Daniel ist neugierig geworden, besucht die Party und begegnet dort Melek, die ein großes Sonnensymbol auf ihrem T-Shirt trägt. Daniel ist überzeugt, dass sie die Frau seines Lebens sein soll, und sie kommen ins Gespräch. Da Melek auf der Durchreise ist und zufälligerweise noch eine Unterkunft für die Nacht sucht, bietet Daniel an sie zu einer Jugendherberge zu fahren, doch zuvor zeigt er ihr den Elbestrand und sie verbringen den Abend an einem Lagerfeuer. Da es spät geworden ist nimmt Daniel Melek zu sich nach Hause mit, wo sie auch ziemlich bald an seiner Schulter einschläft.

Daniel und Melek verlassen die Party in dem Augenblick, als Juli mit einem Kleid mit Sonnensymbol eintrifft, die die beiden gerade noch weggehen sieht. Enttäuscht will sie die Stadt verlassen und stellt sich am nächsten Tag als Anhalterin an die Autobahn, um dem Zufall zu überlassen, wohin sie reisen wird.

Wie es der Zufall will, ist Daniel der Erste, der hält. Nachdem er Melek tags zuvor zum Flughafen gebracht hat, hat er den Entschluss gefasst, ihr mit dem Auto nach Istanbul zu folgen, da er weiß, dass sie ein paar Tage später um 12 Uhr unter der Brücke am Bosporus sein wird. Juli steigt nach kurzem Zögern in das altersschwache Auto ein, das Daniel sich von seinem Nachbarn geliehen hat. So beginnt eine lange und aufregende Reise quer durch Südosteuropa.

In Bayern gibt die Kühlung ihres Wagens auf, so dass sie in einer Pension in einem Zimmer und einem Bett übernachten müssen. Allerdings verläuft diese Nacht für Juli nicht so, wie sie sich das erhofft hat, da Daniel auf ihren Annäherungsversuch nicht reagiert und einschläft. Am nächsten Tag beschließen sie per Anhalter weiter zu reisen. Dabei kommt es zu Meinungsverschiedenheiten über die Reiseroute. Juli möchte über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach Istanbul reisen, Daniel aber lieber die Fähre von Italien aus nehmen. Nachdem Juli Daniel eingesteht das sie kein Geld für die Fähre hat, reagiert dieser abweisend. Doch bevor es zu einem Streit kommt, nimmt der Lastwagenfahrer Leo sie bis zu einem Donauhafen bei Wien mit. In einer Gaststätte versucht Leo, Julis Gunst zu gewinnen, wird aber von ihr abgewiesen, da sie in Daniel verliebt ist. Leo akzeptiert zwar Julis Absage, will aber Daniels Bereitschaft um Juli zu kämpfen auf die Probe stellen und provoziert eine Schlägerei mit Daniel, indem er Juli gegenüber einen sexuellen Übergriff fingiert. Juli und Daniel flüchten und steigen auf einen Lastkahn um, der sie über die Donau zum Schwarzen Meer bringen soll. Unfreiwillig trennen sich Daniels und Julis Wege, als Daniel aufgrund eines Missverständnisses von der Crew des Lastkahns von Bord geworfen wird. Kurz darauf wird er als Anhalter von Luna, einer geheimnisvollen Jugoslawin, nach Budapest mitgenommen. Als Daniel aufgrund der Sprachbarriere zwischen ihnen mit Händen und Füßen gestikuliert, dass er gerne etwas essen möchte, bringt diese ihn in einen skurrilen Club. Dort mischt Luna ihm Drogen in ein Getränk und entwendet mit Hilfe des befreundeten Clubbesitzers Doyen nicht nur seinen Maya-Ring, sondern auch die Brieftasche mitsamt seines Geldes und Reisepasses.

Am folgenden Tag erwacht Daniel außerhalb der Stadt auf einem Feld zwischen Strohballen und lässt sich von einem Bauern zurück nach Budapest bringen. Hier trifft er an einem Marktstand erneut auf Luna, die gerade versucht, seinen Ring an einen Händler zu verkaufen. Daniel entreißt ihr den Ring und kann nach einer Verfolgungsjagd quer über den Markt und durch die Stadt, nach Lunas Festnahme durch die Polizei, ihren blauen Kleinbus in seinen Besitz bringen. Mit dem Fahrzeug macht er sich auf den Weg zur ungarisch-rumänischen Grenze. An der Grenze angekommen sieht er sich vor dem Problem, dass er seinen Reisepass nach dem Diebstahl nicht mehr mit sich führt. Auf der anderen Seite der Grenzschranke taucht Juli auf. Mit ihrer Hilfe kann er den Grenzposten passieren, da die beiden den Grenzern gegenüber behaupten, sie seien verheiratet. Der Grenzer, der das falsche Spiel durchschaut, lässt Daniel die Grenze überqueren, allerdings lässt er sich dafür bestechen und behält als „Hochzeitsgeschenk“ den gestohlenen Kleinbus zurück.

An der nächsten Tankstelle stehlen Juli und Daniel ein Auto, das sie quer durch Rumänien bis zum vermeintlichen Grenzfluss nach Bulgarien bringt. Bei Daniels Versuch, mit dem Wagen über den Fluss zu springen, versenkt er das Fahrzeug. Daraufhin entbrennt ein Streit zwischen Daniel und Juli. Daniel behauptet, Juli würde seinen Versuch sabotieren, rechtzeitig in Istanbul anzukommen, um dort Melek zu treffen. In der Nacht schleicht sich Juli davon, um sich per Anhalter auf eigene Faust nach Istanbul zu begeben. Als Daniel auf freiem Feld aufwacht und feststellt, dass er allein ist, begibt er sich ebenfalls zur nahe liegenden Landstraße und wird Zeuge der Sonnenfinsternis.

Dort trifft er auf Isa.

Daniel setzt seine Reise mit Isas Hilfe zur bulgarisch-türkischen Grenze fort. Erst an der Grenze erfährt Isa, dass Daniels Reisepass gestohlen wurde. Bei der daraufhin durchgeführten Fahrzeugkontrolle des Grenzbeamten wird die Leiche in Isas Kofferraum entdeckt. Daraufhin werden sowohl Isa als auch Daniel inhaftiert. Als Isa zur Vernehmung geführt wird, gelingt Daniel die Flucht. Isa erklärt im Verhör, er habe seinen sich illegal in Deutschland aufhaltenden Onkel nach dessen Herzversagen zur Beisetzung bis in die Türkei geschmuggelt, da eine offizielle Überführung nicht möglich war. Mit dieser Tat gewinnt Isa den Respekt der Polizisten. Isa ruft aus dem Gefängnis seine Freundin Melek an, um sich die Geburtsurkunde seines verstorbenen Onkels zur Entlastung bringen zu lassen.

Unterdessen setzt Daniel seine Reise nach Istanbul per Reisebus fort. Bei einem kurzen Aufenthalt in einer Raststätte begegnet er Melek, die auf dem Weg zur Grenze ist, und erkennt, dass diese Isas Freundin ist. Da ihm klar wird, dass er etwas für Juli empfindet und hofft, sie in Istanbul zu finden, fährt er weiter. Als er in Istanbul angekommen ist, sucht er die Brücke über den Bosporus auf und trifft dort auf Juli, die er mit ihren eigenen Worten begrüßt:

„Meine Herzallerliebste, ich bin tausende von Meilen gegangen, ich habe Flüsse überquert, Berge versetzt. Ich habe gelitten und ich habe Qualen über mich ergehen lassen. Ich bin der Versuchung widerstanden und ich bin der Sonne gefolgt, um Dir gegenüber stehen zu können und Dir zu sagen: Ich liebe Dich.“

Auf ihrer weiteren Reise in den Süden der Türkei treffen sie auf Isa und Melek, von denen sie als Anhalter mitgenommen werden. Als Juli in den Fond des Wagens einsteigt, erblickt Daniel die Tätowierung der Sonne auf Julis Rücken und erkennt in ihr die Frau seines Lebens.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film wurde in Hamburg, Budapest und Istanbul gedreht.[1] Das Budget des Films wurde auf 5 Millionen D-Mark geschätzt.[2] Im Juli kam am 9. März 2000 im Verleih von Senator Film in die deutschen Kinos.[3] In der Schweiz wurde er ab dem 21. September 2000 gezeigt.[4] In den USA war der Film erstmals am 3. November 2000 beim Los Angeles Festival of German Cinema zu sehen.[4] Es folgten weitere Vorführungen bei diversen Filmfestivals, darunter am 9. Februar 2001 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin.[4] In der Türkei wurde der Film ab dem 11. Juli 2003 gezeigt.[4] Mit 541.399 Besuchern im Jahr 2000 wurde ein Umsatz von 6.173.099 D-Mark erzielt.[3] Damit war Im Juli der zehnterfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2000.[3] An den deutschen Kinokassen wurden knapp 580.000 Besucher gezählt.[2] Am 8. Mai 2008 wurde der Film in Deutschland von Euro Video mit einer FSK-12-Freigabe veröffentlicht.

Der Teil des Films, bei dem Daniel und Juli durch Rumänien reisen, wird nur durch das Einblenden von Fotos dargestellt, da das Filmteam in Rumänien keine Drehgenehmigung erhielt.[5] Der Regisseur Fatih Akın hat einen Cameo-Auftritt als Zöllner an der rumänischen Grenze und sein Bruder Cem als türkischer Grenzbeamter.[5] Selim Özdoğan hat mit Im Juli einen gleichnamigen Roman geschrieben, der die Handlung des Films aus der Sicht von Juli erzählt. In einer surrealen Szene singen Juli und Daniel, nachdem sie auf einem Donauschiff einen Joint geteilt haben, den Song Blue Moon, der in eine Version der Cowboy Junkies übergeht. Ursprünglich war Friday I'm In Love von The Cure für das Duett vorgesehen, doch die Kosten für die Rechte waren zu hoch und das Drehbuch wurde im letzten Moment umgeschrieben. Juli liebt deshalb überraschenderweise Oldies.[5] Daniels Liebeserklärung wird in leicht veränderter Form im Song „Pardon Prinzessin“ der Band NTS zitiert. Die Schule, die zu Beginn des Films gezeigt wird, wurde von Fatih Akın in seiner Jugend besucht.[5]

Rezeption[Bearbeiten]

Der film-dienst (17/2000) sieht in dem Spielfilm eine „ereignisreiche, ausgesprochen unterhaltsame Mischung aus Road Movie und Liebeskomödie mit prägnanten darstellerischen Leistungen und einem ebenso reizvollen wie spielerisch-souveränen Einsatz explizit filmischer Mittel“.[6]

Die Videowoche beurteilt den Film als „romantisch-spritziges Road Movie. Angelegt als klassische Verwechslungskomödie, entwickelt sich die Story zwar in altbewährter Manier, überrascht dabei jedoch immer wieder mit unerwarteten Wendungen und witzigen Action-Sequenzen.“[7]

„Im Juli“ ist laut Blickpunkt Film „ein wunderbares Filmmärchen“.[8]

„Ein kleiner Film mit großem Gefühl – so schön und aufregend wie die Liebe“, wertete Cinema.[9]

Laut epd Film 9/2000 handelt es sich bei dem Film um „… eine grandiose Wundertüte voll Kitsch und Poesie, Klamauk und Melodram, großen Gesten und schönen Details“.[10]

Das Internetportal filmszene urteilte: „Fatih Akins eigener kleiner Auftritt als rumänischer Grenzbeamter: »No Pasaport, no Romania«. Sensationell. Weitere Regieideen sind kleine, aber unschätzbare Ornamente in einem sonst eher soliden Film.“[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Deutscher Filmpreis 2001 an Moritz Bleibtreu in der Kategorie Bester Darsteller
  • Jupiter 2001
    • an Fatih Akın in der Kategorie Bester deutscher Regisseur
    • an Moritz Bleibtreu in der Kategorie Bester deutscher Darsteller
  • Tromsø International Film Festival Publikumspreis an Fatih Akin in der Kategorie Beste Regie[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internet Movie Database: Drehorte
  2. a b Internet Movie Database: Budget und Einspielergbenisse
  3. a b c Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 2001. Heyne-Verlag, München 2001. Seite 631
  4. a b c d Internet Movie Database: Starttermine
  5. a b c d Internet Movie Database: Hintergrundinformationen
  6. film-dienst, 17/2000
  7. Videowoche
  8. Blickpunkt Film
  9. Cinema
  10. epd Film 9/2000
  11. filmszeneVorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatR. Leurs: Im Juli. In: filmszene. Abgerufen am 21. Januar 2009.
  12. Internet Movie Database: Nominierungen und Auszeichnungen