Im Nebel (Gedicht)

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Im Nebel ist ein Gedicht von Hermann Hesse aus dem Jahr 1908.

Inhalt[Bearbeiten]

„Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.“

Das Gedicht beginnt mit den folgenden bekannten Versen:

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

In diesem Gedicht schildert das lyrische Ich seine Gedanken einer einsamen Nebel-Wanderung.

Kommentar[Bearbeiten]

Das Gedicht, das Hesse schon 1905 verfasste, erschien erst drei Jahre später im Gedichtband Unterwegs. Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit je vier Verszeilen und einem Kreuzreim a-b-a-b. Auffällig ist die Ähnlichkeit der Anfangsstrophe mit der letzten Strophe.

Über die Stimmung entscheidet schon der erste Vers („Seltsam, im Nebel zu wandern!“), der zur Bekräftigung am Anfang der letzten Strophe wiederholt wird. Diese Aussage wird durch ein Ausrufezeichen noch verstärkt. Die vierte Strophe fasst den Sinn zusammen: „Leben ist Einsamsein“.

Der Germanist Walter Hinck gesteht in seiner Interpretation dieses Gedichts, welche starke Wirkung es in jüngeren Jahren auf ihn ausgeübt hatte:

Es war im Grunde nur der Anfangsvers, der, wie gewisse Melodien, durch Assoziationen herbeigerufen wurde. Als ich später das Gedicht wieder als Ganzes las, mehrfach und mit voller Konzentration, schlugen auch einige kritische Alarmglocken.[1]

In dem Gedicht teilt ein weise gewordener Mensch der Welt seine Erkenntnis in Form einer Sentenz mit: „Leben ist Einsamsein“. Dabei muss man bedenken, dass Hesse bei der Veröffentlichung dieses Gedichts noch keine 30 Jahre alt war.

Vertonungen[Bearbeiten]

Das Gedicht wurde über hundertmal vertont, u. a. von Georg Wolfsohn (1913), Joseph Haas (1925), Felix Wolfes (1941), Victor Fenigstein (1944), Othmar Schoeck (1952), Otto Jochum (1953?), Gottfried von Einem (1974), Fried Walter (1977), Bertold Hummel (1978), Uwe Strübing (1989), Krzysztof Penderecki (2005) sowie von der Band Die Toten Hosen (2009 auf der Single Ertrinken und 2012 auf dem Jubiläumsalbum Die Geister die wir riefen) und der Band Leichenwetter (2005 auf dem Album Letzte Worte) ebenso in abgewandelter Form von der Musikgruppe Pur (auf ihrem ersten Album von 1983 Opus1).

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Hinck: Stationen der deutschen Lyrik. Von Luther bis in die Gegenwart — 100 Gedichte mit Interpretationen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-20810-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Hinck: Stationen der deutschen Lyrik

Weblinks[Bearbeiten]