Imhoff (Patrizier)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen der Imhoff

Die Imhoff (auch: Imhof) sind eine der ältesten Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg mit Zweigen in der Reichsstadt Augsburg und anderen Städten, erstmals urkundlich erwähnt im 13. Jahrhundert. Die Nürnberger Imhoff waren ab 1402, mit kurzen Unterbrechungen, bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1806 im "Inneren Rat" vertreten, gehörten nach dem "Tanzstatut" zu den neuen[1] ratsfähigen Geschlechtern und waren Mitglieder der Reichsritterschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Geschlecht stammt aus Lauingen in Schwaben und ist ab Mitte des 13. Jahrhunderts mit der Stammreihe mit Hans im Hof (* um 1260, † 1341), Mitglied des Rats der Stadt Lauingen, belegt. Ulrich im Hof war Ritter und tritt 1316 als Ministeriale des Bischofs von Augsburg, sowie 1333 und 1342 urkundlich bei Lauingen auf. Im 14. Jahrhundert kam die Familie nach Nürnberg, um ab 1350 der Angehörige rats- und gerichtsfähigen Geschlechtern der Stadt als Mitglieder des Stadtrates, und in weitere hohe Ämter anzugehören. Der Begründer der Nürnberger Linie, Hans II., war mit Reichslehen belehnt. Sein Bruder Heinrich war der Stammvater der weitverzweigten schwäbischen Linie, die im 16. Jahrhundert erlosch.[2]

Imhoff-Madonna in St. Lorenz (Nürnberg); Epitaphbild von Christian Imhoff († 1466) für seine Frau Margarethe geb. Thürler († 1449)

Zu Wohlstand kamen die Imhoff durch den Fernhandel da sie von Lauingen aus die Märkte und Messen in Frankfurt, Köln, Straßburg, die Oberpfalz und Böhmen belieferten. Die Nürnberger „Imhoffsche Handelsgesellschaft“ wird erstmals 1381 im Handel zwischen Venedig, Nürnberg und Osteuropa erwähnt. Sie arbeitete wie die Groß, Mendel, Pfinzing und die Pirckheimer eng mit der Stromerschen Handelsgesellschaft zusammen, von deren Konkurs sie partizipierte und 1430 als einer der Vorteilsnehmer hervorging. 1441/48 erwarben die Imhoff den Anteil der Handelskammer der Mendel im „Fondaco dei Tedeschi“ in Venedig. Seit dieser Zeit war die Imhoffsche Handelsgesellschaft eine der großen Handelsfirmen Europas. Ihr Handelssortiment war sehr umfangreich und umfasste vor allem Gewürze, Farben, Edelmetalle, Seide und Seidenwaren, Leinwand und andere Tuche, Weine, Montanprodukte, Rauchwaren, Leder und Häute, Waffen und die Nürnberger Handwerksprodukte.

Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konzentrierte sich die Imhoffsche Handelsgesellschaft auf die Handelsplätze Westeuropas und begann, sich in Geldgeschäften, im sächsischen Silberbergbau sowie im schlesischen Goldbergbau zu engagieren. Zu den alten Niederlassungen in Venedig, Salzburg, Linz, Prag, Brünn und Olmütz bauten sie neue Handelsfilialen in Neapel, Aquila, Messina, Lyon, Saragossa, Lissabon, Antwerpen und Amsterdam auf. Der Handel mit Safran begann gegenüber dem angestammten Warensortiment zu dominieren. 1510 gründeten die Imhoff eine Faktorei zum Absatz des italienischen Safrans in Bari. Mit den Nürnberger Welser schlossen sie ein Einkaufskartell.

1505/06 beteiligten sich drei Imhoff, die Hirschvogel und die Welser in Form einer Expedition an der ersten Handelsfahrt oberdeutscher Kaufleute nach Indien. Unter der Leitung von Andreas (Endres) I. Imhoff (1491–1579) wurde die daraufhin folgende Umorientierung vom reinen Ost- und Orienthandel zum überwiegenden West- und Überseehandel abgeschlossen.

Ab 1540 engagierten sich die Imhoff verstärkt in Geldgeschäften, vor allem mit Krediten an die französische, portugiesische und spanische Krone sowie an die Herzöge von Bayern. Um 1565 erreichte die Imhoffsche Handelsgesellschaft ihre größte Ausdehnung. Das Handelsnetz umspannte den Raum Lübeck, Krakau, Prag, Venedig, Aquila, Lissabon, Antwerpen und Amsterdam. Obwohl auch im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert der Handel mit Safran noch eine herausragende Rolle spielte, engagierten sich die Imhoff stark im mitteldeutschen Kupfergeschäft (Gräfenthaler Saigerhandel).

Während bereits viele Patrizierfamilien nichts mehr von ihrer Herkunft als Handelsleute wissen wollten und sich darauf beschränkten, „adelig zu sein“ oder ihre Grundherrschaft auszuüben, blieben die Imhoff im 17. Jahrhundert, zusammen mit der Tucherschen Handelsgesellschaft - seit dem frühen 16. Jahrhundert einer der größten Konkurrenten im Safranhandel -, die letzte in größerem Umfang aktive Handelsgesellschaft des Nürnberger Patriziats.

Der Nürnberger Kaufmann Andreas (Endres) I. Imhoff war ab 1564 vorderster Losunger (Verwalter der städtischen Steuern[3]) und ab 1571 Reichsschultheiß. Nur die von ihm begründete Linie blieb dauerhaft mit Nürnberg und Franken verbunden. Seine Nachkommen saßen bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Nürnberger Rat und bekleideten im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach das Amt des Reichsschultheißen. 1815 in den einfachen bayerischen Adel immatrikuliert, wurden sie 1871 in den Freiherrenstand erhoben.

Andreas Lazarus Imhoff († 1704) wurde kurpfälzischer Geheimer Rat und schrieb den historischen Bildersaal, der nach seinem Tod noch lange fortgesetzt und auch ins Französische übersetzt wurde. Jakob Wilhelm Imhoff († 1728) war ein bedeutender Genealoge. Er bearbeitete 1684 unter anderem die Notitia S. R. I. G. Procerum. Johann Baptist Imhoff zu Untermeitingen, Geheimer Rat des Bischofs von Augsburg, wurde von Kaiser Leopold I. 1685 in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

Hieronymus Imhoff, geboren 1606 in Nürnberg, starb 1668 als Hofrat des Herzogs August von Braunschweig. Seine drei Söhne, die in herzoglich-braunschweigischen und in fürstlich-ostfriesischen Diensten standen, erlangten ebenfalls von Kaiser Leopold I. 1679 den Reichsfreiherrenstand.

Ein weiterer Hieronymus Imhoff, kurmainzischer und fürstlich-bambergischer Rat, Stadtpfleger zu Vilseck, erhielt von Kaiser Leopold die Erlaubnis, sich Imhoff von Mörlach zu nennen, da er die Hofmark Mörlach in Pfalz-Neuburg seit mehr als 40 Jahren besaß. Außerdem wurde ihm gestattet, sein Wappen mit dem des erloschenen reichsritterlichen Geschlechts der Imhoff zu St. Johannis aus Oberfranken zu vermehren. Leopold Alois von Imhoff auf Spielberg und Oberschweinbach wurde 1781 von Kaiser Joseph II. und sein Bruder Joseph Adrian, Stadtpfleger in Augsburg, vom bayerischen König Maximilian I. 1814 in den Freiherrenstand erhoben.

Das Geschlecht blühte am Anfang des 20. Jahrhunderts noch in sieben Hauptlinien.

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten]

In und um Nürnberg herum hatten die Imhoff hatten große Besitzungen. Ihr Nürnberger Stammhaus lag in der Nähe der Lorenzkirche und ihr Handelshaus, das Imhoffhaus, am Egidienplatz 25/27 (Direkt neben dem Pellerhaus). Als weiteren Besitz hatten sie unter anderem:

  • ????-???? das Imhoffsche Haus in der Tucherstraße 20,
  • 1376/78–1404 Schwarzenbruck,
  • ????–1497 den Dietherrschen Herrensitz in Erlenstegen
  • 1441–???? das Gehöft Trebgast (heute: St. Johannis in Bayreuth) [4]
  • 1449–1543/1736–1834 Flaschenhof
  • 1502–1588 das Burgfriedschlösschen in Sündersbühl
  • 1515–???? die Großweidenmühle
  • 1544–1871 das Schlossgut Untermeitingen [5][6] - Augsburger Linie
  • 1547–1750 das Imhoffschloss in Almoshof (Irrhainstraße 8)
  • 1553–1607 Schloss Malmsbach bei Schwaig
  • 1561–1572 den Herrensitz Enzendorf bei Hartenstein
  • 1566–1660 die Gleißhammermühle mit Schloss (heute: Zeltnerschloss)
  • 1595–1825 die Hofmark Günzlhofen
  • 1597–1728 das Schübelsberg Schlösschen
  • 1600–1640 Spielberg und Oberschweinbach
  • 1609–1677 das Pellerschloss in Fischbach
  • 1621–1802 den Herrensitz Oberveilhof
  • 1625–???? das Schloss Mörlach bei Hilpoltstein
  • 1625–1754 die Stephansmühle und Schloss in Hofstetten bei Roth
  • 1666–1796 den Herrensitz und die Ortschaft Ziegelstein
  • 1666–1801 das Hallerschloss in Mögeldorf
  • 1677–1680 einen Herrensitz in Steinbühl
  • 1685–17?? das Baderschloss in Mögeldorf
  • 1699–1709 der Herrensitz in Laufamholz (Moritzbergstraße 50)
  • 1716–1763 das Imhoffschlösschen in Kalchreuth
  • 1763–1937 Schloss Hohenstein bei Coburg
  • 1781–1833 das Imhoffschlösschen in Erlenstegen
  • ????–???? Geisslinghof (?)
  • ????-heute Schloss Remlingen (Unterfranken)
  • Grundbesitz in Höfen und in Helmstadt bei Würzburg.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Rot das Vorderteil eines goldenen Löwen mit einem rückwärts nach oben gebogenen Fischschwanz (ein so genannter Seelöwe) und einer gespreizten linken Pranke. Auf dem Helm ist der Seelöwe wie auf dem Schild, hier mit roter Zunge. Die Helmdecken sind rot-golden.

Historische Wappenbilder[Bearbeiten]

Weitere bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten]

Johan Gregor van der Schardt: Büste des Nürnberger Patriziers Willibald Imhoff d. Ä., Nürnberg 1570
Gustaaf Willem van Imhoff (1705–1750), Generalgouverneur von Niederländisch-Indien, um 1743

Stiftungen (Auszug)[Bearbeiten]

  • Der Imhoffaltar in der Lorenzkirche (Konrad Imhoff, um 1418)
  • Der Rochusaltar in der Lorenzkirche (1483)
  • Das Sakramentshaus in der Lorenzkirche (Hans IV Imhoff, um 1493)
  • Die Imhoffkapelle (später: Holzschuherkapelle) auf dem Johannisfriedhof (Peter Imhoff, um 1514)
  • Altar in der Johanniskirche (Peter Imhoff, um 1517)
  • Der Johannesaltar in der Lorenzkirche (um 1521)
  • Die Rochuskapelle auf dem Rochusfriedhof (Konrad Imhoff, um 1521)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Faktisch gehörten sie damit zu den ältesten ratsfähigen Geschlechtern, denn als "neu" wurden sie nur eingeordnet, weil sie "erst" um 1350 (aber vor 1385) kooptiert wurden.
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser A Band X, Band 65 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag Limburg a. d. Lahn 1977, S. 142, sowie dass., Adelslexikon Band V, Band 84 der Gesamtreihe (1984), S. 447
  3. Glossar Deutsch-Neuhochdeutsch, uni-hamburg.de. Abgerufen am 30. Dezember 2013.
  4. Imhoff zu Altentrebgast auf'n Hoff
  5. Die Imhoff in Untermeitingen
  6. Schloss Untermeitingen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Imhoff (Patrizier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien