Imidazol

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Strukturformel
Strukturformel von Imidazol
Allgemeines
Name Imidazol
Andere Namen
  • 1,3-Diazol
  • 1,3-Diaza-2,4-cyclopentadien
  • Glyoxalin
  • Imutex
Summenformel C3H4N2
CAS-Nummer 288-32-4
PubChem 795
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle [1]

Eigenschaften
Molare Masse 68,08 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,03 g·cm−3 [1]

Schmelzpunkt

90–91 °C [1]

Siedepunkt

257 °C [1]

pKs-Wert

6,95 (pKb, 25 °C) [2]

Löslichkeit

gut löslich in Wasser (633 g·l−1 bei 20 °C), Ethanol, Chloroform, Diethylether und Pyridin [1]

Brechungsindex

1,4801 (101 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
05 – Ätzend 07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​314​‐​361d
P: 280​‐​301+330+331​‐​305+351+338​‐​309​‐​310 [5]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Ätzend
Ätzend
(C)
R- und S-Sätze R: 22​‐​34
S: 22​‐​26​‐​36/37/39​‐​45
Toxikologische Daten
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

49,8 kJ/mol[9]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Imidazol ist eine fünfgliedrige heterocyclische aromatische organische Verbindung mit zwei Stickstoffatomen. Es reagiert basisch und ist Bestandteil der Seitenkette der Aminosäure Histidin.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Heinrich Debus stellte Imidazol 1858 erstmals her durch Reaktion von Glyoxal (Ethandial) mit Ammoniak NH3, daher stammt der veraltete Name Glyoxalin.[10]

Heute kann es nach der Radziszewski-Synthese durch Kondensation aus 1,2-Diketon, Ammoniak und einem Aldehyd dargestellt werden.

In neuerer Zeit sind weitere Wege der Synthese von Imidazolen und Benzimidazolen beschrieben worden.[11]

Eigenschaften und Toxikologie[Bearbeiten]

Imidazol bildet farblose Kristalle, die sich gut in Wasser lösen. Der Heterocyclus besitzt sowohl basische als auch saure Eigenschaften und ist daher ein Ampholyt. Auf Warmblüter wirkt Imidazol mit LD50-Werten zwischen 220 (Ratte)[7] und 880 mg/kg Körpergewicht (Maus)[8] mäßig toxisch; bei niederen Tieren besitzt es als Antimetabolit des Histidins und der Nicotinsäure eine deutlich höhere Giftigkeit und wird daher als Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Imidazol dient hauptsächlich als Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedener Medikamente, insbesondere von Fungiziden des Azoltyps, z. B. Clotrimazol. Weiterhin findet es Verwendung bei der Aushärtung bestimmter Kunststoffe.

Ebenfalls verwendet man Imidazol als Puffersubstanz beim Karl-Fischer-Verfahren zur Wasserbestimmung. Eugen Scholz entwickelte 1984 das pyridinfreie Karl-Fischer-Reagenz mit Imidazol als Base. Dieses Reagenz ersetzt nicht nur das giftige und übelriechende Pyridin, es ermöglicht auch eine schnellere und genauere Titration, da Imidazol in einem günstigeren pH-Bereich puffert als Pyridin. Die Untersuchungen von Scholz zur Stöchiometrie zeigten auch, dass Methanol (Lösemittel und gleichzeitig an der Reaktion beteiligt) durch andere Alkohole ersetzt werden kann, z. B. Ethanol, 2-Propanol oder Methoxyethanol, die die Titerstabilität des Reagenzes verbesserten. Aufgrund dieser Erkenntnisse ergab sich folgende Reaktionsgleichung für die Karl-Fischer-Reaktion:

\mathrm {\ ROH + SO_2 + RN \longrightarrow (RNH)\cdot (SO_3R)}
\mathrm {\ (RNH)\cdot (SO_3R) + I_2 + H_2O + 2 \ RN \longrightarrow} \ \mathrm {\ (RNH)\cdot (SO_4R) + 2\ (RNH)\cdot I}

In der Biochemie wird Imidazol zur Elution von Proteinen verwendet, die mit einem Histidin-Tag (mehrere aufeinanderfolgende Histidine) versehen sind. Dabei werden die Proteine an einer Metallionenchelat-Matrix (IMAC) wie z. B. Ni2+-NTA gebunden und durch hohe Konzentrationen von Imidazol wieder von der Säule ausgewaschen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Imidazol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 20. Juni 2014.
  2. Eintrag zu Imidazol in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)
  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-300.
  4. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 288-32-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  5. Eintrag zu Imidazol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Feb. 2008 (JavaScript erforderlich)
  6. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7. a b c Przeglad Epidemiologiczny. Vol. 67, Pg. 295, 1993.
  8. a b Deutsche Patentoffenlegungsschrift. Vol. #3046325
  9. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-23.
  10. a b Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle, Verlag Helvetica Chimica Acta, 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 483
  11. Imidazole Synthesis

Siehe auch[Bearbeiten]