Immensee (Storm)

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Immensee ist eine Novelle, die der norddeutsche Schriftsteller Theodor Storm im Jahre 1849 verfasste. Sie wurde erstmals 1849 im von Karl Leonhard Biernatzki (1815–1899) herausgegebenen Volksbuch auf das Jahr 1850 veröffentlicht. Eine zweite Fassung erschien 1851 in einer Sammlung mit dem Titel Sommergeschichten und Lieder.

Inhalt[Bearbeiten]

Wilhelm Hasemann: Szene aus Immensee

In der Novelle erinnert sich ein älterer Herr an seine unerfüllte Kinder- und Jugendliebe.

Die Hauptpersonen Reinhard Werner und Elisabeth (ohne Nachname) sind schon vom Kindesalter an eng befreundet. Der fünf Jahre ältere Reinhard begeistert Elisabeth durch Märchen, die er für sie auf Zettel schreibt. Außerdem besitzt er einen Pergamentband, in dem er seine Erlebnisse in Gedichten festhält, ohne dass Elisabeth davon weiß.

Schon in diesen jungen Jahren ist Reinhard sich bewusst, dass er sein Leben mit Elisabeth teilen möchte. Daran ändern auch eine neue Schule und neue Jungenfreundschaften nichts.

Als Reinhard siebzehn Jahre alt ist, rückt für ihn der Moment der Trennung von Elisabeth immer näher, weil er zur Ausbildung fortgehen muss. Kurz vor seiner Abreise verspricht er ihr, er werde weiterhin Märchen für sie verfassen, die er ihr dann mit den Briefen an seine Mutter schicken werde. Das freut sie sehr, denn sie kann sich eine Zeit ohne Reinhard nicht vorstellen. Am Tag vor seiner Abreise versammelt sich eine große Gesellschaft, um von Reinhard Abschied zu nehmen. Sie verbringen den ganzen Tag zusammen. Als Reinhard wieder nach Hause zurückkehrt, verfasst er sogleich wieder ein Gedicht, das er in seinen Pergamentband schreibt, welcher schon zur Hälfte gefüllt ist.

Bald ist Weihnachtsabend. Reinhard verbringt seine Zeit mit anderen Studenten im Ratskeller, in dem er seine Aufmerksamkeit einem Mädchen widmet, das dort zusammen mit einem Geiger Zither spielt. Das Mädchen singt auch für ihn, obwohl es sich anfangs ziert. Er zieht jedoch den Zorn des Mädchens auf sich, weil er wegen einer ihm überbrachten Nachricht rasch nach Hause eilt. Dort findet er ein Paket vor. Aufgeregt betrachtet er den Inhalt. Neben Kuchen und persönlichen Dingen sind es Briefe von Elisabeth und seiner Mutter. Elisabeth beklagt sich in ihrem Brief, der Vogel, den Reinhard ihr geschenkt hatte, sei tot. Sie wirft ihm außerdem vor, er sende ihr keine Märchen mehr. Er ist überwältigt vom Verlangen, wieder in seine Heimat zurückzukehren und verfasst sogleich, nach einem Spaziergang, Briefe an Elisabeth und seine Mutter, wobei er jedoch vorher die Hälfte seines Kuchens an ein Bettlermädchen verschenkt.

Zu Ostern kehrt Reinhard zurück. Zwischen ihn und Elisabeth ist jedoch etwas Fremdes getreten. Während seiner Abwesenheit hat sein alter Schulfreund Erich einen Hof des Vaters am Immensee übernommen. Erich hat Elisabeth einen neuen Vogel geschenkt. Reinhard vertraut ihr sein Pergamentbuch an und verunsichert Elisabeth durch die vielen ihr gewidmeten Verse sehr. Sie reicht ihm das Buch, auf sein Bitten hin, mit dessen Lieblingskraut zurück. Kurz vor der Abreise holt Reinhard bei Elisabeth das Versprechen ein, dass sie ihn auch nach seiner bevorstehenden zweijährigen Abwesenheit noch lieb haben werde. Er verlässt sie mit einem Geheimnis, das er bei seiner Rückkehr lüften werde. Nach zwei Jahren ohne jeglichen Briefverkehr zwischen den beiden teilt Reinhards Mutter ihm mit, Erich und Elisabeth seien verlobt, nachdem Elisabeth Erichs Antrag zuvor zwei Mal abgelehnt habe.

Jahre später folgt der Protagonist einer Einladung Erichs an den Immensee, ohne dass Elisabeth und ihre Mutter davon wissen. Elisabeth ist über die Ankunft Reinhards erfreut. Dieser hat im Laufe der Jahre Reime und Lieder zusammengestellt, und so wird er gebeten, einige seiner neuen Volkslieder vorzustellen. Es wird schon Abend, als er einige Verse eines Liebesdramas vorträgt. Verstört verlässt Elisabeth die kleine Gesellschaft. Bald darauf macht sich auch Reinhard auf den Weg zum See, wo er versucht, schwimmend eine Wasserlilie weit draußen auf dem See zu erreichen.

Am darauf folgenden Nachmittag unternimmt er in Elisabeths Begleitung einen Spaziergang auf der anderen Seite des Sees. Die Entdeckung der Erika, einer Wasserlilie, und die dazugegebenen Worte Reinhards über die verlorene Jugend, treiben Elisabeth die Tränen in die Augen. Schweigend fahren sie mit dem Boot zurück. Reinhard kann nach der Ankunft auf dem Hof seine Gedanken nicht ordnen. Er beschließt, einen Brief zu hinterlassen und in der Morgendämmerung aufzubrechen, doch Elisabeth überrascht ihn. Sie ahnt sein Vorhaben und die Absicht, nie wieder zurückzukehren. Er löst sich von ihr, tritt hinaus und entfernt sich vom Hof.

In der späten Abenddämmerung erblickt der Alte vor dem inneren Auge noch einmal die Wasserlilie auf dem See, die nah und unerreichbar scheint. Er erinnert sich an seine Jugend und vertieft sich wieder in seine Studien.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Immensee – Quellen und Volltexte

Notizen[Bearbeiten]

  1. In seinen Novellen zeigt sich Storm als ein Autor, der den Wandel in der sozialen Institution 'Familie' thematisiert. In "Immensee" und Viola Tricolor (Storm) werden die Verhaltensmuster der Protagonisten untersucht, auch mit Hilfe der Sozialpsychologie