Immobilienwirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Immobilienwirtschaft ist ein Wirtschaftszweig, der sich mit der Entwicklung, Produktion, Bewirtschaftung und Vermarktung von Immobilien beschäftigt. Der Immobilienmarkt ist ein Markt (im mikroökonomischen Sinne) mit speziellen Eigenschaften; ein wichtiger Teilmarkt ist der Wohnungsmarkt.

Bedeutung der Immobilienwirtschaft[Bearbeiten]

Die Bedeutung der Wohnungs- und Immobilienbranche lässt sich am Anlagevermögen verdeutlichen. Das Bruttoanlagevermögen von „Grundstücks- und Wohnungswesen“ betrug 2011 rund 6,9 Bio. Euro, etwa die Hälfte des gesamten Bruttoanlagevermögens.[1] Das Nettoanlagevermögen betrug 4,4 Bio. Euro, ebenfalls etwa die Hälfte des gesamten Nettoanlagevermögens.

Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft trägt in erheblichem Maße zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung bei. Gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung erreichte der Wirtschaftszweig des „Grundstücks- und Wohnungswesens“ 2012 einen Anteil von 10 %. Das sind rund 264 Mrd. Euro.[1]

Zweige der Immobilienwirtschaft[Bearbeiten]

Hinsichtlich der Art der Immobilien kann die Immobilienwirtschaft in folgende Zweige unterteilt werden:

  • Grundstückswirtschaft: Erschließung und Vermarktung von Grundstücken
  • Wohnungswirtschaft: Bau, Finanzierung, Bewirtschaftung und Vermarktung von Wohnimmobilien, des Weiteren wird zwischen öffentlich gefördertem Wohnungsbau und frei finanziertem Wohnungsbau unterschieden
  • Gewerbliche Immobilienwirtschaft: Bau, Finanzierung, Bewirtschaftung und Vermarktung von Gewerbeimmobilien
  • Betriebliche Immobilienwirtschaft: Kauf, Anmietung, Bau, Finanzierung, Nutzung, Bewirtschaftung, Verwertung von Betriebsimmobilien

Aufgaben und Akteure in der Immobilienwirtschaft[Bearbeiten]

Betrachtet man die Aufgaben bzw. Funktionen rund um Immobilien, so lassen sich verschiedene Akteure unterscheiden:

  • Funktionsbereich Grunderwerb: privater Eigentümer, Eigentümergemeinschaft, kommunaler Eigentümer, institutioneller Eigentümer
  • Funktionsbereich Planung und Genehmigung: Stadtplaner, Kommunen, Bauaufsicht, Architekten, Bauingenieure, Haustechniker, Projektsteuerer, Facility-Manager
  • Funktionsbereich Erstellung: Bauträger, Bauindustrie, Bauhandwerk, Bauproduktehersteller
  • Funktionsbereich Bewirtschaftung: Vermittlung (Makler), Vermietung und Verwaltung, Instandhaltung/Modernisierung, Versorgung/Entsorgung, Reinigung/Sicherung, Facility-Manager
  • Funktionsbereich Entsorgung: Abrissunternehmen, Baustoffrecycler, Deponiebetreiber, Entsorgungsunternehmen
  • Funktionsbereich Finanzierung: Geschäftsbanken, Hypothekenbanken, Versicherungen, Bausparkassen, Immobilienfonds, Öffentliche Hand, Privatpersonen

Kernbereich der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft[Bearbeiten]

Als Kernbereich der Immobilienwirtschaft kann die Bewirtschaftung und Finanzierung von Immobilien gelten. Die dazugehörigen Aufgaben zuzüglich der Steuerungsfunktionen bei Planung/Genehmigung und Erstellung/Bau in Immobilienprojekten sind Kernfunktionen von Immobilienunternehmen.

Der Kernbereich der Bewirtschaftung und Finanzierung von Immobilien wird oft auch zusammenfassend als Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bezeichnet, die auf Wohnimmobilien einschl. Grundstücke ausgerichtete Bewirtschaftung, Finanzierung und Vermarktung als Grundstücks- und Wohnungswirtschaft.

Zu den Akteuren, die im Kernbereich der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft tätig sind, zählen vor allem:

Berufe in der Immobilienwirtschaft[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Zu den Berufen in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft gehören nach Angabe der Arbeitsagentur, BerufeNet beispielsweise:

Ausbildungsberufe
Assistent - Gebäudeservice, Immobilienassistent, Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft bzw. Immobilienkaufmann (neue Ausbildungsordnung 2006), Wirtschaftskaufmann - Wohnungswirtschaft
Weiterbildungsberufe, Sonderfachkräfte und Spezialisierungen
Betriebswirt (staatl. gepr.) - Grundst.- und Wohnungsw., Betriebswirt (staatl. gepr.) - Wohnungsw. Realkredit, MCR (Master of Corporate Real Estate von CoreNet Global), Corporate Real Estate Manager (IREBS), Dipl.-Immobilienökonom (ADI), Immobilienökonom (EBS), Dipl.-Sachverständiger - Immobilien, Fachkaufmann - Verwaltung von Wohnungseigentum, Fachmann - Gebäudebewirtschaftung, Fachwirt - Facility Management, Fachwirt - Grundstücks- u. Wohnungswirtschaft, Facility-Manager, Hausverwalter, Immobilien-Ökonom (WBS), Immobilien-Ökonom (GdW), Immobilienfachwirt, Immobilienwirt, Immobilienmakler, Kommunal. Gebäudewirt, Leiter Ferienanlage - Eigentumsferienhäuser/-wohnungen, Service-Manager
Berufe, die ein Studium voraussetzen (Universität/Hochschule, Fachhochschule, Berufsakademie,...)
Dipl.-Betriebswirt (FH oder Uni) - Diplom-Wirtschaftsingenieur (Immobilie) (FH oder Uni) - Bachelor of Arts oder Engineering - Master of Arts oder Engineering

Kommunikation[Bearbeiten]

Für die Branche haben sich mittlerweile verschiedene Fachforen als zentrale Kommunikationsorte herausgebildet. Hier ist jedoch zu unterscheiden zwischen Foren deren Zielgruppe hauptsächlich nichtgewerbliche Marktteilnehmer sind, d. h. private Mieter und Vermieter, Käufer und Verkäufer sowie Miet- und Kaufinteressenten und denjenigen Foren, die sich ausschließlich an rein gewerbliche Marktteilnehmer richten.

Die ersteren basieren in der Regel auf öffentlich gehaltenen Webforen und kreisen inhaltlich fast ausschließlich um die Themenbereiche Mieten und Kaufen von Wohnimmobilien. Auf Grund der meist fehlenden Registrierungsverpflichtung bzw. der Zulässigkeit, mit Nicknamen auftreten zu können, ist die fachlich-inhaltliche Qualität dieser Foren eher als gering einzuschätzen.

Bei den Branchenforen, die sich ausschließlich an gewerbliche Branchenteilnehmer richten, hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt, dass nur eine Handvoll Plattformen dazu in der Lage war, den Bedürfnissen der Fachteilnehmer zu entsprechen, so dass der Markt für Branchenforen im Immobiliensektor sehr überschaubar ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Alda, Joachim Hirschner: Projektentwicklung in der Immobilienwirtschaft, Grundlagen für die Praxis. 4. Auflage. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-1514-9.
  • Michael Birkner, Lutz D. Bornemann: Rechnungswesen der Immobilienwirtschaft. 7. Auflage. Hammonia-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87292-345-5.
  • Kerry-U. Brauer: Grundlagen der Immobilienwirtschaft. 8. Auflage. Gabler Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-658-01657-9.
  • Lieselotte Steveling, Annegret Buch: FOCUSSING ON REAL ESTATE: Englisch für die Immobilienwirtschaft. 2. Auflage. Hammonia Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87292-254-0.
  • Claus J. Diederichs: Führungswissen für Bau- und Immobilienfachleute: Bauwirtschaft, Unternehmensführung, Immobilienmanagement, Privates Baurecht. 1. Auflage. Springer Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-540-65655-3.
  • Thomas Glatte: The Importance of Corporate Real Estate Management in overall Corporate Strategies Whitepaper. Academia.edu, Atlanta, Georgia/USA 2013.
  • Hanspeter Gondring: Immobilienwirtschaft, Studienbuch für Studium und Praxis. 3. Auflage. Vahlen Verlag, München 2013, ISBN 978-3-8006-4572-5.
  • Helmut W. Jenkis: Kompendium der Wohnungswirtschaft. erg. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2001, ISBN 3-486-25688-2.
  • Stephan Kippes, Erwin Sailer (Hrsg.): Immobilienmanagement: Handbuch für die professionelle Immobilienbetreuung und Vermögensverwaltung. 1. Auflage. Boorberg, München 2005, ISBN 3-415-03407-0.
  • Alexander May, Friedrich Eschenbaum, Oliver Breitenstein: Projektentwicklung im CRE-Management: Leitfaden zur Ausschöpfung von Wertsteigerungs- und Kostensenkungspauschalen im Flächenmanagement. reprint 1. Auflage. Springer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-642-47641-4.
  • Steffen Metzner: Immobiliencontrolling. 1. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2002, ISBN 3-8311-4366-8.
  • Egon Murfeld (Hrsg.): Spezielle Betriebswirtschaftslehre der Immobilienwirtschaft. 6. Auflage. Hammonia-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-87292-316-5.
  • Andreas Pfnür: Modernes Immobilienmanagement. 3. Auflage. Springer Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-540-79467-7.
  • Nico Rottke, Dieter Rebitzer (Hrsg.): Handbuch Real Estate Private Equity. 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2006, ISBN 3-89984-150-6.
  • Nico Rottke (Hrsg.): Handbook Real Estate Capital Markets. 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-89984-165-7.
  • Nico Rottke (Hrsg.): Ökonomie versus Ökologie: Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft? 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-89984-199-2.
  • Nico Rottke, Matthias Thomas (Hrsg.): Immobilienwirtschaftslehre Band I: Management. 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-89984-208-1.
  • Nico Rottke, Michael Voigtländer (Hrsg.): Immobilienwirtschaftslehre Band II: Ökonomie. 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-89984-235-7.
  • Erwin Sailer, Hans-Eberhard Langemaack: Kompendium der Immobilienberufe. 11. Auflage. Boorberg, München 2008, ISBN 978-3-415-04009-0.
  • Karl-Werner Schulte, Stephan Bone-Winkel (Hrsg.): Handbuch Immobilien-Projektentwicklung. 3. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-89984-167-1.
  • Karl-Werner Schulte, Stephan Bone-Winkel, Matthias Thomas (Hrsg.): Handbuch Immobilien-Investition. 2. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2005, ISBN 3-89984-121-2.
  • Karl-Werner Schulte: Immobilienökonomie. Band 1: Betriebswirtschaftliche Grundlagen. überarb. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008, ISBN 978-3-486-58397-7.
  • Christian Striebel: Basel II - Direkte und indirekte Auswirkungen auf die Finanzierung der Immobilienwirtschaft. GRIN Verlag, München 2008, ISBN 978-3-638-92405-4.
  • Martin Wernecke, Nico Rottke (Hrsg.): Praxishandbuch Immobilienzyklen. 1. Auflage. Immobilien Manager Verlag, Köln 2006, ISBN 3-89984-142-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt 2012: Fachserie 18 Reihe 1.4, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Inlandsproduktsberechnung, Detaillierte Jahresergebnisse

Weblinks[Bearbeiten]