Immram Brain

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Immram Brain ['imrav branʴ] („Brans Seefahrt“) ist der Titel einer Reise-Erzählung (immram[1]) aus dem Beginn des 8. Jahrhunderts. Sie ist die älteste erhaltene dieser Literaturgattung. Im verschollenen Lebor Dromma Snechta („Das Buch von Druim Snechta“) ist diese Erzählung, laut Hinweisen in jüngeren Manuskripten, erstmals aufgezeichnet worden. Das Werk ist zum Teil in Prosa, zum Teil in Versen abgefasst, in ihm werden christliche und vorchristliche Vorstellungen miteinander verbunden.

Inhalt[Bearbeiten]

Bran mac Febail [bran mak 'fʴevilʴ] („Bran, Febals Sohn“)[2] bekommt auf seiner Burg den Besuch einer mystischen Frau aus der Anderen Welt, die mit einem silbernen Zweig wunderbare Musik ertönen lässt. Sie erzählt, dass dieser Zweig vom Apfelbaum im Land Emain Ablach stammt, der paradiesischen Insel im Ozean. Nach ihrem Verschwinden rüstet Bran ein Boot aus und macht sich mit dreimal neun Begleitern (Zahlenmystik) auf die Suche nach der Insel. Am dritten Tag begegnet ihnen Manannan mac Lír, der Bran von der Geburt seines Sohnes erzählt (Compert Mongáin) und sie zu einer Welt der immerwährenden Fröhlichkeit weist. Dort kann Bran allerdings nichts über seinen weiteren Reiseweg erfahren, da alle Bewohner immerzu nur lachen und auch ein von ihm ausgesandter Bote bleibt schließlich lachend auf der Insel zurück. Später landen sie am Ufer einer Insel, die nur von Frauen bewohnt wird und auf der sie viele Jahre glücklich leben - diese Zeit kommt ihnen allerdings wie ein einziges Jahr vor.

Brans Gefährte Nechtan mac Collbran bekommt jedoch unstillbares Heimweh und überredet ihn zur Rückreise. Von der Inselkönigin werden sie davor gewarnt, Irlands Erde je wieder mit dem Fuße zu betreten. Doch Nechtans Sehnsucht nach der Heimat ist so groß, dass er das Verbot vergisst und nach der Ankunft sofort aus dem Boot an Land springt, wo er sogleich zu Staub zerfällt. Bran und seine anderen Gefährten bleiben im Boot, Bran erzählt den am Strand versammelten Iren seine Abenteuer und sie fahren wieder auf den Ozean hinaus.[3]

Textaufbau[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den ausführlichen und phantasievollen Texten anderer immrama („Reiseerzählungen“) ist Immram Brain im Prosateil eher schlicht verfasst. Den eigentlichen Hauptpunkt bilden zwei jeweils 28 Strophen lange Gedichte. Im ersten schildert die mystische Frau das verheißene Land, wobei hier von den Autoren einige christliche Gedanken eingefügt wurden. Das zweite Poem überliefert Manannan mac Lírs Deutung des Meeres als Blumenebene mit vielen Tieren und den Weg zur „Insel der Frauen“. Diese beiden Gedichte sind vermutlich der archaische, wenn auch verfremdete Kern der Erzählung und die Prosa eine später hinzugefügte Rahmenhandlung.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 844.
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 682.
  3. a b Wolfgang Meid: Die Kelten. S. 194 f.