Imparitätsprinzip

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Das Imparitätsprinzip im weiteren Sinne besagt, dass bei bestimmten Sachverhalten negative Erfolgsbestandteile zu einem früheren Zeitpunkt erfasst werden als positive Erfolgsbestandteile (lat. „impar“: „ungleich“). Die Ungleichbehandlung bezieht sich auf den Zeitpunkt der erfolgswirksamen Erfassung. Dadurch werden die der Bilanzierung immanenten Unsicherheiten bewältigt. Ein Normensystem ist umso konservativer, je stärker das Imparitätsprinzip ausgeprägt ist.

Das Imparitätsprinzip bewirkt, dass in der Bilanz stille Reserven gebildet oder aufgelöst werden.

Deutsches Bilanzrecht[Bearbeiten]

Das Imparitätsprinzip im engeren Sinne ist im deutschen Bilanzrecht neben dem Realisationsprinzip und dem Nominalwertprinzip eine der Konkretisierungen des Vorsichtsprinzips. Im Gegensatz zu Gewinnen, die erst bei Realisation ausgewiesen werden dürfen, müssen Verluste bereits dann ausgewiesen werden, wenn sie zu erwarten sind. Über den Grundsatz der Maßgeblichkeit findet das Imparitätsprinzip Eingang in die steuerrechtliche Bilanzierung.

§ 252 Abs. 1 Nr. 4 1. Halbsatz HGB: „namentlich sind alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, zu berücksichtigen, selbst wenn diese erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekanntgeworden sind.“

Konkretisiert wird das Imparitätsprinzip durch verschiedene ergänzende Vorschriften, wie zum Beispiel durch das Niederstwertprinzip in § 253 Abs. 1 und 3 HGB und durch Teile der Vorschriften zur Bildung von Rückstellungen in § 249 HGB.

Um dem für die Bilanzierung nach deutschem Handelsgesetzbuch maßgeblichen Gläubigerschutzgedanken gerecht zu werden, sollen Verluste antizipiert werden, sie sollen also so früh wie möglich als Aufwand den Gewinn des Unternehmens mindern, um zu hohe Gewinnausschüttungen zu vermeiden. Es soll sichergestellt werden, dass genug finanzielle Mittel im Unternehmen verbleiben, dass die absehbaren Verluste verkraftet werden können. Durch das Nebeneinander von Realisationsprinzip und Imparitätsprinzip kommt es zu einer gewollten Ungleichbehandlung von Gewinnen und Verlusten.

Beispiele:

  1. Am 1. Januar 2008 kauft ein Unternehmen Aktien (mit Spekulationsabsicht) zu insgesamt 100 € (Anschaffungskosten). Am 31. Dezember 2008 (Bilanzstichtag) beträgt der Kurswert 120 €. Das Realisationsprinzip verbietet eine Bewertung zu einem die ursprünglichen Anschaffungskosten übersteigenden Marktwert. Am 31. Dezember 2009 beträgt der Kurswert nur noch 80 €. Wegen des Imparitätsprinzips (und weil die Aktien im Umlaufvermögen sind - strenges Niederstwertprinzip) muss zwingend auf 80 € abgewertet werden.
  2. Am 1. Dezember 2008 schließt ein Unternehmen einen Vertrag über die Lieferung (im Januar 09) eines Gegenstandes (auf Lager, Buchwert: 100 €) ab, der vereinbarte Kaufpreis beträgt 200 €. Auch wenn der Kunde einen rechtlich bindenden Kaufvertrag abgeschlossen hat, darf das Unternehmen den Gewinn zum 31. Dezember 2008 noch nicht verbuchen. Wenn dagegen das Unternehmen den Gegenstand erst noch beschaffen muss und ein unerwarteter Preisanstieg die Einkaufskosten für das Unternehmen auf 250 € treibt, so ist der zu erwartende Verlust in Höhe von 50 € bereits vor Lieferung in der Bilanz zum 31. Dezember 2008 auszuweisen.

Andere Normensysteme[Bearbeiten]

Österreichisches UGB[Bearbeiten]

Die einschlägigen Bestimmungen des UGB entsprechen jenen des deutschen HGB.

IFRS[Bearbeiten]

Ein dem deutschen Imparitätsprinzip entsprechender Rechnungslegungsgrundsatz ist in den IFRS bzw. dem Rahmenkonzept derselben nicht kodifiziert. Dennoch sehen viele Einzelvorschriften eine imparitätische Erfolgsabgrenzung vor (zwingend oder als Wahlrecht). Beispiele: Die dem deutschen Niederstwertprinzip weitgehend entsprechende Bilanzierung des Vorratsvermögens (IAS 2); die erfolgsneutrale Buchung von Wertsteigerungen am ruhenden Vermögen bei gleichzeitiger erfolgswirksamer Abschreibung (Revaluation Model gemäß IAS 16, IAS 38); Möglichkeit der Bildung von Drohverlustrückstellungen. De facto existiert somit auch in den IFRS ein Imparitätsprinzip, wenngleich dieses weniger stark ausgeprägt ist als im HGB.

US-GAAP[Bearbeiten]

Auch die US-GAAP sehen trotz der fehlenden Kodifizierung als Rechnungslegungsgrundsatz in vielen Fällen eine imparitätische Erfolgsabgrenzung zwingend vor.

Siehe auch: Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

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