Implementation Intentions

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Implementation Intentions sind eine Strategie zur Selbstregulation, die in Form eines Wenn-dann-Plans erfolgen ("Wenn Situation X auftritt, werde ich das Verhalten Y tun"), und die zu besseren Zielerreichung führen können. Sie sind der Zielintention untergeordnet, da es das Wann und Wo eines zielgerichtetes Verhalten spezifiziert. Der Begriff „Implementation Intentions“ wurde von dem Psychologen Peter M. Gollwitzer eingeführt[1]. Studien haben gezeigt[2], dass Wenn-dann-Pläne den Menschen helfen, ihr Ziele in Angriff zu nehmen und dazu beitragen, dass der Prozess sich im Laufe der Zeit automatisiert.

Konzept[Bearbeiten]

Grundsätzlich geht Gollwitzer davon aus, dass Menschen im Allgemeinen gute Absichten und Vorsätze haben und sich auch dem entsprechende Ziele stecken, letztlich jedoch häufig daran scheitern, diese dann auch in die Tat umzusetzen.[3] Dabei stellt sich die zentrale Frage, wie die getroffenen Vorsätze zuverlässiger zu einem zielgerichteten Verhalten und zum tatsächlichen Erreichen dieser Ziele führen können.

Jede Zielverwirklichung erfordert in der Regel auch ein entsprechend zielgerichtetes Verhalten. Dabei gibt es allerdings ganz verschiedene Gründe, warum dieses Verhalten oft nicht erfolgreich ist. So haben Menschen oft bereits Schwierigkeiten damit zu beginnen, das gewünschte Verhalten an den Tag zu legen, oder sie lassen sich nur all zu leicht auf halber Strecke vom Ziel ablenken. Für die Startschwierigkeiten können bereits bestehende Ablenkungen verantwortlich sein, oder aber auch die Tatsache, dass sich bestimmte Möglichkeiten für zielgerichtetes Verhalten nur für die Dauer kurzer Zeitfenster eröffnen. Das Problem des nicht Durchhaltens und Aufgebens der Pläne stellt sich vor allem bei langfristigen Zielsetzungen, die keine unmittelbaren Effekte mit sich bringen und oft mit einem hohen persönlichen Aufwand und Einbußen verbunden sind (z.B. gesunde Ernährung).

Für beide der genannten Probleme stellen Implementation Intentions eine vielversprechende und nützliche Auswegsmöglichkeit dar. Die getroffenen Wenn-dann-Pläne benennen das Ziel nicht in seiner unspezifischen Form (z. B.: “Ich will x erreichen…”), sondern verknüpfen eine bestimmte kritische Situation mit einem entsprechend gewünschten zielgerichteten Verhalten (“Wenn x eintritt, werde ich Verhalten y zeigen…”), und führen so zu einem Automatisierungsprozess.

Durch den konkreten Plan bezüglich einer bestimmten Situation wird diese mental repräsentiert und aktiviert, was dann eine bessere Wahrnehmung davon nachsichzieht, und so mehr Aufmerksamkeit und ein Erkennen der kritischen Situation zur Folge hat. Der “dann”-Teil des Plans, also das zielgerichtete Verhalten, wird dann automatisch ausgeführt. Als unmittelbarem Vorteil stehen uns damit mehr kognitive Ressourcen zur Verfügung, um andere Aufgaben erledigen zu können, und wir können auch bei Ablenkung fokussiert bleiben. Da man des Weiteren davon ausgeht, dass Implementation Intentions, sind sie erst einmal benannt, unbewusst ablaufen, spricht man bei diesem Prozess von einer sog. strategischen Automatisierung.

Trotzdem ist natürlich die Stärke des getroffenen Commitments, sowohl in Hinsicht auf den Plan wie auch das Ziel selbst, entscheidend für die Wirkungsweise der Implementation Intentions. Ohne entsprechendes Commitment können sie nur schwer zu einer Unterstützung des zielgerichteten Verhaltens beitragen.

Laut dem Modell der Handlungsphasen, auch Rubikonmodell genannt [4][5], erweist sich der Nutzen der Implementation Intentions in der sog. Planungsphase (Implemental mindset; Volition ist hier die treibende Kraft der Handlung), welche der Abwägephase folgt (Deliberative mindset; Motivation als treibende Kraft zur Zielsetzung). In der Planungsphase ist die Person bereits ein Commitment mit dem zu erreichenden Ziel eingegangen, weswegen hier die Implementation Intentions eine gute Strategie darstellen können, dieses Ziel auch wirklich zu erreichen.

Studien[Bearbeiten]

Bisher hat sich die Forschung im Bezug auf Implementation Intentions vor allem der Initiierung von Zielstreben (goal striving) gewidmet[6], während das Problem der Abschirmung dieses Zielstrebens, sowie mögliche Anwendungen im Kontext der Emotionsregulierung, weitestgehend vernachlässigt wurden.

Implementation Intentions und die Zielabschirmung (goal shielding)[Bearbeiten]

In der Studie „Implementation intentions and shielding goal striving from unwanted thoughts and feelings“ von A. Achtziger, Gollwitzer und Sheeran [7] ist es das Ziel, herauszufinden, ob schädliche innere Zustände (störende Gedanken und Gefühle) durch „Wenn-dann-Pläne“ kontrolliert werden können, dass die eigentliche Zielintention (goal intention) ungestört fortgesetzt werden kann. In zwei Feldexperimenten, die sich mit dem Thema Diät (Studie 1) und mit sportlichen Zielen (Studie 2) beschäftigten, wurde die Zielabschirmung durch “Wenn-dann-Pläne“ unterstützt. Störenden inneren Zustände waren in Studie 1 der Heißhunger auf Fast Food und in Studie 2 Lampenfieber während eines Tenniswettkampfes). Die Ergebnisse in beiden Studien bestätigte die Annahme, dass die Bildung von “Wenn-dann-Plänen“, kombiniert mit einer konkreten Zielsetzung, die Rate der Zielerreichung erhöht. Wenn-dann-Pläne sind also ein wirksames Instrument zur Abschirmung übergeordnete Ziele. Sie fokussieren auf die Vermeidung von ablenkenden Lust- oder Angstgedanken sowie auf die effektive Bewältigung von kognitiven, motivationalen und emotionalen Barrieren, um ein bestimmtes Ziel möglichst gut zu erreichen

Implementation Intentions in Verbindung mit Emotionsregulierung[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 veröffentlichten Keil, Gallo, Gollwitzer, Rockstroh und McCulloch eine weitere Studie [8], welche die Effektivität von Implementation Intentions auf die Selbsregulierung von emotionalen Reaktionen untersuchte. Hierfür zeigten sie Versuchsteilnehmern ekel- bzw. furchtauslösende Stimulusfotos welche unter drei verschiedenen Anweisungen zur Selbstregulierung betrachtet wurden. Einmal die einfache Zielintention sich nicht zu ekeln oder zu fürchten (“ Ich werde mich nicht fürchten”), dieselbe Intention, dieses Mal jedoch mit einer Implementation Intention versehen (“ und wenn ich eine Spinne sehe, dann werde ich entspannt und ruhig bleiben”), sowie die Kontrollgruppe, ohne jegliche Anweisung zur Regulation. Ekel wird in der Literatur weitgehend einstimmig als eine der Basisemotionen angesehen und wurde daher ausgewählt. Furcht hingegen, auf Grund der weiten Verbreitung von Angststörungen, wie etwa Panikattacken und Phobien aller Art, die das Leben vieler Menschen alltäglich beeinflussen. Die Teilnehmer wurden angehalten, die Intensität der erlebten Emotionen zu beurteilen, indem sie die gefühlte Aufregung auf einer Skala bewerten sollten. Nur den Teilnehmern in der Implementation Intentions Gruppe gelang es, ihre Reaktionen zu beherrschen bzw. ihren Ekel und ihre Furcht erfolgreich zu reduzieren, was nahelegt, dass Implementation Intentions eine sehr nützliche Strategie darstellen können, wenn es darum geht Emotionen erfolgreich selbst zu regulieren.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Forschung hat gezeigt, dass allgemeine Zielintentionen (z. B. "Ich bin der festen Absicht, X zu erreichen") nur 20-30 % der Varianz der Verhaltensänderung erklären. Immerhin stellt das Verhalten in der Vergangenheit immer noch ein besserer Prädiktor für das zukünftige Verhalten des Menschen hinsichtlich seiner Zielintentionen dar [9]. Verschiedene Variablen bestimmen den Erfolg der Zielerreichung. Zum Beispiel kommt es bei der Ausarbeitung von Zielvereinbarungen darauf an, ob das Ziel in einer anspruchsvollen, besonderen Art und Weise formuliert wurde, und somit erfolgreicher sein wird oder ob es ein anspruchsvolles, aber vage formuliertes Ziel ist, was weniger erfolgreich sein wird [10].

Literatur[Bearbeiten]

  • Powers, T. A., Koestner, R.,& Topciu, R. A. (2005). Implementation Intentions, Perfectionism, and Goal Progress: Perhaps the Road to Hell Is Paved With Good Intentions. Personality and Social Psychology Bulletin 31 (7): 902–912, doi:10.1177/0146167204272311
  • Good intentions, bad habits, and effects of forming implementation intentions on healthy eating. Verplanken, Bas; Faes, Suzanne European Journal of Social Psychology, Vol 29(5-6), Aug-Sep 1999, 591-604. doi: 10.1002/(SICI)1099-0992(199908/09)29:5/6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. für eine Zusammenfassung siehe Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503.
  2. z.B. Gollwitzer, P. M., & Brandstaetter, V. (1997). Implementation intentions and effective goal pursuit. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 186-199.
  3. Orbell, S., & Sheeran, P. (1998). Regulation of behaviour in pursuit of health goals: Commentary. Psychology and Health, 13, 753-758.
  4. Heckhausen, H. (1987). Motivation und Handeln. Heidelberg: Springer (2. Auflage).
  5. Gollwitzer, P. M. (1990). Action phases and mind-sets. In E. T. Higgins & R. M. Sorrentino (Eds.), The handbook of motivation and cognition: Foundations of social behavior (Vol. 2, pp. 53-92). New York: Guilford Press.
  6. Gollwitzer, P. M. (1990). Action phases and mind-sets. In E. T. Higgins & R. M. Sorrentino (Eds.), The handbook of motivation and cognition: Foundations of social behavior (Vol. 2, pp. 53-92). New York: Guilford Press.
  7. Achtziger, A., Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2008). Implementation intentions and shielding goal striving from unwanted thoughts and feelings. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 381-393.
  8. Schweiger Gallo, I., Keil, A., McCulloch, K. C., Rockstroh, B., & Gollwitzer, P. M. (2009). Strategic automation of emotion regulation. Journal of Personality and Social Psychology, 96, 11-31.
  9. Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503.
  10. Locke, E. A., Latham, G. P., (1990). A theory of goal setting & task performance. In: Englewood Cliffs, NJ, US: Prentice-Hall, Inc. (1990). xviii, 413 pp.