Imre Kertész

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Imre Kertész in Szeged, 2007

Imre Kertész [ˈimrɛ ˈkɛrtes] (* 9. November 1929 in Budapest) ist ein ungarischer Schriftsteller jüdischer Abstammung. Er erhielt den Nobelpreis für Literatur im Jahre 2002.

Leben[Bearbeiten]

Imre Kertész wurde am 9. November 1929 in Budapest geboren. Er stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde Kertész 1944 als Fünfzehnjähriger über Auschwitz ins Konzentrationslager Buchenwald und in dessen Außenlager Wille in Tröglitz/Rehmsdorf bei Zeitz verschleppt. Er wurde am 11. April 1945 befreit und kehrte dann nach Budapest zurück.[1] Diese einjährige, ihn bis heute prägende Zeit verarbeitete er zuerst in dem 1973 fertig gestellten Roman eines Schicksallosen.

Nach seinem Abitur 1948 fand Imre Kertész zunächst eine Anstellung als Journalist bei der Tageszeitung Világosság, die er jedoch 1951 wieder aufgeben musste, da diese zum Parteiorgan der Kommunisten erklärt wurde.

Nach seinem Militärdienst (1951–1953) ließ sich Kertész erneut in Budapest nieder und begann, als freier Schriftsteller und Übersetzer zu arbeiten. Seine Arbeit und Freiheiten als Schriftsteller wurden in seiner Heimat besonders nach dem Aufstand von 1956 durch die kommunistische Diktatur eingeschränkt. Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich zunächst mit dem Schreiben von Texten zu Musicals und kleinen Theaterstücken.

Kertész übersetzte damals auch viel, unter anderen Werke von Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Joseph Roth, Ludwig Wittgenstein und Elias Canetti, welche allesamt sein eigenes Werk entscheidend prägten.

1960 begann er mit der 13-jährigen Arbeit an dem Buch Roman eines Schicksallosen, das zu einem der bedeutendsten Werke über den Holocaust zählt. Die meisten seiner Bücher sind autobiographisch inspiriert. In den 1990er Jahren veröffentlichte er selbstdokumentarische Aufzeichnungen über die Jahre 1961 bis 1995.

Im Zusammenhang mit seinem (nicht ins Deutsche übersetzten) Theaterstück Csacsifogat aus den 1950er Jahren sind gegen ihn 2002 von dem Autor und Dissidenten Pál Bán Plagiatvorwürfe erhoben worden. Diesen widerspricht Kertész.

Am 29. Januar 2007 war Imre Kertész Gastredner im Deutschen Bundestag anlässlich des offiziellen Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Er las im Rahmen der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus aus seinem Buch Kaddisch für ein nicht geborenes Kind.[2]

Imre Kertész ist in zweiter Ehe verheiratet. Er lebte in Jahren 2000 bis 2012 in Berlin. Im November 2012 ist er nach Buda gezogen.[3][4] Kertész hat sich wiederholt kritisch zur allgemeinen Lage in Ungarn geäußert.[5][6] In November 2012 wurde das Imre-Kertész-Archiv in der Akademie der Künste in Berlin präsentiert. Imre Kertész soll an der Parkinson-Krankheit leiden.[7]

Werke[Bearbeiten]

Prosawerke[Bearbeiten]

Tetralogie der Schicksallosigkeit[Bearbeiten]

Der Roman eines Schicksallosen bildet zusammen mit den Bänden Fiasko, Kaddisch für ein nicht geborenes Kind und Liquidation eine „Tetralogie der Schicksallosigkeit“.

Roman eines Schicksallosen[Bearbeiten]

1975 publizierte Kertész seinen ersten Roman Sorstalanság (‚Schicksallosigkeit‘) (dt. Mensch ohne Schicksal, 1990; Neuübersetzung Roman eines Schicksallosen, 1996), der auf seinen Erfahrungen von Auschwitz und Buchenwald aufbaut. Das Buch wurde nach seiner Veröffentlichung in einem staatlichen Verlag in Ungarn zunächst totgeschwiegen. Erst 1985 brachte ihm die Neuauflage in einem liberaleren politischen Klima die gebührende literarische Anerkennung.

Kertész hat selbst gesagt: „Denke ich an einen neuen Roman, denke ich immer an Auschwitz.“ Dies bedeutet dennoch nicht, dass Sorstalanság etwa autobiographisch im einfachen Sinn des Wortes ist. Kertész äußert dazu, dass er eine autobiographische Romanform verwende, aber keinen autobiographischen Roman geschrieben habe.

Das Buch wurde 2005 von Lajos Koltai unter dem Titel Fateless – Roman eines Schicksallosen verfilmt.

Fiasko und Kaddisch für ein nicht geborenes Kind[Bearbeiten]

Die Erfahrung der Ablehnung von Sorstalanság hat Kertész in A kudarc, 1988 (dt. Fiasko, 2000), geschildert. Hier zeichnet Kertész die schwierige Entstehungsgeschichte seines Romanerstlings und die Existenz eines Schriftstellers unter den Bedingungen einer Diktatur nach.

Dieser Roman wird als zweiter Teil der Tetralogie angesehen, deren dritter Teil Kaddis a meg nem született gyermekért, 1990 (dt. Kaddisch für ein nicht geborenes Kind, 1992) ist. In dem Roman geht es um die bleibenden Folgen der Schoa, um das Überleben nach Auschwitz. Kaddisch ist der Titel eines Gebets, das die Juden für ihre Toten sprechen. In Kaddis a meg nem született gyermekért taucht die Hauptgestalt György Köves aus Sorstalanság und A kudarc wieder auf. In Form seines Kaddisch gibt das Buch den Monolog eines Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden wieder, der nach Auschwitz kein neues Leben mehr in eine Welt setzen will, die die Existenz von Auschwitz zugelassen hat.

Liquidation[Bearbeiten]

Den vierten Teil der „Tetralogie der Schicksallosigkeit“ bildet das Werk Felszámolás, 2003 (dt. Liquidation, 2003). Darin wird ein Theaterstück, das ein Freund vor seinem Selbstmord geschrieben hat, für einen Budapester Intellektuellen „zum Gegenstand obsessiven Gedenkens und Erinnerns“[8] an den in Auschwitz geborenen Freund und an sein eigenes Leben.

„Es geht um Auschwitz und nicht um romantische Ironie. Es geht nicht um die heitere Unendlichkeit sich unablässig spiegelnder Fiktionen. Es geht um Tod, Mord, Selbstmord und Liquidation. Held B. ist im Jahr 1944 in Auschwitz geboren und im Stalinismus groß geworden. Er hat, wie Kertész, das eine Lager mit dem anderen vertauscht. Doch anders als Kertész erträgt er die im Jahr 1990 anbrechende Freiheit nicht. Denn eine Freiheit ohne Mauern ist, genau genommen, keine Freiheit, sondern ein Zustand. Ein Zustand, an den man sich gewöhnen kann. An den er sich nicht gewöhnen wollte. Er war, heißt es an einer Stelle, ein Schriftgelehrter. Es ist dieser Glaube an die Schrift als die einzige Wahrheit, der diesem Werk über alle Beschwernisse hinweg große Würde verleiht. Es ist ein Schriftglaube, wie man ihn aus den großen Kunstreligionen, aus den Schriften der Buchheiligen Stéphane Mallarmé, Gustave Flaubert oder Edmond Jabès – ihren Träumen von einem absoluten Buch über Nichts – zu kennen meint. Aber das täuscht. Mit der poetischen Kabbala der vorletzten Jahrhundertwende hat dieser Schriftglaube nichts zu tun. Sein Ursprung liegt nicht im Salon, sondern im KZ. Seine Voraussetzung ist nicht Manierismus, sondern Zerstörung.[9]

Iris Radisch, © Die Zeit, 2003

Erzählungen, Essays[Bearbeiten]

Kertész verfasste auch Erzählungen, Essays und Kurzromane. Darunter ist der 1977 in Ungarn erschienene Band A nyomkereső (dt. Der Spurensucher, 1999). In der Titelgeschichte tritt der aus seinem Erstlingsroman bekannte Protagonist dreißig Jahre nach seiner Deportation nach Auschwitz-Birkenau diese Reise noch einmal an. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt dazu: „Der Sucher geht der grauenvollen Vergangenheit nach, die er jedoch vergebens heraufzubeschwören versucht. Nichts ist gleich geblieben, das Erlebnis ist verkümmert; ja sogar der Besucher muss feststellen, dass die Vergangenheit auch in ihm zu Schweigen geworden ist.“[10] Der zweite Kurzroman dieses Bandes ist in Südamerika angesiedelt und schildert den Mechanismus des Terrors aus dem Blickwinkel eines Mitglieds der politischen Polizei.
1991 erschien ein Band mit essayistischer Prosa Az angol lobogó (dt. Die englische Flagge, 1999).

Autobiographische Werke[Bearbeiten]

Galeerentagebuch[Bearbeiten]

1992 veröffentlichte Kertész das Gályanapló (dt. Galeerentagebuch, 1993). In dieser „Galeerenarbeit der Selbstdokumentation“ geht Kertész Fragen nach der Determiniertheit und Freiheit des Individuums sowie der verlorenen Möglichkeit seiner Entfaltung in einer totalitären Welt nach. Das Werk ist ein Tagebuch in belletristischer Form. Es umspannt die Jahre 1961–1991 als eine Sammlung von Beobachtungen, Aphorismen und philosophischen Exkursionen aus dreißig Jahren. Das Werk spielt sich in inneren Dialogen mit Nietzsche, Freud, Camus, Adorno, mit Musil, Samuel Beckett und Kafka ab. Kertész versucht Holocaust, Modernität, Totalitarismus und Freiheit zu Ende zu denken.

Ich – ein anderer[Bearbeiten]

„Meine einzige Identität ist die des Schreibens“, bekennt Kertész in Valaki más. A változás krónikája, 1997 (dt. Ich – ein anderer, 1998). Dieses Werk ist ein Art Fortsetzungsband zum Galeerentagebuch, der die Jahre 1991 bis 1995 umfasst, in denen sich das Leben Kertész' grundlegend verändert hatte: Aus dem Gefängnisleben war ein rastloses Nomadenleben mit Lesereisen durch viele Länder geworden, an dem er Gefallen fand, das ihn andererseits in der ständigen Zerstreuung auch bedrückte. Kertész sah sich genötigt, seine Identität neu zu definieren.

Ich – ein anderer ist eine Reise durch verschiedene Städte, Lebensphasen und durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Budapest, Berlin, Wien, Leipzig, München, Tel Aviv – alles Orte, die der Erzähler in seinen Reisen aufsucht, auf Lesetour, für einen Vortrag, um einen Preis entgegenzunehmen. Kertész legte 1997 mit diesem Buch einen Roman vor, der mehr noch als seine bisherigen Werke wie Roman eines Schicksalslosen oder Galeerentagebuch mit Autobiographischem verwoben ist oder sogar autobiographisch ist.

Gleichzeitig ist Ich – ein anderer auch das Zeugnis einer existenziellen Krise zwischen „Leben und Tod“, die der Erzähler, der seine Identität als „sich selbst schreibende Identität“ definiert, durchlebt: „Mein Körper strebt Richtung Tod, mein Kopf dreht sich zum Leben um, mein Fuß holt unschlüssig zu einem Schritt aus. Einem Schritt wohin? Egal. Denn wer den Schritt tut, bin schon nicht mehr ich. Das ist ein anderer.“

Dossier K.[Bearbeiten]

Eine Art autobiographischen Kreuzverhörs präsentierte der Autor 2006 mit dem Titel K. dosszié (dt. Dossier K.: eine Ermittlung, 2006). In einem monatelangen Dialog, den sein Freund Zoltan Hafner aufzeichnete, war die Idee einer Selbstbefragung geboren worden, in der sich das autobiographische Ich mit seinem eigenen eloquenten Kritiker auseinandersetzt. In einem Interview sagte Kertész der Stuttgarter Zeitung über sein Lebenstrauma und die Rolle des Schreibens:

„Wenn ich im Konzentrationslager überleben will, muss ich seiner Logik folgen. Diese willentliche oder nicht willentliche Kollaboration ist die größte Schande des Überlebenden, er kann sie nicht eingestehen. Der Schriftsteller kann es. Denn die Literatur besitzt eine besondere Aufrichtigkeit.[11]

Imre Kertész, (Stuttgart, 2006)

Viel mehr als seine Person – angesichts der Erfahrung von Auschwitz eine unsichere Größe – rückte Kertész sein Werk in den Vordergrund: „Sein Selbstverhör zieht die ästhetische Konsequenz dieser Erfahrung“, kommentierte „die tageszeitung“ und stellte weiter fest, Kertész habe nicht den Anspruch, „eine moralische Instanz zu sein. Eben deshalb ist er es.“[12]

Künstlerisches Selbstverständnis[Bearbeiten]

Gedenktafel Markt 19 (Weimar) Imre Kertész

Poetologie[Bearbeiten]

Traditionslinien[Bearbeiten]

In seinem Tagebuch Letzte Einkehr betont Kertész, er gehöre nicht zur ungarischen Literatur, in Wirklichkeit gehöre er „zu jener in Osteuropa in Erscheinung getretenen jüdischen Literatur, die in der Monarchie und dann in den Nachfolgestaaten hauptsächlich auf Deutsch, aber nie in der Sprache der jeweiligen nationalen Umgebung geschrieben wurde und nie Teil der nationalen Literatur“ gewesen sei. Er setze die Linie fort, die von Franz Kafka und Paul Celan gezogen sei. Selbst wenn seine ins Deutsche übersetzten Werke nur „ein Schattenbild des Originals“ sein könnten, gehöre er letztlich zu jener Literatur, die von der Ausrottung der europäischen Juden erzähle. Die deutsche Sprache, in die seine Werke übersetzt sind, könne zwar nie Muttersprache sein, sondern „nur zeitweilige Herberge, vorübergehender Unterschlupf für die Obdachlosen“.[13]

Die Darstellbarkeit von Auschwitz[Bearbeiten]

Laut Cornelius Hell ist Imre Kertész einer der großen künstlerischen und denkerischen Deuter der Gegenwart, die er beharrlich als Welt nach Auschwitz literarisch gestalte und denkerisch auslote.[14] Seine poetologischen Reflexionen gelten der Darstellbarkeit von Auschwitz, der Bedeutung von Auschwitz für die europäische Kultur und Werteordnung und der Rolle seines Judentums nach der Shoah.

Für Kertész kann einzig die Kunst, „einzig die ästhetische Einbildungskraft“, eine wahrhafte Vorstellung von Auschwitz vermitteln.[15] Weder realistische Bilder der KZ-Gräuel noch massenwirksame filmische Adaptionen des Stoffes wie die in Steven Spielbergs Film Schindlers Liste können dieser Aufgabe gerecht werden.[16] László F. Földényi erläutert in seinem Imre-Kertész-Wörterbuch diese ästhetische Position des Schriftstellers, die er unablässig in Tagebucheinträgen, Essays und Reden umkreist: Sie bedeute die Verwandlung der unbeschreiblichen, das heißt prä-ästhetischen Erlebnisse, in beschreibbare, das heißt ästhetische, ohne den gestalteten Ereignissen durch die Ästhetik Gewalt anzutun. Das heiße auch, dass die ästhetische Form den Rohstoff spiegeln müsse, der jeder Gestaltung vorausgeht. Diese sei keine rein ästhetische Schöpfung, sondern als poetisches Zeugnis ein „neues ethisches Gebot“.[17] Mit den Worten von Kertész ist die durch die ästhetische Einbildungskraft gewonnene Vorstellung „nicht mehr allein der Holocaust, sondern die sich im Weltbewußtsein widerspiegelnde ethische Konsequenz des Holocaust […].“[18]

Atonales Schreiben[Bearbeiten]
Arnold Schoenberg (um 1948)
Theodor W. Adorno (1964)

Paul Celan,Tadeusz Borowski und Jean Améry sind für Kertész Zeugen des literarischen Sprechens, das er „Nach-Auschwitz-Sprache“ nennt. Er bezeichnet diese mit einem Fachwort aus der Musik Arnold Schönbergs als „atonale Sprache“. Földényi fasst die poetologischen Grundsätze Kertész‘ in der Sentenz zusammen: „Nach Auschwitz läßt sich nur noch in einer atonalen Sprache authentisch schreiben“.[19] Die Sentenz ist das Ergebnis des Widerspruchs zu dem zum „Gemeinplatz“ verkommenen[20] Verdikt Adornos: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Andererseits gewann Kertész die musikästhetischen Grundlagen für sein Schreiben aus Adornos Schriften: Durch die Lektüre Adornos sehe er, dass die Technik seines Romans eines Schicksallosen „der Zwölfton-bzw. Reihentechnik, also einer integralen Kompositionsmethode“ folge.[21] Nach Dietmar Ebert entspricht die Multiperspektivität in diesem Roman der Atonalität in der Musik. Die Sprache in diesem Gegenentwurf zum klassischen Bildungsroman sei durchsetzt von Situationsbeschreibungen, fotografischen Ansichten, filmischen Sequenzen und surreal wirkenden Bildern. Die Sprache des erzählenden Jungen sei sowohl klar und folgerichtig als auch irritierend und befremdend. Wie in den Sinfonien Gustav Mahlers aus großen sinfonischen Stürmen unmittelbar elegisch-schöne Passagen ertönten, tauchten in der Prosa Kertesz‘ unvermittelt Sätze von sprachlicher Schönheit auf. So werde die Verbindung zwischen der Kompositionsmethode Gustav Mahlers und Imre Kertesz‘ deutlich: In einer von Tod und Katastrophen geprägten Welt suchten sie – mit den Worten Adornos gesprochen – nach „unerlaubtem Glück“.[22] Der nach Földényi skandalöse und nur schwer zu verstehende Schlusssatz des Romans eines Schicksallosen vom „Glück in Auschwitz“in der Pause zwischen den Qualen[23] wird unter dem Aspekt des atonalen Schreibens „als Schlussakkord jener Provokation“ verstanden, mit der Kertész die „erwarteten Darstellungsmuster des Holocaust durchbrochen hat“.[24]

In deutscher Übersetzung erschienene Werke[Bearbeiten]

  • Mensch ohne Schicksal. (Orig.: Sorstalanság.) übersetzt von Jörg Buschmann. Rütten und Loening, Berlin 1990, ISBN 3-352-00341-6.
  • Kaddisch für ein nicht geborenes Kind. (Orig.: Kaddis a meg nem született gyermekért.) übersetzt von György Buda und Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1992, ISBN 3-499-22574-3.
  • Galeerentagebuch. (Orig.: Gályanapló.) übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1993, ISBN 3-499-22158-6.
  • mit Péter Esterházy: Eine Geschichte. Zwei Geschichten. übersetzt von Kristin Schwamm und Hans Skirecki. Berlin Verlag, Berlin 1994. Neuausgabe: mit Péter Esterházy und Ingo Schulze: Eine, zwei, noch eine Geschichte/n. Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-442-76202-6.
  • Eine Zurückweisung. Buch und CD zum Brandenburgischen Literaturpreis 1995. Brandenburgisches Literaturbüro, Vacat, Potsdam 1995, ISBN 3-930752-07-7.
  • Roman eines Schicksallosen. (Orig.: Sorstalanság.) neu übersetzt von Christina Viragh. Rowohlt, Berlin 1996, ISBN 3-499-22576-X.
  • Ich – ein anderer. (Orig.: Valaki más.) übersetzt von Ilma Rakusa. Rowohlt, Berlin 1998, ISBN 3-87134-334-X.
  • Die englische Flagge. Erzählungen, übersetzt von György Buda und Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-498-03518-5.
  • Eine Gedankenlänge Stille, während das Erschießungskommando neu lädt. Essays, übersetzt von György Buda unter anderen. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • Fiasko. (Orig.: A kudarc.) übersetzt von György Buda u. Agnes Relle. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • „Heureka!“. Rede zum Nobelpreis 2002. übersetzt von Kristin Schwamm. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-518-06702-8.
  • Der Spurensucher. Erzählung (Orig.: A nyomkeresö). übersetzt von György Buda. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-518-22357-7.
  • Schritt für Schritt. Drehbuch zum „Roman eines Schicksallosen“, übersetzt von Erich Berger. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-518-12292-4.
  • Liquidation. (Orig.: Felszámolás.) übersetzt von Laszló Kornitzer u. Ingrid Krüger. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-518-41493-3.
  • Detektivgeschichte. (Orig.: Detektivtörténet.) übersetzt von Angelika und Péter Máté. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2004, ISBN 3-498-03525-8.
  • Protokoll. Erzählung, mit Zeichnungen von Kurt Löb, übersetzt von Kristin Schwamm. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dosszié.) übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4.
  • Heureka! Gespräche und eine Rede. Radierungen von Susanne Thuemer. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2006, ISBN 3-85165-654-7.
  • Man musste durch die Hölle gehen. In: Martin Doerry (Hrsg.): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. DVA, München 2006, ISBN 3-421-04207-1, S. 152–159. (auch als CD)
  • Opfer und Henker. Erzählungen, übersetzt von Christian Polzin, Ilma Rakusa, Agnes Relle und anderen. Transit, Berlin 2007, ISBN 978-3-88747-220-7.
  • Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Übersetzung Kristin Schwamm. Rowohlt Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-498-03562-4.
Briefe
  • Briefe an Eva Haldimann. übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2009, ISBN 978-3-498-03545-7.

Preise und Ehrungen[Bearbeiten]

Imre Kertész in Szeged, Ungarn 2007

Internationale Preise[Bearbeiten]

Kertész wurde 1995 mit dem Brandenburgischen Literaturpreis, 1997 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, dem Jeanette Schocken Preis der Stadt Bremerhaven, dem Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2000 mit dem Herder-Preis, dem WELT-Literaturpreis und dem Pour le mérite für Wissenschaft und Künste ausgezeichnet. Im Jahre 2001 erhielt er die Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis und den Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung. Im Jahre 2002 wurde er mit dem Hans-Sahl-Preis und 2004 mit der Goethe-Medaille aus Weimar sowie dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. Für sein schriftstellerisches Gesamtwerk wurde Imre Kertész im Jahre 2002 als erster und bislang einziger ungarischsprachiger Autor mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.[25] Seit 2003 ist Kertész Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, Sektion Literatur. 2006 erhielt er die Ernst-Reuter-Plakette Berlins und den Wingate Literary Prize. Seit 2005 ist er Ehrendoktor der Freien Universität Berlin. Am 8. November 2006 fand in der Berliner Nikolaikirche die Ehrung des ungarischen Literaturnobelpreisträgers mit dem Preis für Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung 2006 der Deutschen Gesellschaft (1990) statt. Die Deutsche Gesellschaft würdigte damit einen Autor, dessen literarisches Lebenswerk exemplarisch für die Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts steht. „Völkerverständigung durch Aufklärung, das ist es, was wir Imre Kertész verdanken.“ (Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts und Laudatorin des Preisträgers). 2007 erhielt Imre Kertész den Marion-Samuel-Preis der Augsburger Stiftung Erinnerung, 2009 den Jean-Améry-Preis. Im Jahre 2008 ist Kertész Imre in Berlin mit dem „Preis für Verständigung und Toleranz“ geehrt worden. Im Oktober 2010 hat die Friedrich-Schiller-Universität Jena das Imre Kertész Kolleg. Europas Osten im 20. Jahrhundert. Historische Erfahrungen im Vergleich eingerichtet.[26] 2013 erhielt Kertész für sein publizistisches Gesamtwerk den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch des Jahres 2012.

Preise in Ungarn[Bearbeiten]

  • 1983: Milán Füst-Prämie
  • 1986: Forintos-Preis für Übersetzer
  • 1988: Artisjus Literarischer Preis
  • 1989: Attila József-Preis
  • 1989: Tibor Déry-Prämie
  • 1989: Aszu-Preis
  • 1990: Prämie für das Buch des Jahres
  • 1990: Örley-Preis
  • 1992: Soros-Preis, für das Lebenswerk
  • 1995: Preis der Soros-Stiftung
  • 1996: Sándor Márai-Preis
  • 1997: Kossuth-Preis
  • 1997: Großer Preis von Budapest
  • 2003: Großkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn
  • 2007: Verleihung des Titels „Kulturgesandter Ungarns“ vom ungarischen Kulturminister

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Philipp Reemtsma: Überleben als erzwungenes Einverständnis. Gedanken bei der Lektüre von Imre Kertész' „Roman eines Schicksallosen“. Vortrag, 1999. In: Jan Philipp Reemtsma: Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug. Unzeitgemäßes über Krieg und Tod. (= Beck'sche Reihe 1508). C. H. Beck, München 2003, S. 220–249.
  • Mihály Szegedy-Maszak und Tamás Scheibner (Hrsg.): Der lange, dunkle Schatten: Studien zum Werk von Imre Kertész. Passagen, Wien 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Zsuzsa Selyem: Der Roman, in dem “die Neunte Symphonie zurückgenommen worden sei”. Über die Funktion der Rücknahme in den Romanen “Liquidation” von Imre Kertész bzw. Doktor Faustus von Thomas Mann. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften, 1/2006, S. 63–81.
  • László F. Földényi und Akos Doma: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-02122-1.
  • Adam Zagajewski: Über die Treue. Imre Kertész' geduldige Arbeit am Mythos des Romans. In: Sinn und Form 6/2009, S. 751–756.
  • Daniel Kehlmann: Schicksallosigkeit. Rede auf Imre Kertész. In: Sinn und Form 1/2010, S. 135–138.
  • Dietmar Ebert (Hrsg.): Das Glück des atonalen Erzählens. Studien zu Imre Kertész. Edition Azur, Dresden 2010, ISBN 978-3-942375-01-6.
  • Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. Universitätsverlag Potsdam, 2010, ISBN 978-3-86956-086-1.[27]

Interviews[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Imre Kertész: Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dosszié.), übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4, S. 96–97.
  2. Informationsseite des Deutschen Bundestages über Kertész. 29. Januar 2007, abgerufen am 24. Februar 2011.
  3. Imre Kertész: Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dosszié.), übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4, S. 258.
  4. Ich war ein Holocaust Clown. Gespräch mit Iris Radisch. In: Die Zeit. 38/2013, S. 47. (online auf: zeit.de)
  5. Ich schreibe keine Holocaust-Literatur, ich schreibe Romane. In „Die Welt“ online, 7. November 2009, abgerufen am 23. Februar 2011.
  6. Meghamisították Kertész szavait / Die Worte von Kertész sind verfälscht worden. auf: Duna TV. online, 9. November 2009, 19:03
  7. Der Spiegel, Nr. 46/2012, S. 148.
  8. taz, 8. Oktober 2003.
  9. Iris Radisch: Der Mensch muss seine Seele retten. In Die Zeit Nr. 42/2003, 9. Oktober 2003.
  10. NZZ, 2. Dezember 1977.
  11. Stuttgarter Zeitung, 14. Oktober 2006.
  12. taz, 20. September 2006.
  13. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. S. 52, Eintrag vom 4. Juni 2001.
  14. Cornelius Hell: Imre Kertész – Das Leben im Werk. Zum 80. Geburtstag am 9. November 2009. In: Orientierung, Nummer 22, 73. Jahrgang, Zürich, 30. November 2009, S. 238–42, S. 238.
  15. Imre Kertész: Lange, dunkle Schatten. In: Ders.:Die exilierte Sprache. Essays und Reden. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, S. 53–60, S. 54.
  16. Imre Kertész: Wem gehört Auschwitz? Zu Roberto Benignis Film Das Leben ist schön. In: Ders.:Die exilierte Sprache. Essays und Reden. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, S. 147–155, S. 151
  17. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, Stichwort „Stinkbombe“, S. 286–294, S 292–293.
  18. Imre Kertesz: Lange, dunkle Schatten, S. 54.
  19. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch, Stichwort Atonalität, S. 27 – 34, S. 32.
  20. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch, Stichwort Stinkbombe, S. 286 – 294, S. 288
  21. Imre Kertész: Galeerentagebuch, Eintrag vom 26. Dezember 1970, S. 26
  22. Dietmar Ebert: Atonales Erzählen im Roman eines Schicksallosen. Vom Finden einer Romanform, um „Auschwitz“ schreibend zu überleben. In: Ders.: Das Glück des Atonalen Erzählens, S. 111 – 131, S. 130 – 131.
  23. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch, Stichwort Glück, S.125 –127
  24. Cornelius Hell: Provokationen des Glücks. Das Echo von Albert Camus im Werk von Imre Kertész. In: Josef Bruhin und andere: Misere und Rettung. Beiträge zu Politik und Kultur. Nikolaus Klein zu Ehren. Edition Exodus, Luzern 2007, ISBN 978-3-905577-17-4, S. 328 – 337, S. 328.
  25. Nobelvorlesung von Kertesz anlässlich der Preisverleihung (dt. Übersetzung)
  26. Info der Uni Jena zum Imre Kertész Kolleg. Das Kolleg unter der Leitung von Prof. Włodzimierz Borodziej und Prof. Joachim von Puttkamer wurde im Oktober 2010 als neuntes Käte Hamburger Kolleg des BMBF (Bundesministeriums für Bildung und Forschung) gegründet.
  27. Volltext (PDF-Datei; 3.7 MB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Imre Kertész – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien