In effigie

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In-effigie-Hinrichtung der Mitglieder der Konföderation von Targowica. Gemälde von Jean-Pierre Norblin de La Gourdaine

In effigie ist ein lateinischer Ausdruck, der im oder als Bildnis bedeutet.

Diese Wendung wurde in der Rechtsgeschichte in folgendem Sinne gebraucht: Hinrichtungen, bei denen der Täter flüchtig war, wurden symbolisch an dessen Bildnis durchgeführt. In effigie gehängt oder verbrannt zu werden war eine urteilsmäßige Exekution, bei der das Bildnis des abwesenden Verbrechers stellvertretend an den Galgen gehängt, öffentlich verbrannt oder geköpft wurde. Üblich waren auch Beisetzungen hoher Persönlichkeiten in effigie, um Zeit für Vorbereitung und Durchführung aufwändiger Beerdigungsfeierlichkeiten zu gewinnen. Teilweise wurde für die Gestaltung der Puppe das Positiv aus einer dazu genommenen Totenmaske verwendet.

Beispielsweise wurde der ungarische Revolutionär Lajos Kossuth am 22. September 1851 in Pest in effigie hingerichtet, da das Kaisertum Österreich seiner nicht habhaft werden konnte. Tatsächlich starb er erst 1894 im italienischen Exil. Kurioserweise gibt es im Deutschen Biographischen Archiv einen Eintrag, der als Kossuths Sterbejahr 1851 angibt.

Literarisch tritt der Ausdruck prominent und in der Bedeutung verschoben als Hochzeit in effigie in Georg Büchners Leonce und Lena auf, mit vermeintlichen Automaten als Brautpaar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Belting: Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. München 2004, ISBN 3406377688, S. 515